Innsbruck: Bürgerinitiative für die Erhaltung eines unersetzlichen Denkmals

Eines der letzten im Originalzustand erhaltenen und leuchtenden Zeugnisse der Panoramakunst des 19. Jahrhunderts, das 1896 von Zeno Diemer, Franz Burger u.a. gemalte, 1000 m² große Innsbrucker Riesenrundgemälde, „Die Schlacht am Bergisel“ ist in höchstem Maße gefährdet. Es soll seinem angestammten Platz entrissen und in ein neues noch zu bauendes, teilweise unterirdisches Museum übersiedelt werden.

Man kann sich vorzustellen, wie gefährlich allein schon die Abnahme, dann der Transport und die Wiederaufhängung einer so riesigen Leinwand für dieses seltene Denkmal sein kann – da mögen noch so fundierte Expertenmeinungen für die Übersiedlung aufgefahren werden.

Auch besitzt dieses gewaltige, weltweit bekannte Leinwandbild durch seinen singulären Charakter besondere kulturhistorische Bedeutung. Es steht seit 1974 als Einheit von Gemälde und Gebäude unter Denkmalschutz und ist mit drei anderen Panoramen weltweit das letzte nahezu im Originalzustand in seiner Orginalrotunde erhaltene Panorama. Der helle, sonnige Rundbau am Rennweg wurde 1907 eigens für das Gemälde nach dem klassischen seit dem 18. Jahrhundert patentierten Panoramamuster errichtet und ermöglicht eine optimale Tageslichtführung von oben.

Die Tiroler Landesregierung will das Gemälde seinem angestammten Platz entreißen und hat hierfür die Genehmigung des Bundesdenkmalamtes beantragt. Dieses hat sich am 7. November d. J. in einem neuerlichen Bescheid gegen die Trennung von Gemälde und Rotunde ausgesprochen.

Gegen diesen Bescheid hat der Landeshauptmann von Tirol nun bei Bundesministerin Dr. Claudia Schmied Berufung eingelegt und behauptet, er habe das Wort der Ministerin, dass sie die Translozierung genehmigen werde, was von der Ministerin dementiert wurde. Der Beschluss der Ministerin wird für Ende des Jahres erwartet.

Der Verein FÜR UNSER PANORAMA setzt sich seit einem Jahr mit einer Bürgerinitiative für die Erhaltung der Einheit dieses seltenen Denkmals ein. Er wird dabei von allen führenden internationalen Denkmalschutzorganisationen unterstützt.

Mehr Informationen und die Möglichkeit, durch Unterstützungserklärungen oder Unterschrift die dringende Petition dieser Bürgerinitiative zu unterstützen unter www.innsbruck-panorama.eu

Verein FÜR UNSER PANORAMA
Fr. Dr. R. Gautron
Mobil: 0650/ 366 088 1
e-mail:

Revi-Fonds Steiermark: Initiative Denkmalschutz fordert Beibehaltung direkter Fördermittel

 

Revitalisierungsfonds für Kulturdenkmäler essentiell wichtig. – Initiative Denkmalschutz fordert die Beibehaltung der direkten Fördermittel

Der Verein ‚Initiative Denkmalschutz’ fordert die verantwortlichen Landespolitiker eindringlich auf, den steirischen Revitalisierungsfonds nicht zu kürzen.

Es ist erfreulich, dass die Darlehen, die bis vor kurzem ebenso gefährdet waren, jetzt wieder zugesichert wurden. Doch auch die direkten Fördermittel müssen in Hinkunft gesichert sein. Wir fordern daher Landesrat Seitinger auf, auch diese Förder(ungs)mittel, wie in der Vergangenheit geschehen, in Zukunft zur Verfügung zu stellen. Insbesondere für die vielen privaten Eigentümer von Denkmalen, die auf kein Vermögen zurückgreifen können und regelmäßig einen hohen Anteil ihrer Freizeit für den Erhalt von Kulturgut des Landes investieren, sind die direkten Fördermittel des Revitalisierungsfonds unverzichtbar!

Markus Landerer
Verein ‚Initiative Denkmalschutz’
Mobil: 0699 1024 4216

Presseaussendung, 6. Dezember 2008

Pulkau: Stadtbild in Gefahr

Pulkau im nördlichen Weinviertel ist eine versteckte Perle – davon konnten sich einige Mitglieder unseres Vereins im Rahmen einer Exkursion ins nördliche Weinviertel überzeugen. Die Kleinstadt verfügt über ein historisches Stadtbild, das bis in die jüngste Zeit kaum störende Veränderungen erfahren hat, und der Reichtum an historischer Bausubstanz würde einen flächendeckenden Ensembleschutz rechtfertigen.

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Baumwollspinnerei Teesdorf in Gefahr

Historische Industriearchitektur gehört heute zu den am meisten bedrohten Denkmälern. Im niederösterreichischen Industrieviertel, an der Wiege der österreichischen Industrialisierung, stehen noch so manche Zeugen – oder sollte man sagen: Reste – einer einst reichen Industriekultur, vieles davon steht leer und verfällt zusehends. Erst vor wenigen Wochen wurde ein Teil der weltberühmten Arbeitersiedlung Marienthal Opfer des Abrisses (vgl. IDMS-Meldung vom 21. Mai), nun scheint ein weiteres Industriedenkmal akut bedroht: die ehem. Spinnerei in Teesdorf. Das noch erhaltene Hauptgebäude der Fabrik mit seinem markanten Wasserturm wurde 1906-10 als früher Stahlbetonskelettbau nach Plänen des bedeutenden Industrieplaners Bruno Bauer errichtet. Der Bau ist nicht nur ein erstrangiges Beispiel für die Anfänge des modernen Industriebaus (und damit des modernen Bauens überhaupt) in Österreich, er ist zugleich Wahrzeichen der Gemeinde Teesdorf und letztes greifbares Zeugnis dessen über 200jähriger Tradition als Industriestandort. Im Jahr 1803 gegründet, prägte "die Fabrik" das Schicksal der Gemeinde. Darüber hinaus haben zwei Ereignisse rund um die Teesdorfer Spinnerei auch übergeordnete kulturgeschichtliche Bedeutung: 1856 kam es hier zur ersten Gründung einer Arbeiter-Konsumgenossenschaft. Und von 1906-26 war Hermann Broch, später als Literat einer der bedeutendsten Romanautoren des 20. Jahrhunderts, Assistenzdirektor (bzw. Geschäftsführer) der von seinem Vater erworbenen Fabrik.

An Hermann Broch erinnern in Teesdorf ein Denkmal und ein kleines Museum, das im Gemeindeamt untergebracht ist. Die Stätte seines Wirkens aber, die Fabrik, harrt heute einer ungewissen Zukunft. Seit die Spinnerei 1993 ihre Pforten geschlossen hat, sind die flächenmäßig größten Teile der Fabrik – darunter die ältesten Bauteile aus dem frühen 19. Jahrhundert und die Arbeiterwohnhäuser – 1997 abgerissen und neu bebaut worden. Der Eigentümer des Areals, die Linz Textil AG verkaufte großteils an Wohnbaugesellschaften, die auf dem Gelände Reihenhäuser errichteten. Das ehem. Herrenhaus, in dem die Spinnerei-Verwaltung untergebracht war, wurde erst kürzlich wenig behutsam in ein Wohnhaus umgebaut. Gleichzeitig wurde das ehem. E-Werk (Kesselhaus) der Fabrik, das zeitgleich mit dem Hauptbau errichtet wurde und mit einer bemalten Jugendstildecke (einer – lt. Gerhard A. Stadler – "bemerkenswerten Rarität") versehen war, dem Erdboden gleich gemacht. Zu befürchten steht, dass auch dem mittlerweile stark heruntergekommenen Hauptbau dieses Schicksal droht, zumal dem Vernehmen nach Teesdorf´ Bürgermeister einem Abriss nicht mehr negativ gegenüber steht. In der Vergangenheit geäußerte Absichten und Pläne, das Fabriksgebäude in die Neubebauung zu integrieren und zur Atriumwohnanlage umzubauen, scheinen ad acta gelegt. Dazu kommt, dass der Denkmalstatus des Gebäudes derzeit offenbar ungeklürt ist.

In Felixdorf wurde erst kürzlich die ebenfalls der Linz Textil gehörende Spinnerei samt ihrer historischen Bauteile abgerissen, die Teesdorfer Fabrik mit ihrer einmaligen architektonischen und historischen Bedeutung darf diesen Weg nicht gehen.

Fotos: Wolfgang Burghart (Initiative Denkmalschutz)

Rückfragehinweis:

Markus Landerer
Mobil-Tel.: 0699 / 1024 4216
Verein ‘Initiative Denkmalschutz’
Streichergasse 5/12
1030 Wien
ZVR-Nr.: 049832110

Literatur:
– König, Doris: Die Baumwollspinnerei in Teesdorf/Niederösterreich. Historische Analyse und Revitalisierung zu einem Kommunikationszentrum. Diplomarbeit (TU Wien), Wien 2000
– Gerhard A. Stadler: Das industrielle Erbe Niederösterreichs. Geschichte – Technik – Architektur. Wien 2006, S. 777-780
– Wehdorn, Manfred und Georgeacopol-Winischhofer, Ute: Baudenkmäler der Technik und Industrie, Band 1, 1984, S. 232f.
– Dehio Niederösterreich – Südlich der Donau (Hrsg. Bundesdenkmalamt), Teil 2 (M–Z), 2003, S. 2312f..

Links:
Architekt Bruno Bauer (Biographie und Werkverzeichnis)
Baumwollspinnerei Teesdorf (auf: www.abenteuer-industrie.at)

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Bad Gastein: Weltberühmtes Ortsbild vor Beeinträchtigung

Geplanter Bebauungssplan zerstört sensibles Platzgefüge im Ortszentrum

In Bälde könnte der weltberühmte Salzburger Kurort Bad Gastein, geprägt durch Steilhänge und den mächtigen Wasserfall inmitten des Ortszentrums, um einen historischen Ortsbildverlust reicher sein. Nach dem Abriss des historistischen Hotels Gasteinerhof vor zwei Jahren soll nun der Kinoplatz verbaut und seiner Platzwirkung beraubt werden. Im neuen Bebauungsplan, der schon morgen, Mittwoch, im Gemeinderat von Bad Gastein beschlossen werden soll, ist die Verbauung vorgesehen. Somit wird nicht nur der Platz als solches großteils vernichtet, sondern auch die Zerstörung des gesamten Platzensembles ermöglicht und die Sicht auf die angrenzenden mächtigen unter Denkmalschutz stehenden historistischen Hotelbauten, dem opulenten Grand Hotel de l’Europe und Weismayr verstellt. Die beiden genannten Hotels sind jedoch für das gesamte Erscheinungsbild der Kulturlandschaft Bad Gastein von herausragender Bedeutung. Der Verein „Initiative Denkmalschutz“ hat zeitgerecht seine negative Stellungnahme zur beabsichtigen Änderung des Bebauungsplanes abgegeben und fordert eindringlich auf, vom Beschluss einer solch unsensiblen und dem Ortsbild abträglichen Widmung abzusehen.

 

Presseaussendung, 27. Mai 2008

Rückfragehinweis

Markus Landerer
Verein Initiative Denkmalschutz
www.initiative-denkmalschutz.at
Streichergasse 5/12
1030 Wien

Mobil-Tel.: 0699 / 1024 4216
ZVR-Nr.: 049832110

Bevorstehendes Ende der ehem. Theresienmühle in Marienthal

Das Ensemble Arbeitersiedlung, das “herausragende sozial- und architekturgeschichtliche Bedeutung” besitzt (Zitat Dehio), soll eines seiner wichtigsten Bauwerke verlieren.

Es gilt, sich in Bälde von einem bedeutsamen Industriedenkmal zu verabschieden: der ehemaligen Theresienmühle in Gramatneusiedl-Marienthal.

Der Abbruch des großen, über die Jahre völlig heruntergekommenen Baukomplexes steht unmittelbar bevor. Wie auch eine Tafel vor dem Gebäude ankündigt, sollen hier durch die Siedlungsgenossenschaft Neunkirchen in Zusammenarbeit mit der Marktgemeinde Gramatneusiedl neue Wohnbauten errichtet werden, Baubeginn ist lt. Homepage im Juni! (www.sgn.at).

Das betreffende Mühlengebäude gehört zum Ensemble der Arbeitersiedlung Marienthal, die in erster Linie durch die berühmte soziologische Studie “Die Arbeitslosen von Marienthal” von Marie Jahoda, Paul Lazarsfeld und Hans Zeisel aus dem Jahr 1933 von Bedeutung ist (vgl. Wikipedia Eintrag). Gerade eben erschien zum 75-Jahr-Jubiläum der Studie eine umfassende Darstellung von Reinhard Müller, die alle Aspekte dieser Studie beleuchtet (Reinhard Müller: Marienthal. Das Dorf – Die Arbeitslosen – Die Studie. Studienverlag Innsbruck 2008), siehe Website über Marienthal.

Ebenso bedeutend ist Marienthal in architektonischer Hinsicht als – lt. Dehio – “bemerkenswerte, weitgehend in der biedermeierlichen Baustruktur erhaltene, frühe Arbeitersiedlung.”.

Während die langgestreckten Koloniehäuser an der Hauptstraße mit ihren charakteristischen Pawlatschen an der Rückseite einen gepflegten Eindruck machen, war das betreffende ehem. Mühlengebäude unserer Zeit keine Sanierung wert. Die ursprüngliche Mühle aus dem 17. Jahrhundert wurde später zur Flachsspinnerei Wurm & Pausinger und 1846 zum Arbeiterwohnhaus umgebaut. Als solches präsentiert es sich bis heute als herrschaftlich wirkende, dreigeschossige Anlage, die eine Art Ehrenhof bildet, wobei der Mitteltrakt durch einen Dreiecksgiebel betont wird. An der Straße schließt ein kleiner zweigeschossiger Kiosk (ehem. Konsum) mit einem interessanten Holzkastenportal die Anlage ab. Dieser soll dem Vernehmen nach zwar abgerissen, aber später nach alten Plänen wiedererrichtet (rekonstruiert) werden. Ebenso soll ein sehr kleiner Teil des rechten Seitentraktes erhalten bleiben (4 Wohneinheiten).

Zum Zeitpunkt der Berichtverfassung konnte noch nicht geklärt werden, ob das Gebäude unter Denkmalschutz steht oder jemals stand. Wir werden darüber berichten.

PS: Aktuell gefährdet scheint auch die alte Kibitzmühle, erbaut um 1800 und nach Brand 1858 wiederaufgebaut und 1920 grundlegend renoviert, ebenfalls in Gramatneusiedl gelegen. (im Dehio nicht erwähnt). Sie liegt am Kibitzbach am Ende der Kaiseraugasse im Zwickel der Bahngeleise (Kibitzmühle 1).
Foto © Reinhard Müller, Website über Marienthal

Literatur: Dehio Niederösterreich – Südlich der Donau (Hrsg. Bundesdenkmalamt), Teil 1 (A–M), 2003, S. 585ff.; Gerhard A. Stadler: Das industrielle Erbe Niederösterreichs. Wien (u.a.) 2006, S. 245

Sehen Sie dazu auch den Youtube Beitrag “Einstürzende Altbauten” über Mariental und Teesdorf / Niederösterreich.