Beiträge

Gaming (NÖ): Denkmalgeschützte ‘Alte Post’ in Kienberg vor Abriss

UPDATE (2.9.): REAKTION SEITENS EIGENTÜMER SIEHE UNTEN

Ein ehemaliges Arbeiterwohnhaus hinter dem Herrenhaus in Kienberg im Erlauftal wurde bereits abgerissen. Und die neue Erbin der “Forst- und Liegenschaftsverwaltung Kienberg” (Gemeinde Gaming) hat noch Vieles vor. Auch drei denkmalgeschützte Gebäude befinden sich jetzt in ihrem Besitz, die ehemalige Gießerei (Heinreichweg 4), der alte Kindergarten und die Alte Post. Leider wurden in den letzten Jahren alle drei Gebäude dem Verfall preisgegeben. Freude kommt bei der Erbin auf, da es ihr jetzt gelungen ist, die “Alte Post” aus dem Denkmalschutz zu entlassen. Jetzt soll das Gebäude in Bälde abgerissen werden. Vermutlich handelt es sich dabei um das alte Arbeiterwohnhaus (Heinreichweg 2). Für Hinweise, ob diese Annahme korrekt ist bzw. welche Adresse der alte Kindergarten hat, wäre unser Verein Initiative Denkmalschutz sehr dankbar. NÖN-Artikel weiterlesen: https://www.noen.at/erlauftal/bauarbeiten-kienberg-altes-gemaeuer-geht-etwas-neues-entsteht-gaming-forstgut-kienberg-teresa-outhwaite-tourismus-219793228. +++ Beschreibung Heinreichweg 2 im Dehio-Handbuch (Hrsg. Bundesdenkmalamt): “Arbeiterwohnhaus, ursprünglich Töpper’scher Werksbau, genutetes Erdgeschoß mit Korbbogeneinfahrt und Lünettenfenstern 1832, Aufstockung mit Satteldach und gezimertem seitlichem Balkongang über Gusseisenkonsolen um 1880. +++ Denkmalliste Gaming (Wikipedia): https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_denkmalgesch%C3%BCtzten_Objekte_in_Gaming

REAKTION AUF UNSEREN ARTIKEL (22.8.): “Gaming (NÖ): Denkmalgeschützte Post in Kienberg vor Abriss.”: Wir erhielten eine Stellungnahme von der neuen Eigentümervertreterin, die wir gerne – in Absprache – veröffentlichen:

Bezugnehmend auf den Artikel „Denkmalgeschützte Alte Post in Kienberg vor Abriss“ möchte ich gerne folgendes anmerken: Bei der „Alten Post“ handelt es sich um das ehemalige Arbeiterwohnhaus mit der Adresse Heinrichweg 2. Der ehemalige „Alte Kindergarten“ hat die Adresse Heinrichweg 1.

Nach dem Tod meiner Tante, Frau Lily Claire Reitlinger, im Mai vorigen Jahres habe ich die Geschäftsführung der Forst- und Liegenschaftsverwaltung Kienberg übernommen und somit auch die unter Denkmalschutz stehende Gießerei und deren Nebengebäude (eh. Post und Kindergarten – beides später Arbeiterwohnhäuser), sowie andere Häuser in Kienberg, die jedoch nicht unter Denkmalschutz stehen.

Leider befindet sich die „Alte Post“ in einem so schlechten Zustand, sodass es mir als neue Besitzerin nicht mehr möglich war dieses Gebäude instand zu setzen bzw. zu erhalten. Somit hat das Bundesdenkmalamt unter Beiziehung eines Sachverständigen des Denkmalbeirates entschieden, dass eine denkmalgerechte Instandsetzung mit Dokumentationswert nicht mehr umsetzbar und eine Denkmalwürdigkeit nicht mehr gegeben sei. Es besteht hier auch die Gefahr, dass herabstürzende Mauerteile Fußgänger oder Radfahrer (der Radweg führt direkt am Gebäude vorbei) verletzen.

Mir persönlich bedeutet es enorm viel wenigstens die beiden anderen Gebäude (Gießerei und eh. Kindergarten) zu erhalten, da es für unsere Gegend ein sehr wichtiger Teil der Geschichte ist. Eine Revitalisierung liegt uns sehr am Herzen, was allerdings riesige Investitionen und eine längere Planungsfrist bedeuten wird. Es sind schon einige Ideen für eine neue Nutzung vorhanden, jedoch ist es noch zu früh darüber zu sprechen.

Was den Abriss des ehemaligen Arbeiterwohnhauses hinter dem Herrenhaus betrifft, möchte ich dazusagen, dass dieses keinesfalls unter Denkmalschutz stand und hier bereits ein neues Haus mit Ferienwohnungen entsteht, welches sich dem Stil der umliegenden Häuser in seiner Form anpasst.

Ein weiteres Projekt ist auch bereits in der ersten Planungsphase. Wir haben vor, ein an das Herrenhaus angrenzendes Wohnhaus, Baujahr ca. Mitte 19. Jahrhundert, zu revitalisieren bevor es auch dem Verfall preisgegeben wird.

Mit allen Bauvorhaben und Plänen für die künftigen Projekte stehen wir in Kooperation mit der Gemeinde Gaming, insbesondere mit Frau Bürgermeisterin Renate Rakwetz, die uns immer sehr unterstützt um unsere Pläne auch in die Tat umzusetzen.

Unser historisches Interesse ist sehr groß und wir sind immer gerne für Gespräche bereit und für Ratschläge diesbezüglich offen.

Mit freundlichen Grüßen
Teresa Outhwaite

 

Denkmalliste NÖ, Kienberg bei Gaming

Denkmalliste des Bundesdenkmalamtes (2020), alle 5 Objekte in Kienberg bei Gaming stehen sogar per Bescheid unter Denkmalschutz, (c) Bundesdenkmalamt

Literatur:

Dehio-Handbuch Niederösterreich südlich der Donau – Teil 1, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Topographisches Denkmälerinventar, herausgegeben vom Bundesdenkmalamt, Horn – Wien 2003, Seite 506, siehe: https://bda.gv.at/publikationen/details/dehio-niederoesterreich-suedlich-der-donau-in-zwei-teilen-die-kunstdenkmaeler-oesterreichs/

Hammerbrotwerke Schwechat (NÖ): Es war Brandstiftung

Die ehem. Hammerbrotwerke in Schwechat, direkt an der Stadtgrenze zu Wien gelegen, waren ein Vorzeigebetrieb der Sozialdemokraten. 1908-09 ließen sie die heute (per Bescheid) denkmalgeschützte Brotfabrik mit Getreidemühle von den bekannten Architektenbrüdern Franz Gessner und Hubert Gessner (Otto Wagner Schüler) errichten, um selbst Brot für die Arbeiterschaft im Großraum Wien zu erzeugen und auszuliefern. Die architektonische Qualität sieht man den Gebäuden heute noch an: große Backsteinbauten in spätsecessionistischen, dekorativen Formen. Alles errichtet mit hochwertigen Materialien, innen mit Fliesen und Marmor ausgekleidet wegen der Hygiene. Am Dienstag, 23. Februar dieses Jahres gegen 4 Uhr Früh war ein Schwelbrand in der Zwischendecke des Dachstuhls des seit 1969 nicht mehr in Betrieb befindlichen Werks ausgebrochen. Fünf Stunden kämpfte die Feuerwehr gegen die Flammen. Jetzt steht die Brandursache fest: Es war Brandstiftung. Dies soll aber nicht daran hindern, die Wohnbaupläne des Eigentümers Soravia umzusetzen. Der Brand war allerdings nicht der erste am Areal in der Innerbergerstraße 28, auch kommt es – trotz Wachdienst – immer wieder zu Vandalismusschäden. Bereits 2001 war die Fabrik teilweise abgebrannt.  2011 hat der damalige Eigentümer, die Post, das Areal zum Verkauf angeboten. 2018 schlug der bekannte Immobilienentwickler Soravia zu, bereits damals präsentierte sich die altehrwürdige Industrieanlage sehr desolat: Es fehlten Dächer, Decken waren eingestürzt, Fenster waren kaputt. Als zukünftige Nutzung sind Wohnungen, Büro, Gastronomie, Gewerbe vorgesehen. Es soll “unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes” ein “Wohnbauprojekt mit entsprechendem Infrastrukturausbau und Gewerbenutzungen entstehen. Zielsetzung ist es, die historische Bausubstanz zu erhalten und zu restaurieren, neuen leistbaren Wohnraum im historischen Ambiente zu schaffen, dabei auch für kreative Impulse im Bereich Gewerbe zu sorgen und somit eine echte Landmarke für Schwechat zu realisieren”.  Jabornegg & Pálffy sind die planenden Architekten bei dem Projekt, heißt es auf der Soravia-Website. Dabei wird auch über eine Umwidmung des Areals mit der Stadt Schwechat verhandelt.

Projekt Hammerbrotfabrik (Soravia): https://www.soravia.at/project/hammerbrotwerke

Projekt Hammerbrotfabrik (Jabornegg & Pálffy Architekten): https://jabornegg-palffy.at/projekte/hammerbrotwerke

Die Hammerbrotfabrik Schwechat (Wikipedia): https://de.wikipedia.org/wiki/Hammerbrotwerke#Werk_Schwechat

Die Hammerbrotwerke (Wien Geschichte Wiki): https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Hammerbrotwerke

Fotos der Hammerbrotfabrik Schwechat von Erich J. Schimek (Initiative Denkmalschutz; März 2013): https://www.flickr.com/photos/id_ejs/sets/72157633131904994

Aktuelle Medienberichte:

28. April 2021, NÖN
Hammerbrotwerke: Es war Brandstiftung. Das Feuer im ersten Stock eines der historischen Fabriksgebäude wurde gelegt – die Ermittlungen der Polizei laufen noch. Hinweise gibt es noch keine: https://www.noen.at/schwechat/schwechat-hammerbrotwerke-es-war-brandstiftung-schwechat-redaktionsfeed-feuerwehreinsatz-brandstiftung-schwelbrand-ermittlungen-redaktion-271847118

24. Februar 2021, NÖN
Hammerbrotwerke: Brand in historischer Fabrik. Die Schwechater Feuerwehren kämpften fünf Stunden gegen Flammen in der Zwischendecke zum Dachstuhl: https://www.noen.at/schwechat/schwechat-hammerbrotwerke-brand-in-historischer-fabrik-schwechat-redaktionsfeed-redaktion-hammerbrotwerke-ff-schwechat-fabriksbrand-feuerwehreinsatz-250763103

21. Oktober 2020, Fireworld (Feuerwehr-News)
Brand bei den ehemaligen Hammerbrotwerken in Schwechat: https://www.fireworld.at/2020/10/21/noe-brand-bei-den-ehemaligen-hammerbrotwerken-in-schwechat

Ältere Medienberichte:

19. September 2018, ORF
Historische Brotfabrik soll Wohnraum werden. In den sogenannten Hammerbrotwerken in Schwechat wurde Anfang des 20. Jahrhunderts vor allem für Wien Brot gebacken. Heute stehen die Gebäude schon lange leer. Nun gibt es den Plan, die denkmalgeschützte Fabrik zu revitalisieren: https://noe.orf.at/v2/tv/stories/2936911

5. September 2018, NÖN
Zweites Leben für Hammerbrot-Fabrik. Immobiliengruppe „Soravia“ plant Wohnbauprojekt auf Areal. Aus denkmalgeschützten Backsteinbauten werden Wohnhäuser: https://www.noen.at/schwechat/schwechat-zweites-leben-fuer-hammerbrot-fabrik-soravia-hammerbrot-fabrik-112916209

27. August 2018, GEWINN
Soravia will Hammerbrotwerke retten. Wie das Wirtschaftsmagazin GEWINN in seiner neuen Ausgabe berichtet, hat Immobilienentwickler Soravia die historischen Hammerbrotwerke in Schwechat gekauft. Die seit Jahrzehnten leerstehende, denkmalgeschützte Großbäckerei soll vor dem Verfall gerettet und zu Wohnungen umgebaut werden: https://www.gewinn.com/immobilien/immobilien-news/artikel/soravia-will-hammerbrotwerke-retten

27. August 2018, APA-OTS
Soravia will Hammerbrotwerke retten. Wie das Wirtschaftsmagazin GEWINN in seiner neuen Ausgabe berichtet, hat Immobilienentwickler Soravia die historischen Hammerbrotwerke in Schwechat gekauft: https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20180827_OTS0053

8. Mai 2013, NÖN
Achtung: Es knallt jetzt in Schwechat. Film-Schauplatz / „CopStories“-Dreh auf historischem Boden – dem ehemaligen Hammerbrotwerk. Das Areal steht weiter zum Verkauf: https://www.noen.at/schwechat/achtung-es-knallt-jetzt-in-schwechat-4477966

Literatur:

– Gerhard A. Stadler, Das industrielle Erbe Österreichs, Geschichte – Technik – Architektur, Wien-Köln, Weimar 2006, Seite 724, Brotfabrik Schwechat

– Dehio-Handbuch Niederösterreich südlich der Donau – Teil 2 (M bis Z), Die Kunstdenkmäler Österreichs, Topographisches Denkmälerinventar, herausgegeben vom Bundesdenkmalamt, Horn – Wien 2003, Seite 2177, siehe: https://bda.gv.at/publikationen/details/dehio-niederoesterreich-suedlich-der-donau-in-zwei-teilen-die-kunstdenkmaeler-oesterreichs

Linzer Wollzeugfabrik (OÖ) 1969 gesprengt – eine der größten Kulturgutverluste Österreichs

Die einst größte Textilmanufaktur Europas wurde zwischen September und November 1969 trotz anhaltender Proteste in die Luft gesprengt (Foto vom Abriss). Die starken Mauern leisteten zähen Widerstand, sodass Nachsprengungen notwendig wurden. Ein Spektakel der besonderen Art für Tausende Schaulustige. Um die Erhaltung des äußerlich schlossartigen und repräsentativen Monumentalgebäudes gab es gegen Ende der 1960er-Jahre erbitterte Debatten. Auch der damalige Landeskonservator Norbert Wibiral (1956-85) stemmte sich bis zuletzt gegen diesen Kulturfrevel. Sie war die erste Textilfabrik Österreichs und galt im 19. Jh. als bemerkenswerte Sehenswürdigkeit. Der bekannte Architekturkritiker und Architekt Friedrich Achleitner bezeichnete den Abriss als “Demolierungsskandal”. Der einzig erhaltene Bestandteil der ehemaligen Linzer Wollzeugfabrik ist das so genannte Zwirnerstöckl an der Unteren Donaulände 66. 1980 wurden dann auch Magazin und Werkstättengebäude mit Dynamit beseitigt, um Platz für durchschnittliche Wohn- und Bürobauten zu schaffen. ORF-FERNSEHBEITRAG ZUM NACHSEHEN (6 MIN): https://tvthek.orf.at/profile/Studio-2/13890037/Studio-2/14067909/Verlorenes-Erbe-Tabakfabrik-in-Linz/14777478 (13.10.2020, Verlorenes Erbe: Tabakfabrik in Linz, ORF-Vorabendsendung “Studio 2”)

Friedrich Achleitner schreibt ein Jahr vor dem Abriss (Die Presse, 9./10.3.1968): Steter Tropfen zerstört den gesündesten Bau. Vor wenigen Jahren hatte man der Linzer Wollzeugfabrik noch nicht den raschen Verfall angemerkt.  (…) Eines steht fest: mit einigen Quadratmetern Decke der Linzer Wollzeugfabrik dürfte auch die endgültige Entscheidung für deren Abbruch gefallen sein. Damit geht Linz einem Demolierungsskandal entgegen, der sowohl im In- als auch im Ausland seinesgleichen kaum finden dürfte. (…). Dieses Gebäude bekommt aber für den heutigen Besitzer erst seinen Wert, wenn es abgebrochen ist. Dabei steht ein wenig der Denkmalschutz im Wege. Dagegen gibt es aber wiederum, wie man weiß, genug Wässerchen. Die besten rinnen durchs Dach, wenn man dieses verfallen läßt. Und mit der Fäulnis wächst die Macht der Baupolizei. Obwohl schon fünf Jahre ein Demolierungsbescheid vorliegt, hat man es aber bisher nicht gewagt, an den Abbruch zu gehen. Jetzt ist es aber soweit. Geduld bringt einstürzende Decken.”

Die Linzer Wollzeugfabrik wurde 1672 gegründet. Der große Ausbau der Fabrik erfolgte 1722 bis 1726 und bekam damals vom bekannten oberösterreichischen Barockarchitekten Johann Michael Prunner ein schlossartiges Aussehen. Sie gilt als erste Textilfabrik Österreichs in dieser Frühzeit des industriellen Zeitalters. Das Hauptgebäude hatte die stolze Länge von 110 Metern zur Donauseite, der Ost- und der Westflügelmaßen je 62 Meter. In der Mitte des Hofes erhob sich ein wappengeschmückter Turm. Ein französischer Dachstuhl (Mansarddach mit Schopf) gab dem ganzen eine besondere Note. Ab 1774 entstand eine zweite Vierflügelanlage (56 x 51 Meter) neben dem Hauptgebäude. Kaiserin Maria Theresia sorgte dafür, dass eine Kapelle eingerichtet wurde. 1850 wurde die Fabrik stillgelegt. Von 1854 bis 1945 als Kaserne verwendet, diente die ehemalige Fabrik nach dem 2. Weltkrieg als Flüchtlingslager. Adresse: Früher Untere Donaulände 68 – Heute: Gruberstraße 1 und 2

Die Linzer Wollzeugfabrik auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Linzer_Wollzeugfabrik sowie auf Linz Wiki: https://www.linzwiki.at/wiki/Wollzeugfabrik +++ Das bestehende Zwirnerstöckl (Stadtgeschichte Linz): https://stadtgeschichte.linz.at/denkmal/Default.asp?action=denkmaldetail&id=908 +++ Nachruf Landeskonservator Norbert Wibiral: “Schloss Hohenbrunn konnte er retten, nicht aber die Linzer Wollzeugfabrik” (19.5.2011, Oberösterreichische Nachrichten): https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/nachrufe/Schloss-Hohenbrunn-konnte-er-retten-nicht-aber-die-Linzer-Wollzeugfabrik;art86198,626120

Literatur:

Die Linzer Wollzeugfabrik und das Zwirnerstöckl, in: Österreichische Kunsttopographie, Band LV (Hrsg. Bundesdenkmalamt), Die profanen Bau- und Knstdenkmäler der Stadt Linz, III. Teil, Außenbereiche Urfahr, Ebelsberg, Horn 1999, Seite 260 bis 264

Friedrich Achleitner, Demolierungsskandal in Linz. Wird die barocke Wollzeugfabrik ein weiteres Opfer der städtischen Selbstzerstörung? In: Friedrich Achleitner, Nieder mit Fischer von Erlach – Architekturkritik, Salzburg und Wien 1986 (Auswahl der Architekturkritiken in diversen Tageszeitungen in der Zeit von 1961 bis 1971), Seite 184-186. (Über das Buch “Nieder mit Fischer von Erlach” ein Interview mit dem Autor Friedrich Achleitner zum Nachhören im Ö1-Radio (1986; 30 min): https://www.mediathek.at/oesterreich-am-wort/suche/treffer/atom/10D4A96E-34B-001E9-00000E64-10D46B2E/pool/BWEB/

Ute Streit, Denk-Mal: Wollzeugfabrik – Spurlos verschwunden – Die Geschichte der Linzer Wollzeugfabrik: in: “Mitteilungen der Gesellschaft für Landeskunde und Denkmalpflege Oberösterreich“, 45. Jahrgang – heft 2, September 2015, Seite 12f., hier nachlesbar: http://www.ooelandeskunde.at/images/Dokumente/Mitteilungsblatt/MB02-15-web.pdf

Edgard Haider, Unvergessen – Die Linzer Wollzeugfabrik, in der Zeitschrift: Denkma[i]l, Nachrichten der Initiative Denkmalschutz, Nr. 7/2011, Seite 6, hier nachlesbar:  https://www.initiative-denkmalschutz.at/denkmail/Denkmail_Nr_07_web.pdf

Roman Sandgruber, Die Linzer Wollzeugfabrik 1672 – 1851 – 1969; in: Der Gesellschaft im Wort. Eine Festschrift der Universität für Künstlerische und Industrielle Gestaltung Linz anlässlich der Emeritierung von O. Univ. Prof. Dr. Wilfried Posch, Weitra 2008, S. 37–62

Wilhelm Rausch, Notgemeinschaft Wollzeugfabrik, in: Mühlviertler Heimatblätter Jg. 8 (1968), Nr. 5/6, S. 92–93

 

Herzogenburg (NÖ): Abriss historischer Brücke wegen Neubauförderung

“Es wurde bereits entschieden den St. Andräer Steg neu zu bauen. Obwohl uns allen Leid ist um den alten Steg – auch mir. Man muss kein Nostalgiker sein, um zu wissen, dass er sehr wertvoll ist”, doch wir sind stark dafür, dass der Steg – eventuell mit Bürgerbeteiligung – einer Nachnutzung zugeführt wird, dies erklärte Stadträtin Daniela Trauninger (parteifrei, SPÖ Vorschlag) in der Herzogenburger Gemeinderatssitzung Ende April. Der St. Andräer Steg über die Traisen wurde 1885 errichtet, jetzt soll er abgerissen werden (Foto des Steges). Zuvor wurde noch über eine mögliche Sanierung diskutiert, doch für diese gibt es keine Förderung seitens des Landes Niederösterreichs. Da es hingegen eine solche für Abriss respektive Neubau gibt (Förderung bis zu 50 %), sind die Kosten beinahe gleich hoch, sodass sich die Gemeinderäte auf Grund dieses Ungleichverhältnisses (sowie einiger anderer Vorteile wie: Verbreiterung, keine Stützpfeiler und höher) sich bereits im März 2019 für den Neubau entschieden (ohne Förderung: Sanierungskosten 288.000 Euro versus Neubau 660.000 Euro). Nicht wenigen tat die Entscheidung für den Abriss aber weh (wie z.B. auch dem Grünen Gemeinderat Franz Gerstbauer). Auch eine St. Andräerin zeigte sich erbost, da der Steg von der bekannten k.k. Hof-Eisenkonstruktionswerkstätte Ignaz Gridl errichtet wurde. Möglich wird der Abriss auch deshalb, weil die Brücke nicht unter Denkmalschutz steht. VP-Gemeinderat Peter Schwed schlug sogar vor, ein ein oder zwei Meter langes Stück des Steges als Erinnerung wieder am gleichen Platz aufzustellen. In der jüngsten Gemeinderatssitzung Ende April 2021 wurde nun die Vergabe der Arbeiten für den Neubau ersteilt. Auch der Stadtrat Erich Hauptmann (ÖVP) kann sich gut vorstellen, dass der alte Steg noch eine neue Funktion bekommt und nicht komplett entsorgt wird und vielleicht als Alteisen verkauft wird. Auch die Historikerin Christine Oppitz würde zumindest für eine Versteigerung einzelner Geländerteile plädieren, wenn der Steg bedauerlicher Weise schon abgerissen wird. Bis Ende 2022 soll der Neubau fertig sein. Erst dann soll der alte Steg abgerissen werden.

Medienberichte

6. Mai 2021, NÖN
St. Andräer Steg: Mit Neubau wird es ernst. Traisen-Übergang ist 1885 errichtet worden. Nun wird er um rund 627.000 Euro ersetzt: https://www.noen.at/herzogenburg/herzogenburg-st-andraeer-steg-mit-neubau-wird-es-ernst-herzogenburg-st-andraeer-steg-print-272576611

3. Mai 2021, MeinBezirk
Neuerrichtung des St. Andräer Stegs: Ein “Stück Geschichte” soll erhalten bleiben: https://www.meinbezirk.at/herzogenburgtraismauer/c-lokales/ein-stueck-geschichte-soll-erhalten-bleiben_a4606067

29. September 2019, NÖN
Grünes Licht für St. Andräer Steg. Gemeinderat stimmte für freitragende Brückenvariante. Die Hälfte der rund 700.000 Euro muss die Stadt bezahlen: https://www.noen.at/herzogenburg/neubau-in-herzogenburg-gruenes-licht-fuer-st-andraeer-steg-herzogenburg-st-andraeer-steg-163659149

2. April 2019, NÖN
Der Steg wird neu gebaut. Alte Konstruktion stammt aus 1885. Alle Mandatare befürworteten das 660.000-Euro-Projekt: https://www.noen.at/herzogenburg/stadtplanung-der-steg-wird-neu-gebaut-herzogenburg-stadterneuerung-gemeinderat-josef-boeck-142220445

17. Oktober 2018, MeinBezirk
Damals und Heute: Traisensteg bei St. Andrä [Fotovergleich 1920 und 2018]: https://www.meinbezirk.at/herzogenburgtraismauer/c-lokales/damals-und-heute-traisensteg-bei-st-andrae_a2979204

Hainburg (NÖ): Ehem. Tuchfabrik wird Kindergarten

Der ehemalige Götzenhof – an der Stadtmauer von Hainburg an der Donau gelegen – war Pontonierkaserne und danach seit 1702 eine k.k. Tuchfabrik (laut Stadler: seit 1725/27). Sie “ist das einzige in Österreich noch erhaltene Gebäude aus der Frühzeit des Merkantilismus in Österreich” (Zitat NÖN). In dem auch als ‘Wasserkaserne’ bezeichneten langgestreckten Gebäude mit Korbbogenportal (bez. 1702) und 25 Fensterachsen wurden im 20. Jahrhundert im 1. Stock Wohnungen errichtet. Jetzt wird ab Oktober das seit 2016 denkmalgeschützte Gebäude in der Oppitzgasse 9 revitalisiert und ein Kindergarten eingerichtet. Die Sparkasse Hainburg Privatstiftung hat für das insgesamt 6.800 Quadratmeter große Areal den Architekten Rainhardt Gallister beauftragt. NÖN-ARTIKEL WEITERLESEN: https://www.noen.at/bruck/grossprojekt-hainburg-stiftung-saniert-wasserkaserne-fuer-kinder-hainburg-a-d-donau-sanierung-kindergarten-wasserkaserne-print-227347179 (12.10.2020, “Großprojekt: Hainburg: Stiftung saniert Wasserkaserne für Kinder”)

Kurzbeschreibung: “Ehem. Tuchfärberei und Tuchfabrik, Wasserkaserne und Götzenhof“, Oppitzgasse 9: Der Götzenhof, auch Wasserkaserne, war wohl ein Ministerialenhof der Röthelstein-Haslauer. Er wurde urkundlich 1411 als herzogliches Lehen erwähnt, fiel aber bereits 1590 öde. 1702 wurde eine k. k. Tuchfabrik errichtet, von 1829 bis 1845 Kaserne des k. k. Mineurcorps. Aktuell befindet sich eine städtische Wohnhausanlage auf dem Gelände, die zweigeschoßige Anlage erstreckt sich um einen weitläufigen, im Norden und Osten von der Stadtmauer begrenzten Hof, die Einfahrt hat ein Kreuzgratgewölbe und ein Korbbogenportal.” (Quelle: Denkmalliste Wikipedia). +++ Vgl. auch Eintrag im Buch von Gerhard A. Stadler.

Fotos vom ehem. Götzenhof auf Wikipedia: https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:G%C3%B6tzenhof_Hainburg_an_der_Donau?uselang=de

Älterer Medienbericht:

Dez. 2008, NÖN (Nr. 52/2018):
Grabungen geplant / Die Stiftung will der Gemeinde die Wasserkaserne abkaufen und archäologische Grabungen veranlassen. Privatstiftung will die Wasserkaserne kaufen: https://www.stiftung-hainburg.at/wp-content/uploads/2017/03/noen_52_2008.pdf

Literatur:

Gerhard A. Stadler, Das industrielle Erbe Österreichs, Geschichte – Technik – Architektur, Wien-Köln, Weimar 2006, Seite 296, Eintrag “Tuchmanufaktur in der Pontonierkaserne, Oppitzgasse 9, Hainburg an der Donau”

Dehio-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Band: Niederösterreich südlich der Donau, Teil 1: A bis L (Hrsg. Bundesdenkmalamt), Horn/Wien 2003, Seite 692

 

 

Herrenhaus Halltal (Tirol): Nach Lawinenschäden 1999 jetzt vor Revitalisierung

Das Herrenhaus im Halltalauf etwa 1.500 Meter Höhe im Naturpark Karwendel  gelegen – wurde durch einen verheerenden Lawinenabgang im Februar 1999 schwer beschädigt. Die Lawine riss ein großes Loch in die Fassade, welches mit einem “Provisorium” vorübergehend geschützt wurde. Im Zuge der letzen Jahre schritt der Verfall weiter fort und das Industriedenkmal am Haller Salzberg (Gemeinde Absam) droht zur Ruine zu verkommen. Im Zuge einer Architektur-Masterarbeit “Das Herrenhaus im Halltal : funktionale Neuinterpretation eines bedeutsamen historischen Ortes” (Franziska Zahn, Juli 2020) wurde die Öffentlichkeit letztes Jahr wieder auf das Herrenhaus aufmerksam. Im März 2021 wurde der Verein „Initiative rettet das Herrenhaus im Halltal“ gegründet. Der Verein beabsichtigt, das Herrenhaus, das auch als Königsberg-Betriebsgebäude bezeichnet wird, vor dem Verfall zu retten. Das Herrenhaus wurde  um 1780  errichtet, später mehrfach umgebaut und erweitert. 1967 stellte die Salinen Austria AG den Bergwerksbetrieb ein. In Vorbereitung eines Verkaufs durch die Österreichische Republik (Österreichische Salinen) wurde das Herrenhaus 1977 fachlich unter Denkmalschutz gestellt (konkret: die Außenerscheinung des Königsberg-Betriebsgebäudes samt den Tonnen- und Kreuzgewölben im Kellergeschoß; zuvor nur ‘ex lege’ – kraft gesetzlicher Vermutung – unter Denkmalschutz gemäß § 2 Denkmalschutzgesetz). Das Haus stand nach der Betriebseinstellung 13 Jahre lang leer, bis es 1980 von Ekkehard Öfner privat gekauft und saniert wurde. Das Gebäude wurde der Öffentlichkeit durch einen Museumbetrieb und eine Gaststätte zugänglich gemacht. Am 24. Februar 1999 zerstörte eine Lawine den südwestlichen Teil des Königsberg-Wohnhauses, sodass der Betrieb eingestellt werden musste. Ziel des neu gegründeten Vereins ist es, den fortschreitenden Verfall des Herrenhauses aufzuhalten und eine Sanierung nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten anzuregen. Eine nachhaltige Nutzung im Bewusstsein und Respekt der historischen Erzählung sowie eine öffentliche Aufmerksamkeit soll angestrebt werden. In diesem Sinne erfolgt jetzt im ersten Schritt eine Bau- und Bestandsaufnahme durch Studierende des Tagekollegs der HTBLVA Ortweinschule – Bautechnik in Graz (HTBLVA = Höhere Technische Bundeslehr- und Versuchsanstalt). Auf dieser Grundlage sollen danach Architektur-Studierende der Uni Innsbruck weiterarbeiten und Nutzungskonzepte erstellen. Bevor man jedoch mit einer Sanierung starten kann, ist die zukünftige Absicherung des Gebäudes (auch vor Lawinen) sicherzustellen und eine Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt nötig. Der neue Verein bittet jetzt um tatkräftige Mithilfe sowie Spenden (Bausteinaktion). Offizielle Website: https://herrenhaus.tirol.

Das Herrenhaus im Halltal 1999, Tirol

Das Herrenhaus im Halltal, Schäden nach dem Lawinenabgang, Foto: 1999, (c) Verein ‘Initiative rettet das Herrenhaus im Halltal’

Anmerkung: Unserem Verein Initiative Denkmalschutz liegt der aktuell gültige (dreiseitige) Unterschutzstellungsbescheid des Bundesdenkmalamtes aus dem Jahr 1977 vor (16.10.1977; Zl.8289/77). Damals wurde nicht nur die Außenerscheinung des Königsberg-Betriebsgebäudes samt den Tonnen- und Kreuzgewölben im Kellergeschoß unter Schutz gestellt, sondern auch das benachbarte Objekt: “die Außenerscheinung des Material- und Zeugbewahrungsgebäudes mit angebauter Kapelle in ihrer Gesamtheit”. Für die weiteren elf Nebengebäude wurde damals kein Denkmalschutz ausgesprochen (vgl. auch die Liste der denkmalgeschützten Objekte in Absam auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_denkmalgesch%C3%BCtzten_Objekte_in_Absam).

Das Herrenhaus im Halltal vor 1999, Tirol

Das Herrenhaus im Halltal vor dem Lawinenunglück, Foto: ca. Mitte 1990er-Jahre, (c) Verein ‘Initiative rettet das Herrenhaus im Halltal’

Linktipps:

Podcast (22 min) Museum Absam – Herrenhaus im Halltal: Vergangenheit und Zukunft (10.12.2020). Franziska Zahn aus Reutlingen bei Stuttgart hat sich für ihre Masterarbeit über ein Jahr lang intensiv mit den baulichen Überresten des Salzbergbaus im Absamer Halltal beschäftigt. Im Zentrum der Recherchen für ihre Masterarbeit stand das Herrenhaus. Mit der Studie „Das Herrenhaus im Halltal – Funktionale Neuinterpretation eines bedeutsamen historischen Ortes“ hat sie unlängst ihr Architekturstudium an der Universität Innsbruck erfolgreich abgeschlossen. Im September haben wir mit Franzsika Zahn ein Interview geführt: Über die Baugeschichte im Halltal und über ihre Vorschläge für eine zukünftige Nutzung des Herrenhauses: https://soundcloud.com/museumabsam/franziska-zahn

– Die Geschichte und Areal des Herrenhauses: https://herrenhaus.tirol/geschichte

– Der Salzbergbau in Hall: https://www.hall-wattens.at/de/salzbergbau-zu-hall.html

Wandertipp zum Herrenhaus (und der Magdalenenkapelle): https://tirolischtoll.wordpress.com/2018/06/29/die-magdalenenkapelle-im-halltal

Wandertipp: ‘Mehr Geschichte geht nicht’: https://www.tt.com/artikel/13489990/mehr-geschichte-geht-nicht

Podcast (37 min) Museum Absam – Im Herrenhaus 1907 – der Journalist Max Winter (1870–1937) besuchte 1907 das Absamer Halltal. In einer Artikelserie für die »Arbeiter-Zeitung« berichtete er im Oktober 1907 darüber, welche Verhältnisse er in den Unterkünften der Salzberger im Herrenhaus vorgefunden hat: https://soundcloud.com/museumabsam/herrenhaus

Herrenhaus im Halltal, Luftbild, Tirol

Das Herrenhaus im Vordergrund (auch Königsberg-Betriebsgebäude genannt). Links dahinter zu sehen das ebenso denkmalgeschützte Material- und Zeugbewahrungsgebäude mit angebauter Kapelle. Die weiteren Nebengebäude stehen nicht unter Denkmalschutz, Foto: 2021, (c) Verein ‘Initiative rettet das Herrenhaus im Halltal’

Medienberichte:

18. Juni 2021, MeinBezirk
Initiative fordert Erhalt des historischen Herrenhauses. Absam. Das Herrenhaus im Halltal, gelegen im Karwendelgebirge auf zirka 1.500 m Seehöhe, ist ein Stück Salz- und Bergbaugeschichte. Außerdem zählt das historische Gebäude zu einem der wichtigsten Industriedenkmäler Tirols – doch nun droht es zur Ruine zu verkommen: https://www.meinbezirk.at/hall-rum/c-lokales/erhalt-des-historischen-herrenhauses_a4711604

14. Juni 2021, Tiroler Tageszeitung
Initiative will historisches Herrenhaus im Halltal retten: Ein neuer Verein möchte den Verfall des bergbaugeschichtlich einmaligen Komplexes stoppen und eine denkmalgerechte Revitalisierung angehen: https://www.tt.com/artikel/30793912/initiative-will-historisches-herrenhaus-im-halltal-retten

18.12.2020, Tiroler Tageszeitung
Herrenhaus im Halltal: Frische Ideen für einen historisch bedeutsamen Ort. Eine junge Architektin hat die Baugeschichte des Herrenhauses im Halltal akribisch aufgearbeitet – und regt eine Aufwertung des Areals an (Bezahlschranke): https://www.tt.com/artikel/17662376/herrenhaus-im-halltal-frische-ideen-fuer-einen-historisch-bedeutsamen-ort

Nordbahnhof (Wien): 1860 erbaut, Kriegsruine 1965 gesprengt

ORF-SERIE “Verlorenes Erbe” – Folge 1: Der Wiener Nordbahnhof: In der Zeit der k.u.k. Monarchie (bis 1918) war der Nordbahnhof einer der bedeutendsten Bahnhöfe in Europa und der wichtigste Bahnhof Wiens und galt auch als prunkvollster. Dieser 2. Nordbahnhof wurde 1859–1865 erbaut (der erste Bahnhof stammt aus 1837/38). Das Bahnhofsgebäude wurde nach Entwürfen des Direktionspräsidenten Josef Stummer von Theodor Hoffmann im Stil des romantischen Historismus erbaut (maurische sowie toskanische Einflüsse erkennbar). Das Empfangsgebäude war, wie bei anderen großen Bahnhöfen dieser Zeit, ein ausgesprochenes Repräsentationsgebäude und war z. B. mit einem Hofwartesalon für den kaiserlichen Hof ausgestattet. Für die Züge gab es eine geräumige, dreischiffige Halle in Hochlage und war 137 Meter lang und über 32 Meter breit. Im Vestibül stand eine Statue des Gründers und Hauptfinanziers der Nordbahn, Anselm Salomon Freiherr von Rothschild, die 1869/1870 von Johann Meixner angefertigt worden war. Sie wurde 1938 von den Nationalsozialisten abmontiert und ist heute als Leihgabe des Technischen Museums Wien im Jüdischen Museum Wien zu sehen. In der Endphase des Zweiten Weltkriegs wurde der Bahnhof am 12. März 1945 durch Bombentreffer und Anfang April 1945 durch Artillerie schwer beschädigt. Nach 1945 in Folge des Kalten Krieges verlor die Nordbahnstrecke ihre überregionale Bedeutung, sodass der Bahnhofsbau dem Verfall preisgegeben und schließlich am 21. Mai 1965 gesprengt wurde. ORF-FERNSEHBERICHT ZUM NACHSEHEN (4 MIN): https://tvthek.orf.at/history/Geschichte/13557883/Der-Wiener-Nordbahnhof-als-Aushaengeschild/14067639/Der-Wiener-Nordbahnhof-als-Aushaengeschild/14775047 (4.2.2020, ORF-Studio 2 “Verlorenes Erbe: Der Wiener Nordbahnhof als Aushängeschild”)

Der Wiener Nordbahnhof auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Wien_Nordbahnhof sowie auf Wien Geschichte Wiki: https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Nordbahnhof

Unter Purkersdorf (NÖ): 1.100 Unterschriften zur Rettung des Bahnhofsgebäudes

Als im Jänner 2021 erste Pläne publik wurden, dass das historische Bahnhofsgebäude in Unter-Purkersdorf bei Wien abgerissen werden soll, regte sich erster Widerspruch in der Bevölkerung. Noch Ende Mai meinte der Bürgermeister der Stadtgemeinde Purkersdorf, dass das Bahnhofsgebäude aufgrund seiner zahlreichen Umbauten nicht erhaltenswert sei und verwies auf die ÖBB, die Eigentümer des Areals sind. Am 10. Juni 2021 hat jetzt die “Bürgerinitiative zur Rettung des Bahnhofsgebäudes Unter Purkersdorf und für eine sinnvolle Nutzung des Areals” dem SPÖ-Bürgermeister Stefan Steinbichler unglaubliche 1.100 Unterschriften übergeben und damit den Bürgerinitiativantrag zur Rettung des Bahnhofsgebäudes Unter-Purkersdorf eingeleitet. Unterstützt wurde die Bürgerinitiative von den Initiativen “Vision statt Beton” (www.visionstattbeton.at) sowie “die Bahnhofsfrauen” (www.bahnhofsfrauen.at; mit sehr kreativen Videos z.B.: Video ‘Ba-Ba-Bahnhofserhalt’) um eine “aktive und verbindliche Bürgerbeteiligung” zu erreichen.

Unterpurkersdorf, NÖ

Übergabe der 1.100 Unterschriften für den Erhalt des Bahnhofsgebäudes in Unter-Purkersdorf bei Wien, Foto: 10.6.2021, (c) Bürgerinitiative

Der Bürgerinitiativantrag im genauen Wortlaut:

Wir Purkersdorfer BürgerInnen unterstützen folgenden Bürgerinitiativantrag an den Gemeinderat (möglich nach § 16 Gemeindeordnung):

– Der Bürgermeister und Gemeinderat der Stadtgemeinde Purkersdorf werden aufgefordert, sich bei den dafür zuständigen Stellen (Bundesdenkmalamt, ÖBB usw.) aktiv für den Erhalt, für eine sinnvolle Nutzung und gegen den Abriss des historischen Bahnhofsgebäudes in Unter Purkersdorf einzusetzen.
– Außerdem wird die Gemeinde aufgefordert, einen öffentlichen Wettbewerb durchzuführen mit dem Ziel eines nachhaltigen Gesamtkonzepts für das Areal in Unter Purkersdorf, aufbauend auf einer aktiven und verbindlichen Einbeziehung der Bevölkerung (z.B. BürgerInnenrat).
– Wir verlangen, dass keine Umwidmung des Areals Unter Purkersdorf stattfindet, bevor der Gemeinderat dieses Forderungen umgesetzt hat.

Damit haben sich rund 13 Prozent aller Wahlberechtigten in Purkersdorf für den Erhalt des Bahnhofsgebäudes ausgesprochen (gemäß § 16 Gemeindeordnung sind soviele Stimmen notwendig, wie für die Erlangung eines Gemeinderatsmandats bei der letzten Gemeinderatswahl). Bis übermorgen, Dienstag, 22. Juni 2021 (nächste Gemeinderatssitzung) können noch Unterschriften abgegeben werden.

Die Stellungnahme der Stadtgemeinde Purkersdorf zur Petition:

“Als Stadtgemeinde begrüßen wir aktives Engagement von Bürgerinnen und Bürgern. Momentan befasst sich eine vom Gemeinderat nominierte Planungsgruppe unter der Leitung StR Sabina Kellner und GR Berd Wiltschek mit der Entwicklung eines Konzepts für das Gelände in Unterpurkersdorf. Ihnen zur Seite stehen weitere – von den Parteien entsandte – Experten, die aktuell erarbeiten, welche Infrastruktur aus Sicht der Stadt dort entwickelt werden sollte. Die Ideen von engagierten Bürgerinnen und Bürgern werden in diesen Prozess mit einbezogen. Die von der Initiative gesammelten Unterschriften zur Erhaltung des Bahnhofsgebäudes werden der ÖBB als Eigentümerin übergeben. (Quelle: MeinBezirk)

Eine weitere Petition lief vom 21.3.2021 bis 15.6.2021:
– “Bahnhofsareal Unter-Purkersdorf: Umwidmung in Grünland statt Bauland”
Erhaltung des historischen Bahnhofsgebäudes
– Errichtung eines multifunktionalen Stadtparks für alle Generationen
siehe: https://www.openpetition.eu/at/petition/online/bahnhofsareal-unter-purkersdorf-umwidmung-in-gruenland-statt-bauland

Bahnhof Unter Purkersdorf

Der Bahnhof Unterpurkersdorf mit Fußgängerübergang 2013, (c) Priwo, public domain, Wikipedia

Medienberichte:

17. Juni 2021, NÖN
Bahnhofsgebäude: Erfolg für Initiativen in Unterpurkersdorf. „Bahnhofsfrauen“ und „Vision statt Beton“ konnten 1.100 Unterschriften für Erhalt des Bahnhofsgebäudes übergeben: https://www.noen.at/purkersdorf/bahnhofsgebaeude-erfolg-fuer-initiativen-in-unterpurkersdorf-purkersdorf-bahnhof-unterpurkersdorf-print-277701643

16. Juni 2021, MeinBezirk
Purkersdorf: Unterschriften von Petitionen an Bürgermeister übergeben: https://www.meinbezirk.at/purkersdorf/c-lokales/unterschriften-zur-rettung-des-bahnhofsgebaeudes-unter-purkersdorf-uebergeben_a4707299

29. Mai 2021, NÖN
Blues und mehr: „Bahnhofsfrauen“-Aktionen für Unterpurkersdorfs Bahnhof. „Bahnhofsfrauen“ setzen sich mit kreativen Aktionen für Erhalt des Bahnhofsgebäudes ein: https://www.noen.at/purkersdorf/blues-und-mehr-bahnhofsfrauen-aktionen-fuer-unterpurkersdorfs-bahnhof-purkersdorf-bahnhofsfrauen-bahnhof-unterpurkersdorf-print-275144402

22. Mai 2021, Heute
Bahnhofsgebäude in Unter Purkersdorf soll bleiben. Die Kulturinitiative “Bahnhofsfrauen” setzt sich für den Erhalt des Bahnhofsgebäudes in Unter Purkersdorf ein. Nachhaltige Gestaltung ist geplant: https://www.heute.at/s/bahnhofsgebaeude-in-unter-purkersdorf-soll-bleiben-100143587

25. März 2021, NÖN
Purkersdorf: Bahnhofsgebäude soll vor Abriss gerettet werden. Bürgerinitiative sammelt Unterschriften sowie Ideen, um Bahnhofsgebäude Unterpurkersdorf vor Abriss zu bewahren: https://www.noen.at/purkersdorf/purkersdorf-bahnhofsgebaeude-soll-vor-abriss-gerettet-werden-purkersdorf-bahnhof-unterpurkersdorf-print-267157980

Älterer iD-Bericht:

19. Februar 2021: Unter Purkersdorf (NÖ): Gegen Bahnhof-Abriss regt sich Widerstand
https://www.initiative-denkmalschutz.at/berichte/unter-purkersdorf-noe-gegen-bahnhof-abriss-regt-sich-widerstand

Der historische Fußgängersteg in Unter Purkersdorf

Der historische Fußgänger-Übergang beim Bahnhof Unter-Purkersdorf, Foto: Sept. 2017, (c) GT1976 CC BY-SA 4.0, Wikipedia

Abriss Schüttkasten Hohenau/March (NÖ). Initiative Denkmalschutz fordert: Mehr Einsatz der Niederösterreichischen Gemeinden für ihr eigenes Kulturerbe!

PRESSEAUSSENDUNG DER INITIATIVE DENKMALSCHUTZ

Bürgermeister begründet Abbruch mit Negativ-Stellungnahme des Denkmalamtes, negiert jedoch völlig die eigene Verantwortung für die Erhaltung der lokal bedeutenden Kulturgüter!

Dieser Tage wird der ortsbildprägende und mächtige historische Schüttkasten in der Gemeinde Hohenau an der March (Pol. Bez. Gänserndorf) abgerissen. Der 1904 erbaute Schüttkasten ist neben dem Meierhof (ehemaliger Gutshof) letzter noch bestehender Rest des Hohenauer Gestüts, das ehemals im Besitz der Fürsten von Liechtenstein stand (Fotos des Schüttkastens auf Wikipedia). Einige Bürger/innen sprachen sich gegen den Abbruch aus, doch Bürgermeister Wolfgang Gaider (SPÖ) entgegnete, dass das Denkmalamt in einer Stellungnahme das Gebäude als “nicht schützenswert” erachtet hatte, gleichzeitig musste er aber eingestehen, dass der mächtige Bau “baulich interessant” sei (vgl. MeinBezirk-Artikel „Der Schüttkasten wird abgerissen“ vom 10.11.2020: https://www.meinbezirk.at/gaenserndorf/c-lokales/der-schuettkasten-wird-abgerissen_a4335304). Auch auf der Website Marterl.at der Kultur.Region.Niederösterreich GmbH ist der Hohenauer Schüttkasten verzeichnet und wird dort gar “als architektonisch höchst wertvoll erachtet” (siehe: http://www.marterl.at/index.php?id=23&no_cache=1&oid=8044). Für Kulturgüter von lokaler/regionaler Bedeutung ist das Bundesdenkmalamt jedoch gar nicht zuständig (vgl. § 1 Abs. 2 Denkmalschutzgesetz), sondern eben die Gemeinden selbst. Doch dieser Tage bricht die Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft Arthur Krupp (Wohnbaugenossenschaft Wien Süd) den Getreidespeicher am Hohenauer Park (Lagerhausgasse 2) ab, und möchte an seiner Stelle Reihenhäuser und Wohnungen bauen.

Denkmalamt kann keine Kulturgüter von lokaler/regionaler Bedeutung unter Schutz stellen!

Die Zuständigkeit für die Erhaltung von Kulturgütern lokaler und regionaler Bedeutung fällt in diesem Fall den einzelnen Bundesländern, insbesondere den Gemeinden selbst zu. Nicht umsonst hat die Stadt Wien seit 1972 Schutzzonen verordnet, und in immer mehr Gemeinden in Niederösterreich werden Schutzzonen ausgewiesen, um das örtliche Kulturgut zu erhalten (z.B. Baden, Bad Vöslau, Mödling, Wiener Neustadt und Klosterneuburg). Auch Einzelgebäude können so geschützt werden, wie Beispiele aus Wien und Salzburg zeigen. Leider wird obige Begründung (nicht erhaltenswert, weil kein Denkmalschutz durch das Bundesdenkmalamt) jedoch allzu häufig für Abbrüche vorgeschoben, sodass in den letzten Jahren schon viel wertvolles Kulturgut in Niederösterreich verloren ging (siehe Liste unten).

Rückfragehinweis:

Markus Landerer, mobil: 0699/1024 4216 und DI Dr. Alexander Schmiderer, mobil: 0664/ 750 545 42,
Initiative Denkmalschutz, Verein für den Schutz bedrohter Kulturgüter
www.initiative-denkmalschutz.at
ZVR-Nr.: 049832110

Stellvertretend für viele bedauerliche Fälle von Abbrüchen (auch bevorstehenden) von nicht geschütztem Kulturgut in Niederösterreich in den letzten Jahren (Auswahl):

Bevorstehender Abbruch: Jubiläumswarte am Anninger (Pol. Bez. Mödling), Abriss 2020/21?: https://www.initiative-denkmalschutz.at/berichte/gaaden-noe-jubilaeumswarte-am-anninger-vor-abriss

Krems: Abriss der über 150 Jahre alten Häuser in der Schillerstraße 2-4 (Pol. Bez. Krems-Stad; Abriss ca. 2020/21?): https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20200330_OTS0024

Abriss von Altstadthäusern in Zwettl (Bez. Zwettl; Abriss ca. 2020): https://www.derstandard.at/story/2000110800929/wohnprojekt-in-zwettl-hoehe-stoert-den-hausfrieden bzw. https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20191016_OTS0044

Abriss in Horner Tuchmachersiedlung (Bez. Horn; Abriss Dez. 2019): https://www.initiative-denkmalschutz.at/presseaussendungen/2019-12-02_id-verlust-horner-tuchmachersiedlung

Abriss des Arbeiterwohnhauses in St. Pölten („Eierspeisburg“ am Kardinal Franz König-Platz; Abriss Sept./Okt. 2019): https://www.noen.at/st-poelten/veraenderung-kardinal-koenig-platz-ohne-eierspeisburg-st-poelten-kardinal-koenig-platz-eierspeisburg-abriss-denkmalschutz-abrissarbeiten-166221930

Kattinger Mühle in Haunoldstein (Bez. St. Pölten Land; Abriss ca. 2019): https://www.noen.at/st-poelten/endgueltiges-aus-alte-muehle-in-haunoldstein-wird-abgerissen-haunoldstein-alte-muehle-haunoldstein-147945889

Abriss ehemaliges Pilgerhaus in Pottendorf (Bez. Baden; Abriss ca. 2018): https://www.noen.at/baden/pottendorf-kritik-am-geplanten-kreisverkehr-christian-knecht-kreisverkehr-pottendorf-thomas-sabbata-valteiner-81121806

Linktipps:

Offizielle Stellungnahme des Bürgermeisters Wolfgang Gaida (SPÖ) auf der Gemeinde-Website: https://www.hohenau.at/Bgm_Wolfgang_Gaida_zum_Schuettkasten_und_zu_Corona

Fotos vom Schüttkasten auf Wikipedia: https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Sch%C3%BCttkasten_Hohenau_an_der_March?uselang=de

Der Hohenauer Schüttkasten auf der Website Marterl.at der Kultur.Region.Niederösterreich GmbH: http://www.marterl.at/index.php?id=23&no_cache=1&oid=8044

Der Hohenauer Schüttkasten im Kulturatlas.at: http://www.kulturatlas.at/aut_no/page/00080247.htm

Lageplan, Hohenauer Schüttkasten (Museum Hohenau): http://museumhohenau.at/iframes/locations/479.html

PS: Aktuelle Fotos vom Abbruch sind auf Facebook unter den Stichwörtern “Hohenau” und “Schüttkasten” zu finden.

Feistritztalbahn (Stmk.): Nach Denkmalschutzaufhebung 2017. Jetzt wieder unter Schutz?

Nachdem am 17. Oktober 2017 das Bundesverwaltungsgericht auf Beschwerde des damaligen Eigentümers, der Steiermärkischen Landesbahn den damaligen Unterschutzstellungsbescheid des Bundesdenkmalamtes der Feistritztalbahn aus 2.2.2011 behoben und die Angelegenheit eines neuen Bescheides an das Bundesdenkmalamt zurückverweisen hatte (Spruch: W176 2000808-1/7E). Die Feistritztalbahn wurde 1909 bis 1911 erbaut und der öffentlichen Personenverkehr wurde zwischen 1971 und 1973 eingestellt. Die Gleisanlagen von Birkfeld nach Ratten wurden gar 1981 abgetragen. Seit 1994 kümmert sich der Club U44 – Freunde der Feistritztalbahn um den Betrieb der Strecke. Jetzt hat das Bundesdenkmalamt die Bahnstrecke jetzt im Juli neuerlich unter Denkmalschutz gestellt. Die 24 km lange Strecke zwischen Weiz und Birkfeld umfasst drei Tunnels und insgesamt 77 Viadukte, Brücken und Durchlässe. Besonders bemerkenswert sind die sehr frühen Stahlbetonviadukte. Zwei Bahnhöfe sind weitgehend in ihrem historischen Erscheinungsbild erhalten. Auszug aus dem damaligen Unterschutzstellungsbescheid (Amtssachverständige war Dr. Richard Dieckmann, Bundesdenkmalamt, Abteilung für Spezialmaterien): Die (…) Feistritztalbahn zählt mit ihren zahlreichen Kunstbauten und der weitgehend erhaltenen Ausstattung zu einer der bedeutendsten Schmalspurbahnen Österreichs. Die in Beton ausgeführten Viadukte sind Zeugnisse der frühen Anwendung dieser neuen Technologie in Österreich und stellen in ihrer ansprechenden Gestaltungsweise als Bogenkonstruktion seltene Dokumente der Brückenbauweise Anfang des 20. Jahrhunderts dar. Die Hochbauten veranschaulichen die typische architektonische Ausformung von Bahnhofsbauwerken einer Lokalbahn in einer nicht mehr häufig anzutreffenden Geschlossenheit. Eisenbahngeschichte ist immer auch Kultur- und Wirtschaftsgeschichte eines Landes, in Österreich ist dies sehr deutlich seit der Errichtung der ersten kontinentalen Eisenbahnstrecke, nämlich der Pferdeeisenbahn Linz-Budweis 1824-32, zu beobachten. Die durch Eisenbahnen erschlossenen Gebiete erlebten einen bedeutenden wirtschaftlichen Aufschwung, leistungsfähige Verkehrsverbindungen entstanden auch zwischen den Staaten. Die Entwicklung des Eisenbahnwesens bedeutete aber auch einen bemerkenswerten Technologieschub, in dem sich verschiedene Zweige der technischen Wissenschaften (Statik, Verkehrsbau, Maschinenbau) und der Industrie, vorrangig der Eisenerzeugung, gegenseitig befruchteten und die Weiterentwicklung vorantrieben. In diesem Sinne ist auch die Feistritztalbahn als ein Denkmal der österreichischen Wirtschafts- (Verkehrs-)geschichte anzusprechen, das mit seinen original erhaltenen Hoch- und Brückenbauten besonders anschaulich überliefert ist. Die Planung und Gestaltung derselben ist für diese Bahnlinie und ihre historische Entwicklung charakteristisch. Die Feistritztalbahn ist daher ein wichtiger Bestandteil der Eisenbahngeschichte Österreichs und von besonderer (technik-, wirtschafts)geschichtlicher und kultureller Bedeutung.” Gegen diesen Bescheid erhob die Beschwerdeführerin damals (2011)  fristgerecht Berufung an die Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur, wobei sie im Wesentlichen festhielt, dass eine Unterschutzstellung der gesamten Bahnlinie “in Bausch und Bogen” nicht nachvollziehbar sei. Das Bundesverwaltungsgericht führt aus: “Im gegenständlichen Fall hat es das Bundesdenkmalamt unterlassen, hinreichende und nachvollziehbare Feststellungen zum Sachverhalt zu treffen und ist festzuhalten, dass bloß ansatzweise ermittelt wurde”. Es wird kritisiert, dass das Amtsachverständigengutachten nicht die unter Punkt 2.2.1. dargestellten Charakteristika eines Gutachtens aufweist. “(…) Jedenfalls wird aber nicht dargelegt, wie die Sachverständigen zu den Schlussfolgerungen gekommen sind. Zum anderen hat es das Bundesdenkmalamt unterlassen, ausreichende Ermittlungen hinsichtlich der in § 1 Abs. 2 DMSG genannten Kriterien anzustellen. Insbesondere wurde die gegenständliche Bahnlinie nicht in Relation zu Vergleichsobjekten gesetzt. Aufgrund der vorliegenden Ermittlungen ist es daher nicht möglich festzustellen, welchen Stellenwert das gegenständliche Objekt regional bzw. österreichweit einnimmt. Erst nach Vorliegen entsprechender umfassender Daten kann beurteilt werden, ob vor dem Hintergrund der Kriterien Vielzahl, Vielfalt und Verteilung eine Unterschutzstellung des gegenständlichen Objektes gerechtfertigt ist.Somit wurde gemäß § 28 Verwaltungsverfahrensgesetz der Bescheid 2017 behoben und die Angelegenheit zur Erlassung eines neuen Bescheides an das Bundesdenkmalamt zurückverwiesen. Diese Mängel wurden jetzt im Juli 2021 mit einem neuen Bescheid repariert, doch hat bereits der neue Mehrheitseigentümer der Feistritztalbahn, Martin Platzer einen neuerlichen Einspruch angekündigt (die Platzer Industrie Holding hält 76 Prozent der Feistritztalbahn GmbH, den Rest halten Gemeinde Birkfeld (10,86 %), Tourismusverband Weiz (7,14 %)und Club U44 – Freunde der Feistritztalbahn). Bei der Neugründung der GmbH 2019 wurde vereinbart, dass der Club U44 – Freunde der Feistritztalbahn den Betrieb des Zuges weiterhin gewährleistet und Martin Platzer für die Erhaltung der Infrastruktur zuständig ist. Doch da hapert es gewaltig. Probleme bereiten auch ein Bahnübergang, wo die Spurweiter um mehrere Millimeter zu schmal geworden ist sowie eine Hangrutschung beim Hollersbachviadukt nahe Birkfeld. Auch schlägt der Eisenbahnexperte Hans Hufnagl Alarm und warnt: Wenn nicht rasch ordentlich saniert wird, kann man den Betrieb “vergessen”, da die Sanierungskosten ansonsten explodieren. Und auch Karl Schellauf, Betriebsleiter und Obmann des Clubs U44 meint: “Es brennt der Hut, ich bin nahe daran, das Handtuch zu werfen.” Dass es so weit gekommen ist, dafür macht Platzer die Mitgesellschafter verantwortlich. Seit der Gründung der Gesellschaft 2019 gibt es auch die Verpflichtung: Sollte Platzer den touristischen Betrieb nicht aufrecht erhalten, fallen seine Anteile an der Feistritztalbahn an das Land Steiermark zurück. Auch darf die Holding nichts ohne Zustimmung des Landes verkaufen.

Linktipps:

Die Feistritztalbahn auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Feistritztalbahn
Club U44Freunde der Feistritztalbahn: http://club-u44.at
Die Feistritztalbahn (offizielle Website): https://www.feistritztalbahn.at

Medienberichte:

19. August 2021, Kleine Zeitung
Nach Aufhebung 2017: Feistritztalbahn wieder unter Denkmalschutz gestellt. Im Jahr 2017 hatte das Bundesdenkmalamt entschieden, den Denkmalschutz der Feistritztalbahn neu zu prüfen. Der Spruch liegt jetzt vor, die gesamte Bahnstrecke samt Gleisanlagen und Objekten wird wieder unter Denkmalschutz gestellt. Mehrheitseigentümer Martin Platzer legt dagegen Berufung ein: https://www.kleinezeitung.at/steiermark/weiz/6022658/Nach-Aufhebung-2017_Feistritztalbahn-wieder-unter-Denkmalschutz

10. August 2021, Kleine Zeitung
Heftige Reaktionen: Feistritztalbahn: “Situation nicht kommentarlos hinnehmen”. Von “Bahn unbedingt erhalten” bis “Radweg errichten” erreichten uns Reaktionen zum Stillstand der Feistritztalbahn. Außerdem: Gemeinde Birkfeld und Club U44 sagen, sie hätten nie eine Einladung zu einer Gesellschafterversammlung bekommen, die laut Mehrheitseigentümer mehrfach hinausgegangen ist: https://www.kleinezeitung.at/steiermark/oststeier/6019282/Heftige-Reaktionen_Situation-nicht-kommentarlos-hinnehmen

10. August 2021, Kleine Zeitung
Kommt der Bummelzug noch in Fahrt?”Es brennt der Hut” bei der Feistritztalbahn. Wird die Feistritztalbahn jemals wieder fahren? Im Vorjahr waren nur wenige Fahrten möglich, heuer ist der “Bummelzug” überhaupt noch nicht mit Gästen unterwegs gewesen. Und manche bezweifeln, dass der Betrieb überhaupt wieder auf Schiene kommt: https://www.kleinezeitung.at/steiermark/weiz/6018896/Kommt-der-Bummelzug-noch-in-Fahrt_Es-brennt-der-Hut-bei-der

10. August 2021, Kleine Zeitung
Kommentar: Grabesstille rund um die Feistritztalbahn. Darf die Region stillschweigend zur Kenntnis nehmen, dass die Feistritztalbahn einfach nicht mehr fährt? https://www.kleinezeitung.at/steiermark/weiz/6018988/Kommentar_Grabesstille-rund-um-die-Feistritztalbahn

30. Juni 2021, Kleine Zeitung
Feistritztalbahn: Der Zug steht und keiner weiß, wann er fahren wird. Die Stimmung unter den Gesellschaftern der Feistritztalbahn war schon einmal besser: Gemeinde und Bummelzugbetreiber klagen, der Mehrheitseigentümer sei für sie nicht erreichbar, dabei müssten dringend Sanierungen unternommen werden.
https://www.kleinezeitung.at/steiermark/weiz/6001180/Feistritztalbahn_Der-Zug-steht-und-keiner-weiss-wann-er-fahren-wird

31. Jänner 2019, Kleine Zeitung
Von Weiz nach Birkfeld: Club U44 präsentiert Plan B für Feistritztalbahn. Der Club U44 würde Anteile an der Feistritztalbahn BetriebsgesmbH. abgeben, wenn er den Bereich Touristenfahrten bekäme: https://www.kleinezeitung.at/steiermark/weiz/5571493/Von-Weiz-nach-Birkfeld_Club-U44-praesentiert-Plan-B-fuer

30. Mai 2019, Krone
Feistritztalbahn: Neue Herren, große Pläne – und der alte Charme. Jahrelang wurde um die Feistritztalbahn gefeilscht und spekuliert – nun sind endlich die Würfel gefallen. Ab 1. Juni schnauft der geliebte Dampfbummelzug wieder jeden Samstag durch die Oststeiermark, wenn auch wegen der Großbaustelle in Weiz nur von Birkfeld bis Anger. Neue Eigentümerin ist eine Wiener Technologiefirma; den touristischen Betrieb führen die alten Liebhaber fort: https://www.krone.at/1932246

3. Juni 2017, Kleine Zeitung
Nostalgiebahn: Das sind die Neuerungen rund um die Feistritztalbahn. Zeitgerecht startet die Feistritztalbahn in die Saison. Die Professionalisierung in der Leitung der Bahn wird sichtbar mit vielen Neuerungen und realistischen Zukunftsplänen: https://www.kleinezeitung.at/steiermark/weiz/5228738/Nostalgiebahn_Das-sind-die-Neuerungen-rund-um-die-Feistritztalbahn

11. Februar 2016, ORF
Die Feistritztalbahn ist gerettet: Das Land Steiermark verkauft seine für den Betrieb der oststeirischen Tourismusattraktion erforderlichen Grundstücke an die Feistritztalbahn Betriebs-GmbH: https://steiermark.orf.at/v2/news/stories/2757169

22. Juli 2015, ORF
Zukunft der Feistritztalbahn weiter offen. Die Zukunft der Feistritztalbahn ist nach wie vor offen. Die Betreiber der Bahn und die steiermärkischen Landesbahnen als Eigentümer verhandeln seit Monaten über den Streckenabschnitt von Weiz nach Anger: https://steiermark.orf.at/v2/news/stories/2722084

21. März 2011, ORF
100 Jahre Feistritztalbahn. Dampfen und schnaufen hört man eine Lok heutzutage selten. Bei der Feistritztalbahn gibt es dazu aber noch die Möglichkeit – und das seit 100 Jahren, denn der Zug von Weiz nach Birkfeld fuhr 1911 zum ersten Mal: https://stmv1.orf.at/magazin/immergutdrauf/bewusstleben/stories/534274/index.html