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AKTUELLE BERICHTE
Khleslplatz, An den Eisteichen (Wien): Stellungnahme zum Planentwurf 8387
/ Stellungnahmen /Wien 1120, Meidlingvon IDM_adminInitiative Denkmalschutz, 13. März 2025 Stellungnahme zum Planentwurf 8387 Khleslplatz, An den Eisteichen Für das Gebiet zwischen Hoffingergasse, Linienzug 1-3, Hetzendorfer Straße, Khleslplatz, Hetzendorfer Straße, Linienzug 4-6, Khleslplatz und Oswaldgasse im 12. Bezirk, Kat. G. Altmannsdorf Öffentliche Auflage: 30. Jänner 2025 bis 13. März 2025 Einleitung: Grundsätzlich wird im Sinne der Erhaltung des örtlichen Stadtbildes und der Altstadterhaltung, also zur Gewährleistung des Bestandes, eine bestandsgenaue Widmung für die historisch wertvollen Objekte im Plangebiet sowohl in der Höhenentwicklung, als auch hinsichtlich der bebaubaren Fläche vorgeschlagen. Ebenso möge die Anzahl der Hauptgeschoße mit einer besonderen Bestimmung (BB) exakt dem Bestand angepasst werden. Durch diese Maßnahme – und durch die Festsetzung einer Schutzzone – wird am ehesten der Anreiz für Abbruch und Neubau vermieden. Anmerkung: Auch wenn folgende Empfehlung formalrechtlich nicht Teil der Stellungnahme sein kann, so möchte die Initiative Denkmalschutz dennoch betonen, dass die hier in der Stellungnahme gegebenenfalls vorgeschlagenen Einschränkungen der Bebaubarkeit im Sinne der Erhaltung des historischen Stadtbildes immer mit entsprechenden Förderungen und Ausgleichsmaßnahmen seitens der Stadt Wien einhergehen müssen, sodass den Eigentümern dadurch keine Nachteile entstehen (z.B. Planwertausgleich, Mehrwertabgabe/-umverteilung bei Umwidmungsgewinnen / Wertsteigerungen).* * Vgl.: Laura Sidonie Mayr, Das Instrument der Mehrwertabgabe – Ein potentielles Anwendungsmodell für Österreich (Kurzzusammenfassung der Ergebnisse der Diplomarbeit: „Die Mehrwertabgabe in der Raumplanung: Abschöpfung von Widmungsgewinnen als potentielles Instrument für Österreich“, 2018, TU Wien). In: „Der öffentliche Sektor – The Public Sector“, 2018, Vol. 44(2), Seite 39-49. (https://oes.tuwien.ac.at/article/484/galley/484/view) Die Stellungnahme im Detail: Zur Bedeutung des Khleslplatzes: Der Khleslplatz, bis 1894 Kirchenplatz genannt, bildet den historischen Ortskern von Altmannsdorf und war ursprünglich ein Dreieckangerdorf, das auch heute noch durch überwiegend niedrige, ein- bis zweigschoßige Häuser charakterisiert wird (der Dreieckangerplatz stammt aus der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts). Der heutige Khleslplatz wurde bereits 1973 (gemeinsam mit dem Spittelberg) zur ersten Schutzzone Wiens erklärt und bekommt schon durch dieses frühzeitige Anerkennen seines erhaltenswerten Ensemblecharakters eine zusätzliche besondere Bedeutung. Hauptkritikpunkte: Khleslpatz 3 und Khleslplatz 8 (Hetzendorfer Straße 10) Auf den Grundstücken Khleslplatz 8 (Grundstücksnr. 23) und Khleslplatz 3 (Grundstücksnr. 39 und 38/3) sollen auf zwei im aktuell gültigen Plandokument Nr. 7521 als „Grünland“ gewidmeten Flächen (mit der ausdrücklichen Untersagung zur Errichtung von ober- und unterirdischen Gebäuden; „BB 8“) im vorliegenden Planentwurf plötzlich Bauflächenwidmungen mit „W II“ ausgewiesen werden. Das würde einer für den Platz sehr großen Bauhöhe von 12 Meter entsprechen, bis zum möglichen Dachfirst sogar 16,5 m. Eine solch gravierende Abkehr von der aktuell gültigen Widmung ist sachlich schwer nachvollziehbar, zumal die beiden Gebäude, auch wenn etwas vom Khleslplatz abgerückt, eine negative Wirkung auf den Gesamteindruck des Platzes verursachen würden. Insbesondere bei Khleslplatz 8 würde der Neubau den historischen, ebenerdigen Trakt deutlich überragen und sich sehr negativ auf das historische Platzbild auswirken (dies im Erläuterungsbericht auf S. 7 als eine „sensible[!] Nachverdichtung“ darzustellen, entbehrt nicht einer gewissen Ironie). Im Zuge der geplanten, neuen Bauflächenausweisung am Khleslplatz 3 soll sogar die Schutzzone verkleinert werden (detto auf Grundstücknr. 37 bei Khleslplatz 2), was seitens der Initiative Denkmalschutz strikt abgelehnt wird. Begrüßt wird die niedrigere Bauhöhenwidmung des Straßentrakts, nur mehr 3,5 m statt aktuell gültig 5,5 m, besser wäre es aber noch stärker auf die Bestandshöhe zu reduzieren (ca. knapp 3 m). Im Gegenzug wird offenbar die Baufläche des südlichen Seitentrakts vergrößert und der nördliche Seitentrakt nach Osten etwas verlängert (ein wenig zu stark vergrößert und verlängert). Im Zuge der Besprechungen mit Mitarbeiter:innen der Stadtplanung im Rahmen der öffentlichen Planentwurfspräsentation im Amtshaus (6. und 25.2.) bekam man den Eindruck, dass die Umwidmung der beiden Grundstücke Khleslplatz 3 und Khleslplatz 8 mit dem privaten Grundstück „An den Eisteichen 5“ (Grundstücksnr. 271/5), das für die Errichtung der neuen AHS „An den Eisteichen“ benötigt wird, als gegenseitige Bedingung zwingend verknüpft wurde. Dies scheint sich zu bestätigen in der Darstellung des ORF Radio Wien Stadtjournals vom 8. März (7:30 Uhr), darin heißt es: „Bezirksvorsteher Wilfried Zankl von der SPÖ sagt, dass die geplante AHS dringend notwendig für den Bezirk sei, diese könne allerdings erst gebaut werden, wenn die Schutzzone verkleinert worden ist.“ Falls eine solche Vorgehensweise zutreffen sollte, zwei Umwidmungen am Khleslplatz (mit Verkleinerung der Schutzzone) im Abtausch mit der Ermöglichung der Errichtung der AHS kann unmöglich den allgemeinen Richtlinien einer sachlichen und objekten Stadtplanung entsprechen. Diese Vorgehensweise wird aufs Schärfste kritisiert. Weitere, wesentliche Punkte: Khleslplatz 9 und Schüttkasten „An den Eisteichen “ Khleslplatz 9: Das ebenerdige Vorstadthaus mit seiner frühhistoristischen Fassadengliederung ist mit Bauklasse W I 7, 5 m viel zu hoch gewidmet. Auch wenn dieser Bebauungsplan bereits im aktuell gültigen Plandokument so ausgewiesen ist, wird dringend und nachdrücklich angeregt, im Sinne des Stadtbildschutzes die Höhenwidmung möglichst genau dem Bestand anzupassen (ca. W I 3,5 m). Schüttkasten „An den Eisteichen“: Der historische Schüttkasten, direkt neben der Ubahn-Linie U6 gelegen (bei „An den Eisteichen Nr. 5)“, ist der letzte von ursprünglich mehreren Wirtschaftsgebäuden der historischen Schlossanlage Altmannsdorf, der sich erhalten hat. Sehr begrüßt wird die erstmalige Ausweisung als Schutzzone im aktuellen Planentwurf. Kritisch gesehen wird die Ausweisung der nördlich benachbarten Fläche als „GB GVI 7,5 m“ im aktuell vorliegenden Planentwurf. Es wird vorgeschlagen – so wie im Gründruck/Vorentwurf (des Planentwurfs; Juli 2024) – diese Fläche nur mit Bauklasse I beschränkt auf 3,5 m auszuweisen (also 4 Meter niedriger), um die Wahrnehmbarkeit des historischen Schüttkastens besser zur Geltung zu bringen. Wieso im aktuellen Planentwurf (Rotdruck) die Höhe von 7,5 m nötig sein soll, erschließt sich unserem Verein nicht, zumal die Höhe von 3,5 m für die Umsetzung des benachbarten Schulneubaus (Jurierung des Siegerprojekts war im Februar 2024) völlig ausreichend ist. Weitere Anregungen: Khleslplatz 2: Die platzseitigen Trakte sind im aktuellen Planentwuf zu hoch ausgewiesen (im aktuell gültigen Plandokument W I 5,5 m und jetzt im Planentwurf wieder W I 5,5 m vorgesehen). Diese sollten auf Bestandshöhe (ca. 4 m bis 5 m ?) gewidmet werden, was vor allem im Sinne des historischen Platzcharakters wichtig wäre. Die Schutzzonenverkleinerung im hinteren Bereich wird abgelehnt (Grundstücknr. 37; vgl. Kommentar zu Khleslplatz 3). Hetzendorfer Straße 8 (neben Khleslplatz 3): im Planentwurf ist eine Erhöhung auf W I 6 m (von W I 5,5 m) vorgesehen, auf jeden Fall sollte es bestandsgenau gewidmet werden (ca. 5,5 m?). Die Bauhöhe im Bebauungsplan ist bei den Trakten zum Khleslplatz bzw. zur Hetzendorfer Straße hin zu hoch. Hier sollte die Höhe möglichst bestandsgenau ausgewiesen werden (W I ca. 4 m). Hetzendorfer Straße 6: Bei diesem Vorstadthaus mit seiner historistischen Fassade aus 1904 möge die gewidmete Bauhöhe möglichst bestandsgenau […]
HdGÖ (Wien): Mariahilfer Straße 2 – Stellungnahme zum Planentwurf 7773E
/ Stellungnahmen /Wien 1070, Neubauvon IDM_adminInitiative Denkmalschutz, 13. März 2025 Stellungnahme zum Planentwurf 7773E Mariahilfer Straße 2 – Haus der Geschichte Österreich (hdgö) Projekt Für das Gebiet zwischen Mariahilfer Straße (Bezirksgrenze zwischen 6. und 7. Bezirk) und Linienzug 1-5 (Grenzlinie und Baufluchtlinie) im 7. Bezirk, Katastralgemeinde Neubau Öffentliche Auflage: 30. Jänner 2025 bis 13. März 2025 Einleitung: Grundsätzlich wird im Sinne der Erhaltung des örtlichen Stadtbildes und der Altstadterhaltung, also zur Gewährleistung des Bestandes, eine bestandsgenaue Widmung für die historisch wertvollen Objekte im Plangebiet sowohl in der Höhenentwicklung, als auch hinsichtlich der bebaubaren Fläche vorgeschlagen. Ebenso möge die Anzahl der Hauptgeschoße mit einer besonderen Bestimmung (BB) exakt dem Bestand angepasst werden. Durch diese Maßnahme – und durch die Festsetzung einer Schutzzone – wird am ehesten der Anreiz für Abbruch und Neubau vermieden. Die Stellungnahme im Detail: Innerhalb der Kernzone des UNESCO-Weltkulturerbes „Historisches Zentrum von Wien“ gelegen, soll im südlichen, frühhistoristischen Trakt des Museumsquartier (Mariahilfer Straße 2) und im anschließenden ersten Hof des Museumsquartier, Klosterhof genannt, das neue Haus der Geschichte Östereich (HdGÖ) entstehen, das, wie es im Erläuterungsbericht heißt: „die Zeitgeschichte Österreichs ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts“ vermitteln soll (S. 7). Wiewohl die baulichen Auswirkungen des geplanten Eingriffs relativ sensibel zu sein scheinen (es fehlen zur abschließenden Beurteilung der Stadtbild- und Welterbeverträglichkeit entsprechende Visualisierungen des Projekts, insbesondere von sensiblen städtebaulichen Punkten aus), muss scharf kritisiert werden, dass dem jetzt laufenden Umwidmungsverfahren ein „Wettbewerb zur Erlangung von Planungskonzepten für die Adaptierung und Erweiterung des Bestandsgebäudes zu Museumszwecken für das Haus der Geschichte Österreich im Museumsquartier“ vorgeschaltet und sogar „die Planung einer neuen Probebühne für den ‚Dschungel Wien‘ durchgeführt“ wurde (Zitat aus dem Kapitel „Maßgebliche Entwicklungen und Planungen“ im Erläuterungsbericht auf S. 7). Gemäß Informationen des Museumsquartiers erfolgte die Auslobung dieses „Architekturwettbewerbs“, wie es auf dessen Website heißt, im März 2024 und die Bekanntgabe des Siegerprojekts im September 2024 (Quelle: „Haus der Geschichte Österreich im MuseumsQuartier wird ein nachhaltiger Holzbau“; https://www.mqw.at/institutionen/haus-der-geschichte-oesterreich, abgerufen am 13.3.2025). Jetzt heißt es süffisant: „Für die Umsetzung des Wettbewerbsergebnisses ist eine Adaptierung der Bebauungsbestimmungen erforderlich.“ (Erläuterungsbericht S. 7). Warum jetzt im Rahmen der öffentlichen Auflage die Stadt Wien ernsthaft noch die Meinung der Wiener Bürger:innen und NGOs einholen will, wo doch längst alles lange vor dem Beschluss des Flächenwidmungs- und Bebauungsplans politisch akkordiert und de facto beschlossen wurde, muss offen bleiben. Die Abgabe einer Stellungnahme in diesem Bereich wird damit wohl zu einem reinen Formalakt ohne Wirkungsmöglichkeit degradiert. Hier hätte der Gesetzgeber in der „Bauordnung für Wien“ bereits vor dem Umwidmungsverfahren die formale Möglichkeit zur Abgabe einer Stellungnahme einfügen müssen (im Sinne eines formalen „Anhörungsrechts“ und nicht nur durch informelle Informationskanäle und -veranstaltungen). Unser Verein Initiative Denkmalschutz möchte hier ausdrücklich diese seit längerem eingerissene Unsitte der Stadt Wien aufzeigen, die Bürger:innen erst dann formal in die Stadtplanung/Stadtentwicklung einzubinden, wenn unter Umgehung jeglicher Partizipationsmöglichkeit alles längst politisch ausgehandelt wurde. In diesem Sinne gehört auch der „Masterplan für eine partizipative Stadtentwicklung (2017)“ überarbeitet, auf den im Managementplan „UNESCO-Welterbe Historisches Zentrum von Wien“ (2021) verwiesen wird. In der Stellungnahme des Fachbeirats für Stadtplanung, Stadtgestaltung und Welterbe“ (19.12.2024) heißt es: „Die Mitglieder des Fachbeirates nehmen diesen Antragsentwurf zur Kenntnis. Die Grundlagen dieses Widmungsentwurfs sind durch ein qualitätssicherndes Verfahren (Wettbewerb) sowie durch ein Gutachten HIA von Prof Abrihan bestätigt.“ Damit sich auch die breite Öffentlichkeit und fachspezifische NGOs selbst von der Stadtbild- und Welterbverträglichkeit überzeugen können, wäre die Veröffentlichung dieses „Heritage Impact Assessment“ (HIA) Gutachtens von Architekt Prof. Dr. Cristian Abrihan (Büro für Baukulturerbe) das Mindeste. Ohne dessen Veröffentlichung kann zwar der Fachbeirat in seiner Stellungnahme zum Schluss kommen, „dass der herausragende universelle Wert (Outstanding Universal Value OUV) der UNESCO Welterbestätte ‚historisches Zentrum Wien‘, der durch die Attribute (u.a. Dachlandschaften, Stadtveduten und Ansichten) definiert ist, nicht negativ beeinträchtigt“ werde. Es gibt aber keine Möglichkeit für die Öffentlichkeit, diese Aussage auf Richtigkeit und Nachvollziehbarkeit zu prüfen. Markus Landerer und Dr. Gerhard Hertenberger, im Namen der Initiative Denkmalschutz, Verein für den Schutz bedrohter Kulturgüter www.initiative-denkmalschutz.at, mobil: +43 (0)699 1024 4216 www.facebook.com/initiative.denkmalschutz https://twitter.com/iDenkmalschutz Fuchsthallergasse 11/5, 1090 Wien, Österreich email: ZVR-Nr.: 049832110 Quellen / Links: Haus der Geschichte Österreich im MuseumsQuartier wird ein nachhaltiger Holzbau https://www.mqw.at/institutionen/haus-der-geschichte-oesterreich HdGÖ – Ausblick in die Zukunft. Der neue Standort des hdgö ab 2028: https://hdgoe.at/machbarkeitsstudie Managementplan Welterbe Historisches Zentrum Wien: https://www.wien.gv.at/stadtentwicklung/strategien/managementplan-welterbe.html Masterplan für partizipative Stadtentwicklung: https://www.wien.gv.at/stadtentwicklung/partizipation/masterplan/

Markus Landerer, Initiative Denkmalschutz
Initiative Denkmalschutz
Verlorenes Erbe (Wien): Schloss Hacking, 1956 abgerissen
/ Berichte /Wien 1130, Hietzingvon IDM_adminIn der TV-Serie „Verlorenes Erbe“ (von Rupert Reiter-Kluger) im ORF 2-Vorabendprogramm (“Studio 2”) wurde am 1. Dezember 2021 das Schloss Hacking in der Schloßberggasse 8 (Wien-Hietzing) behandelt, das 1956 abgerissen wurde. ORF-FERNSEHBEITRAG (5 MIN): https://tvthek.orf.at/profile/Studio-2/13890037/Studio-2/14115177/Die-Affaere-Hacking/15047467. (ORF 2, ‚Studio 2‘, 1. Dezember 2021: „Die Affäre Hacking“. Im Hackinger Schlosspark stehen die letzten noch lebenden Zeitzeugen einer Affäre, die – so sie wirklich stattgefunden hat – die Monarchie kurzzeitig erzittern lies.) Aufgehängt an einer möglichen, aber unbewiesenen pikanten Liebesgeschichte mit dem jungen Kaiser Franz Josef rund um das Jahr 1852 wird über dieses traurige Schicksal des Schlosses berichtet. In diesem Barockschlössl, dessen Besitzer der Exthronfolger von Schweden, Prinz Gustav von Wasa, war, spielte sich auch die Liebesromanze zwischen Wasas einziger Tochter Carola, der späteren vorletzten Königin von Sachsen und des späteren Kaiser Franz Josef ab. Prinzessin Carola Wasa – 1833 in Hacking geboren – stammte aus dem abgesetzten Schwedischen Königshaus. Der junge Kaiser Franz Josef ging im Elternhaus von Carola im Schloss Hacking aus und ein. Die Historikerin Gudula Walterskirchen erklärt im ORF-Interview. Es gibt keine unmittelbaren Beweise dafür, dass die beiden ein Paar waren, aber dass sie sich näher gekommen sind, dafür gibt es einige Hinweise. Herauslesen lässt es sich aus den Hofdamenbriefen der Sophie von Scharnhorst, sie gibt Andeutungen für eine Affäre, liefert aber auch handfeste Indizien. Sophie von Scharnhorst arbeitete bei Prinzessin Amalie Marie von Schweden, die über viele Ecken mit dem Kaiserhaus verwandt war. Zum Schloss selbst: Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts befand sich an seiner Stelle die Veste Hacking, welche im Besitz der Babenberger war. Während der beiden Türkenbelagerungen 1529 und 1683 jeweils schwer beschädigt, wurde es bereits ab dem 17. Jahrhundert als Schloss bezeichnet. Erst 1718 wieder aufgebaut, wurde es 1826 im klassizistischen Stil umgebaut. 1832 erwarb Prinz Gustav von Wasa, Sohn des schwedischen Königs Gustav Adolf IV. und baute es ein wenig um und errichtete auch Nebengebäude neu. 1879 wurde das Schloss an den aus belgisch-deutschem Adel stammenden Josef Prinzen von Arenberg verkauft, dessen Familie es bis 1898 besaß. Die letzte Besitzerin war Eleonora von der Straaten-Ponhoz, die das Schloss 1954 an die Gemeinde Wien verkaufte. Die Stadt Wien ließ das Schloss abreißen und erbaute an seiner Stelle 1956-58 – neben einer Wohnhausanlage – das Jugendgästehaus „Hütteldorf“ (nach Pänen von Fred Freyler). Ein Teil der Innenausstattung konnte gerettet werden (Klein/Kupf/Schediwy, S. 183). Ein Türstock im Füllung aus dem Schloss hat sich in einer Privatwohnung in der nahe gelegenen Auhofstraße erhalten (Weißenbacher S. 123). Links: Das Hackinger Schloss (Ober St. Veit an der Wien, 1133.at): https://www.1133.at/document/view/id/604 Hackinger Schlösschen (Wikipedia): https://de.wikipedia.org/wiki/Hackinger_Schl%C3%B6sschen Hackinger Schloss (Hietzing.at): http://www.hietzing.at/Bezirk/geschichte2.php?id=400 Quellen / Literatur: Gerhard Weißenbacher, In Hietzing gebaut – Architektur und Geschichte eines Wiener Bezirkes, Wien 1996 (2. verbesserte Auflage 1999), Band I, Seite 120 bis 123 Dieter Klein, Martin Kupf, Robert Schediwy, Stadtbildverluste Wien. Ein Rückblick auf fünf Jahrzehnte, Wien 2004, Seite 183
Graz (Stmk): SOS Grazer Schule – Moderne in Gefahr
/ Berichte /Steiermark / Grazvon IDM_adminAnselm Wagner und Sophia Walk vom Institut für Architektur-Theorie der TU Graz schlagen gemeinsam mit Studierenden Alarm. Die Bauten der „Grazer Schule“ sind in Gefahr; sie werden immer öfter abgerissen oder durch Umbauten entstellt. Mit einer aufwendigen Zeitung versuchen Sie das Bewusstsein für den Wert der Bauten zu heben und ein Umdenken zu erreichen. Die „Grazer Schule“ ist ein besonderes Phänomen in der Österreichischen Architekturgeschichte (insbesondere der 1960-1980er Jahre) und von internationaler Bedeutung. In der 40-seitigen Zeitschrift „SOS Grazer Schule“ werden 125 Bauten aus der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts vorgestellt. Viele der Bauten liegen in keiner Altstadtschutzzone und stehen nicht unter Denkmalschutz. Wohl in Bälde abgerissen wird zum Beispiel der Zubau des Architekten Manfred Zernig am Schulbau der landwirtschaftlichen Schule Alt-Grottenhof. Anselm Wagner hofft insbesondere auf die Tätigkeit des Bundesdenkmalamtes. Christian Brugger, Abteilungsleiter für die Steiermark im Bundesdenkmalamt bestätigt, dass diese Bauten laufend evaluiert und auch unter Schutz gestellt werden (aktuell läuft ein Unterschutzstellungsverfahren für die Terrassenhaussiedlung Graz-St. Peter), doch alle können nicht geschützt werden, sodass mit weiteren Verlusten zu rechnen ist. Umso mehr liegt auch die Hoffnung auf die Bewusstseinsbildung in der Grazer Stadtregierung. ORF-FERNSEHBERICHT (2 MIN): https://tvthek.orf.at/profile/Steiermark-heute/70020/Steiermark-heute/14115251/Rettung-fuer-Bauten-der-Grazer-Schule/15047534 (ORF ‚Steiermark Heute‘, „Rettung für Bauten der ‚Grazer Schule’“, 1. Dezember 2021) Medienberichte: 1. Dezember 2021, ORF Studierende wollen Bauten der „Grazer Schule“ retten. Die „Grazer Schule“ ist ein Phänomen der jüngeren Architekturgeschichte und von internationaler Bedeutung. Doch viele der Bauten aus den 70er und 90er Jahren sind mittlerweile vom Abriss bedroht. Eine Gruppe Studierender will das verhindern: https://steiermark.orf.at/magazin/stories/3132550 16. Oktober 2021, Kleine Zeitung Fachleute schlagen Alarm: Die Abrissbirne bedroht das architektonische Erbe der „Grazer Schule“ (Bezahlschranke): https://www.kleinezeitung.at/steiermark/graz/6047289/Fachleute-schlagen-Alarm_Die-Abrissbirne-bedroht-das 7. September 2021, Moderne Regional (Deutschland) Grazer Moderne in Bedrängnis: https://www.moderne-regional.de/grazer-moderne-in-bedraengnis 8. Jänner 2011, Die Presse Was bleibt von der Grazer Schule? War sie eine Gruppe oder eine Szene, eine Bewegung oder eine Strömung? Fest steht, dass die „Grazer Schule“ einige außergewöhnliche Bauwerke hinterlassen hat. Fest steht auch, dass mit ihren Schlüsselbauten höchst nachlässig umgegangen wird: https://www.diepresse.com/623613/was-bleibt-von-der-grazer-schule
Verlorenes Erbe (Stmk): Franziskanerkloster Mürzzuschlag 1972 abgerissen
/ Berichte /Steiermark / Bruck-Mürzzuschlagvon IDM_adminIn der sehenswerten TV-Serie „Verlorenes Erbe“ (von Rupert Reiter-Kluger) im ORF 2-Vorabendprogramm (“Studio 2”) wurde am 17. November 2021 das Franziskanerkloster in Mürzzuschlag (Steiermark) behandelt. Das Barockkloster wurde 1799 aufgelassen und vor bald 50 Jahren dem Erdboden gleichgemacht. Im ORF-Beitrag kommt Pater Oliver vom Wiener Franziskanerkloster zu Wort. Er zeigt den Akt, der im klostereigenen Archiv aufbewahrt wird; darin befinden sich u. a. Vorstudien und Baupläne des Mürzzuschlager Franziskanerklosters aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. 1900 bis zum Abbruch 1972 waren Wohnungen und Geschäfte im alten Kloster untergebracht, davor war es auch als Hotel „Zum Erzherzog Johann“ in Benutzung, erklärt im ORF-Interview Heinz Veitschegger, ein historisch interessierter Bürger, der auch Fotos vom seinerzeitigen Abbruch des Klosters gemacht hat. Heute stehen an seiner Stelle Wohnhäuser. Die alte Klosterkirche in der Wiener Straße 56 blieb bestehen, doch anstelle des alten Eingangs zur Kirche wurde ein moderner Glasvorbau errichtet, sodass das Kirchengebäude als solches vom Straßenraum kaum mehr wahrnehmbar ist. Heute befindet sich im Kirchengebäude dasKunsthaus Mürz. Ebenso in Mürzzuschlag befindet sich das ehemalige Schimuseum (Wintersportmuseum Mürzzuschlag), das unter Denkmalschutz steht und trotzdem vor sich hinbröckelt. Dieses Gebäude in der Wiener Straße 79 (Foto) kann aber noch gerettet werden … ORF-FERNSEHBEITRAG (5 MIN): https://tvthek.orf.at/profile/Studio-2/13890037/Studio-2/14113364/Verlorenes-Erbe-Muerzzuschlag-und-das-vergessene-Kloster/15037238 (ORF 2, ‚Studio 2‘, 17.11.2021, „Verlorenes Erbe: Mürzzuschlag und das vergessene Kloster“)
Haus Wassermann (Wien): Denkmalschutz kam Abriss zuvor
/ Berichte /Wien 1190, Döblingvon IDM_adminIm ORF-Vorabendprogramm auf „Studio 2“ wurde am 4.11.2021 das ehemalige Haus Wassermann in Wien-Grinzing vorgestellt ORF-FERNSEHBEITRAG: https://tvthek.orf.at/profile/Studio-2/13890037/Studio-2/14111682/Villa-Wassermann-Ein-Anbau-und-seine-Folgen/15028175. Die federführend von Oskar Strnad (in Ateliergemeinschaft mit Josef Frank und Oskar Wlach) 1914-15 erbaute Villa des bekannten jüdischen Schriftstellers Jakob Wassermann (* 1873, +1934) wäre vor wenigen Jahren fast abgerissen worden. Ein Immobilieninvestor wollte an Stelle des Hauses in der Paul-Ehrlich-Gasse 4 einen Neubau errichten, doch im Zuge der Einverleibungsphase (Kauf) trat das Bundesdenkmalamt auf den Plan und stellte die Villa noch rechtzeitig (Dezember 2015) unter Denkmalschutz. „Oskar Strnad gehört zu den prägendsten Persönlichkeiten der sog. ‚Zweiten Wiener Moderne‘ der Zwischenkriegszeit“ (Zitat Architektenlexikon). Im ORF-Interview kommt der Strnad-Exprte Rainald Franz (MAK) sowie der Bauunternehmer Gerhard Hudecek zu Wort. Nebenan (Paul Ehrlich-Gasse 8) stand bis 2016 auch noch die 1932 erbaute Villa (Haus Gerzabek, Entwurf Hans Adolf Vetter) des berühmten Entertainers Peter Alexander (* 1926, + 2011), die jedoch abgerissen wurde, um einen Mehrparteienwohnhaus Platz zu machen. Dieses Schicksal ist der Villa Wassermann erspart geblieben, hat dafür aber einen modernen Anbau erhalten. Jetzt ist der Bauunternehmer Hudecek stolz mit dem Ergebnis und bezeichnet es als „eine Symbiose zwischen einem Neubau mit sehr hoher Qualität und einem historischen Kulturdenkmal, das wir erhalten konnten“. Nicht ganz so euphorisch zeigt sich der Strnad-Experte Rainald Franz, zumal der Neubau zu nah an den Altbau herangerückt wurde. Kommentar des ORF-Reporters Rupert Reiter-Kluger über das bauliche Ergebnis: „Die österreichische Lösung: ein bisserl Denkmalschutz, ein bisserl nicht, hat jedenfalls hier ein Beispiel geschaffen, über das noch viel diskutiert werden kann.“ ORF-FERNSEHBEITRAG HIER NACHSEHEN (5 MIN): https://tvthek.orf.at/profile/Studio-2/13890037/Studio-2/14111682/Villa-Wassermann-Ein-Anbau-und-seine-Folgen/15028175 (ORF 2, „Studio 2“, 4. November 2021, „Villa Wassermann: Ein Anbau und seine Folgen“) FOTOS 2015-18 HAUS WASSERMANN (von Erich J. Schimek für die Initiative Denkmalschutz: https://www.flickr.com/photos/id_ejs/albums/72157693639093890/with/16910157267 HAUS WASSERMANN (VPH-PROJEKT), VPH- Venture Property Holding GmbH: https://www.vph-wien.at/de/portfolio/73-1190-wien-paul-ehrlich-gasse-4 Oskar Strnad wurde in Zusammenarbeit mit Oskar Wlach und Josef Frank zu einem Vorreiter einer Wiener Moderne, die unter Einfluss der Theorien von Adolf Loos eine höchst eigenständige Position einnahm. Betreffend des Hauses Wassermann (und des ebenfalls von Strand erbauten Haus Hock in der Cobenzlgasse 71, Wien-Grinzing): „Wesentlich war die Zusammenfassung aller Wohnbereiche in einer großen zentralen Halle, die durch eine ausgeklügelte Weg- und Treppenführung mit dem Oberstock und dem Außenbereich verbunden war, wobei der Gedanke der Wegführung durch ein Gebäude sowohl für Strnad als auch für Frank ein bestimmendes Element der Planung darstellte. Dieses Raumsystem führte zu einem betont asymmetrischen Baukörper, dessen unterschiedlich geformte Wandöffnungen frei angeordnet waren. Dieses für die Zeitgenossen höchst ungewöhnliche Konzept, das zum Teil auch auf herbe Kritik stieß, wurde in formaler Hinsicht durch eine Anlehnung an Elemente des Biedermeier oder des Klassizismus (wie ein Dreieckgiebel oder ein Säulenportikus) ergänzt, was den Gebäuden einen etwas manieristischen Charakter verlieh.“ (Zitat aus „Stellenwert“ des Architekten Oskar Strnad im Architektenlexikon). Literatur: – Unterschutzstellungsbescheid des Bundesdenkmalamtes (25-seitig; GZ: BDA-59068.obj/0008-WIEN/2015), 16. Dezember 2015 – Friedrich Achleitner, Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert, Band III/3, Wien 19.-23. Bezirk, St. Pölten – Salzburg 2010, Seite 92 f. – Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs, Band: Wien X.-XIX. Bezirk und XXI. bis XXIII. Bezirk (Topographisches Denkmälerinventar, herausgegeben vom Bundesdenkmalamt), Wien 1996, Seite 591
Heumarkt-Hochhausprojekt (Wien): UNESCO-Managementplan Entwurf weiterer Schritt zum Welterbe-Verlust?
/ Presseaussendungen /Wien, allgemeinvon IDM_adminAPA-OTS-Presseaussendung, 8. November 2021 Heumarkt-Hochhausprojekt: UNESCO-Managementplan Entwurf weiterer Schritt zum Welterbe-Verlust? Morgen, 9.11. im Gemeinderatsausschuss! Initiative Denkmalschutz fordert Vorab-Veröffentlichung und bezweifelt mögliche Akzeptanz durch das UNESCO-Welterbekomitee! Wien (OTS) – Morgen, Dienstag, 9.11. fällt die Entscheidung im Gemeinderatsausschuss für Stadtplanung, ob der vorliegende Managementplan-Entwurf, der seit vielen Jahren von der UNESCO eingefordert wird, in der Gemeinderatssitzung am 25. November in dieser Form beschlossen wird (vgl. OTS 2.11.), dies unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit, kritischer Bürger und vieler NGOs (nur eine kleine kritische Fachöffentlichkeit durfte als Feigenblatt an einer Enquete am 6. Mai teilnehmen). Was langsam durchsickert ist, dass eine eher schwache Hochhaus-Ausschlusszone nur für den 1. Bezirk ‚Innere Stadt‘ vorgesehen ist, aber nicht für die gesamte Kernzone des Weltkulturerbes „Historisches Zentrum von Wien“. Somit wird ein in Höhe und Baumasse überdimensioniertes Heumarktprojekt (3. Bezirk), das den Kriterien des Welterbevertrages widerspricht, offensichtlich weiterhin von der Stadt Wien forciert. Die Initiative Denkmalschutz fordert vor Beschlussfassung im Gemeinderat die Veröffentlichung dieses Managementplan-Entwurfs, eine breite, öffentliche Diskussion, sowie Auskunft, ob dieser von der UNESCO überhaupt akzeptiert werden kann, und schließt sich vollinhaltlich der gestrigen Kritik der Initiative Stadtbildschutz an. Bundesregierung muss endlich rechtliche Schritte ergreifen! Da Wien offensichtlich weiterhin uneinsichtig bleibt und nicht alle Maßnahmen zur Durchsetzung des Welterbeübereinkommens (BGBl.Nr.60/1993) setzt, muss der zuständige grüne Bundesminister für Kultur, Werner Kogler (Staatssekretärin Andrea Mayer) gemäß Bundesverfassungsgesetz Art. 16 Abs. 4, die Zuständigkeit an sich ziehen und selbst die erforderlichen Maßnahmen treffen. Dass dies nicht nur möglich, sondern die ÖVP-Grüne Bundesregierung dazu sogar verpflichtet(!) ist, zeigt die umfassende Rechtsanalyse vom Juristen Dr. Helmut Hofmann im Sonderheft Nr. 2 der Initiative Denkmalschutz: „Wien und sein Welterbe – die rechtliche und verfassungsrechtliche Situation“ (Mai 2019) (sinngemäß äußerte sich auch Verfassungsrechtler em. o. Univ.-Prof. Dr. Theo Öhlinger). Erwartbare UVP-Pflicht: Weiterer Stolperstein für Heumarkt-Projekt Mit dem Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofes vom 15.10.2021 wurde die ao. Revision der WertInvest gegen die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes vom 15.7.2021 endgültig zurückgewiesen (GZ: Ra 2021/05/0153). Der ursprüngliche Feststellungsbescheid der Wiener Landesregierung, mit welchem eine UVP-Pflicht verneint wurde, ist damit beseitigt und außer Kraft getreten. Somit bleibt offen, ob das Heumarktprojekt einer Umweltverträglichkeitsprüfung unterzogen werden muss; eine UVP-Pflicht scheint jedoch sehr wahrscheinlich! Rückfragen & Kontakt: Markus Landerer (0699/1024 4216) und Dr. Gerhard Hertenberger (0676/7723433) Verein Initiative Denkmalschutz, www.idms.at Älterer iD-Bericht (26.6.2021): Gefährdetes Welterbe Wien (u. Heumarkt): Streichung von ‘Roter Liste’ 2022? Divergierende Interpretationen gibt es derzeit zur aktuell (22. Juni) veröffentlichten “Draft Decision” der bevorstehenden UNESCO-Welterbe-Komitee Sitzung Gefährdetes Welterbe Wien (u. Heumarkt): Streichung von ‘Roter Liste’ 2022?
Verlorenes Erbe (Wien): Villa Pollak 1968 abgerissen, Breitenfurter Straße 267
/ Berichte /Wien 1230, Liesingvon IDM_adminIn der sehenswerten TV-Serie „Verlorenes Erbe“ (von Rupert Reiter-Kluger) im ORF 2-Vorabendprogramm (“Studio 2”) wurde am 20. Oktober 2021 die Villa Pollak in der Breitenfurter Straße 267 (Ecke Gerbergasse 1) in Wien-Atzgersdorf (23. Bezirk Liesing) behandelt (ehem. Wienerstraße 117). Das 30.000 Quadratmeter große Areal hat Vergangenheit. Auf dem im September 2021 aufgelassenen Campingplatz Wien Süd („Residenz im Schlosspark“) stand bis 1968 die Villa Pollak. Davor stand am weitläufigen Areal die alte Kreuzmühle, die erstmals 1452 erwähnt wurde. 1852 machte daraus Johann Fichtner eine Knochenmühle und Spodiumfabrik für die Seifenerzeugung (bis 1887 in Betrieb) und errichtete daneben ein Herrenhaus. Der böhmisch-jüdische Industrielle Gustav Pollak (* 1860, + 1933) kaufte das Areal 1888 und wandelte die Fabrik in eine Gerberei und Lederfabrik um und baute das neben der Fabriksanlage befindliche Herrenhaus zu einer prunkvollen Wohnvilla um. Das alte Mühlengebäude am Liesingbach wurde 1900 abgerissen. Nach Stilllegung der Fabrik 1926 übersiedelte das Ehepaar Gustav und Anna Pollak von ihrem Palais in der Prinz Eugen-Straße 60 in die Wohnvilla am ehemaligen Fabriksgelände in Atzgersdorf. Die beiden Anrainer Karl Hobiger und Silvia Jelinek erzählen im ORF-Interview über die Geschichte der Pollak-Villa. Die Inneneinrichtung stammte vom berühmten Jugendstilarchitekten Josef Hoffmann, dieser hatte schon sein seit 1916 im Besitz befindliche Wohnpalais Pollak (erbaut 1899-1901 als Palais Landau) in der Prinz Eugen-Straße 60 neben dem Belvedere eingerichtet (seit 1928 Rumänische Botschaft). Das 1909 nach Plänen von Friedrich Schön erbaute Warenhaus Gustav Pollak (Foto) befand sich am Kohlmarkt 2 in der Wiener Innenstadt. Nach dem Tod Gustav Pollak 1933 verkauften die Witwe und Kinder das Palais in der Prinz Eugen-Straße und das Herrenhaus in Atzgersdorf 1938. Unter welchem Druck der Verkauf stattfand, lässt sich nicht mehr eruieren. 1941 begehen Pollaks Witwe, sein Sohn und die Schwiegertochter im 3. Bezirk Selbstmord. Tochter Franziska wird Universalerbin und 1944 in Ausschwitz ermordet. Tochter Vera entkommt gerade noch nach Amerika und meldet sich als Pollak-Erbin in Wien, kann aber keine Rückgabe erreichen, sie stirbt 1990. Die Wiener Restitutionskommission hat den Fall vertragt. Der alte Brunnen hat sich erhalten und verfällt vor sich hin. Er ist alles, was vom einstigen Glanz der Villa übrig blieb, zusammen mit der alten Mauer und dem gußeisernen Zaun. Zaun und Mauer werden im Zuge der bevorstehenden Umwandlung in den Stadtpark Atzgersdorf nicht erhalten. Der Zaun befindet sich in einem so schlechten Zustand, dass es sich nicht auszahlt, er ist auch nicht denkmalwürdig, erklärt Daniel Dutkovski, Projektleiter „Stadtpark Atzgersdorf“. Anrainerin Silvia Jelinek wünscht sich die Erhaltung dieser alten Mauer und Einfriedung und hätte sich die Integration in denen neuen Stadtpark Atzgersdorf gewünscht. ORF-FERNSEHBEITRAG ANSEHEN (5 MIN): https://tvthek.orf.at/profile/Studio-2/13890037/Studio-2/14109883/Stadtpark-Atzgersdorf/15019079 (20.10.2021, ORF-Studio 2: „Stadtpark Atzgersdorf“). Quellen / Links: Die alte Kreuzmühle auf Wien Geschichte Wiki: https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Kreuzm%C3%BChle Verfolgt- Vertrieben – Ermordet: Zur mahnenden Erinnerung durch Straßenbenennungen in Wien 23. (u.a. Kurzbiographie Gustav Pollak): http://david.juden.at/kulturzeitschrift/44-49/48-verfolgt.htm Restitutionsbericht 2004: Zusammenfassende Darstellung betreffend den Erwerb von Kunstobjekten aus der Sammlung Gustav Pollak durch die Städtischen Sammlungen (in: „Fünfter Bericht des amtsführenden Stadtrates für Kultur und Wissenschaft über die gemäß dem Gemeinderatsbeschluss vom 29. April 1999 erfolgte Übereignung von Kunst- und Kulturgegenständen aus den Sammlungen der Museen der Stadt Wien sowie der Wiener Stadt- und Landesbibliothek“, An den Gemeinderatsausschuss für Kultur und Wissenschaft, Stadtsenat sowie Gemeinderat; 22. November 2004): https://www.wienbibliothek.at/sites/default/files/files/wien-restitutionsbericht-2004.pdf Gebietsbetreuung, Stadterneuerung: Ein Stadtpark für Atzgersdorf: Mehr Freiraum für alle! Der Campingplatz „Wien-Süd“ in Atzgersdorf startet im Jahr 2021 in seine letzte Saison. Dann wird der neu gewonnene Freiraum auf Initiative der Bezirksvorstehung Liesing als öffentlicher Park neu gestaltet. Wir laden die Menschen vor Ort zum Dialog und Mitgestalten ein und informieren über die aktuellen Schritte: https://www.gbstern.at/themen-projekte/ein-stadtpark-fuer-atzgersdorf Medienberichte: 17. August 2021, ORF Campingplatz wird öffentlicher Park. In Atzgersdorf in Liesing wird ein 30.000 Quadratmeter großer Campingplatz in einen öffentlichen Park umgestaltet. Bis Mitte September werden die letzten Dauercamper das Areal verlassen. Nun sind die Pläne für die Neugestaltung präsentiert worden: https://wien.orf.at/stories/3117328 (vgl. Stadt Wien-Website: „Neuer Stadtpark für Atzgersdorf“: https://www.wien.gv.at/bezirke/liesing/umwelt/atzgersdorf-park.html) 28. Juli 2020, MeinBezirk Im August und September mitreden: Gestalten Sie den „Stadtpark für Atzgersdorf“. Die Gebietsbetreuung Stadterneuerung startet jetzt ein Beteiligungsprojekt zur Neugestaltung des Campingplatzes „Wien-Süd“: https://www.meinbezirk.at/liesing/c-lokales/gestalten-sie-den-stadtpark-fuer-atzgersdorf_a4167267 26. Februar 2018, MeinBezirk Wird der Campingplatz zum neuen Park für Liesing? Die Zeichen stehen gut: Eine Umwidmung soll den Liesingern mehr Erholungsraum bringen: https://www.meinbezirk.at/hernals/c-lokales/wird-der-campingplatz-zum-neuen-park-fuer-liesing_a2408840
Gefährdetes Welterbe Wien: Heumarkt-Hochhausprojekt wird Fall für EuGH
/ Berichte /Wien 1030, Landstraßevon IDM_adminMissverständliche Schlagzeilen in den Medien im Juli 2021 (wie z.B. ORF: „Heumarkt-Projekt braucht keine UVP“) ließen den Schluss zu, dass beim Heumarkt-Hochhausprojekt keine Umweltverträglichkeitsprüfungs (UVP)-Pflicht bestehe, doch dies ist so nicht korrekt. Die Sachlage zeigt sich deutlich komplizierter. Die anerkannte Umweltorganisation Alliance for Nature (AFN) hat in einer Pressekonferenz am 20. Oktober 2021 diesen komplexen Sachverhalt gemeinsam mit dem Rechtsexperten Dr. Piotr Pyka (von Ethos.legal Rechtsanwälte) erklärt. Kernfrage ist, ob das österreichische UVP-Recht der europäischen UVP-Richtlinie entspricht, denn dies darf stark in Zweifel gezogen werden, sodass eine UVP-Pflicht für das Heumarkt-Projekt naheliegend scheint. Doch eine solche UVP-Pflicht könnte das endgültige Aus für das Hochhausprojekt Heumarkt bedeuten, welches das UNESCO-Weltkulturerbe „Historisches Zentrum von Wien“ gefährdet. Sogar die EU-Kommission sieht UVP-Pflicht für Heumarkt-Projekt. Ebenso von großer Bedeutung ist die Frage, inwieweit der betroffenen Öffentlichkeit (z.B. NGOs wie Alliance For Nature oder Initiative Denkmalschutz) eine Parteienstellung zugestanden wird, um auch ggf. inhaltlich rechtswidrige Behördenverfahren beeinspruchen zu können. Nach der Beschwerde der Umweltschutz-Organisation „Alliance For Nature“ (AFN) gegen den negativen UVP-Feststellungsbescheid der Wiener Landesregierung betreffend Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) des Städtebauvorhabens ‚Am Heumarkt‘ muss sich nach dem Bundesverwaltungsgericht (BVwG), dem Verfassungsgerichtshof (VfGH) und dem Verwaltungsgerichtshof (VwGH) nun auch der Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) mit dem umstrittenen Bauprojekt im UNESCO-Welterbe „Historisches Zentrum von Wien“ auseinandersetzen, da vorab wesentliche und grundsätzliche Rechtsfragen geklärt werden müssen. Der Antrag auf Erteilung einer Baubewilligung für das Projekt „Heumarkt“ erfolgte am 30.11.2018. Einen Monat zuvor wurde mittels Bescheid der Wiener Landesregierung (16.10.2018) festgestellt, dass für das Projekt „Heumarkt“ keine UVP durchzuführen sei, doch dieser negative UVP-Feststellungsbescheid der Wiener Landesregierung wurde durch das Bundesverwaltungsgericht (BVwG) am 9.4.2019 aufgehoben. Dagegen hat die Projektwerberin eine Revision an den Verwaltungsgerichtshof (VwGH) eingebracht, der VwGH hat – spät aber doch – die Entscheidung des BVwG aufgehoben (25.6.2021). Die Baubehörde wollte offensichtlich die Frage der UVP-Pflicht des Projekts abwarten und hat 2 1/2 Jahre keine Entscheidung über den Baubewilligungsantrag getroffen, denn auch der Behörde war offenbar bewusst, dass vor Erteilung einer Baubewilligung die UVP-Frage geklärt sein muss. Durch die Aufhebung des negativen UVP-Feststellungsbescheides durch das Bundesverwaltungsgericht wurde der Baubehörde bzgl. Erteilung einer Baubewilligung für das Heumarkt-Hochhausprojekt ein Strich durch die Rechnung gemacht. Die Projektwerberin hat wegen des überlangen Verfahrens der Baubehörde am 12.3.2021 eine Säumnisbeschwerde an das Verwaltungsgericht Wien erhoben, damit wurde die Sache ein Fall für das Verwaltungsgericht Wien. Das Verwaltungsgericht Wien hat nun in seinem Beschluss vom 14.9.2021 befunden, dass im gegenständlichen Fall zahlreiche Auslegungsfragen des Unionsrechts (UVP-Richtlinie) unklar sind und hat dem Gerichtshof der EU (EuGH) sechs Fragen zur Vorabentscheidung vorgelegt. DIE KERNFRAGEN, DIE ES ZU KLÄREN GILT: 1.) Wurde die europäische UVP-Richtlinie im österreichischen UVP-Gesetz 2000 korrekt umgesetzt? Nach österreichischem Recht wird nämlich die UVP-Pflicht sehr eng gefasst, weil primär quantitative Kriterien eine Rolle spielen (lediglich große Stadterweiterungsprojekte mit großer Bebauung und Flächenverbrauch), nicht aber Projekte, die aufgrund der sensiblen Situierung z.B. großen Einfluss auf die Umwelt (Kultur) haben. 2.) Wer darf in welchem Verfahren die Durchführung einer UVP verlangen? Denn auch die ist nach österreichischem Recht sehr eng gefasst, sodass derzeit die betroffene Öffentlichkeit (z.B. eine NGO) keinen Antrag auf Durchführung eines UVP-Feststellungsverfahrens stellen darf, und im Baubewilligungsverfahren ein sehr enger Parteienbegriff herrscht (Anrainer haben Parteistellung bis zu einem Abstand von höchstens 20 Metern, unabhängig von der Masse und Größe des Bauverhabens). Nun ist der EuGH aufgefordert, wesentliche und grundsätzliche Rechtsfragen zu klären, die weit über das konkrete Hochhausprojekt am Heumarkt hinausgehen. Die Alliance For Nature (AFN) als anerkannte Umweltorganisation auch Mitglied der betroffenen Öffentlichkeit – kann somit verlangen, dass ein bestimmtes Vorhaben einer UVP unterzogen wird. Aus diesem Grund hat die AFN am 19.10.2021 einen Antrag beim Verwaltungsgericht Wien bzw. beim Magistrat der Stadt Wien gestellt und verlangt, dass für das Projekt „Heumarkt“ eine UVP durchzuführen ist. Zuvor hat die AFN – nach einem Tipp der Initiative Denkmalschutz – bereits vor dem BVwG erfolgreich die UVP-Pflicht für das Projekt „Heumarkt“ erkämpft. Das Verwaltungsgericht Wien bzw. der Magistrat der Stadt Wien müssen nunmehr über die Parteistellung der AFN und die UVP-Pflicht des Projekts „Heumarkt“ entscheiden. Auf jeden Fall werden diese Entscheidungen große Präzedenzwirkung für viele andere Projekte haben, weil sie den Weg für die betroffene Öffentlichkeit bzw. NGOs ebnen können, die UVP-Pflicht leichter durchzusetzen. QUELLE – PRESSEUNTERLAGEN: AFN-Pressemitteilung_2021-10-20_Staedtebauvorhaben-Am-Heumarkt-wird-Fall-fuer-EuGH Piotr-Pyka_Rechtsanwalt_ETHOS-legal_Pressetext_PK_2021-10-20 Verwaltungsgericht Wien – Beschluss vom 14. September 2021 (GZ: VGW-111/055/4533/2021-14): https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Lvwg/LVWGT_WI_20210914_VGW_111_055_4533_2021_14_00/LVWGT_WI_20210914_VGW_111_055_4533_2021_14_00.pdf Aktuelle Medienberichte: 21. Oktober 2021, MeinBezirk Streit um Prüfung: Heumarkt – Bauvorhaben wird Fall für den EuGH. Der Streit um das Bauprojekt am Heumarkt nimmt kein Ende. Nun hat das Wiener Gericht den Fall rund um das umstrittene Vorhaben an den Europäischen Verwaltungsgerichtshof (EuGH) weitergeleitet. Dabei geht es um die Klärung wichtiger Fragen zur Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP): https://www.meinbezirk.at/landstrasse/c-politik/heumarkt-bauvorhaben-wird-fall-fuer-den-eugh_a4963783 20. Oktober 2021, Standard Tojners Hochhausprojekt Heumarkt wird Fall für den EuGH. Das Verwaltungsgericht Wien lässt Fragen zum Umweltverträglichkeitsprüfungsrecht vom Europäischen Gerichtshof klären. Vor dessen Entscheid gibt es keine Baubewilligung: https://www.derstandard.at/story/2000130583517/tojners-hochhausprojekt-heumarkt-wird-fall-fuer-den-eugh 20. Oktober 2021, Die Presse / APA EuGH muss sich mit Heumarkt-Hochhaus befassen. Das Verwaltungsgericht Wien hat sich wegen Fragen rund um eine Umweltverträglichkeitsprüfung an das europäische Höchstgericht gewandt: https://www.diepresse.com/6049934/eugh-muss-sich-mit-heumarkt-hochhaus-befassen 20. Oktober 2021, Kurier Heumarkt: Tojners Bauprojekt landet vor Europäischem Gerichtshof. Das Verwaltungsgericht muss darüber entscheiden, ob für das umstrittene Vorhaben eine UVP durchgeführt werden muss. Dafür holt es sich jetzt Hilfe vom EuGH: https://kurier.at/chronik/wien/heumarkt-tojners-bauprojekt-landet-vor-europaeischem-gerichtshof/401776614 19. Oktober 2021, Kurier Heumarkt: Zwischen Eislaufen und Europäischem Gerichtshof. Am Samstag eröffnet der Eislaufverein am Heumarkt die Saison – diesmal im Beisein von Tennisstars. Gegner des dort geplanten Hotelprojekts versuchen unterdessen, den EuGH zu aktivieren (Bezahlschranke): https://kurier.at/chronik/wien/heumarkt-zwischen-eislaufen-und-europaeischem-gerichtshof/401774181 6. Oktober 2021, Wiener Zeitung Gastkommentar Christian Schuhböck / Alliance For Nature: Neue Welterbestätten, alte Probleme. Man rühmt sich des Welterbes – bis es im Weg ist und weggeräumt wird: https://www.wienerzeitung.at/meinung/gastkommentare/2123890-Neue-Welterbestaetten-alte-Probleme.html Ältere Medienberichte: 12. Juli 2021, ORF Heumarkt-Projekt braucht keine UVP. Zuerst hat es geheißen, zurück an den Start, jetzt plötzlich doch nicht: Das umstrittene Bauprojekt auf dem Heumarkt braucht keine Umweltverträglickeitsprüfung (UVP). Das hat der Verwaltungsgerichtshof (VwGH) jetzt festgestellt, berichtet „Wien heute“: https://wien.orf.at/stories/3112393 12. Juli 2021, Standard Heumarkt-Projekt braucht offenbar keine Umweltverträglichkeitsprüfung. Wie „Wien heute“ berichtet, benötigt das umstrittene Bauprojekt am Heumarkt keine entsprechende Prüfung: https://www.derstandard.at/story/2000128143700/heumarkt-projekt-braucht-offenbar-keine-umweltvertraeglichkeitspruefung 20. Dezember 2019, Standard Unklarheit über 66-Meter-Hochhaus am Heumarkt. Projektbetreiber Tojner will auf das Hochhaus verzichten, wenn dafür das neue Hotel Intercont höher werden kann. Stimmt die Unesco nicht zu, soll der 66-Meter-Turm gebaut werden – Bauverhandlung am 18. Dezember: https://www.derstandard.at/story/2000112523017/heumarkt-hochhaus-soll-nicht-umgesetzt-werden 2. Dezember 2019, Standard Heumarkt-Projekt ist offiziell „baureif“. Der am Montag erfolgte Formalakt der Bauplatzschaffung ruft die Wiener Opposition […]
Wien: Neue Schutzzonen in Brigittenau – Stellungnahme zum Planentwurf 8338
/ Stellungnahmen /Wien 1200, Brigittenauvon IDM_adminStellungnahme der Initiative Denkmalschutz zum Planentwurf 8338 Für das Gebiet zwischen Wallensteinstraße, Nordwestbahnstraße, Rabbiner-Schneerson-Platz, Linienzug 1-3 (Bezirksgrenze zum 2. Bezirk) und Rauscherstraße im 20. Bezirk, Katastralgemeinde Brigittenau Einleitung: Grundsätzlich wird im Sinne der Erhaltung des örtlichen Stadtbildes und der Altstadterhaltung, also zur Gewährleistung des Bestandes, eine bestandsgenaue Widmung für die historisch wertvollen Objekte im Plangebiet sowohl in der Höhenentwicklung, als auch hinsichtlich der bebaubaren Fläche vorgeschlagen. Ebenso möge die Anzahl der Hauptgeschoße mit einer besonderen Bestimmung (BB) exakt dem Bestand angepasst werden. Durch diese Maßnahme – und durch die Festsetzung einer Schutzzone – wird am ehesten der Anreiz für Abbruch und Neubau vermieden. Die Stellungnahme im Detail: Sehr begrüßt wird die im Planentwurf vorgesehene, umfassende Vergrößerung der Schutzzonen. Insbesondere positiv hervorgehoben wird, dass nun auch stadtbildprägende Gründerzeitbauten mit zum Teil stark reduziertem Fassadendekor (aber oftmals mit gut erhaltenen Gründerzeitstrukturen und Dekorationselementen im Gebäudeinneren) für Schutzzonenwidmungen vorgesehen sind. Zitat im Erläuterungsbericht (Seite 15): „Einige Gebäude wurden trotz ihrer reduzierten oder kaum vorhandenen Dekorelemente, aufgrund der Proportionen und Strukturierung ihrer Fassaden, in Bezug auf das Umfeld als maßstäblich einheitliche Verbindung der historischen Nachbargebäude, in die Schutzzone aufgenommen.“ Scharf kritisiert werden muss jedoch, dass die Bezirksvertretung Brigittenau noch während der öffentlichen Auflage ihre Stellungnahme zum Planentwurf abgegeben hat (15. September 2021), die öffentliche (sechswöchige) Auflagefrist aber erst am 14. Oktober endet (Zu dieser Problematik vgl. Bericht der Initiative Denkmalschutz: „Bezirkspolitik in Wien: Kein Interesse an Stellungnahmen der eigenen Bürger!“ (21.8.2020): https://www.initiative-denkmalschutz.at/berichte/bezirkspolitik-in-wien-kein-interesse-an-stellungnahmen-der-eigenen-buerger). Es wird daher nachdrücklich angeregt, dass die Magistratsabteilung 21 hinkünftig die öffentlichen Auflagen von Planentwürfen mit den Sitzungsterminen der örtlichen Bezirksvertretung zeitlich besser abstimmt, um diese Reihenfolge hinkünftig zu verhindern bzw. – noch besser – die Bauordnung entsprechend zu ändern (vgl. Stellungnahme der Initiative Denkmalschutz zur Bauordnungsnovelle 2021 vom 20.9.2021 zu § 2 Abs. 5: https://www.initiative-denkmalschutz.at/stellungnahme/wien-stellungnahme-bauordnungsnovelle-2021-initiative-denkmalschutz). Abschließend wird nachdrücklich vorgeschlagen, für die Schutzzone die entsprechenden Architekturteile in einen Katalog nach § 7 (4) Wiener Bauordnung aufzunehmen, sodass auch diese einen rechtsverbindlichen Bestandteil des Bebauungsplanes bilden. Markus Landerer und Dr. Gerhard Hertenberger, im Namen der Initiative Denkmalschutz, Verein für den Schutz bedrohter Kulturgüter www.initiative-denkmalschutz.at, mobil: +43 (0)699 1024 4216 www.facebook.com/initiative.denkmalschutz https://twitter.com/iDenkmalschutz Fuchsthallergasse 11/5, 1090 Wien, Österreich email: ZVR-Nr.: 049832110
St. Pölten (NÖ): Bahnhof Viehofen – ÖBB planen Abriss, Stadt möchte Erhaltung
/ Berichte /Niederösterreich / St. Pölten Stadtvon IDM_adminIm nördlichen St. Pöltner Stadtteil Viehofen befindet sich ein kleines Bahnhofsgebäude (Aufnahmegebäude) an der Tullnerfeldner Bahn. Das um 1885 errichtete, zweigeschoßige Gebäude mit schlichter späthistoristischer Fassade hat für die ÖBB jegliche Funktion verloren. Es steht nicht unter Denkmalschutz und soll daher abgerissen werden. Das Gebäude soll dann durch eine schlichte Wartekoje mit Bänken ersetzt werden. Doch die Stadt St. Pölten zeigt Interesse an der Zukunft des historischen Bahnhofsgebäudes in der Saßmannstraße 1, denn es sei ihrer Meinung nach „stadtbildprägend“ und erhaltenswert. Die Stadt wünscht sich daher, dass das Gebäude nicht abgerissen wird, sondern seitens der ÖBB zum Verkauf angeboten wird. Dafür müsste aber wegen der räumlichen Nähe zum Gefahrenraum bei den Gleisen das Gebäude bei einer Nachnutzung wohl umgebaut werden. Nun ist die ÖBB in Gesprächen mit der Stadt St. Pölten. Auch werden Interessenten für eine mögliche Nachnutzung gesucht. Mehr Fotos vom Bahnhof (Wikipedia): https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Bahnhof_Viehofen?uselang=de Medienberichte: 1. Oktober 2021, Krone Gebäude droht Abriss: Ideensuche für alten Bahnhof in St. Pölten läuft. Der Bahnhof im St. Pöltner Stadtteil Viehofen hat offenbar keine Zukunft – laut ÖBB wird er nicht mehr gebraucht: https://www.krone.at/2520177 22. Jänner 2021, NÖN Anrainer-Sorgen: Bangen um den Bahnhof in Viehofen. Stadt bekundet Interesse an Gebäude. Keine Lösung für Güterzüge: https://www.noen.at/st-poelten/anrainer-sorgen-bangen-um-den-bahnhof-in-viehofen-st-poelten-bahnhof-viehofen-oebb-print-244154004 Literatur: Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs (Topographisches Denkmälerinventar, Hrsg. Bundesdenkmalamt). Band: Niederösterreich südlich der Donau, Teil 2: M bis Z, Horn/Wien 2003, Seite 2048