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AKTUELLE BERICHTE

Girardihaus (Graz): Aktivisten besetzen gefährdetes Altstadthaus

Seit vielen Jahren verwahrlost das denkmalgeschützte Geburtshaus des Volksschauspielers Alexander Girardi (1850-1918) und man befürchtet einen Abbruch. Jetzt wurde das Haus in St. Leonhard (2. Grazer Bezirk) letzten Samstag (1.8.) von Aktivisten besetzt, was für viel Aufsehen sorgte. „Die Stadt Graz lässt das Girardi-Geburtshaus vollkommen verfallen. Man will mehr Profit und deswegen soll jetzt ein Bauprojekt entstehen„, sagt ein Aktivist überzeugt. MeinBezirk-ARTIKEL WEITERLESEN: https://www.meinbezirk.at/graz/c-lokales/fuenf-nach-zwoelf-aktivisten-besetzen-girardi-geburtshaus-in-der-leonhardstrasse_a4173087 (Krone: https://www.krone.at/2203222; KleineZeitung: https://www.kleinezeitung.at/steiermark/graz/5847602/Protestaktion_Grazer-Girardihaus-auch-am-Sonntag-noch-besetzt) +++ Meldung Hausbesetzung auf Twitter: https://twitter.com/DokuServiceStmk/status/1289536477458624512 +++ Kommentar INITIATIVE DENKMALSCHUTZ: Sehr glaubwürdig wirkt der Einsatz für den Erhalt dieses vom Abbruch bedrohten, denkmalgeschützten Altstadthauses seitens der Stadt Graz nicht, trotz der Tafel, die der Bürgermeister Siegfried Nagl vor dem Haus aufstellen hat lassen. Darauf steht zu lesen: „Das Girardihaus (Leonhardstraße 28) steht unter Denkmalschutz. Beschädigungen bzw. widerrechtliche Veränderungen oder Zerstörungen sind verboten und werden (straf)rechtlich verfolgt.“ Denn gleichzeitig hat die Stadt Graz das Haus aus der Schutzzone herausgenommen !!! Siehe: Standard, 27.8.2017: Ein Geburtshaus und Ex-Beisl mit ungewisser Zukunft in Graz Christian Brugger, Abteilungsleiter der Steiermark im Bundesdenkmalamt: „Wir sind ohnehin schon sehr flexibel geworden, weil wir natürlich eine Lösung suchen. Es gab vor Jahren einen Erweiterungsplan des Eigentümers, den wir von uns aus bewilligt hatten“. Auch die Altstadtkommission beteuert, sehr entgegenkommend gewesen zu sein, man habe das Objekt sogar aus der Schutzzone herausgenommen, es also als nicht mehr schützenswert im Altstadtensemble bewertet. Hier weiterlesen: https://www.derstandard.at/story/2000063170366/ein-geburtshaus-und-ex-beisl-mit-ungewisser-zukunft-in-graz Mehr Infos und Hintergründe: Initiative Denkmalschutz Bericht, 12. Juni 2020 Girardihaus (Graz): Trotz Denkmalschutz nicht ‘schützenswert’? https://www.initiative-denkmalschutz.at/berichte/girardihaus-graz-trotz-denkmalschutz-nicht-schuetzenswert

Trautson (Tirol): Auf den Spuren der 1945 zur Ruine gebombten Burg

Im April 1945 haben amerikanische B-52-Bomber das Schloss Trautson bei Matrei (Gemeinde Mühlbachl) bei einem Luftangriff weitgehend zerstört, das eigentliche Ziel war vermutlich die Brenner-Eisenbahn bzw. die unter der Burg liegenden Brücke. 1947/1948 wurde der Burgplatz abgeräumt und aus den Ruinen-Resten wurde ein neues Wohngebäude errichtet, die Kaplanei. Der Eigentümer DI Gobert Auersberg-Trautson möchte jetzt den hoch auf einem Felsen über der Sill liegenden, denkmalgeschützten Burgplatz gemeinsam mit dem Verein Schloss Matrei Trautson aufarbeiten und revitalisieren. Geplant ist, mit gezielten archäologischen Sondagen die Entwicklung der Burg vom 13. Jh. bis 1945 unter der Einwirkung der Bombentreffer zu untersuchen. TIROLER TAGESZEITUNG WEITERLESEN: https://www.tt.com/artikel/17190091/den-geheimnissen-von-schloss-trautson-im-wipptal-auf-der-spur +++UPDATE ORF: Beim Bombenangriff wurde auch die prunkvolle Kapelle aus dem 17. Jahrhundert zerstört. Archäologen finden jetzt Reste davon auf dem gesamten Burghügel verteilt, WEITERLESEN: https://tirol.orf.at/stories/3060023 +++  Bericht mit vielen HISTORISCHEN FOTOS: „Schloss Trautson – Perle des Wipptals“ (Wipptal Blog, 26.9.2019): https://wipptalblog.tirol/de/schloss-trautson-perle-des-wipptals +++ KURZBESCHREIBUNG BURG TRAUTSON (Adresse: Zieglstadl 22): „Die Burg Trautson an wirtschaftlich und verkehrsmäßig bedeutender Stelle erbaut, 1221 erstmals urkundlich erwähnt. Seit 1360 war sie bis 1778 im Besitz der Grafen Trautson, heute gehört sie den Fürsten Auersperg. Bis zu ihrer Zerstörung war Trautson eine der besterhaltenen Burgen Tirols. Erhalten hat sich auf dem isolierten Hügelrückem mit schroff abfallender Seite zur Sill das innere Burgtor, Teile der östlichen Umfassungsmauer mit Schießscharten (zweite Hälfte 16. Jahrhundert) und das 1947 wieder errichtete Kaplaneigebäude, das in seiner Form an einen Palas erinnert. Lang gestreckte Burganlage mit diversen Mauerresten und burgenkundlich hochinteressanten Details.“ (Quelle: Datenblatt Burg Trautson – Tiroler Kunstkataster) +++ Burgruine Trautson (Projekt 2017-19, Architektur:lokal): https://www.architektur-lokal.at/schloss-trautson-matrei +++ Ältere Medienberichte: „Hängebrücke im Wipptal nimmt Form an. Sie ist Teil eines Revitalisierungsprojekts des Areals von Schloss Matrei-Trautson“ (28.3.2020, ORF): https://tirol.orf.at/stories/3041388; „Baubeginn für Hängebrücke im Wipptal“ (6.11.2019, ORF): https://tirol.orf.at/stories/3020352; „Schloss Trautson: Per Hängebrücke zum Schlosserlebnis“ (16.5.2019, MeinBezirk): https://www.meinbezirk.at/stubai-wipptal/c-lokales/per-haengebruecke-zum-schlosserlebnis_a3382821; „Viel Geld und Liebe für Schloss Trautson“ (27.9.2018, Tiroler Tageszeitung): https://www.tt.com/artikel/14852580/viel-geld-und-liebe-fuer-schloss-trautson; „‚Revitalisierung‘ von Schloss Trautson gestartet“ (18.5.2018, MeinBezirk): https://www.meinbezirk.at/stubai-wipptal/c-lokales/revitalisierung-von-schloss-trautson-gestartet_a2622152; „Schloss Trautson: Große Pläne und viel Enthusiasmus“ (14.12.2017, MeinBezirk): https://www.meinbezirk.at/stubai-wipptal/c-lokales/schloss-trautson-grosse-plaene-und-viel-enthusiasmus_a2351253 +++ Die Burg Trautson auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Trautson. +++ Die Burg Trautson im Tiroler Kunstkataster: https://gis.tirol.gv.at/kunstkatasterpdf/pdf/52820.pdf +++ Schloss Trautson, Eintrag auf „Wehrbauten in Österreich“: http://www.wehrbauten.at/trl/tirol.html?/trl/trautson/trautson.html +++ Das Schloss Trautson (Regionalmanagement Wipptal): https://www.rm-tirol.at/regionen/wipptal/unsere-region/news-detail/news/schloss-matrei-trautson.

Unterweißenbach (OÖ): Silberschatz aus Spätmittelalter gefunden

Ein beachtlicher Fund aus dem Spätmittelalter ist in der Mühlviertler Gemeinde Unterweißenbach (Bezirk Freistadt) gemacht worden. Private Schatzsucher stießen in einem Feld auf mehr als 1.500 Silbermünzen aus dem 15. Jahrhundert. Erfreulich: Die ehrlichen Finder alarmierten das Bundesdenkmalamt. Alfred Weidinger, Direktor OÖ Landes Kultur GmbH: „Der Finder hat das vollkommen richtig gemacht. Der Finder hat den Grundeigentümer verständigt, die haben dann wiederum das Bundesdenkmalamt verständigt. Die haben einen Archäologen beauftragt und der Archäologe hat dann am Ende uns informiert. Das war sozusagen eine vorbildliche Informationskette. Und so können wir aus diesem Fund wirklich sehr, sehr viele Informationen generieren.“ Einer der bedeutendsten Schatzfunde war in Oberösterreich zweifelsohne der Fund vom Fuchsenhof in Freistadt im Jahr 1997. Dieser erhielt neben Münzen auch Edelmetallbarren und Schmuckstücke und wurde zwischen 1275 und 1278 verborgen. ORF-FERNSEHBERICHT ZUM NACHSEHEN: https://tvthek.orf.at/profile/Oberoesterreich-heute/70016/Oberoesterreich-heute/14059955/Silberschatz-im-Muehlviertel-gefunden/14737829 +++ STANDARD-ARTIKEL LESEN: https://www.derstandard.at/story/2000119052776/silberschatz-aus-dem-15-jahrhundert-im-muehlviertel-entdeckt +++ Weitere Medienberichte: MeinBezirk: https://www.meinbezirk.at/freistadt/c-lokales/mehr-als-1500-silbermuenzen-aus-15-jahrhundert-entdeckt_a4162278; Oberösterreichische Nachrichten: https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/silberschatz-gefunden-ehrliche-finder-alarmierten-bundesdenkmalamt;art4,3279280; ORF: https://ooe.orf.at/stories/3059946; Kronenzeitung: https://www.krone.at/2201302; Kleine Zeitung: https://www.kleinezeitung.at/oesterreich/5846121/Aus-dem-15-Jahrhundert_Schatz-mit-1500-Silbermuenzen-im. +++ Der bedeutendste Schatzfund in Oberösterreich, der Schatzfund von Fuchsenhof (Wikipedia): https://de.wikipedia.org/wiki/Schatzfund_von_Fuchsenhof.

Belastete Denkmäler – Beispiel Lueger-Denkmal (Wien): Denkmäler stürzen keine Lösung!

Am Beispiel Lueger-Denkmal: Historiker: Denkmäler stürzen keine Lösung. Wie soll man mit Denkmälern von umstrittenen historischen Persönlichkeiten umgehen? Im Zuge der Black-Lives-Matter-Demos wurden viele zerstört oder beschmiert. Historiker Oliver Rathkolb sieht darin keine Lösung. Und auch unser Verein Initiative Denkmalschutz sieht dies so. Umso größer daher die Frage, wieso dies beim Hitler Geburtshaus anders gesehen wird (vgl. Presseaussendung: „Hitlers Geburtshaus: ‚Neutralisierung muss scheitern‘. Initiative Denkmalschutz: Erhaltung und Kontextualisierung ‘State of the Art’ (17.7.): https://www.initiative-denkmalschutz.at/presseaussendungen/hitlers-geburtshaus-neutralisierung-muss-scheitern-initiative-denkmalschutz-erhaltung-und-kontextualisierung-state-of-the-art). ORF-FERNSEHBEITRAG ZUM NACHSEHEN: https://tvthek.orf.at/profile/Wien-heute/70018/Wien-heute/14059646/Historiker-ueber-Beschmierung-von-Lueger-Denkmal/14736401 +++ ORF-BERICHT LESEN: https://wien.orf.at/stories/3059580 +++ Weitere Medienberichte: „Der Sturm auf die Denkmäler ist in Wien ein laues Lüftchen. Während in anderen Teilen der Welt Sklavenhändler ins Wasser gestürzt werden, plant die Stadt keine Verlegung des umstrittenen Lueger-Denkmals“ (21.6.2020): https://www.derstandard.at/story/2000118184936/der-sturm-auf-die-denkmaeler-ist-in-wien-ein-laues; „Pro & Kontra: Abriss des Karl-Lueger-Denkmals in Wien. An den antisemitischen Ergüssen des einstigen Bürgermeisters gibt es nichts zu verharmlosen. Muss die Statue weg?“ (14.7.2020, Der Standard): https://www.derstandard.at/story/2000118713205/pro-kontra-abriss-des-karl-lueger-denkmals-in-wien. +++ Das Lueger-Denkmal auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Dr.-Karl-Lueger-Platz#Luegerdenkmal.

Holerlies Hof (Tirol): ‚Kampf‘ ums Ortsbild in Mutters

Grüne und Bundesdenkmalamt wollen den alten Holerlies-Hof in der Gemeinde Mutters bei Innsbruck erhalten. Bürgermeister Hansjörg Peer (Wir Mutterer) fordert den Abriss. Nachdem unser Verein Initiative Denkmalschutz das Bundesdenkmalamt auf den drohenden Abriss des Holerlies Hof aufmerksam gemacht hatte, wurde das Bundesdenkmalamt sofort aktiv und hat noch in sprichwörtlich letzter Sekunde das historische Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Seitdem gibt es Streit in der Gemeinde um die Erhaltung. Der Bürgermeister pocht weiterhin auf Abbruch, Johannes Fritz, Gemeinderat und Vertreter der Grünen Mutters fürchtet hingegen um das Ortsbild. TIROLER TAGESZEITUNG WEITERLESEN: https://www.tt.com/artikel/17150233/kampf-ums-ortsbild-und-debatte-um-holerlies-hof-in-mutters UPDATE (27.7.2020): MeinBezirk: Ruine in Mutters: Schandfleck oder erhaltenswertes Objekt? https://www.meinbezirk.at/westliches-mittelgebirge/c-politik/schandfleck-oder-erhaltenswertes-objekt_a4164297 27.1.2020. Presseaussendung Initiatve Denkmalschutz: Initiative Denkmalschutz: Rettung für alten Gutshof in Mutters in letzter Sekunde? Bundesdenkmalamt Tirol hat dieser Tage eine Not-Unterschutzstellung ausgesprochen! Ein altes Bauernhaus mit Kern bis in die frühe Neuzeit hätte in Kürze abgerissen werden sollen! https://www.initiative-denkmalschutz.at/presseaussendungen/gutshof-mutters Ältere Medienberichte: 29.1.2020, MeinBezirk Hausabbruch untersagt: Riesenärger in Mutters über Denkmalamt – mit Umfrage https://www.meinbezirk.at/westliches-mittelgebirge/c-lokales/riesenaerger-in-mutters-ueber-denkmalamt-mit-umfrage_a3895551 17.1.2020: Lösung eines alten Problems in Mutters , MeinBezirk.at https://www.meinbezirk.at/westliches-mittelgebirge/c-lokales/loesung-eines-alten-problems-in-mutters_a3873483  

Mozarteum Salzburg: Bürgerinitiative gegen Foyer-Neubau

Die Stiftung Mozarteum strebt einen Foyer-Neubau beim denkmalgeschützten Mozarteum Gebäude in der Schwarzstraße 26-28 in der Stadt Salzburg an. Dafür müsste jedoch der historische Verbindungstrakt abgerissen werden. Eine Bürgerinitiative rund um Hannes Schneilinger möchte dies verhindern und sieht sich bestätigt durch ein kritisches Gutachten von Friedrich Idam, Monitoring Beauftragter des Weltkulturerbes für Salzburg (ICOMOS Austria – Internationaler Rat für Denkmalpflege). Der UNESCO-Welterbe Beauftragte Idam hatte zuvor kritisiert, dass Eva Hody, Leiterin des Bundesdenkmalamtes Salzburg, den modernen Neubau zwischen den beiden historischen Gebäuden nicht verhindert. KRONE ARTIKEL WEITERLESEN: https://www.krone.at/2197150; „Baustart im September: Stiftung Mozarteum drängt auf neues Foyer“ (1.7.2020, Krone): https://www.krone.at/2182642 Der eklatante Sündenfall – Actio und Reactio Eva Hody, Leiterin im Bundesdenkmalamt Salzburg: „Das verbindende Arkadenbauwerk als auch der gartenseitige Zwischenbau mit Pausenfoyer und originaler Möblierung aus der Bauzeit des Mozarteums sind zwar Teil des Denkmals, jedoch ist ihre räumliche Funktionalität und architektonische Qualität im Kontext der beiden großen Baukörper gering, so dass diese untergeordneten Bauvolumen keine wesentlichen denkmalbegründenden Eigenschaften haben. (…) stehen daher das Arkadenbauwerk als auch der Zwischenbau mit Pausenfoyer zur Disposition.“ Diese Stellungnahme – vor Abhaltung des Architekturwettbewerbes auf BDA-Briefpapier verschriftlicht – sollte ein gravierendes Nachspiel haben. Die zuständige Abteilung II/4 im Bundeskanzleramt, zuständig für Denkmalschutz, quittierte dies harsch. Wörtlich heißt es: „DI Eva Hody, Leiterin der Abteilung für Salzburg, beschreitet eine denkmalschutzrechtlich nicht gedeckte Vorgangsweise (…) und erteilt mit dem amtlichen Schreiben des Bundesdenkmalamtes einen nicht statthaften ‚Freibrief‘ und Anreiz zu einer wesentlichen Zerstörung und Teilabbruch eines denkmalgeschützten Bauwerks inmitten der UNESCO Welterbestadt Salzburg. Dass wichtige Teilbereiche, wie der Mitteltrakt des Mozarteums als keinesfalls untergeordneter Bauteil und sehr wohl architektonisch diffizil ausgebildet zu bezeichnen ist, vor dem Architekturwettbewerb mit einer Stellungnahme des BDA gleichsam aus dem Denkmalschutz entlassen werde, ist eine weittragende, um nicht zu sagen eigenmächtige und nicht gesetzeskonforme Vorgangsweise, die eine Untergrabung des Denkmalschutzgesetzes darstellt. Dies wird als eine Kompetenzvermischung erachtet, die in dieser Vorgangsweise als Gesetzesbruch zu bezeichnen ist.“ Zitiert aus: Hannes P. Schneilinger, „Dem Salzburger Gesamtkunstwerk ‚Mozarteum‘ droht Gefahr“, in der Zeitschrift: Denkma[i]l, Nachrichten der Initiative Denkmalschutz, Nr. 25, September 2019, Seite 24-27, siehe: https://www.initiative-denkmalschutz.at/zeitschrift Ältere Medienberichte: „Denkmalschutz: Salzburger Eskapaden. Das Mozarteum in Salzburg soll mit einem Zubau aus Glas und Stahl erweitert werden. Die bekannt gewordenen Pläne rufen nicht nur Denkmalschützer auf den Plan. Auch werfen sie die Frage auf, wie weit Denkmalschutz heute gehen darf.“ (16.1.2019, Wiener Zeitung): https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/kultur/mehr-kultur/1013112-Salzburger-Eskapaden.html; „Personalknappheit. Denkmalschutz: Zahnlose Regelung, fehlende Anreize. Das Mozarteum in Salzburg soll baulich erweitert werden, das erregt Unmut. In der Praxis zeigt sich beim Denkmalschutz eine Zweiklassengesellschaft“ (7.1.2019, Der Standard): https://www.derstandard.at/story/2000095508963/denkmalschutz-in-oesterreich-zahnlose-regelung-fehlende-anreize; „Neubau ab 2021. Mozarteum: Stahl und Glas statt geschütztem Trakt„ (23.10.2018, Krone): https://www.krone.at/1794319; „Mozarteum: Pläne für Umbau präsentiert. UNESCO-Beauftragter ist dagegen„ (22.10.2018, ORF): https://salzburg.orf.at/v2/news/stories/2942922; „Umbau Mozarteum: Streit um Denkmalschutz“ (27.9.2018, ORF): https://salzburg.orf.at/v2/news/stories/2938296; „Umbaupläne des Mozarteums sorgen in Salzburg für Aufregung“ (27.9.2018, Kurier): https://kurier.at/chronik/oesterreich/umbauplaene-des-mozarteums-sorgen-in-salzburg-fuer-aufregung-bauvorhaben-weltkulturerbe/400130429; „Trotz Denkmalschutz: Mozarteum: Teilabriss geplant„ (26.9.2018, Krone): https://www.krone.at/1778034 Literaturtipp: Hannes P. Schneilinger, „Dem Salzburger Gesamtkunstwerk ‚Mozarteum‘ droht Gefahr“, in der Zeitschrift: Denkma[i]l, Nachrichten der Initiative Denkmalschutz, Nr. 25, September 2019, Seite 24-27, siehe: https://www.initiative-denkmalschutz.at/zeitschrift

Saalfelden (Sbg.): Start mit Abbruch dreier Altstadthäuser

Am Montag, 20. Juli wurde mit dem Abriss beim Hutmacherhaus in der Almerstraße 9 begonnen: Insgesamt sollen vier Gebäude in unmittelbarer Nähe zum Saalfeldner Rathausplatz weichen. Weiters abgerissen werden der 350 Jahre alte Liendlwirt in der Lofererstraße 3 sowie das gelbe Walischkramerhaus in der Lofererstraße 1. Jetzt wurde das Siegerprojekt des städtebaulichen Wettbewerbs und somit die ersten Pläne für die Neugestaltung des Stadtzentrums vorgestellt. Als nächster Schritt folgt die Ausarbeitung eines neuen Bebauungsplanes. Vorangetrieben werden die Neubauprojekte von den Eigentümern, der Wohnbaugesellschaft Pinzgauer Haus sowie Raiffeisen. Kritik an den Plänen üben die Saalfeldner Grünen rund um Ferdinand Salzmann. Die Grünen fürchten um das Gesicht und die Identität der Stadt Saalfelden und forderten seit letztem Jahr die Erhaltung der historischen Gebäude, doch die übrigen Parteien sprachen sich gegen einen Schutz dieser Altbauten aus. ORF-FERNSEHBERICHT ZUM NACHSEHEN: https://tvthek.orf.at/profile/Salzburg-heute/70019/Salzburg-heute/14059388/Neugestaltung-des-Stadtzentrums-Saalfelden/14735096 +++ ORF-BERICHT LESEN: „Pläne für neues Saalfeldener Stadtzentrum vorgestellt“ (23.7.2020): https://salzburg.orf.at/stories/3059171 +++ Weiterer Medienbericht: „Historische Gebäude im Saalfeldener Stadtzentrum weichen der Abrissbirne“ (20.7.2020, Salzburger Nachrichten): https://www.sn.at/salzburg/politik/historische-gebaeude-im-saalfeldener-stadtzentrum-weichen-der-abrissbirne-90384391 Älterer iD-Medienbericht Der Bürgermeister von Saalfelden hat der Raika Saalfelden die Abbruchbewilligung für den 350 Jahre alten Liendlwirt in der Lofererstraße 3 erteilt. Die Grünen rund um Ferdinand Salzmann sind empört, denn der Bürgermeister hat nur fünf Tage nach Antragstellung des Abrissantrags am 7. Februar, die Abbruchbewilligung erteilt. Bereits im November hatten die Grünen noch ein Erhaltungsgebot und die Ausweisung eines Ortsbildschutzgebiets gestellt. Dass der Bürgermeister die Abbruchbewilligung erteilt hat, bevor die Anträge im Bauausschuss behandelt worden sind, empört die Grünen. Ebenso abgerissen werden sollen das gelbe Walischkramerhaus in der Lofererstraße 1 und das alte Hutmacherhaus in der Almerstraße 9.  Krone-Artikel weiterlesen (24.2.2020): https://www.krone.at/2103795; +++ Ältere Medienberichte: „Saalfelden: Debatte um neues Stadtzentrum“ (20.11.2019, ORF): https://salzburg.orf.at/stories/3022445; „Drei Häuser kommen weg: Große Umbaupläne mitten im Zentrum von Saalfelden„ (20.11.2019, Krone): https://www.krone.at/2045737.

Röthis (Vbg.): Nach Gasthaus Torggel-Abriss – Jetzt ‚glänzt‘ Neubau

Röthis (Gem.). Das traditionsreiche Restaurant „Torggel“ (Torkelweg 1) wurde im Oktober 2014 geschlossen und 2018 bedauerlicher Weise abgerissen. Das historische Gasthaus stand nicht unter Denkmalschutz und stammte im Kern aus dem 18. Jahrhundert. Jetzt wurde er durch eine neue Wohnhausanlage (FOTO) mit dem Namen „Winkelbrunnen“ ersetzt, der Platz davor heißt jetzt „Beim Winkelbrunnen“. Bürgermeister Roman Kopf meinte 2017: Es sei zwar schade um die Fachwerkfassade, den Gastgarten und die zwei historischen Stuben – diese stellen jedoch nur einen vergleichsweise kleinen Teil des Gesamtgebäudes dar. Der Rest und die Zubauten seien bei weitem weniger architektonisch bedeutend oder herzeigbar, außerdem ist die Bausubstanz nicht im besten Zustand. Das Bundesdenkmalamt sah daher bisher keinen Veranlassung, das Gesamtgebäude oder Teile davon unter Schutz zu stellen. Eine Bürgerinitiative um Norbert Häfele hatte Widerstand geleistet und über 400 Unterschriften für den Erhalt dieses historischen, charaktervollen Hauses im idyllischen Ortsteil Winkel gesammelt. Leider ist der Eigentümer, einer der führenden Vorarlberger Unternehmer, nicht willens gewesen, das alte Gebäude zu erhalten. Dass die denkmalgeschützte Weinpresse (der so genannte „Torkelbaum“) gerettet wurde, indem der vormalige Besitzer Roman Rauch diesen an die Gemeinde geschenkt hatte,  ist nur ein geringer Trost. Der Torkelbaum, der lt. Gutachten aus dem Jahre 1674 stammt, ist ein Kulturdenkmal und soll aufzeigen, dass die langjährige Weinbautradition integrativer Bestandteil der Röthner Geschichte ist. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Schlössle unterhalb des Weinberges entsteht derzeit mit Unterstützung der EU (Leaderförderung), des Bundesdenkmalamtes, des Landes Vorarlberg und von Roman Rauch ein moderner Pavillon, der ab September den Torkelbaum beherbergen soll. VORARLBERG ONLINE-ARTIKEL WEITERLESEN („Beim Winkelbrunnen“ erstrahlt in neuem Glanz“, 11.7.2020): https://www.vol.at/beim-winkelbrunnen-erstrahlt-in-neuem-glanz/6674416 +++ Weiterer aktueller Medienbericht: „Torggel wurde zum „Winkelbrunnen“ (21.7.2020, Vorarlberger Nachrichten): https://www.vn.at/vorarlberg/2020/07/21/torggel-wurde-zum-winkelbrunnen.vn ; „Pavillon für historische Weinpress“ (Gemeinde Röthis, 2020; mit Fotos der Bauarbeiten für den Pavillon): https://www.roethis.at/aktuell/bau-pavillon-fuer-torkelbaum +++ Das LEADER-PROJEKT TORKELBAUM – A Stuck Röthner Gschicht erhalta!“ (netzwerk Zukunftsraum Land, LE 14-20): https://leader-vwb.t-point.eu/public/projects/de/93/torkelbaum—a-stuck-roethner-gschicht-erhalta sowie https://www.zukunftsraumland.at/pdf.php?inc=project&id=2297 +++  ÄLTERE MEDIENBERICHTE: „Röthis: Torkelbaum des Gasthaus Torggel wird bei Schlössle wieder aufgebaut“ (8.4.2019, Vorarlberger Nachrichten): https://www.vn.at/vorarlberg/2019/04/08/roethis-torkelbaum-des-gasthaus-torggel-wird-bei-schloessle-wieder-aufgebaut.vn; „Abrissbescheid für Torggel“ (15.2.2018, Vorarlberg Online): https://www.vol.at/abrissbescheid-fuer-torggel/5669948; „‚Torggel‘-Abriss: Gegner werfen Bürgermeister Kopf Befangenheit vor„ (12.4.2017; Vorarlberg Online): https://www.vol.at/torggel-abriss-gegner-werfen-buergermeister-kopf-befangenheit-vor/5233482; „‚Torggel‘-Abriss: Ton in Röthis wird schärfer“ (12.4.2017, ORF): https://vorarlberg.orf.at/v2/news/stories/2836668; „Bürgermeister Kopf zum Torggel: ‚Mir wäre ein Gasthaus auch am liebsten gewesen’“ (28.3.2017, Vorarlberg Online): https://www.vol.at/buergermeister-kopf-zum-torggel-mir-waere-ein-gasthaus-auch-am-liebsten-gewesen/5208014; „Röthis: Historisches Gebäude steht vor Abriss“ (27.3.2017, ORF): https://vorarlberg.orf.at/v2/news/stories/2832903; „Schutz des Ortsbildes ist in Vorarlberg nachrangig. Vorarlberg hat kein Gesetz zum Schutz des Ortsbilds. Alte Bausubstanz ist dadurch gefährdet„ (24.3.2017, Der Standard): https://www.derstandard.at/story/2000054714739/schutz-des-ortsbildes-ist-in-vorarlberg-nachrangig; „Haubenlokal Torggel schließt seine Pforten“ (29.9.2014): https://www.vol.at/haubenlokal-torggel-schliesst-seine-pforten/4099654 +++ Foto Gasthaus Torggel aus 2008 auf Wikipedia: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:TorggelR%C3%B6this.JPG?uselang=de.

Klagenfurt (Ktn.): Hotel Wörthersee „Architektur-Juwel“ in Gefahr

Gemeinderätin Evelyn Schmid-Tarmann (Grüne) sorgt sich um die Zukunft des denkmalgeschützten Hotels Wörthersee in der Stadt Klagenfurt. Der Investor soll den Abriss und Neubau beantragt haben. Das Hotel Wörthersee in der  Villacher Straße 338 wurde 1891-1897 im Auftrag von Mitgliedern der Familie Thurn-Valsassina unter dem Architekten Wilhelm Heß errichtet. Es ist ein bedeutender Bau der sogenannten Wörthersee-Architektur. Die Grüne Kultursprecherin erzürnt: „Die Stadt hat dem Investor schon mit der im Jahr 2017 erfolgten Flächenwidmungsplanänderung den Weg für die Renovierung geebnet. Wobei immer glasklar kommuniziert wurde, dass der Denkmalschutz die höchste Priorität hat. Der Investor wusste also von Beginn an, welche Auflagen und Investitionen ihn dadurch erwarten. Doch anstatt unverzüglich – Zeit ist ja bekanntlich Geld – mit der Restaurierung und dem auflagengerechten Umbau zu beginnen, hat auch er – wie schon jahrelang die Vorbesitzer – das Anwesen weitere 3 Jahre dem Verfall preisgegeben. Nun beantragt er den Abriss und Neubau.“  Experten des Denkmalbeirates suchen derzeit mit dem Eigentümer nach einer Lösung. 5MIN-AT-ARTIKEL WEITERLESEN: https://www.5min.at/202007298662/hotel-woerthersee-architektur-juwel-in-gefahr +++ Originale Presseaussendung der Gemeinderätin Evelyn Schmid-Tarmann (Grüne): https://klagenfurt.gruene.at/hotel-woerthersee-architektur-juwel-in-gefahr +++ Weiterer aktueller Medienbericht: „Sanierung von Hotel wackelt“ (21.7.2020, Kleine Zeitung): https://www.kleinezeitung.at/kaernten/klagenfurt/5842116/Klagenfurt_Sanierung-von-Hotel-Woerthersee-wackelt +++ Das Hotel Wörthersee auf der Website „Wörthersee Architektur – Villen, Hotels und Badeanstalten der Kaiserzeit“: http://www.woerthersee-architektur.at/?Klagenfurt:Hotel_W%F6rthersee +++ Die Wörthersee-Architektur auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/W%C3%B6rthersee-Architektur +++ Der Architekt Wilhelm Heß (1846-1916) auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_He%C3%9F_(Architekt) +++  Ältere Medienberichte: „Hotel Wörthersee vor Renovierung. Bundesdenkmalamt bescheinigte dem Investor seriöses Auftreten„ (21.9.2019, ORF): https://kaernten.orf.at/stories/3013916; „Bald: Bau­start beim Hotel Wörther­see“(21.6.2018, 5min): https://www.5min.at/201806152581/bald-baustart-beim-hotel-woerthersee; „Umbau Hotel Wörthersee noch heuer möglich“ (6.2.2018, ORF): https://kaernten.orf.at/v2/news/stories/2893828; „Hotel Wörthersee: Umbau ab Herbst?“ (25.7.2017, ORF): https://kaernten.orf.at/v2/news/stories/2856832; „Investor pocht auf Seezugang. Neo-Hotelier erwartet sich als Gegenleistung Kooperationsbereitschaft der Stadt.“ (8.11.2016, Kurier): https://kurier.at/chronik/oesterreich/investor-pocht-auf-seezugang/229.452.602; „Hotel Wörthersee hat einen Käufer“ (4.11.2016, Kleine Zeitung): https://www.kleinezeitung.at/kaernten/klagenfurt/aktuelles_klagenfurt/5112685/Klagenfurt_Hotel-Woerthersee-hat-einen-Kaeufer; „Hotel ‚Sorgenkind‘ vor Verkauf?„ (11.9.2016, ORF): https://kaernten.orf.at/v2/news/stories/2795956; „Plötzlich gibt es zwei Kauf-Interessenten“ (26.8.2016, Kurier): https://kurier.at/chronik/oesterreich/ploetzlich-gibt-es-zwei-kauf-interessenten/217.687.865; „Hotel Wörthersee: Der Denkmalschutz bröckelt. Besitzer des Baujuwels setzt auf Zeit und lässt Sanierungsarbeiten schleifen.“ (22.8.2016, Kurier): https://kurier.at/chronik/oesterreich/hotel-woerthersee-der-denkmalschutz-broeckelt/216.911.086; „Hotel Wörthersee verfällt„ (20.4.2016, ORF): https://kaernten.orf.at/v2/news/stories/2769645; „Denkmalbeirat entscheidet über das Hotel Wörthersee. Das Gebäude verfällt seit Jahren. Besitzer hat Aufhebung des Denkmalschutzes beantragt. Experten werden prüfen, ob überhaupt noch genug schützenswerte Substanz vorhanden ist.“ (30.8.2015, Kleine Zeitung): https://www.kleinezeitung.at/kaernten/klagenfurt/4808915/KLAGENFURT_Beirat-entscheidet-ueber-Hotel-Woerthersee; „Beim Hotel Wörthersee bröckelt jetzt auch der Denkmalschutz. Besitzer soll beim Bundesdenkmalamt die Aufhebung des Schutzes beantragt haben. Landesverwaltungsgericht muss nach Berufung über vorgeschriebene Instandstetzungsmaßnahmen entscheiden.“ (23.4.2015, Kleine Zeitung): https://www.kleinezeitung.at/kaernten/klagenfurt/4714689/Klagenfurt_Bei-Hotel-Woerthersee-broeckelt-Denkmalschutz +++ Das Hotel Wörthersee in der Denkmalliste auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_denkmalgesch%C3%BCtzten_Objekte_in_Klagenfurt_am_W%C3%B6rthersee-Gurlitsch_I.

Verlorenes Erbe (Wien): Die Kuffner-Villen in Dornbach und Oberdöbling

In der sehenswerten TV-Serie „Verlorenes Erbe“ (von Rupert Reiter-Kluger) im ORF 2-Vorabendprogramm (“Studio 2”) wurde am 13. Juni 2022 die beiden verlorenen Kuffner-Villen in Wien (17. und 19. Bezirk) vorgestellt. ORF-FERNSEHBEITRAG (5 MIN): https://tvthek.orf.at/profile/Studio-2/13890037/Studio-2/14138879/Verlorenes-Erbe-Kuffner-Villen/15181826 (ORF Studio 2, ‚Verlorenes Erbe: Kuffner Villen‘) Im ORF-Interview erzählt James von Klemperer, ein US-amerikanischer Architekt aus New York (Architekturbüro Kohn Pedersen Fox), der gerade in Wien den neuen UniCampus am Steinhof plant (vgl. iD-Bericht: „Steinhof: Central European University (CEU) plant Pavillons um“), von seiner Familiengeschichte, den Kuffners. Die Familie Kuffner lässt sich bis ins 17. Jh. in die südmährische Stadt Lundenburg ( Břeclav) zurückverfolgen. Ignaz und Jakob Kuffner kauften 1850 eine Brauerei in Ottakring, die durch Ausbau und Modernisierung der Kuffner-Brauerei ein sehr bekanntes Bierimperium erschufen (heute Ottakringer Brauerei). Das Ottakringer Bier würde heute noch Kuffner heißen. Seine Familie hat ihr gesamtes Vermögen nach dem Anschluss an Nazi-Deutschland verloren und das Land verlassen müssen. Ein Teil der Familie wurde in Auschwitz ermordet, der Vater von Klemperer schaffte es nach New York. Nach dem Krieg wurde die Familie teilweise entschädigt. Das Bier machte die Kuffner damals reich, sodass sie sich u.a. zwei Villen bauen konnten. Die eine Villa stand in Dornbach (Promenadegasse 19, 17. Bezirk Hernals), heute steht an ihrer Stelle ein Gemeindebau. Von der zweiten Kuffner-Villa in Wien-Oberdöbling steht heute nur noch die Einfriedung (Vegagasse 20). Heute erinnert die Kuffner-Sternwarte an die große Geschichte der Familie, den Kuffner-Nachfahren ist die Sternwarte ein besonderes Anliegen und finanzieren weiter die Erhaltung mit. Die Kuffner-Villa in Oberdöbling (Döblinger Cottage) Wilhelm und Camilla Kuffner ließen sich von 1905-1908 vom bekannten ArchitektenKarl König eine prachtvolle Neorenaissance-Villa nach französischen Vorbildern erbauen (Vegagasse 20, Gymnasiumstraße 85, Lannerstraße 2-8). Leider sind von der Kuffner-Villa keine Fotos von den Innenräumen bekannt. In der Zeitschrift „Der Bautechniker“ wird das reiche Interieur ausführlich beschrieben (siehe: „‚Der Bautechniker‘ Nr. 9, 3. März 1911, Seite 187-189„). Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Villa von den Amerikanern zunächst als Schule für die Kinder der Besatzungssoldaten genutzt, danach hat der Direktor des Realgymnasium XIX die Villa 1955 für die unter Raumnot leidende Schule anmieten können. 1959 erwarb die Gemeinde Wien die Liegenschaft von den überlebenden Erben. Am 26. Dezember 1960 erreichte die Gemeinde Wien als Grundstückseigentümerin bei der Baubehörde eine Abbruchbewilligung, Mitte Februar 1961 war die Kuffner-Villa geschleift. An ihrer Stelle wurde das „Haus Döbling“, ein Studentenheim der Stadt Wien mit mehreren Gebäuden in zwei Etappen vom Architekten Fred Freyler errichtet (1962-63 und 1968-69). 2013 wurden drei Häuser davon abgerissen, um Platz für Genossenschaftswohnungen zu machen. Das nunmehr deutlich verkleinerte Haus Döbling wurde renoviert und in Base19 (www.base19.at) umbenannt. Quellen (u.a.): – Dieter Klein, „Entschwundene Mosaikstücke des Cottage-Viertels“, in: „Das Wiener Cottage. Der Traum vom gesunden Wohnen“ (Hrsg. Heidi Brunnbauer / Erich Stöger, 150 Jahre Wiener Cottage Verein 1872-2022), Seite 327-344 (Seite 333 f.: XIX., Gymnasiumstraße 85 / Lannerstraße 2-8 / Peter-Jordan-Straße 1 / Vegagasse 20: Villa Kuffner) – ‚Die Villa Kuffner in Wien-Döbling‘, in: ‚Der Bautechniker‘ Nr. 9, 3. März 2011, Seite 187 ff.: https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=bau&datum=1911&page=207&size=46 – Christian Michael Springer, ‚Die Villa Kuffner. Vegagasse 20″, in: ‚Döblinger Extrablatt‘, Nr. 19 / 2018, Seite 4 f.: https://www.xn--dbling-wxa.com/extrablatt/doc/Extrablatt-19va.pdf – [Die Kuffner] Brauerei Oberdöbling [und die Villa Kuffner in der Vegagasse 20] (Seen süchtig (Stefan Mayerhofer, Wien)): https://seen-suechtig.jimdofree.com/wiener-brauereien/oberd%C3%B6bling Die Kuffner-Villa in Hernals (Dornbach) Abgerissen wurde auch die Kuffner-Villa in Dornbach (Promenadegasse 19, 17. Bezirk Hernals). Moriz von Kuffner hat die Villa – wie auch die heute noch bestehende Kuffner-Sternwarte – nach Plänen des Architekten Franz von Neumann jun. im Heimatstil errichten lassen. Ein Bericht von Neumann erschien 1895 in der „Zeitschrift des Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereines“ ab S. 453. Auf dem Areal steht heute ein Gemeindebau, der 1953-54 errichtet wurde (Promenadegasse 19; Heuberggasse 42-50). Historische Fotos der Villa Kuffner in Dornbach: – Foto 1899, Straßenfront (Seitenansicht), Fotograf: August Stauda (Sammlung Wien Museum): https://josefauer.com/wien-1899-villa-kuffner – Foto 1905, Gartenseite (koloriert; ÖNB): https://josefauer.com/wien-1905-villa-kuffner Weitere Quellen: – Die vertriebene Familie Kuffner. Material und Korrekturen zum Buch „Familie Kuffner“ von Klaudia Einhorn. Herausgegeben vom Verein Kuffner-Sternwarte, 2017: http://kuffner-sternwarte.at/sternwarte/familie-kuffner.php – Katja Fischer, „Jüdische Kunstsammlungen in Wien vor 1938 am Beispiel der Familie Kuffner“ (Diplomarbeit), Wien 2008: https://phaidra.univie.ac.at/download/o:1250360

Schlachthofblock Innsbruck (Tirol): Petition zur Erhaltung gestartet

Der ab 1911 erbaute Schlachthofblock im Innsbrucker Stadtteil Dreiheiligen-Schlachthof (Schlachthofgasse 2-6) ist der älteste noch intakte und bewohnte soziale Wohnbau von Innsbruck, geplant vom bekannten Innsbrucker Architekten Theodor Prachensky (1888-1970). Nun soll ausgerechnet der älteste Teil abgerissen werden (Ecke Schlachthofgasse 2-6, Ing. Etzel-Straße 24-28) und durch einen 11-geschoßigen (!) Neubau ersetzt werden, wie das Siegerprojekt des Architekturwettbewerbs für den Schlachthofblock zeigt, das unlängst präsentiert wurde. Baubeginn ist für August 2023 und die Fertigstellung für Dezember 2025 geplant. (vgl. Website der IIG – Innsbrucker Immobiliengesellschaft) Mitglieder unseres Vereins Initiative Denkmalschutz, der sich für den Erhalt gefährdeter Kulturgüter in Österreich einsetzt, wollen dies nicht einfach so hinnehmen und haben jetzt eine Petition zur Erhaltung des Schlachthofblocks gestartet, um den geplanten Teilabriss noch zu verhindern. Neben der kulturhistorischen Bedeutung des Schlachthofblocks wird noch eine Studie als weitere Begründung angegeben, warum der Wohnbau erhalten bleiben soll. Diese soll beweisen, dass mit einer Generalsanierung auch fast gleich viele Wohnungen entstehen können. Bis auf etwa 7 Prozent weniger Wohnfläche gibt es bei einer Generalsanierung nur Vorteile! (Klimaschutz, Kosten, Wohnqualität, Kindergarten) „Warum also dieses wichtige Baudenkmal von Innsbruck zerstören?“ fragt die Initiative. HIER PETITION UNTERZEICHNEN: https://mein.aufstehn.at/petitions/rettet-den-schlachthofblock-in-innsbruck-vor-dem-abriss Warum ist die Erhaltung wichtig? Durch den geplanten sehr hohen Neubau ist der wunderschöne Innenhof mit großen Bäumen und einem Kindergarten auch aus dieser Zeit völlig entwertet. Grund für den Abbruch sei eine dichtere Bebauung mit mehr Wohnungen und der Bau eine Tiefgarage mit Feuerwehrzufahrt. Das ist aber nachweislich nicht richtig, denn es gibt bei Ausbau aller Dachgeschoße und Renovierung aller Bestandwohnungen etwa 250 hochwertige, barrierefreie Wohnungen mit großen Balkonen zum Hof. Dafür bliebe der Innenhof mit den Bäumen erhalten, eine Tiefgarage samt Feuerwehrzufahrt ist auch möglich. In Wien käme kein Mensch auf die Idee, einen Teil des Karl Marx-Hofes abzureißen, in Innsbruck, bei einem vergleichbaren Objekt, hoffentlich auch nicht.  Darum bitten und appellieren Christoph Neuner, Klaus Mathoy, Siegfried Zenz, Michael Guggenberger und Matthias Loidl von der Initiative Denkmalschutz  an den Gemeinderat, die Generalsanierung ohne Abriss zu beschließen. Über den Schlachthofblock: Der legendäre Schlachthofblock im Innsbrucker Stadtteil Dreiheiligen-Schlachthof entstand zunächst 1911-13 als Dienstwohngebäude für die Bediensteten des Städtischen Schlachthofs (Schlachthofgasse 2-6). Nach Abriss des Schlachthofs selbst wurden auf dessen Areal die bestehenden Dienstwohngebäude 1922-1925 zu einem geschlossenen Wohnhof unter Leitung des Stadtbaudirektors Jakob Albert (1880-1974) und dem Architekten (und Maler) Theodor Prachensky (1888-1970) im Auftrag der Vaterländischen Baugesellschaft nach Vorbild der Wiener Gemeindebauten erweitert (Bauausführung: Firmen Josef Retter und Anton Fritz; Erzherzog-Eugen-Straße 25-39 und 24-28, Matthias-Schmid-Straße 2-8, Schlachthofgasse 8-14). Der Schlachthofblock gilt somit als ältester Sozialer Wohnbau in Innsbruck. Der Architekt Theodor Prachensky zählt mit seinem Bruder Wilhelm Nikolaus Prachensky und Lois Welzenbacher, Clemens Holzmeister, Franz Baumann sowie Siegfried Mazagg zu den maßgebenden Architekten der Zwischenkriegszeit in Tirol. Die 19 fünfgeschoßigen Häuser bilden eine geschlossene Anlage mit 183 Wohnungen. Der Innenhof dieser Wohnanlage ist völlig frei von Stöcklgebäuden – er dient ausschließlich als Spiel- und Erholungsraum – und zeigt dadurch den qualitativen Unterschied des städtischen vom privaten Wohnbau, der viel profitorienterter ausgerichtet war. Die Wohnhausanlage gilt als Prototyp für weitere städtische Wohnbauten in Innsbruck (u.a. Vorbild für den 1926/27 erbauten, heute denkmalgeschützten Pembaurblock in Innsbruck-Pradl). Architekturwettbewerb Schlachthofblock – Siegerprojekt und Ausschreibung: 18. Mai 2022, Nextroom Neuentwicklung Schlachthofblock Innsbruck. ma.lo architectural office konnte den offenen, einstufigen Realisierungswettbewerb im Oberschwellenbereich für sich entscheiden: https://www.nextroom.at/beilage.php?inc=beitrag&id=648 Das Siegerprojekt „ma.lo architectural office“ im Detail: https://www.architekturwettbewerb.at/competition/neuentwicklung-schlachthofblock-innsbruck/contribution/57320 Die eingereichten Projekte im Detail: https://www.architekturwettbewerb.at/competition/neuentwicklung-schlachthofblock-innsbruck/contribution/57317 1. Dezember 2021, Architekturwettbewerb Ausschreibung: Neuentwicklung Schlachthofblock Innsbruck. Offener, einstufiger Realisierungswettbewerb im Oberschwellenbereich (Bundeskammer der ZiviltechnikerInnen I Arch+Ing): https://www.architekturwettbewerb.at/competition/neuentwicklung-schlachthofblock-innsbruck/2905 35-seitige Ausschreibungsunterlagen (als .PDF zum Download): https://www.architekturwettbewerb.at/document/36095/1638442531.pdf IIG – Innsbrucker Immobiliengesellschaft (Ausloberin / Auftraggeberin) und der Schlachthofblock: https://www.iig.at/leistungen/projekte/projekt/Schlachthofblock+-3720 Aktuelle Medienberichte: 19. Mai 2022, MeinBezirk Schlachthof-Block: Petition “Rettet den Schlachthofblock vor dem Abriss“ https://www.meinbezirk.at/innsbruck/c-lokales/petition-rettet-den-schlachthofblock-vor-dem-abriss_a5357431 13. Mai 2022, ORF Neue Mietwohnungen im Schlachthof-Block: Ein Innsbrucker-Architekturbüro wird die Gründerzeit-Wohnanlage Schlachthof-Block im Innsbrucker Stadtteil Dreiheiligen sanieren und nachverdichten, wie die Stadt bekannt gab. 148 neue Mietwohnungen sollen entstehen. Zudem wird der bestehende Kindergarten ausgebaut: https://tirol.orf.at/stories/3156052 13. Mai 2022, Krone Nach 100 Jahren: „Herz-OP“ für Innsbrucks ältesten Wohnblock: https://www.krone.at/2705900 13. Mai 2022, Tiroler Tageszeitung Schlachthofblock in Innsbruck bekommt einen Hochhaus-Teil. Der charakteristische Schlachthofblock wird saniert und nachverdichtet. 148 Wohnungen entstehen (Bezahlschranke): https://www.tt.com/artikel/30820074/schlachthofblock-in-innsbruck-bekommt-einen-hochhaus-teil 12. Mai 2022, Innsbruck informiert (Stadt Innsbruck) Projekt Schlachthofblock auf Schiene: Wettbewerbserfolg für Innsbrucker Architekturbüro, städtebauliche Typologie bleibt: https://www.ibkinfo.at/schlachthofblock-architektur-wettbewerb 12. Mai 2022, Kurier Neues Gesicht für ältesten Gemeindebau von Innsbruck: Der Schlachthofblock ist nur knapp dem Abriss entgangen. Nun wird er einer Umgestaltung unterzogen, die wesentliche Teil erhält: https://kurier.at/chronik/oesterreich/neues-gesicht-fuer-aeltesten-gemeindebau/402005637 12. Mai 2022, MeinBezirk Schlachthofblock-Architekturwettbewerb. Aus 210 werden 305 Wohnungen: https://www.meinbezirk.at/innsbruck/c-lokales/aus-210-werden-305-wohnungen_a5340610 Älterer iD-Bericht: 29.11.2020: Schlachthofblock Innsbruck (Tirol): Teilabriss der legendären Wohnbausiedlung (1911-25) https://www.initiative-denkmalschutz.at/berichte/schlachthofblock-innsbruck-tirol-teilabriss-der-legendaeren-wohnbausiedlung-1922-25 Literatur/Quellen (u.a.): Friedrich Achleitner, Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert, Band 1 (Oberösterreich, Salzburg, Tirol, Vorarlberg), Salzburg und Wien 1980, Seite 374 Architekturführer Innsbruck herausgegeben von Christoph Hölz, Klaus Tragbar, Veronika Weiss, Haymon verlag, 2017, Eintrag-Nr. 124 (CH; Christoph Hölz) (https://www.haymonverlag.at/produkt/7204/architekturfuehrer-innsbruck-architectural-guide-innsbruck) Linktipp (nebenbei): Filmprojekt „Schlachthofblock“ (Durchführung: 12/2017) Ein Projekt von Melanie Hollaus, GUF Gruppe Unabhängiger FilmemacherInnen, stadt_potenziale 2016 https://stadtpotenziale.at/projektarchiv/2016/schlachthofblock.html 9.10.2014, Stadtteilrelikte – Der Schlachthof (Provinnsbruck-at) http://provinnsbruck.at/allgemein/stadtteilrelikte-der-schlachthof