Saalfelden (Sbg.): Start mit Abbruch dreier Altstadthäuser

Am Montag, 20. Juli wurde mit dem Abriss beim Hutmacherhaus in der Almerstraße 9 begonnen: Insgesamt sollen vier Gebäude in unmittelbarer Nähe zum Saalfeldner Rathausplatz weichen. Weiters abgerissen werden der 350 Jahre alte Liendlwirt in der Lofererstraße 3 sowie das gelbe Walischkramerhaus in der Lofererstraße 1. Jetzt wurde das Siegerprojekt des städtebaulichen Wettbewerbs und somit die ersten Pläne für die Neugestaltung des Stadtzentrums vorgestellt. Als nächster Schritt folgt die Ausarbeitung eines neuen Bebauungsplanes. Vorangetrieben werden die Neubauprojekte von den Eigentümern, der Wohnbaugesellschaft Pinzgauer Haus sowie Raiffeisen. Kritik an den Plänen üben die Saalfeldner Grünen rund um Ferdinand Salzmann. Die Grünen fürchten um das Gesicht und die Identität der Stadt Saalfelden und forderten seit letztem Jahr die Erhaltung der historischen Gebäude, doch die übrigen Parteien sprachen sich gegen einen Schutz dieser Altbauten aus. ORF-FERNSEHBERICHT ZUM NACHSEHEN: https://tvthek.orf.at/profile/Salzburg-heute/70019/Salzburg-heute/14059388/Neugestaltung-des-Stadtzentrums-Saalfelden/14735096 +++ ORF-BERICHT LESEN: “Pläne für neues Saalfeldener Stadtzentrum vorgestellt” (23.7.2020): https://salzburg.orf.at/stories/3059171 +++ Weiterer Medienbericht: “Historische Gebäude im Saalfeldener Stadtzentrum weichen der Abrissbirne” (20.7.2020, Salzburger Nachrichten): https://www.sn.at/salzburg/politik/historische-gebaeude-im-saalfeldener-stadtzentrum-weichen-der-abrissbirne-90384391

Walischkramerhaus, Lofererstraße 1, Saalfelden

Das Walischkramerhaus in der Lofererstraße 1, Saalfelden, Foto: privat

Hutmacherhaus, Almerstraße 9, Saalfelden

Das Hutmacherhaus, Almerstraße 9, Saalfelden, Foto: privat

Älterer iD-Medienbericht

Der Bürgermeister von Saalfelden hat der Raika Saalfelden die Abbruchbewilligung für den 350 Jahre alten Liendlwirt in der Lofererstraße 3 erteilt. Die Grünen rund um Ferdinand Salzmann sind empört, denn der Bürgermeister hat nur fünf Tage nach Antragstellung des Abrissantrags am 7. Februar, die Abbruchbewilligung erteilt. Bereits im November hatten die Grünen noch ein Erhaltungsgebot und die Ausweisung eines Ortsbildschutzgebiets gestellt. Dass der Bürgermeister die Abbruchbewilligung erteilt hat, bevor die Anträge im Bauausschuss behandelt worden sind, empört die Grünen. Ebenso abgerissen werden sollen das gelbe Walischkramerhaus in der Lofererstraße 1 und das alte Hutmacherhaus in der Almerstraße 9Krone-Artikel weiterlesen (24.2.2020): https://www.krone.at/2103795; +++ Ältere Medienberichte: “Saalfelden: Debatte um neues Stadtzentrum” (20.11.2019, ORF): https://salzburg.orf.at/stories/3022445; Drei Häuser kommen weg: Große Umbaupläne mitten im Zentrum von Saalfelden (20.11.2019, Krone): https://www.krone.at/2045737.

Weltmuseum (Wien): denkmalgeschützt und Zugang trotzdem barrierefrei

Der Verein “BIZEPS – Zentrum für Selbstbestimmtes Leben” zeigt am Beispiel Weltmuseum Wien in der Hofburg auf, dass es sehr wohl möglich ist, etwas barrierefrei zu gestalten, ohne dabei die historische Erscheinung des Gebäudes zu zerstören. Ein Plattformlift dient zur Überwindung der drei Stufen bis zum Eingang. Der Plattformlift fährt aus dem Boden, die Plattform schiebt sich nach vor, die Stufen am Eingang können überwunden werden. BIZEPS-ARTIKEL (mit VIDEO) WEITERLESEN: https://www.bizeps.or.at/weltmuseum-denkmalgeschuetzt-und-zugang-trotzdem-barrierefrei +++ Das Weltmuseum Wien auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Weltmuseum_Wien.

Verlorenes Erbe (Wien): Abriss des Lederer-Schlössels 1972

Im Rahmen der ORF Serie “Verlorenes Erbe” in der Vorabendsendung “Studio 2” wurde diesmal das Lederer-Schlössel in der Mühlberggasse 9 in Weidlingau (ganz im Westen des 14. Wiener Bezirks Penzing) präsentiert. ORF-FERNSEHSENDUNG (6 MIN): https://tvthek.orf.at/profile/Studio-2/13890037/Studio-2/14102571/Verlorenes-Erbe-Lederer-Schloessl/14982242 (19.8.2021 Wiederholung; Erst-Ausstrahlung 4.9.2020: https://tvthek.orf.at/profile/Studio-2/13890037/Studio-2/14063572/Verlorenes-Erbe-Lederer-Schloessel/14755622. Es trug seinen Namen nach seinem letzten Besitzer, dem Industriellen August Lederer, einem bekannten Kunstmäzen und Förderer der Wiener Secession, besonders von Gustav Klimt. Dieses 1715 von Johann Bernhard Fischer von Erlach erbaute Palais, damals als Gartenpalais Huldenberg bezeichnet, wurde im 19. Jahrhundert umgestaltet (Mittelrisalit bekam säulengestützten Altan sowie einen Dreicksgiebel). Am Gelände daneben wurde Anfang der 1970er-Jahre die Stadt des Kindes nach Plänen des Architekten Anton Schweighofer errichtet. Obwohl das Palais mit seinem prächtigen Neo-Rokoko Stuck dem Neubau nicht im Weg stand, wurde es 1972 mutwillig zerstört. +++ Das Lederer-Schlössl auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Ledererschl%C3%B6ssel +++ Die “Huldenbergvilla” auf Wien Geschichte Wiki: https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Huldenbergvilla

Literaturtipp:

Dieter Klein, Martin Kupf, Robert Schediwy, Stadtbildverluste Wien – ein Rückblick auf fünf Jahrzehnte, Wien 2004, Seite 184

Linzer Wollzeugfabrik (OÖ) 1969 gesprengt – eine der größten Kulturgutverluste Österreichs

Die einst größte Textilmanufaktur Europas wurde zwischen September und November 1969 trotz anhaltender Proteste in die Luft gesprengt (Foto vom Abriss). Die starken Mauern leisteten zähen Widerstand, sodass Nachsprengungen notwendig wurden. Ein Spektakel der besonderen Art für Tausende Schaulustige. Um die Erhaltung des äußerlich schlossartigen und repräsentativen Monumentalgebäudes gab es gegen Ende der 1960er-Jahre erbitterte Debatten. Auch der damalige Landeskonservator Norbert Wibiral (1956-85) stemmte sich bis zuletzt gegen diesen Kulturfrevel. Sie war die erste Textilfabrik Österreichs und galt im 19. Jh. als bemerkenswerte Sehenswürdigkeit. Der bekannte Architekturkritiker und Architekt Friedrich Achleitner bezeichnete den Abriss als “Demolierungsskandal”. Der einzig erhaltene Bestandteil der ehemaligen Linzer Wollzeugfabrik ist das so genannte Zwirnerstöckl an der Unteren Donaulände 66. 1980 wurden dann auch Magazin und Werkstättengebäude mit Dynamit beseitigt, um Platz für durchschnittliche Wohn- und Bürobauten zu schaffen. ORF-FERNSEHBEITRAG ZUM NACHSEHEN (6 MIN): https://tvthek.orf.at/profile/Studio-2/13890037/Studio-2/14067909/Verlorenes-Erbe-Tabakfabrik-in-Linz/14777478 (13.10.2020, Verlorenes Erbe: Tabakfabrik in Linz, ORF-Vorabendsendung “Studio 2”)

Friedrich Achleitner schreibt ein Jahr vor dem Abriss (Die Presse, 9./10.3.1968): Steter Tropfen zerstört den gesündesten Bau. Vor wenigen Jahren hatte man der Linzer Wollzeugfabrik noch nicht den raschen Verfall angemerkt.  (…) Eines steht fest: mit einigen Quadratmetern Decke der Linzer Wollzeugfabrik dürfte auch die endgültige Entscheidung für deren Abbruch gefallen sein. Damit geht Linz einem Demolierungsskandal entgegen, der sowohl im In- als auch im Ausland seinesgleichen kaum finden dürfte. (…). Dieses Gebäude bekommt aber für den heutigen Besitzer erst seinen Wert, wenn es abgebrochen ist. Dabei steht ein wenig der Denkmalschutz im Wege. Dagegen gibt es aber wiederum, wie man weiß, genug Wässerchen. Die besten rinnen durchs Dach, wenn man dieses verfallen läßt. Und mit der Fäulnis wächst die Macht der Baupolizei. Obwohl schon fünf Jahre ein Demolierungsbescheid vorliegt, hat man es aber bisher nicht gewagt, an den Abbruch zu gehen. Jetzt ist es aber soweit. Geduld bringt einstürzende Decken.”

Die Linzer Wollzeugfabrik wurde 1672 gegründet. Der große Ausbau der Fabrik erfolgte 1722 bis 1726 und bekam damals vom bekannten oberösterreichischen Barockarchitekten Johann Michael Prunner ein schlossartiges Aussehen. Sie gilt als erste Textilfabrik Österreichs in dieser Frühzeit des industriellen Zeitalters. Das Hauptgebäude hatte die stolze Länge von 110 Metern zur Donauseite, der Ost- und der Westflügelmaßen je 62 Meter. In der Mitte des Hofes erhob sich ein wappengeschmückter Turm. Ein französischer Dachstuhl (Mansarddach mit Schopf) gab dem ganzen eine besondere Note. Ab 1774 entstand eine zweite Vierflügelanlage (56 x 51 Meter) neben dem Hauptgebäude. Kaiserin Maria Theresia sorgte dafür, dass eine Kapelle eingerichtet wurde. 1850 wurde die Fabrik stillgelegt. Von 1854 bis 1945 als Kaserne verwendet, diente die ehemalige Fabrik nach dem 2. Weltkrieg als Flüchtlingslager. Adresse: Früher Untere Donaulände 68 – Heute: Gruberstraße 1 und 2

Die Linzer Wollzeugfabrik auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Linzer_Wollzeugfabrik sowie auf Linz Wiki: https://www.linzwiki.at/wiki/Wollzeugfabrik +++ Das bestehende Zwirnerstöckl (Stadtgeschichte Linz): https://stadtgeschichte.linz.at/denkmal/Default.asp?action=denkmaldetail&id=908 +++ Nachruf Landeskonservator Norbert Wibiral: “Schloss Hohenbrunn konnte er retten, nicht aber die Linzer Wollzeugfabrik” (19.5.2011, Oberösterreichische Nachrichten): https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/nachrufe/Schloss-Hohenbrunn-konnte-er-retten-nicht-aber-die-Linzer-Wollzeugfabrik;art86198,626120

Literatur:

Die Linzer Wollzeugfabrik und das Zwirnerstöckl, in: Österreichische Kunsttopographie, Band LV (Hrsg. Bundesdenkmalamt), Die profanen Bau- und Knstdenkmäler der Stadt Linz, III. Teil, Außenbereiche Urfahr, Ebelsberg, Horn 1999, Seite 260 bis 264

Friedrich Achleitner, Demolierungsskandal in Linz. Wird die barocke Wollzeugfabrik ein weiteres Opfer der städtischen Selbstzerstörung? In: Friedrich Achleitner, Nieder mit Fischer von Erlach – Architekturkritik, Salzburg und Wien 1986 (Auswahl der Architekturkritiken in diversen Tageszeitungen in der Zeit von 1961 bis 1971), Seite 184-186. (Über das Buch “Nieder mit Fischer von Erlach” ein Interview mit dem Autor Friedrich Achleitner zum Nachhören im Ö1-Radio (1986; 30 min): https://www.mediathek.at/oesterreich-am-wort/suche/treffer/atom/10D4A96E-34B-001E9-00000E64-10D46B2E/pool/BWEB/

Ute Streit, Denk-Mal: Wollzeugfabrik – Spurlos verschwunden – Die Geschichte der Linzer Wollzeugfabrik: in: “Mitteilungen der Gesellschaft für Landeskunde und Denkmalpflege Oberösterreich“, 45. Jahrgang – heft 2, September 2015, Seite 12f., hier nachlesbar: http://www.ooelandeskunde.at/images/Dokumente/Mitteilungsblatt/MB02-15-web.pdf

Edgard Haider, Unvergessen – Die Linzer Wollzeugfabrik, in der Zeitschrift: Denkma[i]l, Nachrichten der Initiative Denkmalschutz, Nr. 7/2011, Seite 6, hier nachlesbar:  https://www.initiative-denkmalschutz.at/denkmail/Denkmail_Nr_07_web.pdf

Roman Sandgruber, Die Linzer Wollzeugfabrik 1672 – 1851 – 1969; in: Der Gesellschaft im Wort. Eine Festschrift der Universität für Künstlerische und Industrielle Gestaltung Linz anlässlich der Emeritierung von O. Univ. Prof. Dr. Wilfried Posch, Weitra 2008, S. 37–62

Wilhelm Rausch, Notgemeinschaft Wollzeugfabrik, in: Mühlviertler Heimatblätter Jg. 8 (1968), Nr. 5/6, S. 92–93

 

Verlorenes Erbe (NÖ): Gustav Klimt-Fakultätsbilder und Schloss Immendorf

ORF-SERIE “Verlorenes Erbe”: Das Rätsel von Immendorf”. Schloss Immendorf (Gemeinde Wullersdorf) war ein wichtiger Bergungsort der Nazis für Kunstwerke im 2. Weltkrieg, doch das Schloss ging zu Kriegsende am 8. Mai 1945 in Flammen auf. Inwieweit alle Bilder und Kunstgegenstände dort verbrannt sind, bleibt bis heute eine offene Frage. ORF-FERNSEHBERICHT (7 MIN) ZUM NACHSEHEN: https://tvthek.orf.at/profile/Studio-2/13890037/Studio-2/14072482/Verlorenes-Erbe-Das-Raetsel-von-Immendorf/14801319 (ORF “Studio 2”: “Verlorenes Erbe: Das Rätsel von Immendorf”, 23.11.2020)

Als Anfang Mai 1945 die Rote Armee näher rückte, jagte ein SS-Sprengkommando noch schnell das Schloss Immendorf – mitsamt einem der wertvollsten Kunstdepots im 2. Weltkrieg – in die Luft. Unterlagen und Zeitzeugen, ob tatsächlich etwas davon noch rechtzeitig aus dem Schloss gebracht wurde, gibt es nicht, betont Peter Weinhäupl, Direktor der Klimt-Foundation (Wien 1900 – Privatstiftung). Johannes Freundenthal, Sohn des Schlossbesitzers, war einer der letzten Zeugen, der die Kunstwerke noch mit eigenen Augen im Schloss Immendorf gelagert gesehen hatte. Doch die Kunsthistorikerin Tina Marie Storkovich glaubt Indizien zu haben, dass so manches Kunstwerk rechtzeitig weggeschafft wurde. Besonders im Fokus stehen dabei eine der wichtigsten Hauptwerke von Gustav Klimt, die drei legendärenFakultätsbilder, die den Festsaal der Uni Wien schmücken sollten, den Professoren aber zu wagemutig waren (1899-1907; ehem. jüdische Sammlung August Lederer): “Philosophie”, “Jurisprudenz” und “Medizin” (sowie deren gemalten Kompositionsentwürfen). Das ausgebrannte Schloss blieb noch 10 Jahre stehen, bis es – ohne dass die Aschereste jemals untersucht wurden – fast zur Gänze abgerissen wurde. Aus den verwertbaren Mauerresten baute die Familie Freudenthal im Schlosspark ein kleines Wohnhaus, wobei sich letzte kleine Schlossruinen-Reste auf diesem Privatgrund erhalten haben. Seit 2005 können Schwarzweiß-Kopien der vier Fakultätsbilder (drei von Gustav Klimt und eines von Franz Matsch), an der Decke des Großen Festsaals der Universität Wien angebracht und besichtigt werden.

Schloss Immendorf, Postkarte

Schloss Immendorf auf einer historischen Postkarte

Der Brand von Schloss Immendorf war einer der größten Kunstverluste im 2. Weltkrieg in Österreich. Allein von Gustav Klimt sind neben der drei Fakultätsbilder (ink. Kompositionsentwürfe) folgende Gemälde zum Opfer gefallen: aus dem Musikzimmer von Nikolaus Dumba die beiden Supraportenbilder Musik II und Schubert am Klavier (aus dem Palais Dumba auf der Wiener Ringstraße; Parkring 4), Zug der Toten, Goldener Apfelbaum, Bauerngarten mit Kruzifix, Malcesine am Gardasee, Wally, Freundinnen II, Gartenweg mit Hühnern sowie Leda und Gastein (alle stammten aus der zwangsenteigneten, jüdischen Sammlung August Lederer).

Kommentar Initiative Denkmalschutz: Unsere Erkenntnisse/Annahme dazu: Alle Kunstwerke, die dort gelagert wurden, sind auch ziemlich sicher dort verbrannt. Bei ein paar wenigen Kunstwerken könnte die Chance bestehen haben, dass diese zwar auf den Bergungslisten gelistet waren, doch nie im Schloss Immendorf angekommen sind. (Es gibt ein paar wenige Indizien dazu, u. a. auf Basis von Akten im Bundesdenkmalamt), darunter aber nicht die drei Fakultätsbilder selbst.

Linktipps:

Die drei Fakultätsbilder von Gustav Klimt (Wikipedia): https://de.wikipedia.org/wiki/Fakult%C3%A4tsbilder_(Universit%C3%A4t_Wien)
Das Schloss Immendorf (Wikipedia): https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Immendorf
Schloss Immendorf (Bergungsstelle, Kriegsbedingte Verluste) im “Lexikon der österreichischen Provenienzforschung”: https://www.lexikon-provenienzforschung.org/immendorf-schloss

Tina Marie Storkovich (Karl-Franzens-University of Graz, Institut für Kunstgeschichte, Graduate Student):
– The Burned Klimt Pictures : The Puzzle of Schloss Immendorf
– Das Rätsel um drei verschollene Klimt-Gemälde
siehe: https://kfunigraz.academia.edu/TinaMarieStorkovich

Literatur:

Andreas Lehne, Die Katastrophe von Immendorf, in: Gustav Klimt, Sonderband Belvedere, Wien 2007, Seite 54-63
Edgard Haider, “Unvergessen – Schloss Immendorf”, in der Zeitschrift Denkma[i]l, Nachrichten der Initiative Denkmalschutz Nr. 12, 2012/13, Seite 36: https://www.initiative-denkmalschutz.at/denkmail/Denkmail_Nr_12_web.pdf

Ältere Medienberichte:

19. April 2018, Kurier
Der Tag, an dem die Klimts verbrannten (Georg Leyrer)
https://www.pressreader.com/austria/kurier-history/20180419/281646780730929

20.12.2015, Der Standard
Klimt-Bilder: Nicht verbrannt und doch verschollen. Kunsthistorikerin bezweifelt Zerstörung von Bildern aus der Sammlung Lederer (Olga Kronsteiner): https://www.derstandard.at/story/2000027848501/nicht-verbrannt-und-doch-verschollen

18.12.2015, Die Presse
Verbrannte Klimtbilder: Das Puzzle von Immendorf (Tina Marie Storkovich)
https://www.diepresse.com/4890667/verbrannte-klimtbilder-das-puzzle-von-immendorf

17.12.2015, Die Presse
Das Rätsel um drei verschollene Klimt-Gemälde (Almuth Spiegler)
https://www.diepresse.com/4889859/das-ratsel-um-drei-verschollene-klimt-gemalde

Villa Rilkeweg 22, Graz

Rilkeweg (Graz): Nach Behördenversagen Villa doch gerettet?

Bereits im April 2020 hätte die Villa Belvedere am Rilkeweg 22 im 9. Grazer Bezirk Waltendorf abgerissen sein sollen, denn in Folge eines Behördenversagens bekam der Eigentümer eine Abbruchbewilligung, wie Vizebürgermeister Mario Eustacchio (FPÖ) bestätigt hat. Das Ansuchen um Abbruchbewilligung war nämlich kurz vor Erweiterung der Schutzzone eingelangt. Das Bauamt übersah jedoch, dass die Villa am Ruckerlberg schon zwingend ein Fall für die Altstadtkommission (ASVK) gewesen wäre. Zuvor hatten Anrainer und Soko Altstadt die Villa in die Erweiterung der Altstadtschutzzone hineinreklamiert, die ASVK stellte ebenso die Schutzwürdigkeit der Villa fest. Jetzt will der Bauträger, Wohnraumwerk-Geschäftsführer Maximilian Hinkel, das Bauprojekt so umplanen, dass s die Villa erhalten bleiben kann. +++ Aktuelle Medienberichte (Kleine Zeitung): “Grazer Ruckerlberg: Nach gestopptem Abbruch: Villa ist nun gerettet” (5.12.2020, Bezahlschranke): https://www.kleinezeitung.at/steiermark/chronik/5907685/Grazer-Ruckerlberg_Nach-gestopptem-Abbruch_Villa-ist-nun-gerettet sowie “In Graz: Warum der Altstadterhaltungsfonds keine Altstadthäuser rettet” (5.12.2020, Bezahlschranke): https://www.kleinezeitung.at/steiermark/graz/5907479/In-Graz_Warum-der-Altstadterhaltungsfonds-keine-Altstadthaeuser-rettet

Die Villa Belvedere (Rilkeweg 22) auf Grazerbe.at (Baugeschichte.at): https://grazerbe.at/Rilkeweg_22

Ältere iD-Berichte

29. Februar 2020: Graz: Schutzzonen wachsen, Experte äußert weiterhin Kritik
https://www.initiative-denkmalschutz.at/berichte/graz-schutzzonen-wachsen-experte-aeussert-weiterhin-kritik

10. Februar 2020: Graz: Schutzzone vergisst auf Prachtvillen in Waltendorf
https://www.initiative-denkmalschutz.at/berichte/graz-schutzzone-vergisst-auf-prachtvillen-in-waltendorf

Bad Gastein (Sbg.): Ortszentrum-Revitalisierung mit Hotelturm

Nach jahrzentelangem Verfall historischer Bauten im Ortszentrum des berühmten Weltkurorts Bad Gastein, wurde schlussendlich das Land Salzburg aktiv, kaufte die denkmalgeschützten Objekte dem früheren Eigentümer ab, einen Investor gesucht und in der Hirmer Gruppe 2018 auch gefunden. Dieser möchte nun die drei Gebäude revitalisieren (Hotel Straubinger, Straubingerplatz 2; Badeschloss, Straubingerplatz 4; Alte Post, Straubingerplatz 3). Das Hotel Straubinger soll zu einem Fünfsterne-Hotel umgebaut werden. Beim Badeschloss, das zu einem Vier-Sterne-Superior-Hotel umgebaut werden soll, ist ein moderner Zubau in Form eines 35 m hohen Hotelturms geplant, damit die aufwändige Sanierung der Bestandsbauten sich wirtschaftlich auch rechnet, wie es heißt. Leise Bedenken und Kritik an der Höhe des Hotelturms waren beim Pressegespräch am Mittwoch (24.2.) bereits zu vernehmen. Dies wurde mit dem Argument gekontert, dass der  Neubau eine dunkle Fassade aus Kunststein bekommen und sich farblich an den Felsen des Wasserfalls der Gasteiner Ache erinnern soll, der nur wenige Meter daneben ins Tal stürzt.

Badeschloss, Bad Gastein

Das verfallene, denkmalgeschützte Badeschloss am Straubingerplatz in Bad Gastein, Foto: Juli 2012, (c) Isiwal, CC BY-SA 3.0 at, Wikipedia

Jetzt haben die Bauarbeiten begonnen. Die baulichen Adaptierungen werden von den Wiener BWM-Architekten (Erich Bernard und Markus Kaplan) geplant, die renovierten Prachtbauten aus der Belle Époque sollen bis spätestens Ende 2023 neu eröffnet werden. ORF-FERNSEHBERICHT (3 MIN) NACHSEHEN: https://tvthek.orf.at/profile/Salzburg-heute/70019/Salzburg-heute/14083172/Start-zur-Revitalisierung-von-Bad-Gastein/14866048 (24.2.2021, ORF ‘Salzburg Heute’, “Start zur Revitalisierung von Bad Gastein”) +++ STANDARD-ARTIKEL LESEN: https://www.derstandard.at/story/2000124445566/bad-gastein-ein-hotelturm-fuer-das-manhattan-der-alpen (24.2.2021, “Bad Gastein: Ein Hotelturm für das ‘Manhattan der Alpen'”)

BWM-Architekten über das Projekt:
Hotel Ensemble Straubingerplatz. Arbeiten mit den Schichten der Vergangenheit: https://www.bwm.at/de/projects/hotel-ensemble-straubingerplatz

Weitere Medienberichte

25. Februar 2021, Oe24
Mondäner Tourismus: Neuer Luxus-Hotelkomplex in Bad Gastein: https://www.oe24.at/reiselust24/neuer-luxus-hotelkomplex-in-bad-gastein/466684844

24. Februar 2021, Salzburg 24
Bad Gasteins Zentrum wird rundum erneuert. Hotels und Treffpunkt am Straubingerplatz: https://www.salzburg24.at/news/salzburg/pongau/bad-gastein-zentrum-wird-rundum-erneuert-100241455

24. Februar 2021, ORF
Start zur Revitalisierung von Bad Gastein. Das Zentrum von Bad Gastein (Pongau) soll durch den Umbau von drei alten Hotels wiederbelebt werden. Projektbetreiber, Architekten und Politiker stellten Mittwoch ihre Pläne vor: https://salzburg.orf.at/stories/3091893

24. Februar 2021, Salzburger Nachrichten
Bad Gastein: Neues Hochhaus für das Manhattan der Alpen. Architekt Erich Bernard vergleicht Bad Gastein mit einem New Yorker Stadtteil. Seine Pläne für die Hotels am Straubingerplatz sorgen für Jubel, aber auch für Kritik (Bezahlschranke): https://www.sn.at/salzburg/politik/bad-gastein-neues-hochhaus-fuer-das-manhattan-der-alpen-100253977

8. Februar 2021, Salzburger Nachrichten
Pläne geleakt – an Hotelturm in Bad Gastein scheiden sich die Geister. Vertrauliche Pläne des Hotelprojekts am Straubingerplatz sind an die Öffentlichkeit gelangt. Der angekündigte Zubau fällt größer aus als viele dachten. Hotelier Olaf Krohne sorgt sich um die Architektur des Orts. Der Bürgermeister stellt sich hinter das Vorhaben (Bezahlschranke): https://www.sn.at/salzburg/politik/plaene-geleakt-an-hotelturm-in-bad-gastein-scheiden-sich-die-geister-99527677

28. Jänner 2021, Salzburger Nachrichten
Leserbrief: Baudisch, Badeschloß und Bad Gastein. Der Leserbriefschreiber Karl Stingl (8054 Graz) sorgt sich um drei großflächige Stuckdecken im Badeschloss, die von der Künstlerin Gudrun Baudisch-Wittke 1948 geschaffen wurden: https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/baudisch-badeschloss-und-bad-gastein-99067477

Quelle (u. a.):

Liste der denkmalgeschützten Objekte in Bad Gastein (Wikipedia): https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_denkmalgesch%C3%BCtzten_Objekte_in_Bad_Gastein

 

Spätgotisches Widum in Gries (Tirol): Zugangssperre verhindert dringende Dachsanierung

Seit 2016 möchte der Eigentümer das denkmalgeschützte, jedoch zunehmend desolate Widum (= Pfarrhof) sanieren, doch die Gemeinde Gries am Brenner verbietet ihm den Zugang zu seinem Grundstück. So verfällt das spätgotische Gebäude, ehemals Teil der landesfürstlichen Zollstätte Lueg, immer mehr. Insbesondere das eindringende Wasser setzen dem Haus stark zu. Das Problem: Nach einem Steinschlag 2011 wurde das Gebiet, in dem auch das Widum liegt, zum Sperrgebiet erklärt. Der Eigentümer Juri Vonmetz zeigt sich dennoch verwundert, weil sehr viele Ausnahmen für die Betretung dieses Sperrgebietes erteilt wurden, er jedoch die so dringenden Sanierungsmaßnahmen für dieses alte Kulturgut nicht umsetzen darf. Ursprünglich wollte der Bürgermeister Karl Mühlsteiger (Offene Gemeindeliste) wegen ‘Einsturzgefahr’ gar den Abriss des Gebäudes, doch die Unterschutzstellung durch das Bundesdenkmalamt verhinderte dies. Die ASFINAG (Autobahnen- und Schnellstraßen-Finanzierungs-Aktiengesellschaft) könnte Teil einer Lösung sein, denn oberhalb des Widums überragt die Brennerautobahn den Berghang, und dieser könnte mit Sicherungsnetzen auch das darunterliegende Widum vor Steinschlag schützen. Die ASFINAG würde im Zuge der notwendigen Sanierung der Autobahnbrücke Lueg zudem auch einen Schutzdamm für den Talboden errichten, der unter anderem Kirche und Widum schützen würde. Die Gemeinde jedoch verweigert der ASFINAG die Grundinanspruchnahme. Jetzt ist das Bundesdenkmalamt aktiv geworden und hat im Dezember 2020 einen Brief an die Bezirkshauptmannschaft Innsbruck gerichtet. Darin heißt es (u.a.): “Diese Haltung ist sachlich aus Sicht des Bundesdenkmalamtes nicht nachvollziehbar, da der Damm sowohl die Kirche, das Widum wie den Sportplatz schützen und dadurch einen Mehrwert für die Gemeinde erbringen würde. Damit ist eine Lösung vorläufig wieder in weite Ferne gerückt. (…) Das Bundesdenkmalamt bittet daher das Land Tirol um Unterstützung in dieser doch schon sehr lange andauernden Angelegenheit. (…) Die von der ASFINAG geplanten Schutzbauten sind eine Chance, die Denkmalanlage Lueg wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und das Ensemble als Ganzes zu erhalten. Nachdem sich die Angelegenheit nun erneut mit allen Konsequenzen für den Bestand in die Länge zieht, wäre es hilfreich Alternativen zu unterstützen.”

Widum Lueg in Gries am Brenner, Tirol

Das Widum in Lueg, Gries am Brenner, Foto: Jänner 2021, (c) privat

Das Bundesdenkmalamt möchte nun mittels Gutachten zumindest Möglichkeiten einer Notsicherung ausloten. Durch die Verweigerung einer Grundinanspruchnahme durch die ASFINAG steht jetzt für die Gemeinde eine Enteignung im Raum, bei der aber nur die unmittelbar für die ASFINAG nötigen Grundstücke in Besitz genommen werden dürfen, wodurch der Schutzdamm nicht mehr wie geplant umsetzbar ist. ORF-FERNSEHBERICHT ZUM NACHSEHEN (3 MIN): https://tvthek.orf.at/profile/Tirol-heute/70023/Tirol-heute/14087009/Sanierungsstreit-um-Widum-in-Gries/14891404 (29.3.2021, ORF ‘Tirol Heute’: “Sanierungsstreit um Widum in Gries”) +++ ORF-BERICHT LESEN: https://tirol.orf.at/stories/3096907 (29.3.2021, “Streit um Zugang zu Widum”).

APA-OTS Presseaussendung der Initiative Denkmalschutz (6. Juni 2018)

Kuriosum zum Europäischen Kulturerbejahr 2018: Eigentümer will spätgotisches Haus retten, doch Tiroler Bürgermeister fordert Abriss! Initiative Denkmalschutz fordert Land Tirol und den Bund auf zu vermitteln, um dem Eigentümer bei seinem vorbildlichen Einsatz für unser österreichisches Kulturerbe zu unterstützen: https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20180606_OTS0012

Widum – Baugeschichte / Beschreibung

– im Tiroler Kunstkataster: https://gis.tirol.gv.at/kunstkatasterpdf/pdf/43841.pdf
– in der Denkmalliste (Wikipedia): https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_denkmalgesch%C3%BCtzten_Objekte_in_Gries_am_Brenner

Weitere Medienberichte

4. März 2021, Tirol lokal (Tiroler Tageszeitung)
Luegbrücke: Asfinag leitet Enteignungsverfahren ein. Die Gemeinde Gries sorgt mit ihrer beharrlichen Tunnel-Forderung für Kopfschütteln bei der Asfinag. Zusatz-Benefits für Gries sind vom Tisch. – Artikel nicht im Internet abrufbar

6. Februar 2021, Krone
Kuriose Corona-Blüten: Zuhören im Ort verboten, im Landtag erlaubt: https://www.krone.at/2335696

4. Februar 2021, Tiroler Tageszeitung
Zollstätte Lueg am Brenner Sperrgebiet, Denkmalamt interveniert (Bezahlschranke): https://www.tt.com/artikel/17808762/zollstaette-lueg-am-brenner-sperrgebiet-denkmalamt-interveniert

10. November 2019, Krone
Gries am Brenner: Kurioser Streit um Sanierung im Sperrgebiet: https://www.krone.at/2039032

1. August 2019, Tiroler Tageszeitung
Zollstätte Lueg: Kulturgut am Brenner in Gefahr. Seit Mai hat Tirol mit der Zollstätte Lueg ein neues Denkmal. Dagegen stellt sich ausgerechnet die Gemeinde – und blockiert die Erhaltung: https://www.tt.com/artikel/15907435/zollstaette-lueg-kulturgut-am-brenner-in-gefahr

23. Mai 2019, Tiroler Tageszeitung
Widum der Zollstätte Lueg offiziell zu Denkmal erklärt: https://www.tt.com/artikel/15673144/widum-der-zollstaette-lueg-offiziell-zu-denkmal-erklaert

6. April 2019, Tiroler Tageszeitung
Streit um Betretungsverbot in Lueg geht weiter. Die Gemeinde Gries hat eine Verordnung wegen Steinschlaggefahr neu erlassen – der Besitzer des Widums darf weiter nicht zu seinem Objekt: https://www.tt.com/artikel/15510174/streit-um-betretungsverbot-in-lueg-geht-weiter

7. Februar 2019, Tiroler Tageszeitung
Schneelast setzt zu: Denkmal in Gries am Brenner droht der Einsturz: https://www.tt.com/artikel/15301265/schneelast-setzt-zu-denkmal-in-gries-am-brenner-droht-der-einsturz

25. September 2018, Tiroler Tageszeitung
Gries mit Denkmal-Veto abgeblitzt. Ermittlungen gegen Dorfchef eingestellt, Fortsetzung beantragt. Gries geht gegen Widum Lueg als Denkmal jetzt ans Höchstgericht: https://www.tt.com/artikel/14840466/gries-mit-denkmal-veto-abgeblitzt

15. September 2018, Tiroler Tageszeitung
Widum in Gries: Justiz ermittelt gegen Bürgermeister. Abbruchsbescheid kontra Denkmal. Ein Widum beschäftigt die Staatsanwaltschaft, weil der Eigentümer beim Bürgermeister Willkür ortet: https://www.tt.com/artikel/14781464/widum-in-gries-justiz-ermittelt-gegen-buergermeister

7. Juni 2018, ORF
Gotisches Widum zwischen Abbruch und Schutz. In der Gemeinde Gries am Brenner harrt ein Rechtsstreit um ein altes Widum einer Entscheidung. Der Eigentümer will das Gebäude erhalten und sanieren, die Gemeinde verweist auf einen Abbruchbescheid: https://tirol.orf.at/v2/news/stories/2917384

17. Oktober 2017, Tiroler Tageszeitung
Gries rüttelt weiter an Denkmal. Das Bundesdenkmalamt in Wien erklärte die alte Zollstätte Lueg samt Kirche und Widum zum Denkmal. Die Gemeinde Gries drängt weiter zum Abbruch und beruft ein letztes Mal: https://www.tt.com/artikel/13560721/gries-ruettelt-weiter-an-denkmal

28. Februar 2017, Tiroler Tageszeitung
Widum Lueg wurde zum Denkmal erklärt: https://www.tt.com/artikel/12666338/widum-lueg-wurde-zum-denkmal-erklaert

4. Februar 2017, Tiroler Tageszeitung
Verfallenes Widum soll Denkmal sein. Pattstellung um ein altes Widum in Gries. Seit Jahren sollte es wegen Einsturzgefahr abgerissen sein. Nun meldete sich der Denkmalschutz: https://www.tt.com/artikel/12576482/verfallenes-widum-soll-denkmal-sein

Gmunden (OÖ): Kösslmühle Abriss 2020 – Filmdoku erinnert

Die alte Kösslmühle in Gmunden am Traunsee (Salzkammergut) wurde im Dezember 2020 abgerissen, dort soll jetzt ein Neubau mit 20 Wohnungen entstehen (Eigentümer: Maximilianhof Immobilien GmbH). Ursprünglich hieß dieses Gebäude nahe der Traunbrücke „Mühle an der Achleiten“, später „Bürgerspitalmühle“ und „Spitalmühle“. Erbaut wurde das Gebäude 1354 im Auftrag des benachbarten Bürgerspitals. Die Bezeichnung Kösslmühle erhielt sie im 17. Jh.. Viele Bürger und Denkmalschützer betrauerten den Abriss des markant am Traunufer gelegenen, bis ins Mittelalter zurückreichende Gebäude in der Kösslmühlgasse 7. Jetzt wurde der Kösslmühle vom Musealverein Gmunden posthum ein filmisches Denkmal gesetzt (8-minütige Filmdoku). Der Obmann des Musealvereins Gmunden, August Mayer, sowie der Lokalhistoriker Holger Höllwerth kommen zu Wort, berichten über die Geschichte, Bedeutung und den Abriss. Bereits im August 2017 verfügte der Bürgermeister einen Baustopp, da ein Teil der Giebelwand des verfallenen Kösslmühle entfernt wurde, es lag nämlich keine Abbruchgenehmigung vor. Die Eigentümer erklärten des Fehlen des Giebelwandteiles mit einem Unfall: Ein Nusbaum sie zuvor bei einem Sturm auf das Dach gefallen, und bei der Beseitigung des Baumes hat sich auch der Giebelteil gelöst. Das Loch wurde dann provisorisch zugemacht. Im Laufe des Novembers hörte man immer öfter von Seiten der Stadt, dass durch Befragungen und Fotos ein Unfall eher ausgeschlossen wird, die Bezirkshauptmannschaft Gmunden hatte Ermittlungen eingeleitet. Bereits 2015 hat der Bürgermeister einem überdimensionierten Neubau einer Seniorenresidenz Kösslmühle einen Riegel vorgeschoben und verlangte: Wir wollen keine weiteren Bausünden. Eine Umwidmung gibt es nur, wenn das Projekt verkleinert wird.”  Daher bildete sich im Herbst 2016 eine Bürgerinitiative zur „Rettung der Kösslmühle“ (Komitee Erhaltung Kösslmühle) mit der Forderung, das Gebäude solle erhalten bleiben, es sei wesentlich für das Ortsbild, inbesondere wenn man von der Traunbrücke blickt. Im Herbst 2016 wurde zumindest soweit eingelenkt, dass keine überdimensionierte Seniorenresidenz erbaut werden soll, sondern nur ein nicht ganz so großer Neubau mit 20 Wohnungen. 1935 hatte die Oberösterreichische Kraftwerke AG (kurz OKA) erworben und 1954 einer recht sensiblen Renovierung unterzogen. Die Renovierung leitete der denkmalpflegerisch erfahrene Architekt Franz König. Es wurden z.B. Fragmente eines Sonnenuhrfreskos aus der Mitte des 17. Jh. unter dem Putz gefunden und rekonstruiert. Als sich der Abriss abzeichnete, hat sich der Obmann des Musealvereins, August Mayer, in der Generalversammlung 2019 auf ein gotisches Fenster in der Kösslmühle hingewiesen. Auch angemerkt wurde, dass dieses Haus nicht unter Denkmalschutz steht, sodass gegen den Abriss und Neubau nur sehr wenig vom Gestaltungsbeirat der Stadtgemeine getan werden konnte.

Filmdoku: “Kösslmühle 2020 Gmunden” (8 min; 13.4.2021): https://www.youtube.com/watch?v=tYdFXLyNkdM

Ehem. Bürgerinitiative “Kösslmühlkomitee”: http://www.koesslmuehlkomitee.at

Friedrich Idam (Allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für Denkmalschutz, Ortsbildpflege, Revitalisierung und Renovierung alter Bausubstanz (u.a.)): BEFUND UND PRIVATGUTACHTEN zur Denkmalwürdigkeit der Kößlmühle in Gmunden und deren Bedeutung im Ensemble der Traunuferverbauung und für das Orts- und Landschaftsbild vom 7. März 2017 (Auftraggeber: Komitee Erhaltung Kößlmühle): http://www.koesslmuehlkomitee.at/unterseite-2.html

Gmundens Schätze: Kösslmühle: https://www.gmundens-schaetze.at/koesslmuehle.html

Geschichte der Kösslmühle: http://www.koesslmuehlkomitee.at/unterseite-3.html sowie http://www.gmundner-musealverein.at/denkmalgeschuetzte-objekte.html

Kösslmühle, Sonnenuhr, Gmunden / OÖ

Die ursprünglich aus der Mitte des 17. Jh. stammende Sonnenuhr (1954 erneuert), Foto: Jän. 2012, (c) Pendragon, CC BY-SA 3.0, Wikipedia

Berichte in Medien (u.a.):

22. April 2021, Oberösterreichische Nachrichten
Der Musealverein Gmunden hat der abgerissenen Kösslmühle ein kurzes aber sehenswertes Filmdenkmal gesetzt: https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/salzkammergut/filmdokumentation-ueber-die-koesslmuehle;art71,3387492

21. April 2021, MeinBezirk
“Erinnerung an Gebäude erhalten”: Video über die spannende Geschichte der Kösslmühle: https://www.meinbezirk.at/salzkammergut/c-lokales/video-ueber-die-spannende-geschichte-der-koesslmuehle_a4591121

20. April 2021, Tips
Film dokumentiert die Geschichte der Kösslmühle. Die Kösslmühle wurde im Vorjahr abgerissen. In Zusammenarbeit mit dem Musealverein Gmunden hat der Filmemacher Ernst Spiessberger nun eine kurze Video-Dokumentation geschaffen: https://www.tips.at/nachrichten/gmunden/land-leute/531755-film-dokumentiert-die-geschichte-der-koesslmuehle

24. Oktober 2019, Oberösterreichische Nachrichten
Gmunden erteilt Baubewilligung für neue Kösslmühle. Lange umstritten: Ab Mitte nachsten Jahres entstehen 16 neue Wohnungen an der Traun: https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/salzkammergut/gmunden-erteilt-baubewilligung-fuer-neue-koesslmuehle;art71,3178978

13. Dezember 2017, Oberösterreichische Nachrichten
Umstrittenes Wohnbauprojekt Kösslmühle nahm die größte Hürde. Im fünften Anlauf bekam das umstrittene Wohnbauprojekt am Gmundner Traunufer den Segen des unabhängigen Expertengremiums. Um diese Zustimmung zu erhalten, mussten die Investoren das Bauvorhaben aber spürbar verkleinern: https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/salzkammergut/Umstrittenes-Wohnbauprojekt-Koesslmuehle-nahm-die-groesste-Huerde;art71,2759967

11. Dezember 2017, Oberösterreichische Nachrichten
Lostage für umstrittenes Bauprojekt in Gmunden. Morgen entscheidet der Gestaltungsbeirat, ob das umstrittene Bauprojekt am Gmundner Traunufer verwirklicht werden kann. Kritiker haben nicht nur architektonische Einwände. Sie befürchten auch, dass die Traunpromenade während der Bauzeit gesperrt werden könnte: https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/salzkammergut/Lostage-fuer-umstrittenes-Bauprojekt-in-Gmunden;art71,2757532

22. November 2017, Krone
Gmundner Kösslmühle: Fassaden-Loch ist für Stadt “eher kein” Unfall. Im August 2017 wurde die Kösslmühle – ein markantes Gebäude in Gmunden – massiv beschädigt. Bei Arbeiten am Dach brach ein Stück Fassade heraus. Die Stadt glaubt inzwischen, dass das mit Absicht passiert sein könnte, die Ermittlungen laufen aber noch: https://www.krone.at/600810

11. September 2017, Oberösterreichische Nachrichten
Leserbrief (August Mayer): Kößlmühle – quo vadis? Gmunden gehört zu den historischen Städten, daher muss sich die Stadtgemeinde Gmunden für den Erhalt des historischen Stadtbildes einsetzen: https://www.nachrichten.at/meinung/leserbriefe/Koesslmuehle-quo-vadis;art11086,2674857

10. August 2017, Oberösterreichische Nachrichten
Abrissarbeiten an der Kösslmühle lösen Proteste aus. VP-Bürgermeister Stefan Krapf schickte heute die Polizei an die Traun, um Abrissarbeiten an der Kösslmühle zu stoppen. Deren Besitzer beteuern, sie hätten nur versucht, einen umgestürzten Baum vom Dach zu entfernen: https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/salzkammergut/Abrissarbeiten-an-der-Koesslmuehle-loesen-Proteste-aus;art71,2647261

10. August 2017, ORF
Aufregung um altes Gebäude in Gmunden. In Gmunden ist am Donnerstag Aufregung um ein altes Gebäude nahe der Traunbrücke ausgebrochen. Von Abrissarbeiten an der sogenannten „Kösslmühle“ war die Rede. Der Gebäudebesitzer stellte klar, lediglich ein Baum wurde entfernt: https://ooe.orf.at/v2/news/stories/2859874

10. August 2017, Krone
Aufregung um Loch in Kösslmühle-Fassade. Einen Baustopp verordnete Gmundens Stadtchef Stefan Krapf, als er gestern, Donnerstag, von angeblichen Abrissarbeiten an der historischen Kösslmühle erfahren hat. Ein Anrainer hatte Alarm geschlagen, die Hauseigentümer sprechen von einem Unfall: Die Fassade sei bei der Entfernung eines Baums beschädigt worden: https://www.krone.at/582951

10. August 2017, Tips
Kösslmühle erneut in Diskussion. Die Diskussion rund um die „Kösslmühle“ an der Traun ist um eine Facette reicher: Bei Arbeiten an dem markanten Gebäude, an dessen Stelle die Eigentümer einen – heftig diskutierten – Neubau errichten wollen, wurde ein Teil der Giebelwand entfernt: https://www.tips.at/nachrichten/gmunden/land-leute/400311-koesslmuehle-erneut-in-diskussion

20. Dezember 2016, Grüne
Die Kösslmühle. Otto Kienesberger – Dieses Bauvorhaben ist derzeit in aller Munde: https://bezirkgmunden.gruene.at/themen/demokratie-kontrolle/die-koesslmuehle

10. November 2016, Oberösterreichische Nachrichten
Von sieben Bauprojekten wurde bloß eines uneingeschränkt durchgewunken. Gmundner Gestaltungsbeirat tagte öffentlich im Rathaus unter großem Zuhörerinteresse: https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/salzkammergut/Von-sieben-Bauprojekten-wurde-bloss-eines-uneingeschraenkt-durchgewunken;art71,2398106

31. Oktober 2016, Tips
Gmundner Grüne über ÖVP empört. Kurz vor der Gemeinderatswahl im Herbst 2015 hatte sich die ÖVP nach zuvoriger positiver Stellungnahme vom „Seniorenresidenz“ anstelle der Kösslmühle distanziert. Dass sich die ÖVP und Bürgermeister Stefan Krapf (…) aufgrund der Größe und architektonischen Gestaltung gegen ein Umwidmungsverfahren ausgesprochen hätten, sei jedoch schlichtweg falsch, sagt Grün-Mandatar Otto Kienesberger: https://www.tips.at/nachrichten/gmunden/wirtschaft-politik/375763-gmundner-gruene-ueber-oevp-empoert

31. Oktober 2016, gmundl – Der Gmunden-Blog ‘Zivilgesellschaft von der Wahrheit zur Satire
Kösslmühle – Das Manifest: https://gmundl.com/2016/11/11/koesslmuehle-das-manifest

16. September 2016, Oberösterreichische Nachrichten
Neue Pläne für Gmundner Kösslmühle. Keine Seniorenresidenz, kein Flüchtlingsheim entsteht, sondern Haus mit 20 Wohnungen: https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/salzkammergut/Neue-Plaene-fuer-Gmundner-Koesslmuehle;art71,2347478

22. April 2016, Oberösterreichische Nachrichten
Kösslmühle-Investoren zeigen sich kompromissbereit. Man könne sich vorstellen, die Pläne der Seniorenresidenz abzuspecken, und ist für Gespräche bereit: https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/salzkammergut/Koesslmuehle-Investoren-zeigen-sich-kompromissbereit;art71,2212568

19. April 2016, Oberösterreichische Nachrichten
Investoren drohen: “Bauerlaubnis oder 150 Flüchtlinge”. Aus der Kösslmühle im Stadtzentrum soll ein Verteilungszentrum des Bundes werden: https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/salzkammergut/Investoren-drohen-Bauerlaubnis-oder-150-Fluechtlinge;art71,2208295

18. April 2016, Tips
Massive Bedenken gegen ein mögliches Verteilungsquartier für Flüchtlinge in der „Kösslmühle“: https://www.tips.at/nachrichten/gmunden/wirtschaft-politik/342763-massive-bedenken-gegen-ein-moegliches-verteilungsquartier-fuer-fluechtlinge-in-der-koesslmuehle

16. Juni 2015, Oberösterreichische Nachrichten
Notbremse: “Wir wollen keine weiteren Bausünden”. Kösslmühle: Gmundens VP-Bürgermeister Stefan Krapf verlangt von den Investoren eine Überarbeitung ihrer Pläne: https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/salzkammergut/Notbremse-Wir-wollen-keine-weiteren-Bausuenden;art71,1854748

Kapfenberg (Stmk): Böhler-Villa von Josef Hoffmann 1970 abgerissen

Im Rahmen der ORF-Serie “Verlorenes Erbe” (im Vorabendprogramm in “Studio 2”) wurden diesmal zerstörte Villa Otto Böhler in der Industriestadt Kapfenberg (Mariazeller Straße 32) präsentiert. Dieses repräsentative Landhaus (historisches Foto) wurde 1910/11 vom bekannten Jugendstilarchitekten und Gründer der Wiener Werkstätte, Josef Hoffmann (*1870, +1956) erbaut (Entwurfszeichnung, Vorprojekt I, Villa Dr. Otto Böhler). Die Industriellenfamilie Böhler gründete 1870 ein Unternehmen von Weltrang (Stichwort “Böhlerstahl”), die Villa des Stahlwerk-Direktors Otto Böhler ging 1970 in Flammen auf. Im Rahmen einer Feuerwehrübung wurde es abgefackelt, nachdem das Landhaus in Stadtbesitz gekommen war und Hausschwammbefall festgestellt wurde.  Im Fernsehbeitrag sprechen der Josef Hoffmann-Experte Rainald Franz (MAK) zur Hoffmann-Villa sowie Fritz Böhler, Enkel der Firmengründer sowie Günther Agath, Zeitzeuge aus Kapfenberg. In Kapfenberg selbst befindet sich noch das Hotel Böhlerstern (Werkshotel in der Friedrich-Böhler-Straße 13, vom bekannten Architekten Otto Prutscher entworfen) sowie neben dem Hoffmann-Landhaus eine Villa in der Mariazeller Straße 30, ein villenartiger Bau, kurz nach 1900 erbaut (ebenso von Otto Prutscher entworfen). An Stelle der Hofmann-Villa in der Mariazeller Straße 32 befindet sich heute ein medizinisches Zentrum.

ORF-FERNSEHBEITRAG (6 MIN): https://tvthek.orf.at/profile/Studio-2/13890037/Studio-2/14094432/Verlorenes-Erbe-Boehler-Villa/14930519 (ORF ‘Studio 2’: “Verlorenes Erbe: Böhler-Villa”, 4.6.2021)

Linktipps:

iD-Bericht (ORF ‘Verlorenes Erbe’): “Wien: Die verlorenen Josef Hoffmann-Villen im 18. u. 19. Bezirk”: https://www.initiative-denkmalschutz.at/berichte/wien-die-verlorenen-josef-hoffmann-villen-im-18-u-19-bezirk

Der Architekt Josef Hoffmann:
– auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Hoffmann
– im Architektenlexikon: http://www.architektenlexikon.at/de/234.htm