Graz (Stmk.): Seit 2000 Abrissbirne für 173 Altbauten

Konflikt: Um neuen Wohnraum zu schaffen, wurden in Graz seit dem Jahr 2000 insgesamt 173 alte und erhaltenswerte Häuser zerstört. Und es werden nahezu wöchentlich mehr. Der Abriss einer alte Villa in der Billrothgasse sorgt jetzt für Ärger. Der Grazer Altstadtschützer Peter Laukhardt (Soko Altstadt) zieht ein Resümee. DER GRAZER-ARTIKEL WEITERLESEN: https://www.grazer.at/de/BHWBKwO8/seit-2000-abrissbirne-fuer-insgesamt-173-altbauten +++ Das Beispiel Abriss Villa Billrothgasse 20 (10. Bezirk Ries) auf Grazerbe.at: https://www.grazerbe.at/Billrothgasse_20 +++ Offizielle Website Grazerbe.at: https://www.grazerbe.at

 

Wien: Die verlorenen Josef Hoffmann-Villen im 18. u. 19. Bezirk

Im Rahmen der ORF-Serie “Verlorenes Erbe” (im Vorabendprogramm in “Studio 2”) wurden diesmal zerstörte oder stark veränderte Villen des berühmten Jugendstil-Architekten und Gründer der Wiener Werkstätten, Josef Hoffmann präsentiert: Die 1906 erbaute und 1970 abgerissene Villa für den Schriftsteller Richard Beer-Hofmann gegenüber vom Türkenschanzpark in der Hasenauerstraße 59 (Ecke Joseph-Kainz-Park, 18. Bezirk), siehe Foto anbei bzw. auf photowien.weebly.com. Nur die Einfriedung hat sich bis heute erhalten, siehe Google Maps.  Im 19. Bezirk auf der Hohen Warte hat Josef Hoffmann gleich für mehrere Künstler eigene Häuser entworfen. Diese existieren heute noch oder wurden – leider zum Negativen – stark verändert. Zum Beispiel wurde die Villa Hochstetter in der Steinfeldgasse 7 bis zur Unkenntlichkeit umgebautEbenso zerstört bzw. bis zur Unkenntlichkeit umgebaut wurde auch das Haus Henneberg in der Wollergasse 8. Die Villa Brauner in der Geweygasse 11 wurde von Bomben im 2. Weltkrieg zerstört und durch einen Neubau ersetzt. Die Inneneinrichtungen der Villen landeten zum Teil bei Antiquitätenhändlern und tauchen heute noch vereinzelt auf Kunstauktionen auf. Erfreulich ist, dass noch fünf Villen auf der Hohen Warte bestehen, u. a. die restaurierungsbedürftige und unter Denkmalschutz stehende Villa Ast in der Steinfeldgasse 2.

ORF-FERNSEHBEITRAG (5 MIN): https://tvthek.orf.at/profile/Archiv/7648449/Die-Kuenstlervillen-Wiens/14067652/Die-Kuenstlervillen-Wiens/14775124 (ausgestrahlt am 9.7.2020 ursprünglich unter dem Titel: “Verlorenes Erbe: Hofmann-Häuser”)

Der Architekt Josef Hoffmann mit Werkverzeichnis und Fotos seiner Häuser auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Hoffmann_(Architekt) +++ Josef Hoffmann mit umfassenden Werkverzeichnis im Architektenlexikon: http://www.architektenlexikon.at/de/234.htm.

 

PS: Ehemaliger Link: https://tvthek.orf.at/profile/Studio-2/13890037/Studio-2/14057898/Verlorenes-Erbe-Hofmann-Haeuser/14727810

Vorortelinie (Wien): Das Wunder der Restaurierung (und Wiederinbetriebnahme)

Die heute denkmalgeschützte Wiener Vorortelinie (heute S45) galt zu ihrer Erbauungszeit im Jahr 1898 als Gebirgsbahn mit Tunnels. Und ist auf eine unglaubliche Art und Weise bis in die 1980er-Jahre verfallen. Der Personenverkehr wurde 1978 eingestellt, die Bahn fuhr in den letzten Jahren nur noch für den Güterverkehr, ein Gleis war bereits abgebaut worden und der Rauch der Dampfloks war sehr unbeliebt bei der direkt anrainenden Bevölkerung. Aber dann wurden die Stationsgebäude aufwändig restauriert, obwohl manche schon sehr stark verfallen waren, wie z.B. die Station Ottakring,  da war mehr als eine Restaurierung nötig. Die Stationen “Ober-“, “Unter-Döbling” sowie Breitensee wurden gänzlich abgerissen. Während die Station “Ober-Döbling” und Breitensee durch Neubauten ersetzt wurden, ist die Station “Unter-Döbling” ganz von der Landkarte verschwunden (heute Station “Krottenbachstraße” in der Nähe). ORF-FERNSEHBERICHT (5 MIN): https://tvthek.orf.at/profile/Studio-2/13890037/Studio-2/14060675/Sommertour-durch-Wien/14741608 +++ Die Vorortelinie auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Vorortelinie.

Burschlkirche Landeck (Tirol): Holzwurmbefall – Einladung zur Begasung

2016 wurde am bemerkenswerten frühbarocken Schnitzaltar in der Landecker Burschlkirche der Holzwurmbefall entdeckt. Dann wurden weitere Schäden am Turm, Dachboden und in der Sakristei festgestellt. Jetzt findet zwischen 28. September und 2. Oktober findet in der Burschlkirche im Ortsteil Perfuchs die Begasung zur Bekämpfung des Holzwurms statt. Die Bevölkerung ist jetzt eingeladen, selbst Gegenstände mit Holzwurmbefall in die Kirche zu stellen. Anmeldung erforderlich. MeinBezirk-ARTIKEL WEITERLESEN: https://www.meinbezirk.at/landeck/c-lokales/gegenstaende-mit-holzwurmbefall-duerfen-mit-rein_a4205607 +++ Kurzbeschreibung der Burschlkirche: “Pestkapelle, urkundlich geweiht 1656. Frühbarocker Hochaltar aus 1651, Adam Payr zugeschriebene Schnitzfiguren sind zum Teil im Schlossmuseum Landeck. Das Hochaltarbild hl. Antonius vor dem Jesuskind wird Michael Waldmann dem Jüngeren zugeschrieben. Ein bemerkenswerter frühbarocke Schnitzaltar wird Michael Lechleitner zugeschrieben.” (Quelle: Denkmalliste Wikipedia) +++ Ältere Medienberichte: “Streit um Burschlkirche in Landeck endet mit dickem Scheck” (13.7.2020, Tiroler Tageszeitung): https://www.tt.com/artikel/17135856/streit-um-burschlkirche-in-landeck-endet-mit-dickem-scheck; “Der Holzwurm rumort in der Landecker Burschlkirche” (17.12.2019, Tiroler Tageszeitung): https://www.tt.com/artikel/16452408/der-holzwurm-rumort-in-der-landecker-burschlkirche; “AG Sopie Scholl legt Engagement zurück. In der Burschlkirche ist der Wurm drin” (16.12.2019, MeinBezirk): https://www.meinbezirk.at/landeck/c-lokales/in-der-burschlkirche-ist-der-wurm-drin_a3824301

Innsbruck (Tirol): Bauträger will Gründerzeithaus Innrain 21 abreißen

Gründerzeithaus mit Neorenaissancefassade in der Innsbrucker Innenstadt soll Neubau weichen, doch die letzte Mieterin wehrt sich und fühlt sich schikaniert. Gleichzeitig gilt für das Haus Innrain 21 seit Herbst 2019 eine Bausperre, sodass hier mit einer bevorstehenden Umwidmung zu rechnen istTIROLER TAGESZEITUNG WEITERLESEN: https://www.tt.com/artikel/17367815/letzter-mieterin-gas-abgedreht-teppichgeschaeft-in-innsbruck-will-neubau-nicht-weichen

Im Dehio-Handbuch Tirol – Die Kunstdenkmäler Österreichs (Hrsg. Bundesdenkmalamt), Wien 1980, Seite 53 erwähnt: Innrain: “Nr. 21: 5geschossig mit Neorenaissancefassade”

„Innsbruck – Die Landeshauptstadt informiert“ Offizielle Mitteilungszeitung (Nov. 2019):
Rathausmitteilungen: Die Stadtplanung informiert (Seite 56 f.): Der Gemeinderat der Landeshauptstadt Innsbruck hat in seiner Sitzung am 10. Oktober 2019 die Auflage folgender Entwürfe beschlossen: Erlassung einer Bausperre im Bereich Innenstadt, Innrain 21 und 23, Bürger-straße 1 und 3 sowie Colingasse 12″ (Quelle: https://www.ibkinfo.at/media/10708/ibkinfo_ausgabe_1911.pdf)

Hohe Warte (Wien): Die verlorenen Gärten des Baron Rothschild

ORF-SERIE “Verlorenes Erbe”Die berühmten Gärten des Baron Rothschild: In Wien hat es vor hundert Jahren zwei weltbekannte Gärten gegeben: Neben Schönbrunn, der wohl den meisten bekannt ist, waren die Rothschildgärten auf der Hohen Warte in Döbling. Der Banker Nathaniel Meyer Freiherr von Rothschild erwarb in den 1860er Jahren auf der Hohen Warte ein über 80.000 Quadratmeter umfassendes Grundstück, das er 1882 zu einem weitläufigen Herrschaftspark ausgestalten lies. Später, besonders unter Alphonse von Rothschild (1878-1942), Sammler und Liebhaber schöner Gärten sowie exotischer Blumen, wurde der Garten mit seinem wertvollen Pflanzenbestand über die Grenzen Europas bekannt. Das Ensemble bestand aus einer umfangreichen Parkanlage und einer stattlichen, späthistoristischen Villa (im Krieg zerstört). Die Gartenanlage enthielt botanische Raritäten und rund 90 Glashäuser. Gartenliebhaber sind von weit her angereist, um sie zu sehen und in Botanikerzeitschriften ist in höchsten Tönen davon berichtet worden. 1938 von den Nationalsozialisten enteignet, wurde die Anlage im 2. Weltkrieg zum Teil zerstört. Der Garten wurde nach dem Krieg der Familie Rothschild zurückerstattet, kam aber 1950 durch eine Schenkung in den Besitz der Gemeinde Wien1969 begann das Stadtgartenamt mit der Umgestaltung in eine kommunale Parkanlage, den heutigen Heiligenstädter Park. Einzelne Gartenelemente (u. a. Formspalierbäumchen) haben sich bis heute erhalten und wurden ins Gartenbau-Museum verbracht, eine marmorne Venusfigur des Mailänder Bildhauers Antardini ist heute im Palmenhaus der Blumengärten Hirschstetten untergebracht. Mit dem Bau des Döblinger Bezirkshallenbads 1978 verschwanden die Glashäuser völlig. Nur noch das denkmalgeschützte Pförtnerhaus mit seinem mächtigem Tor (Geweygasse 6) erinnert heute an das einstige Dorado der Gartenkunst. ORF-FERNSEHBEITRAG ZUM NACHSEHEN (5 Min): https://tvthek.orf.at/profile/Studio-2/13890037/Studio-2/14070080/Die-beruehmten-Gaerten-des-Baron-Rothschild/14788271 (ORF “Studio 2”, 2.11.2020, ‘Die berühmten Gärten des Baron Rothschild’)

Die Rothschild-Gärten:
– auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Rothschildg%C3%A4rten
– auf Wien Geschichte Wiki: https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Rothschildg%C3%A4rten

Der Heiligenstädter Park:
– auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Heiligenst%C3%A4dter_Park
– auf der Website der Stadt Wien: https://www.wien.gv.at/umwelt/parks/anlagen/heiligenst.html

PS: Rothschild spielte auch eine wesentliche Rolle bei der Etablierung des ersten Fußballvereins in Österreich, des First Vienna FC 1894, der am 22. August 1894 durch Rothschilds Gärtner in Wien-Döbling gegründet wurde. Als Taufpaten fungierten Rothschild und der Generaldirektor des Bankhauses Rothschild. Die Vereinsfarben wurden mit Blau und Gelb, den Wappenfarben des Hauses Rothschild, festgelegt. Mit diesen Farben spielt der Verein nach wie vor im Stadion Hohe Warte. (Quelle: Wikipedia).

Kalksburg (Wien): Breitenfurter Straße 529 kurz vor Abriss

Im September 2018 wurden die Abrisspläne für das im Heimatschutz-Stil erbaute Gründerzeithaus Breitenfurter Straße 529 im Rahmen der öffentlichen Auflage Änderung des Flächenwidmungs- und Bebauungsplanes Nr. 8256 publik. Unser Verein Initiative Denkmalschutz hat damals eine Stellungnahme für den Erhalt abgegeben, doch die Stadt Wien hat diese nicht berücksichtigt und das ursprünglich in einer Schutzzone der Stadt Wien befindliche Gebäude sogar extra aus der Schutzzone “herausgewidmet”, um die Voraussetzungen für das Neubauprojekt des Pflegezentrum der CS Caritas Socialis in Kooperation mit dem Anton-Proksch-Institut (Suchtklinik) zu schaffen. Doch obwohl seit Sommer 2018 auch Altbauten außerhalb von Schutzzonen ähnlichen Schutz wie in Schutzzonen genießen, hat die Magistratsabteilung 19 (Architektur und Stadtgestaltung) jetzt die für den Abbruch notwendige Bestätigung ausgestellt, “dass an der Erhaltung des Bauwerkes infolge seiner Wirkung auf das örtliche Stadtbild kein öffentliches Interesse besteht” (gemäß  § 62a Abs. 5a Bauordnung für Wien), sodass die zuständige Baubehörde (Magistratsabteilung 37) den Abbruch jetzt bewilligt hat. Das Haus in Kalksburg (23. Bezirk Liesing) steht jetzt kurz vor dem Abriss.

Neubauprojekt Breitenfurter Straße 529, 1230 Wien

Neubauprojekt Pflegezentrum Kalksburg in der Breitenfurter Straße 529 (Grafik: wien.gv.at, bearbeitet von WienSchauen.at)

Der Blog von “WienSchauen” fragt jetzt: Warum geben die Behörden den Altbau zum Abbruch frei? Sollte nicht die erst 2018 verschärfte Bauordnung solche Abbrüche verhindern? Dass der Bau von Pflegeeinrichtungen und Kliniken sehr zu begrüßen ist und keinesfalls verhindert werden sollte, versteht sich von selbst. Doch warum wird das alte Gebäude nicht in den Neubau integriert? Ließe sich so nicht ein viel schonenderer Umgang mit der Umgebung erreichen? Wie sinnvoll ist es, ein gut erhaltenes Haus ohne Not zu demolieren – gerade in Hinblick auf das Thema Ressourcen?  WIENSCHAUEN-ARTIKEL WEITERLESEN: https://www.wienschauen.at/kalksburg-behoerden-fuer-altbau-abriss-gruenderzeithaus-breitenfurter-strasse-529 (27.11.2020, WienSchauen: “Kalksburg: Behörden für Altbau-Abriss”).

Breitenfurter Straße 529 als Teil der Schutzzone (Ausschnitt aus dem bis Oktober 2019 gültigen Plandokument Nr. 7246)

Initiative Denkmalschutz: Stellungnahme zum Planentwurf 8256, 27. September 2018
https://www.initiative-denkmalschutz.at/stellungnahme/kalksburg-wien-stellungnahme-zu-planentwurf-8256

Verlorenes Erbe (Wien): Rothberger Warenhäuser, Haas-Haus, Stephansdom-Brand

In der ORF-Serie “Verlorenes Erbe” wurden diesmal die Rothberger-Warenhäuser sowie die Brandursache des Stephansdoms behandelt. Die Rothberger Warenhäuser standen bis zum Brand in den letzten Kriegstagen 1945 direkt gegenüber des Stephansdom-Riesentores am Stephansplatz (ehemals  Nr. 9 und 11, heute Stephansplatz 9 und 10). (Jüdischer) Bauherr war Jakob Rothberger, erbaut von den berühmten Theater-Architekten Ferdinand Fellner und Hermann Helmer (Büro Fellner & Helmer) 1884/85 (Stephansplatz 9) sowie 1893/95 (Stephansplatz 11). Die beiden Rothberger-Häuser flankierten das schmale, zentrale Krannerhaus, mit dem sie eine symmetrische städtebauliche Einheit bildeten. Das so genannte Krannerhaus (Anton Kranner’s Sohn, Wäsche und Ausstattungen) wurde bereits 1879/80 von Ferdinand Fellner und Hermann Helmer erbaut. Die strenghistoristische Fassade in nordischen Neorenaissance-Formen war mit einem hohen, volutengeschmückten Giebel abgeschlossen.  Nach schweren Kriegsschäden erfolgte der Wiederaufbau 1948/49 und 1956, wobei das Haus Nr. 11 mit dem in Betonkonstruktion neu errichteten Haus Nr. 10 (ehem. Krannerhaus) verbunden wurde (Architekt Josef Becvar). Umbauten bei weitgehender Verwendung der alten Bausubstanz, beide Nebenstiegen der Rothberger-Häuser sind erhalten. Auch das Haas-Haus (Foto), eines der ersten Warenhäuser in Wien  fiel 1945 dem Brand zum Opfer (erbaut 1865-67, Architekten August Siccard von Siccardsburg und Eduard von der Nüll). +++ Zu den Warenhäusern spricht im ORF-Beitrag der Denkmalschutzexperte und Buchautor Andreas Lehne, zum Dombrand kommen Restaurator Martin Kupf, die Historikerin Annemarie Fenzl sowie der Dombaumeister Wolfgang Zehetner zu Wort. Ausführliche ORF-Doku zum Dombrand “Brandakte Stephansdom” (Video).  ORF-FERNSEHBEITRAG ANSEHEN (6 MIN): https://tvthek.orf.at/profile/Studio-2/13890037/Studio-2/14079847/Der-Mythos-vom-Dombrand/14846018 (27.1.2021, “Der Mythos vom Dombrand”) +++ “Brandakte Stephansdom – Rekonstruktion einer Katastrophe” (45 min; Youtube): https://www.youtube.com/watch?v=uK5QT5IQCD4

Literatur / Quellen:

Andreas Lehne, Wiener Warenhäuser 1865-1914, Wien 1990, Seite 124 – 129 (Warenhaus der Teppichfirma Philipp Haas und Söhne), Seite 136 – 139 (Warenhaus Anton Kranner) und Seite 144 – 149 (Warenhaus Jakob Rothberger)

Paul Kortz, Wien am Anfang des 20. Jahrhunderts. Ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung. Zweiter Band, Wien 1906, Seite 361 ff.

 

Hinterstoder (OÖ): Villa Peham trotz Abriss 2015 weiterhin unter Denkmalschutz?

In der Nacht vom 6. auf den 7. September 2015 (Sonntag auf Montag) brannte die denkmalgeschützte Villa Peham in Hinterstoder im oberösterreichischen Traunviertel lichterloh, rasch wurde Brandstiftung als Ursache festgestellt, unbekannte Täter waren eingebrochen und hatten am Dach Feuer gelegt (Fotos und Video nach dem Brand). Bereits im November 2015 begannen die Abrissarbeiten des ehemaligen Landes-Erholungsheims unweit der Polsterlucke. Doch aus bisher noch unerfindlichen Gründen blieb die Villa Peham im Bundesdenkmalamt weiterhin als Denkmal gelistet (vgl. Denkmalliste 2020). Die Villa Peham am Goierweg 21 wurde 1924-1926 für den Wiener Gynäkologen Prof. Dr. Heinrich Peham als geräumiges Ferienhaus mit Gästezimmern von den bekannten Architekten Siegfried Theiss (1882-1963) und Hans Jaksch (1879-1970) erbaut.

Villa Peham nach Brand, Hinterstoder

Die Villa Peham nach dem Brand vom 7.9.2015, Foto: privat

2007 kaufte die Gemeinde Hinterstoder die per Verordnung (§ 2a) denkmalgeschützte Villa vom Land Oberösterreich. So stellen sich Fragen: Wurde das Bundesdenkmalamt nicht über den Abriss informiert? War der Abriss rechtskonform?  Letztere Frage gelang dieser Tage erneut in den Fokus, da an dessen Stelle jetzt ein umstrittens Luxus-Campingressort entstehen soll. Die Projektgegner schalteten das Bundesdenkmalamt ein. Der Bürgermeister soll beim Abriss des historischen Gebäudes voreilig agiert haben, um rasch Platz für neue Projekte zu schaffen. Der Bürgermeister von Hinterstoder, Helmut Wallner (ÖVP) rechtfertigt sich: „Nach dem Brand habe ich in erster Linie nicht an das Denkmalamt gedacht. Jetzt werden wir die Sache wieder reparieren. Aber einen vollständigen Wiederaufbau der Peham-Villa können und konnten wir uns nicht leisten“. Karin Zörrer Zeiner hat nun die Petition “Rettet das Hintere Stodertal ! Das Villa Peham – Areal (nahe Schiederweiher) soll Grünland bleiben!” gestartet. Darin wird zur Villa selbst ausgeführt: “Die denkmalgeschützte Villa Peham wurde am 07.09.2015 unter bisher ungeklärten Umständen durch Brandstiftung beschädigt und danach ohne Genehmigung des Denkmalamts einzuholen abgerissen.”

Medienberichte zum umstrittenen Campingplatz: OÖN (9.3.2021): Petition: Rettung des Stodertals; Tips (29.1.2021): Bebauungsplan für Luxus-Resort in Hinterstoder einstimmig beschlossen;  Krone (8.9.2020): In Hinterstoder: Für Luxuscamp sogar den Herzog verärgert

Villa Peham nach Brand, Hinterstoder

Die Villa Peham nach dem Brand vom 7.9.2015, Foto: privat

Medienberichte zu Brand und Abriss der Villa Peham:

3. März 2021, Krone
Betreiber verwundert: ‘Wir errichten hier doch kein Atomkraftwerk!’: https://www.krone.at/2356214

26. November 2015, Oberösterreichische Nachrichten
Millionenschaden: Peham-Villa wird nach Brand abgerissen: https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/steyr/Millionenschaden-Peham-Villa-wird-nach-Brand-abgerissen;art68,2042005

8. September 2015, Laumat.at
Ermittlungen nach Brand eines denkmalgeschützen Erholungsheimes in Hinterstoder: https://www.laumat.at/medienbericht,ermittlungen-nach-brand-eines-ehemaligen-erholungsheimes-in-hinterstoder,4551.html

8. September 2015, Oberösterreichische Nachrichten
Feuer in Erholungsheim war Brandstiftung: https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/Feuer-in-Erholungsheim-war-Brandstiftung;art4,1966057

Literatur:

Georg Schwalm-Theiss, Theiss & Jaksch, Architekten 1907-1961, Wien 1986, Seite 78

Bludenz (Vbg): Südtiroler Siedlung vor Abriss?

Ist die Südtiroler Siedlung im Stadtteil Obdorf in Bludenz vor dem Abriss? Der Eigentümer, die Alpenländische Heimstätte hat die Mieter im März darüber informiert, dass keine größeren Investitionen mehr in die Siedlung gesteckt werden sollen, dass die Erhaltung wirtschaftlich nicht mehr vertretbar sei. Das hat zur Verunsicherung der Mieter geführt. Die Siedlung wurde ab 1940 geplant und 1942 bis 1947 erbaut, später bis 1962 erweitert. Gemeinsam mit der Stadt Bludenz möchte der Eigentümer jetzt einen Diskussions- und Planungsprozess starten. Die Siedlung in der St. Antonius-, Bozner und Meraner Straße steht nicht unter Denkmalschutz, soll aber Thema beim Prozess werden.

Bau-Beschreibung (Dehio):
“Südtiroler Siedlung. Wohnhäuser, 2geschossig, zu großem viereckigem Hof zusammengeschlossen, rundbogige Tordurchfahrten (Hauptzugang talseitig von der Sonnenbergstraße her). Erb[aut]. von der Vorarlberger Siedlungsgesellschaft unter Alois Tschabrun, Ludwig Schweizer, H. G. Förnzler, ab 1940″

KRONE-ARTIKEL WEITERLESEN: https://www.krone.at/2387661 (12.4.2021, “Abriss oder Sanierung: Unklare Zukunft der Südtiroler Siedlung in Bludenz”)

Südtiroler Siedlung in Bludenz, Luftbild

Die Südtiroler Siedlung Bludenz, Luftbild, Foto: Jän. 2008, (c) böhringer friedrich, CC BY-SA 2.5, Wikipedia

Südtiroler Siedlung, Bludenz

Die Südtiroler Siedlung in Bludenz, ab 1942 erbaut, Foto: Jän. 2008, (c) böhringer friedrich, CC BY-SA 2.5, Wikipedia

Über die “Südtiroler Siedlung” (Bludenz) auf Vorarlberg Online: https://www.vol.at/vor-70-jahren-entstand-die-bludenzer-sudtiroler-siedlung/1605619 (19.10.2010, “Vor 70 Jahren entstand die Bludenzer Südtiroler Siedlung”)

Über “Südtiroler Siedlungen allgemein” auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCdtiroler-Siedlung

Weitere Medienberichte:

9. April 2021, Vorarlberg Online
Stadt Bludenz als Fürsprecher für die Südtiroler Siedlung: https://www.vol.at/stadt-bludenz-als-fuersprecher-fuer-die-suedtiroler-siedlung/6952264

31. März 2021, Vorarlberger Nachrichten
Große Verunsicherung bei Siedlungsbewohnern in Bludenz (Bezahlschranke): https://www.vn.at/vorarlberg/2021/03/31/grosse-verunsicherung-bei-siedlungsbewohnern-in-bludenz.vn

27. März 2021, Vorarlberger Nachrichten
Verunsicherung über Zukunft der Südtiroler Siedlung in Bludenz (Bezahlschranke): https://epaper.vn.at/lokal/vorarlberg/2021/03/26/verunsicherung-ueber-zukunft-der-suedtiroler-siedlung-in-bludenz.vn

26. März 2021, Vorarlberg Online
Bludenz: Wirbel um Pläne für die Südtiroler Siedlung: https://www.vol.at/bludenz-wirbel-um-plaene-fuer-die-suedtiroler-siedlung/6940206

Die Südtiroler Siedlung neben dem Galgentobelbach in Bludenz

Die Südtiroler Siedlung mit dem Galgentobelbach, Foto Jän. 2008, (c) böhringer friedrich, CC BY-SA 2.5, Wikipedia

Literatur / Quellen:

Dehio-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Band: Vorarlberg, Topographisches Denkmälerinventar, herausgegeben vom Bundesdenkmalamt, Wien 1983, Seite 45

Friedrich Achleitner, Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert, Band 1: ‘Oberösterreich, Salzburg, Tirol, Vorarlberg’, Salzburg und Wien 1980, Seite 405

Lesetipp:

“Genossenschaftlicher Wohnbau – Gründung der Vogewosi (Vorarlberger gemeinnützige Wohnungsbau- und Siedlungsgenossenschaft), ab Seite 98: https://www.vr-elibrary.de/doi/pdf/10.7767/boehlau.9783205789741.fm (in: Günther Prechter, Architektur als soziale Praxis)