Hitler Geburtshaus in Braunau (OÖ): Viel Kritik an geplantem Umbau

Das Innenministerium will das Geburtshaus Adolf Hitlers in Braunau bis 2023 umbauen und „neutralisieren“. Jeder Bezug zu Hitler soll verschwinden. Dies stößt jetzt von vielen Seiten auf Kritik, vor allem, dass möglichst nichts mehr auf den historischen Kontext des Hauses hindeuten soll. Kritik kommt von Florian Kotanko, dem Leiter der Braunauer Zeitgeschichtetage. „Die geplante Neugestaltung des Hitler-Geburtshauses orientiert sich an der Devise ‚Verdrängung statt Auseinandersetzung“, sagt der Vorsitzende des Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ), Willi Mernyi. „Offenbar will man die Welt vergessen lassen, dass der schlimmste Massenmörder der Geschichte in Braunau geboren wurde. Dieser Ansatz ist inhaltlich falsch und wird auch sicher nicht funktionieren. Man muss zu dem stehen, was war.“ „Anstelle des krampfhaften Versuchs, die historischen Tatsachen zu ‚neutralisieren‘, sollte gedenkpolitisch offensiv vorgegangen werden“, fordert Robert Eiter, Sprecher des OÖ. Netzwerks gegen Rassismus und Rechtsextremismus. „Beispielsweise wäre ein Konzept wie das ‚Haus der Verantwortung‘ des Politikwissenschafters Andreas Maislinger geeignet. Es würde Braunau und ganz Österreich viel Ansehen bringen.“ Auf vehemente Ablehnung stößt besonders der Plan, den „Mahnstein gegen Krieg und Faschismus“ vom Gehsteig vor dem Hitler-Geburtshaus zu entfernen und ins „Haus der Geschichte“ nach Wien zu verlegen. Und die Direktorin des Hauses der Geschichte in Wien, Monika Sommer, fordert einen runden Tisch. ORF-BERICHT WEITERLESEN: https://ooe.orf.at/stories/3051479. ORF-FERNSEHBERICHT (2 MIN): https://tvthek.orf.at/profile/Oberoesterreich-heute/70016/Oberoesterreich-heute/14054151/Hitler-Geburtshaus-Kritik-an-Plaenen/14708463 +++ Museumsdirektorin warnt: „Geschichte darf man nicht unsichtbar machen“ (Kurier, 4.6.2020): https://kurier.at/chronik/oesterreich/museumsdirektorin-warnt-bei-umbau-von-hitlerhaus-in-braunau-geschichte-darf-man-nicht-unsichtbar/400930379 +++ “Nehammer will Braunauer Hitlerhaus ‘neutralisieren’, Gedenkverbände empört. Protest gegen Verlegung des Gedenksteins in das “Haus der Geschichte” nach Wien (Der Standard, 3.6.2020): https://www.derstandard.at/story/2000117864524/nehammer-will-braunauer-hitlerhaus-neutralisieren-gedenkverbaende-empoert ; “Proteste gegen Entfernung von Mahnstein vor Hitler-Haus. Die Pläne für Hitlers Geburtshaus in Braunau verdrängen die Geschichte, kritisieren Gedenkverbände. Der Gedenkstein dürfe nicht ins Museum verräumt werden.” (Der Standard, 3.6.2020): https://www.derstandard.at/story/2000117869485/proteste-gegen-entfernung-von-mahnstein-vor-hitlerhaus +++ “Hitler-Geburtshaus: Diskussion um Verlegung von Gedenkstein nach Wien” (Die Presse, 3.6.2020): https://www.diepresse.com/5821946/hitler-geburtshaus-diskussion-um-verlegung-von-gedenkstein-nach-wien +++ APA-OTS-Presseaussendungen/Reaktionen: Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) kritisiert Pläne zum Hitler-Geburtshaus. MKÖ-Mernyi: „Verdrängung statt Auseinandersetzung“: https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20200603_OTS0104; “Stögmüller (Grüne OÖ) zu Hitler-Geburtshaus: Erinnerungspolitik darf nicht entfernt werden”: https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20200603_OTS0170; “Schatz (SPÖ): ‘Mahnstein gegen Krieg und Faschismus’ muss in Braunau bleiben”: https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20200603_OTS0167 +++ Kommentare: “Hitlerhaus: Alles falsch” (Kurier, 4.6.): https://kurier.at/meinung/hitlerhaus-alles-falsch/400930373. +++ Offizielle Erklärung des Bundesdenkmalamtes zum Umbau: “Aktuelle Pläne zur Umgestaltung des Geburtshauses von Adolf Hitler”: https://bda.gv.at/aktuelles/artikel/2020/06/aktuelle-plaene-zur-umgestaltung-des-geburtshauses-von-adolf-hitler-1.

Bericht der Initiative Denkmalschutz (2.6.2020)

Das jahrelange Ringen um die Nutzung von Hitlers Geburtshaus in Braunau am Inn hat offenbar ein Ende. Das denkmalgeschützte Altstadthaus wird zu einer Polizeistation umgebaut, teilte Innenminister Karl Nehammer heute, 2. Juni in einer Pressekonferenz mit. Das Vorarlberger Architektenbüro Marte.Marte wird die Umgestaltung des Hitler-Geburtshauses in Braunau vornehmen. Dabei wird die Fassade stark verändert und zwei Dachgiebel aufgesetzt. “Der Denkmalschutz war begeistert”, meint der Juryvorsitzend Robert Wimmer, doch das Bundesdenkmalamt wurde im Zuge des Enteignungsgesetzes “ausgeschaltet”, denn eine denkmalbehördliche Bewilligung, wenn es sich um eine Veränderung im Sinne des § 4 Denkmalschutzgesetz handelt,  ist seitdem nicht mehr nötig. (Schreiben des Bundesdenkmalamtes an die Initiative Denkmalschutz,  31. Jänner 2018). Standard-Artikel weiterlesen: https://www.derstandard.at/story/2000117838620/hitlers-geburtshaus-wird-polizeistation +++ ORF-FERNSEHBERICHT (2 min): https://tvthek.orf.at/profile/Oberoesterreich-heute/70016/Oberoesterreich-heute/14053898/Hitler-Geburtshaus-wird-umgestaltet/14707365 +++  Weitere Medienberichte: APA (Tiroler Tageszeitung), darin enthalten VIDEO DER PRESSEKONFERENZ (34 MIN): https://www.tt.com/artikel/30735084/vorarlberger-architektenbuero-baut-hitler-geburtshaus-um; ORF: https://ooe.orf.at/stories/3051404; Offizielle APA-OTS-Presseaussendung des Bundesministerium für Inneres: https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20200602_OTS0173 +++ APA-OTS-Presseaussendungen der INITIATIVE DENKMALSCHUTZ: “Hitlers Geburtshaus in Braunau: Initiative Denkmalschutz fordert Erhaltung des Altstadthauses statt tiefgreifende Veränderung. Keine denkmalbehördliche Bewilligung für baulichen Eingriff mehr nötig. Denkmalamt mittels Enteignungsgesetz ausgeschaltet (April 2018): https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20180410_OTS0006; Hitler Geburtshaus: Hohe Politik täuscht Öffentlichkeit! Enteignung als Vorwand für Zerstörung? Initiative Denkmalschutz fordert Erhalt! Nun ist es ausgesprochen: “Vollständige Beseitigung” des denkmalgeschützten Adolf Hitler Geburtshauses soll durch geplantes “Enteignungsgesetz” ermöglicht werden!” (Sept. 2016): https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20160919_OTS0008; Hitler Geburtshaus: Aufhebung des Denkmalschutzes durch die Hintertür? Initiative Denkmalschutz kritisiert Enteignungsgesetz. Für ein würdiges Gedenken an die schreckliche Zeit des Nationalsozialismus ist Abriss weder nötig noch richtig! (Juli 2016): https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20160712_OTS0014 +++ Das Hitler Geburtshaus auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf-Hitler-Geburtshaus +++ FACEBOOK-TIPP “Idea for a House of Responsibility in Braunau am Inn”: https://www.facebook.com/houseofresponsibilitybraunau

Neusiedl (Bgld.): Eine denkmalgeschützte “Bruchbude” wird zum Gasthaus

Millioneninvestitionen in die Revitalisierung eines spätmittelalterlichen Bürgerhauses am Hauptplatz 15, das wegen der Fassadeneingriffe jahrelang unscheinbar vor sich dahinschlummerte. 2014 wurde der in der Stadt Neusiedl/See als „Treppohaus“ bekannte Streckhof unter Denkmalschutz gestellt und wird jetzt aufwändig revitalisiert. Bei einer bauhistorischen Untersuchung wurden spätmittelalterliche Fragmente aus dem Jahr 1517 entdeckt. BVZ-ARTIKEL WEITERLESEN: https://www.bvz.at/neusiedl/neusiedl-am-see-revitalisierung-eine-bruchbude-wird-zum-gasthaus-neusiedl-am-see-gasthaus-renovierung-210605368 +++ Kurzbeschreibung des Bürgerhauses (Hauptplatz 15) in der Denkmalliste (Wikipedia): “Das zweigeschoßige Haus mit Rundbogentor weist noch barocke Bausubstanz auf.” (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_denkmalgesch%C3%BCtzten_Objekte_in_Neusiedl_am_See).

KZ Mauthausen (OÖ): Sperre Todesstiege. Anlass für Denkmalschutzgesetz-Änderung?

Seit zwei Jahren ist die sogenannte “Todesstiege” für Besucher der denkmalgeschützten KZ-Gedenkstätte Mauthausen gesperrt. Grund: Laut Ö-Normen entspricht die Stiege, auf der Häftlinge unter dem Nazi-Regime Zwangsarbeit leisten mussten, nicht den aktuellen Sicherheitsstandards. Für die Eigentümer besteht daher ein Haftungsrisiko, wenn es zu Unfällen von Besuchern auf der Stiege kommt. Gottfried Kneifel von der Initiative Wirtschaftsstandort OÖ (IWS) und für die ÖVP bis 2016 Mitglied des Bundesrates meint, Touristen seien fähig, beim Betreten historischer Denkmäler auf die Eigensicherheit zu achten und spricht sich für eine Änderung des Denkmalschutzgesetzes und für die Beendung der Sperre der Todesstiege im Mauthausen Memorial aus. Eine entsprechende Resolution an die Bundesregierung wurde im Oberösterreichischen Landtag im September 2019  beschlossen. MeinBezirk-BERICHT WEITERLESEN: https://www.meinbezirk.at/perg/c-lokales/sperre-der-todesstiege-gottfried-kneifel-fuer-gesetzesaenderung-beim-denkmalschutz_a4125909 +++ Der Initiativantrag in der OÖ. Landtagssitzung im vollen Wortlaut (Beilage 1135/2019 – XXVIII. GP.): “Die Resolution zur Änderung des Denkmalschutzgesetzes sowie zur Berücksichtigung der Situation bei Denkmalen im Verfahren zur Erarbeitung von technischen Normen und Standards”: https://www2.land-oberoesterreich.gv.at/internetltgbeilagen/Beilage%201135/2019%20-%20Initiativantrag.pdf?id=14788&n=1135&j=2019#page= . Es erfolgte ein einstimmiger Beschluss im OÖ. Landtag am 19.9.2019 (Protokoll, siehe S. 138f.) +++  Offizielle APA-OTS-Presseaussendung der Initiative Wirtschaftsstandort Oberösterreich: “‘Es ist Menschen zuzumuten, vor die eigenen Füße zu schauen’. Betretungsverbot für ‘Todesstiege’ im ehemaligen Lager Mauthausen könnte fallen” (22.9.2019): https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20190922_OTS0023 +++ Ältere Medienberichte: “ÖVP und FPÖ für Denkmalschutznovelle” (17.9.2019, ORF): https://ooe.orf.at/stories/3013320; “Weil sich Gesetze blockieren: Sperre der ‘Todesstiege'” (18.9.2019, OÖN): https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/weil-sich-gesetze-blockieren-sperre-der-todesstiege;art4,3166464; “Landeshauptmann Stelzer fordert. Todesstiege im KZ Mauthausen soll wieder begehbar sein” (25.9.2019, MeinBezirk): https://www.meinbezirk.at/perg/c-lokales/todesstiege-im-kz-mauthausen-soll-wieder-begehbar-sein_a3635262 +++ Die Todesstiege im ehemaligen KZ Mauthausen auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/KZ_Mauthausen#Todesstiege +++ Das ehemalige Konzentrationslager Mauthausen in der Denkmalliste (Wikipedia): https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_denkmalgesch%C3%BCtzten_Objekte_in_Mauthausen

 

Röthis (Vbg.): Nach Gasthaus Torggel-Abriss – Jetzt ‘glänzt’ Neubau

Röthis (Gem.). Das traditionsreiche Restaurant „Torggel“ (Torkelweg 1) wurde im Oktober 2014 geschlossen und 2018 bedauerlicher Weise abgerissen. Das historische Gasthaus stand nicht unter Denkmalschutz und stammte im Kern aus dem 18. Jahrhundert. Jetzt wurde er durch eine neue Wohnhausanlage (FOTO) mit dem Namen “Winkelbrunnen” ersetzt, der Platz davor heißt jetzt “Beim Winkelbrunnen”. Bürgermeister Roman Kopf meinte 2017: Es sei zwar schade um die Fachwerkfassade, den Gastgarten und die zwei historischen Stuben – diese stellen jedoch nur einen vergleichsweise kleinen Teil des Gesamtgebäudes dar. Der Rest und die Zubauten seien bei weitem weniger architektonisch bedeutend oder herzeigbar, außerdem ist die Bausubstanz nicht im besten Zustand. Das Bundesdenkmalamt sah daher bisher keinen Veranlassung, das Gesamtgebäude oder Teile davon unter Schutz zu stellen. Eine Bürgerinitiative um Norbert Häfele hatte Widerstand geleistet und über 400 Unterschriften für den Erhalt dieses historischen, charaktervollen Hauses im idyllischen Ortsteil Winkel gesammelt. Leider ist der Eigentümer, einer der führenden Vorarlberger Unternehmer, nicht willens gewesen, das alte Gebäude zu erhalten. Dass die denkmalgeschützte Weinpresse (der so genannte “Torkelbaum”) gerettet wurde, indem der vormalige Besitzer Roman Rauch diesen an die Gemeinde geschenkt hatte,  ist nur ein geringer Trost. Der Torkelbaum, der lt. Gutachten aus dem Jahre 1674 stammt, ist ein Kulturdenkmal und soll aufzeigen, dass die langjährige Weinbautradition integrativer Bestandteil der Röthner Geschichte ist. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Schlössle unterhalb des Weinberges entsteht derzeit mit Unterstützung der EU (Leaderförderung), des Bundesdenkmalamtes, des Landes Vorarlberg und von Roman Rauch ein moderner Pavillon, der ab September den Torkelbaum beherbergen soll. VORARLBERG ONLINE-ARTIKEL WEITERLESEN („Beim Winkelbrunnen“ erstrahlt in neuem Glanz”, 11.7.2020): https://www.vol.at/beim-winkelbrunnen-erstrahlt-in-neuem-glanz/6674416 +++ Weiterer aktueller Medienbericht: “Torggel wurde zum „Winkelbrunnen“ (21.7.2020, Vorarlberger Nachrichten): https://www.vn.at/vorarlberg/2020/07/21/torggel-wurde-zum-winkelbrunnen.vn ; “Pavillon für historische Weinpress” (Gemeinde Röthis, 2020; mit Fotos der Bauarbeiten für den Pavillon): https://www.roethis.at/aktuell/bau-pavillon-fuer-torkelbaum +++ Das LEADER-PROJEKT TORKELBAUM – A Stuck Röthner Gschicht erhalta!” (netzwerk Zukunftsraum Land, LE 14-20): https://leader-vwb.t-point.eu/public/projects/de/93/torkelbaum—a-stuck-roethner-gschicht-erhalta sowie https://www.zukunftsraumland.at/pdf.php?inc=project&id=2297 +++  ÄLTERE MEDIENBERICHTE: “Röthis: Torkelbaum des Gasthaus Torggel wird bei Schlössle wieder aufgebaut” (8.4.2019, Vorarlberger Nachrichten): https://www.vn.at/vorarlberg/2019/04/08/roethis-torkelbaum-des-gasthaus-torggel-wird-bei-schloessle-wieder-aufgebaut.vn; “Abrissbescheid für Torggel” (15.2.2018, Vorarlberg Online): https://www.vol.at/abrissbescheid-fuer-torggel/5669948; “‘Torggel’-Abriss: Gegner werfen Bürgermeister Kopf Befangenheit vor (12.4.2017; Vorarlberg Online): https://www.vol.at/torggel-abriss-gegner-werfen-buergermeister-kopf-befangenheit-vor/5233482; “‘Torggel’-Abriss: Ton in Röthis wird schärfer” (12.4.2017, ORF): https://vorarlberg.orf.at/v2/news/stories/2836668; “Bürgermeister Kopf zum Torggel: ‘Mir wäre ein Gasthaus auch am liebsten gewesen'” (28.3.2017, Vorarlberg Online): https://www.vol.at/buergermeister-kopf-zum-torggel-mir-waere-ein-gasthaus-auch-am-liebsten-gewesen/5208014; “Röthis: Historisches Gebäude steht vor Abriss” (27.3.2017, ORF): https://vorarlberg.orf.at/v2/news/stories/2832903; Schutz des Ortsbildes ist in Vorarlberg nachrangig. Vorarlberg hat kein Gesetz zum Schutz des Ortsbilds. Alte Bausubstanz ist dadurch gefährdet (24.3.2017, Der Standard): https://www.derstandard.at/story/2000054714739/schutz-des-ortsbildes-ist-in-vorarlberg-nachrangig; “Haubenlokal Torggel schließt seine Pforten” (29.9.2014): https://www.vol.at/haubenlokal-torggel-schliesst-seine-pforten/4099654 +++ Foto Gasthaus Torggel aus 2008 auf Wikipedia: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:TorggelR%C3%B6this.JPG?uselang=de.

Klagenfurt (Ktn.): Alter Platz soll als Ensemble unter Denkmalschutz gestellt werden

Selten aber doch stellt das Bundesdenkmalamt ganze Häuserensembles unter Denkmalschutz. Nun erachtet das Denkmalamt den “Alten Platz” in der Altstadt von Klagenfurt als ein solches kulturhistorisch erhaltenswertes Ensemble. Der Alte Platz ist umgeben von 34 Bürgerhäusern, die zumeist auf das 16. Jahrhundert zurückgehen. 12 dieser Häuser sowie die Dreifaltigkeitssäule stehen bereits als Einzelobjekte unter Denkmalschutz, nun sollen auch die anderen Gebäude unter Schutz gestellt werden. Die Eigentümer wurden soeben von diesem Vorhaben informiert, sie können nun innerhalb von vier Wochen eine Stellungnahme abgeben und gegebenenfalls dagegen Einspruch erheben.  Laut dem Medium “5 Min.at” steigen bereits Händler und Eigentümer auf die Barrikaden, denn Wertverlust und Leerstände werden befürchtet. Das Bundesdenkmalamt ist jetzt um Beruhigung bemüht. Auch der Chef der Klagenfurter Stadtplanung, Robert Piechl, beruhigt: Das wird nicht so heiß gegessen, wie gekocht.” In Österreich gibt es derzeit rund 80 denkmalgeschützte Ensembles von unterschiedlicher Größe. In Kärnten wurden zuletzt die Ensembles Gmünd und Friesach unter Denkmalschutz gestellt. PS: Ein Ensembleschutz in der Innenstadt von Wien – wie der Kurier berichtet- ist unserem Verein nicht bekannt! (nur eine Schutzzone der Stadt Wien). KURIER-ARTIKEL WEITERLESEN (17.8.2020): https://kurier.at/chronik/oesterreich/der-alte-platz-wird-unter-denkmalschutz-gestellt/401002424 +++ Offizielle APA-OTS-Presseaussendung BUNDESDENKMALAMT (12.11.2019): “Unterschutzstellung des Ensembles „Klagenfurt – Alter Platz“ in Prüfung“: https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20191112_OTS0115 +++ Weitere Medienberichte: Eigentümer steigen auf die Barrikaden. Alter Platz: Haus­besitzer fürchten Zu­griff durch Denk­mal­schutz (5 min, 16.8.2020): https://www.5min.at/202008305091/alter-platz-hausbesitzer-fuerchten-zugriff-durch-denkmalschutz; Leserbrief: Die Auswahl des Alten Platzes alleine wäre diskriminierend” (17.8.2020): https://www.5min.at/202008305179/die-auswahl-des-alten-platzes-bedeutet-eine-diskriminierung +++ Ältere Medienberichte: “Alter Platz soll unter Schutz gestellt werden” (12.11.2019, ORF): https://kaernten.orf.at/stories/3021327; “Alter Platz in Klagenfurt soll zum Denkmal werden” (19.11.2019, Kurier): https://kurier.at/lifestyle/wohnen/alter-platz-in-klagenfurt-soll-zum-denkmal-werden/400678088; “Alter Platz unter Denkmalschutz” (13.11.2019, Ö24): https://www.oe24.at/oesterreich/chronik/kaernten/alter-platz-unter-denkmalschutz/405754796 +++ Der Alte Platz in Klagenfurt auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Alter_Platz_(Klagenfurt_am_W%C3%B6rthersee) +++ Denkmalliste Wikipedia (mit den 13 Einzelobjekten am Alten Platz, die bereits unter Denkmalschutz stehen): https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_denkmalgesch%C3%BCtzten_Objekte_in_Klagenfurt_am_W%C3%B6rthersee-Klagenfurt.

Wels (OÖ): Letzte Baracke des Lagers 1001 jetzt rechtskräftig unter Denkmalschutz

Ein historisch bedeutendes Gebäude im Welser Stadtteil Lichtenegg hätte für immer verschwinden sollen. Das Holzhaus in der Schulstraße bot von 1938 bis 1962 Unterkunft für Soldaten, KZ-Insassen und Heimatvertriebene. Jetzt hat sich das Bundesdenkmalamt gegen den Einspruch der Welser Heimstätte als Eigentümerin beim Bundesverwaltungsgericht durchgesetzt, sodass die letzte Welser Baracke im “Lager 1001” nun rechtmäßig unter Denkmalschutz steht. Thomas Rammerstorfer von den Welser Grünen wünscht sich jetzt einen Runden Tisch, um über die weitere Nutzung der Baracke zu beratschlagen. Der Bürgermeister Andreas Rabl (FPÖ) hatte 2018 erklärt die Entscheidung den Konservatoren zu überlassen. Der Schutz von Objekten sei im übrigen auch die Aufgabe von Ländern und Gemeinden, betonte daraufhin der stellvertretende Abteilungsleiter für Oberösterreich im Bundesdenkmalamt in Anspielung auf die Aussagen des Bürgermeisters. +++ Aktuelle Medienberichte: “Suche nach Verwendungszweck für die letzte Welser Lagerbaracke” (1.9.2020, OÖN): https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/wels/suche-nach-verwendungszweck-fuer-die-letzte-welser-lagerbaracke;art67,3288880; “Baracke Lichtenegg: Grüne wollen sinnvolle Nutzung” (31.8.2020, Monatliche): https://monatliche.at/baracke-lichtenegg-rammerstorfer-schlaegt-runden-tisch-vor

Ältere Medienberichte: “Heimstätte wartet mit Abbruch bis ein Bescheid des Denkmalamtes vorliegt” (29.1.2019, Wochenblick): https://www.wochenblick.at/heimstaette-wartet-mit-abbruch-bis-ein-bescheid-des-denkmalamtes-vorliegt; Mahnung gegen Krieg: Denkmalamt begründet Erhalt der Lagerbaracke (14.1.2019, OÖN): https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/wels/mahnung-gegen-krieg-denkmalamt-begruendet-erhalt-der-lagerbaracke;art67,3091387; Einsturzgefahr: Geschützte Baracke wird vor dem Verfall bewahrt (27.12.2018, OÖN): https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/wels/Einsturzgefahr-Geschuetzte-Baracke-wird-vor-dem-Verfall-bewahrt;art67,3086521; “Letzte Baracke in Wels: Bundesdenkmalamt empfiehlt Erhaltung der Baracke 1001” (20.11.2018, MeinBezirk): https://www.meinbezirk.at/wels-wels-land/c-politik/bundesdenkmalamt-empfiehlt-erhaltung-der-baracke-1001_a3051102; “Letzte Baracke ist jetzt Wind und Wetter ausgesetzt” (2.11.2018, OÖN): https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/wels/Letzte-Baracke-ist-jetzt-Wind-und-Wetter-ausgesetzt;art67,3050447; Heimstätte plant Reihenhäuser auf Baracken-Grund (24.10.2018, OÖN): https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/wels/Heimstaette-plant-Reihenhaeuser-auf-Baracken-Grund;art67,3042416; “Die Siebenbürger Sachsen interessieren sich für Baracke” (18.10.2017, OÖN): https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/wels/Die-Siebenbuerger-Sachsen-interessieren-sich-fuer-Baracke;art67,3036101;Gemeinderat will letzte Welser Baracke erhalten (11.10.2018, OÖN): https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/wels/Gemeinderat-will-letzte-Welser-Baracke-erhalten;art67,3030807; “Grüne kämpfen für Erhalt von Baracke” (4.10.2018, OÖN): https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/wels/Gruene-kaempfen-fuer-Erhalt-von-Baracke;art67,3024423 (vgl. Grüne Wels: https://wels.gruene.at/themen/kultur/erhalt-der-letzten-baracke-des-lagers-1001 sowie https://wels.gruene.at/themen/kultur/erhalt-der-letzten-baracke-des-lagers-1001-1); Denkmalamt prüft Schutz der letzten Welser Baracke (28.9.2018, OÖN): https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/wels/Denkmalamt-prueft-Schutz-der-letzten-Welser-Baracke;art67,3019046; Heimstätte will die letzte Welser Baracke abreißen (21.9.2018, OÖN): https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/wels/Heimstaette-will-die-letzte-Welser-Baracke-abreissen;art67,3012604

Pöttelsdorf (Bgld.): Abbruch Jakobhaus, Denkmalamt reagierte zu spät

Ein bedeutendes Zeugnis traditioneller bäuerlicher Architektur und fürs ganze Burgenland” (Zitat Denkmalamt) ist in Kürze nun endgültig Geschichte: das Jakobhaus in Pöttelsdorf. Wenige Tage vor Beginn der Abbrucharbeiten – also eigentlich noch rechtzeitigwurde das Bundesdenkmalamt von unmittelbar bevorstehenden Abbruch des Jakobhauses informiert. Doch anstatt sofort einzuschreiten und eine Eil-(Not-)Unterschutzstellung auszusprechen, ließ man sich bedauerlicher Weise zu viel Zeit. Mit der Gemeinde hat das Bundesdenkmalamt noch einen offiziellen Besichtigungstermin für Mittwoch, den 7. Oktober vereinbart. Doch die Gemeinde begann mit dem Abriss bereits ganze sieben Tage vor diesem Besichtigungstermin (Mittwoch, 30. September). Der Kurier berichtete am Samstag, 3. Oktober darüber. Bis Montag früh (5.10.) stand das Haus weitgehend, nur das Dach war eingerissen, doch bis der Abteilungsleiter des Bundesdenkmalamtes am 5. Oktober einen Augenschein des Objektes vornahm, war es bereits zu spät, auch die Mauern waren bereits eingerissen. Über den Lokalaugenschein heißt es in einem Antwortschreiben des Bundesdenkmalamtes: “Dieser [Augenschein] hat allerdings leider ergeben, dass die Schäden an dem Objekt bereits sehr weit fortgeschritten sind, sodass die verbleibende Substanz eine Stellung unter Denkmalschutz nicht mehr zu rechtfertigen vermag”. So kann jetzt der Bürgermeister Rainer Schuber richtig schlussfolgern: “Jakobhaus steht nicht unter Denkmalschutz“. Dem Abteilungsleiter des Bundesdenkmalamtes im Burgenland, Peter Adam, bleibt nur noch ein resignierendes Resümee: “Wir leben in einer Abrisskultur“. BVZ-ARTIKEL WEITERLESEN: https://www.bvz.at/mattersburg/poettelsdorf-schuber-jakobhaus-steht-nicht-unter-denkmalschutz-poettelsdorf-jakobhaus-abrissarbeiten-rainer-schuber-print-227558898 (8.10.2020, “Jakobhaus steht nicht unter Denkmalschutz“; BVZ-Kommentar: “Neue Impulse oder alte Häuser?”: https://www.bvz.at/mattersburg/kommentar/kommentar-neue-impulse-oder-alte-haeuser-bezirk-mattersburg-kommentar-lokal-print-227557096)

Dass das Denkmalamt auch schneller reagieren kann, zeigt das vorbildliche Beispiel aus Tirol. Hier hat unser Verein Initiative Denkmalschutz an einem Sonntag Abend das Denkmalamt über einen drohenden Abbruch informiert, wenige Stunden später schritt das Bundesdenkmalamt, Abteilung Tirol ein und sprach eine solche rasche Eil-Unterschutzstellung (Mandatsbescheid) aus (siehe iD-Bericht: Initiative Denkmalschutz: Rettung für alten Gutshof in Mutters in letzter Sekunde? Bundesdenkmalamt Tirol hat dieser Tage eine Not-Unterschutzstellung ausgesprochen!) (Jänner 2020) sowie (Juli 2020): Holerlies Hof (Tirol): ‘Kampf’ ums Ortsbild in Mutters (Juli 2020).

Baustelleneinrichtungsplan

Pöttelsdorf: Baustelleneinrichtungsplan mit den für den Abbruch vorgesehenen Bauteilen (dunkelrot markiert): Das Eckhaus zum Hauptplatz ist das so genannte ‘Jakobhaus’, Foto: privat

Mehr Infos zum Abbruch in Pöttelsdorf, siehe: iD-Bericht (4.10.2020): Pöttelsdorf (Bgld.): Kurz vor Besuch Denkmalamt – Abriss altes Jakobhaus

Beschreibung der beiden im Abriss befindlichen Häuser in der Österreichischen Kunsttopographie des Bundesdenkmalamtes (Band 49: Die Kunstdenkmäler des politischen Bezirkes Mattersburg, Wien 1993, Seite 417 f.): “Hauptstraße Nr. 54: Dreiseithof [=Jakobhaus], an der Ecke von Hauptstraße und Hauptplatz; zarte Putzquaderung, segmentbogiges Einfahrtstor mit profilierten Umrahmungen und aufgedoppelter Holztüre; im Hof mächtige geziegelte Querscheune, freistehend mit Satteldach, großes hölzernes Einfahrtstor. – Nr. 56: Zwei Streckhöfe, durch freistehende Tormauer miteinander verbunden, der rechte im Putz bezeichnet ‘1868’, der linke mit Walmdach über teilweise erneuertem Wohntrakt.”

Kobersdorf (Bgld): Desolate Synagoge wird endlich renoviert

Die 1860 erbaute Synagoge in Kobersdorf im Mittelburgenland wurde durch einen glücklichen Zufall nicht von den Nationalsozialisten gesprengt. Das sei wohl daran gelegen, dass die Gemeinde sie 1940 – in der Absicht sie später gewinnbringend weiterzuverkaufen – erworben hatte, meint der Kobersdorfer Altbürgermeister Erwin Hausensteiner. Nach dem Krieg verfiel das Gebäude immer mehr, 1976 wurden erste Restaurierungsarbeiten durchgeführt. Der im Jahr 1990 gegründete „Verein zur Erhaltung und kulturellen Nutzung der Synagoge Kobersdorf“ kaufte 1994 unter der Obmannschaft des Kobersdorfer Bürgermeisters Manfred Fuchs das Gebäude. Im Kaufvertrag wurde das Gebäude mehrfach als „baufällig“ bezeichnet und wieder wurden erste zaghafte Sanierungsmaßnahmen unter Aufsicht des Vereins durchgeführt. Im Mai 2019 kaufte schließlich das Land Burgenland die ehemalige Synagoge in Kobersdorf und hat jetzt die notwendigen finanziellen Mitteln in die Hand genommen, um das schon recht baufällige Synagogengebäude aufwändig zu restaurieren. Die Restauratoren befunden gerade und eine umfassende Restaurierung ist in Vorbereitung. Der Restaurator Michael Podbelsek freut sich, dass von den Wandmalereien “sehr viel vom Bestand noch da ist” und nur übertüncht ist. Da es kaum mehr eine jüdische Gemeinde mehr gibt, wird das Synagogengebäude nach der Renovierung nicht mehr als Synagoge oder Gebetshaus benutzt werden, sondern als würdiges Haus für Ausstellungen und Lesungen, so Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ). Die Restaurierung soll 2022 abgeschlossen sein. ORF-FERNSEHBERICHT (3 MIN): https://tvthek.orf.at/profile/Burgenland-heute/70021/Burgenland-heute/14072677/Synagoge-Kobersdorf-wird-renoviert/14801951 (24.11.2020) +++ ORF-BERICHT LESEN: https://burgenland.orf.at/stories/3077286

Synagoge Kobersdorf:

– auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Synagoge_Kobersdorf
– Geschichte der Synagoge (Land Burgenland): https://www.burgenland.at/themen/kultur/synagoge-kobersdorf/geschichte-der-synagoge
– 150 Jahre Synagoge Kobersdorf (David, Jüdische Kulturzeitschrift): https://davidkultur.at/artikel/150-jahre-synagoge-kobersdorf
– auf der Website des Österreichischen Jüdischen Museum: https://www.ojm.at/blog/2020/10/16/die-ehemalige-synagoge-in-kobersdorf
– Synagoge Kobersdorf (Baudenkmäler in Österreich Blog, 10.3.2015): https://baudenkmaeler.wordpress.com/2015/03/10/synagoge-kobersdorf-burgenland

Ältere Medienberichte:

6./12. Juni 2019, ORF / BVZ
Land kauft Synagoge in Kobersdorf
https://burgenland.orf.at/stories/1390
https://www.bvz.at/oberpullendorf/sanierung-geplant-land-kauft-synagoge-in-kobersdorf-kobersdorf-synagoge-kobersdorf-150529416

23. Oktober 2018, Kurier
Kobersdorf: Neuer Anlauf für die Synagoge
https://kurier.at/chronik/burgenland/kobersdorf-neuer-anlauf-fuer-die-synagoge/400154073

7. August 2014, Kurier
Burgenlands einzige Synagoge verfällt
https://kurier.at/chronik/burgenland/burgenlands-einzige-synagoge-verfaellt/78.960.575

14. Jänner 2011, Oe24
Rechtsstreit um Synagoge Kobersdorf beendet. Eine IKG-Klage auf Rückabwicklung des Verkaufes wurde nun abgewiesen.
https://www.oe24.at/oesterreich/chronik/burgenland/rechtsstreit-um-synagoge-kobersdorf-beendet/15093821

Girardihaus (Graz): Nun doch vor Abriss gerettet?

“Girardihaus ist gerettet” heißt es in den aktuellen Medien. Unser Verein Initiative Denkmalschutz freut sich darüber, doch bleibt unser Verein vorerst sehr vorsichtig und möchte noch abwarten, zumal eine Abbruchbewilligung – wenn nicht sogar ein Beseitigungsauftrag – weiterhin gültig ist (vgl. “Auftrag für Abriss trotz Denkmalschutz!”; iD-Bericht, 4.12.2020). Zu viel Negatives sowie ungewöhnlichste, ganz plötzliche Wendungen hat unser Verein schon erlebt. Aber es gibt jetzt auf jeden Fall Grund zu berechtigter Hoffnung. Auf der offiziellen Website der Stadt Graz ist Folgendes zu lesen: “Gerettet: das Geburtshaus von Alexander Girardi”. Begründet wird dies mit der Einigung des Bürgermeisters Siegfried Nagl (ÖVP) mit dem Eigentümer, dem weststeirischen Unternehmer Otto Roiss. Auch die vielen Anfragen, insbesondere in den letzten Wochen an die Baubehörde, den politisch zuständigen Vizebürgermeister Mario Eustacchio (FPÖ) sowie an das Bundesdenkmalamt von der Initiative Soko Altstadt, Verein “Rettet das Girardihaus” und unserem Verein “Initiative Denkmalschutz” scheinen die Wirkung nicht verfehlt zu haben.

Im Dezember gab es einen Besichtigung der Liegenschaft in der Leonhardstraße 28 (2. Grazer Bezirk St. Leonhard) im Beisein des Eigentümer und diversen Experten, darunter u.a. Vertreter des Bundesdenkmalamtes, der Altstadtsachverständigenkommission (ASVK), und zuständigen Abteilungen der Stadt Graz. Die Grazer ÖVP-FPÖ Koalition einigte sich darauf, das Girardihaus zu erhalten und ein Sanierungskonzept zu erstellen. Dies sollte heute aufgrund der Dringlichkeit als Nachtragsstück auf die Tagesordnung des Gemeinderates (17.12.2020) gesetzt werden. Mittels eines Baurechtsvertrages, welcher über eine Mindestdauer von 35 Jahren abgeschlossen wird, beabsichtigt die Stadt Graz, das Girardihaus in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt allen zuständigen Abteilungen sowie der Altstadtsachverständigenkommission zu sanieren. Angestrebt wird künftig ein Nutzungsmix aus Gastronomie mit Girardi-Museum sowie Büro- und Proberäume für die benachbarte Kunstuniversität Graz.

Das einstöckige, zum Teil weit vorspringende Girardihaus (Leonhardstraße 28) umgeben von höheren Gründerzeithäusern, (c) Google Maps 2020

Zur Bedeutung des Girardihauses führt das Bundesdenkmalamt in einer Stellungnahme Folgendes aus:

“Das Bundesdenkmalamt sieht gerade in dem vorspringenden Baukörper in Verbindung mit der geringen Gebäudehöhe und dem tiefer liegenden Niveau ein wertvolles und besonders anschauliches Dokument der barocken Vorstadtbebauung, welches sich inmitten der Gründerzeitbauten durch einen speziellen Seltenheitswert auszeichnet.

Die Bedeutung des Gebäudes nach dem Denkmalschutzgesetz manifestiert sich daher zunächst im Dokumentationswert für die Geschichte der Stadtentwicklung und Stadterweiterung von Graz, wobei das Objekt als exemplarisches Beispiel der Vorstadtbebauung vor den weitreichenden Bau- und Regulierungsmaßnahmen der Gründerzeit anzusehen ist.

Wesentlich für den Denkmalcharakter des Girardihauses ist auch die innere Gebäudestruktur, die vor allem im älteren vorspringenden Gebäudeteil wichtige Anhaltspunkte für den barocken Ursprung der Bausubstanz (Gewölbe, Holztramdecke) bietet. Dem Objekt kommt daher auch ein Dokumentationswert für historische Bautechniken und -materialien zu.

Zusätzlich ist eine herausragende kulturgeschichtliche bzw. kulturelle Bedeutung als Geburtshaus von Alexander Girardi gegeben. Auf die Gedenkstätte in Zusammenhang mit dem bedeutenden Schauspieler wird an der Fassade durch zwei Gedenktafeln hingewiesen.”

Umso unverständlicher war daher die laut Grazer.at getätigte Äußerung des Bürgermeisters Siegfried Nagl von vor zwei Jahren: “Das Haus in der Leonhardstraße stehe einzig und allein wegen der Verbindung zum Volksschauspieler Alexander Girardi unter Denkmalschutz, ‘nicht weil es ein historisch so wertvolles Gebäude ist’, betont Nagl.” (Quelle: Der Grazer (17.6.2018): “Graz bekommt ein neues Girardihaus: Das alte steht vor dem Abriss”).

Aktuelle Medienberichte vom 17. Dezember 2020:

Der Grazer: Girardihaus ist gerettet: Stadt Graz macht ein Museum draus
https://grazer.at/de/XhiC36va/girardihaus-ist-gerettet-stadt-graz-macht-ein

Krone: Museum geplant. Sanierung: Die Stadt Graz rettet das Girardihaus!
https://www.krone.at/2299609

MeinBezirk.at: Girardi-Haus gerettet: Gastronomie, Museum und Proberäume sollen entstehen
https://www.meinbezirk.at/graz/c-lokales/girardi-haus-gerettet-gastronomie-museum-und-proberaeume-sollen-entstehen_a4406067

Kleine Zeitung (Bezahlschranke): Vorerst gerettet. Stadt Graz sichert sich desolates Girardihaus auf Zeit
https://www.kleinezeitung.at/steiermark/graz/5912630/Vorerst-gerettet_Stadt-Graz-sichert-sich-desolates-Girardihaus-auf

Ältere iD-Berichte:

4.12.2020, Girardihaus (Graz): Auftrag für Abriss trotz Denkmalschutz!
https://www.initiative-denkmalschutz.at/berichte/girardihaus-graz-auftrag-fuer-abriss-trotz-denkmalschutz

3.8.2020, Girardihaus (Graz): Aktivisten besetzen gefährdetes Altstadthaus
https://www.initiative-denkmalschutz.at/berichte/girardihaus-graz-aktivisten-besetzen-gefaehrdetes-altstadthaus

12. Juni 2020, Girardihaus (Graz): Trotz Denkmalschutz nicht ‘schützenswert’?
https://www.initiative-denkmalschutz.at/berichte/girardihaus-graz-trotz-denkmalschutz-nicht-schuetzenswert

Linktipps:

Verein “Rettet das Girardihaus”: http://www.girardihaus.at
Das Girardihaus auf Baugeschichte.at: https://baugeschichte.at/Leonhardstra%C3%9Fe_28

Kufstein (Tirol): Streit um barrierefreien Zugang zur Stadtpfarrkirche

Fernsehsendung ORF-Bürgeranwalt“: Pfarrkirche St. Vitus: Barrierefreiheit versus Denkmalschutz: Über 10 Jahre dauert schon der Streit um einen barrierefreien Zugang zur Stadtpfarrkirche St. Vitus, damals gab die Stadt Kufstein das Versprechen ab, eine Aufstiegshilfe zu bauen. Der Bürgermeister Martin Krumschnabel (die Parteifreien) schiebt jetzt dem Bundesdenkmalamt den Schwarzen Peter für das Scheitern zu, warum nichts weitergeht, doch die Sachlage zeigt sich viel komplexer. Zur Vorgeschichte: Nach einem Ideenwettbewerb hätte es 2014 ein genehmigungsfähiges Siegerprojekt des Architekten Markus Jaufer gegeben. Es sah einen Aufzug von der Stadtebene durch den Kirchhügel vor, mit einem Ausstieg direkt am Pfarrplatz. Das Projekt sei aber, wie auch die anderen, nie zu Ende verfolgt bzw. zur Genehmigung eingereicht worden. Der Bürgermeister erklärt warum: Bei Ausgrabung des Schachtes sind plötzlich 200 Skelette aufgetaucht, die man mit großem archäologischen Aufwand ausgegraben hat. Danach ist man dann an eine Mauer gestoßen, die wiederum denkmalpflegerisch wertvoll war. Somit war klar, die Kosten gehen durch die Decke und das Projekt wurde abgebrochen. Der St. Vitus Kirchgänger und Baumeister Anton Rieder ließ nicht locker und hat 2018 eine weitere Variante vorgelegt, die jedoch einen baulichen Eingriff in das Pfarrstöckl (Paramentenstöckl) vorsah, das Teil des Rathaus-Komplexes ist und vom Denkmalamt wegen einer massiven Beeinträchtigung des Erscheinungsbildes der Hauptansicht des Rathauses am Oberen Stadtplatz abgelehnt wurde. DI Walter Hauser, Abteilungsleiter im Bundesdenkmalamt Tirol, verweist darauf, dass von 500 im Denkmalamt eingereichten Projekten beschäftigten sich in den letzten Jahren 50 Projekte ausschließlich mit der Barrierefreiheit und diese auch bewilligt wurden. Hier in Kufstein sieht Hauser eine äußerst komplexe Gemengenlage, das Denkmalamt ist bereit an Lösungen mitzuwirken. Hauser plädiert darüber hinaus, dass das Projekt gemeinsam mit der Erschließung der Festung Kufstein zu betrachten wäre. Lösungen gebe es viele, man müsste sich nur zwischen der Stadt Kufstein, der zuständigen Stadt- und Ortsbildschutzkommission, der Erzdiözese Salzburg mit ihrem Bauamt, der Pfarre Kufstein sowie dem Bundesdenkmalamt auf eine Projekt einigen. Volksanwalt Walter Rosenkranz hofft nun auf eine rasche Lösung für die betroffene Bevölkerung. ORF-FERNSEHBERICHT ANSEHEN (17 MIN): https://tvthek.orf.at/profile/Buergeranwalt/1339/Buergeranwalt/14082677/Pfarrkirche-St-Vitus-Barrierefreiheit-versus-Denkmalschutz/14863406 (20.2.2021, “Pfarrkirche St. Vitus: Barrierefreiheit versus Denkmalschutz”)

Architekt Markus Jaufer: “erschliessung pfarrplatz kufstein, architektenwettbewerb – 1. preis”: http://www.jaufer-architektur.at/wettbewerbe/erschliessung-pfarrplatz

Weitere Medienberichte:

19. Februar 2021, APA-OTS ORF
Vorankündigung: „Bürgeranwalt“: Zu langes Warten auf einen ärztlichen Eingriff? (u. a. Barrierefreiheit versus Denkmalschutz: Darf bei der Stadtpfarre von Kufstein ein Lift gebaut werden?). Am 20. Februar um 18.00 Uhr in ORF 2: https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20210219_OTS0073

18. Februar 2021, Tiroler Tageszeitung
Kufsteiner Pfarrkirche: Barrierefrei geht nur mit Schulung und Umsteigen. Komplizierter Weg für Geheingeschränkte und Senioren zur Kufsteiner Pfarrkirche. Für den Lift ist eine Registrierung und Einschulung nötig: https://www.tt.com/artikel/17856024/kufsteiner-pfarrkirche-barrierefrei-geht-nur-mit-schulung-und-umsteigen