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Wien: Flakturm im Augarten vor Teilabriss?

In der sehenswerten TV-Serie „Verlorenes Erbe“ im ORF2-Vorabendprogramm („Studio 2“) wurde am 7. Jänner 2021 über die Wiener Flaktürme berichtet (Flak = Fliegerabwehrkanone): „Verlorenes Erbe: Die unzerstörbaren Flaktürme“. Im Zuge der Erbauung dieser sechs monströsen Flugabwehr-Türme 1942 bis 1945 wurden drei historische Gartenanlagen verbaut. Der Arenbergpark im 3. Bezirk, der Esterházypark im 6. Bezirk sowie der Augarten im 2. Bezirk. Während nur der Flakturm im Esterházy-Park, der heute als „Haus des Meeres“ genutzt wird und unlängst groß ausgebaut wurde, nicht unter Denkmalschutz steht, besteht für die anderen fünf Flaktürme ein solcher Schutzstatus. Nun wird im aktuellen ORF-Fernsehbeitrag darüber nachgedacht, ob man die Türme nicht doch abtragen könnte. Nikola Prajo, Vertreter der Abbruchfirma Prajo spricht im Interview über Machbarkeit, Aufwand und mögliche Kosten eines solchen Abrisses. In der Folge heißt es im ORF-Beitrag wörtlich: „Der erste Turm, der vermutlich abgetragen werden muss, ist der runde Turm im Augarten. Die Explosion eines Munitionsdepots hat ihn so stark beschädigt, dass er 2006 vorübergehend einsturzgefährdet war und abgesichert werden musste.“ Die renommierte Gartenhistorikerin Maria Auböck findet die Idee, dass man die „Bunker“ abträgt und etwas G‘scheiteres macht, interessant. Nur meint Sie: „Ich hab noch niemanden gefunden, der das durchsetzt.“ Weiters heißt es wörtlich im ORF-Beitrag: „Diskutiert wurde auch schon, die Türme zum großteil abzutragen, und nur einen Stumpf stehen zu lassen. Der weitgehend unbekannte siebente Wiener Flakturm in Floridsdorf, der unvollendet blieb, zeigt, wie das aussehen könnte.“ Unser Verein Initiative Denkmalschutz fragt sich: Wird der runde Flakturm (Gefechtsturm) im Augarten in wenigen Jahren so aussehen, wie der Floridsdorfer Flakturm (oder besser „Bunker“, in der Gerichtsgasse 1b), oder kommt ein großes Flakturm-Ausbauprojekt nach Teilabbruch des Turmes, ähnlich den Ausbauplänen zu einem Datencenter im Jahr 2007 ? Wir hoffen, dass dieses monumentale, denkmalgeschützte Geschichtsdokument nicht bald zum „Verlorenen Erbe“ zählen wird. ORF-FERNSEHBEITRAG ZUM NACHSEHEN: https://tvthek.orf.at/profile/Studio-2/13890037/Studio-2/14077531/Verlorenes-Erbe-Die-unzerstoerbaren-Flaktuerme/14831604 (ORF 2, „Studio 2“, „‚Verlorenes Erbe‘: Die unzerstörbaren Flaktürme“). Ältere Medienberichte: 30. Jänner 2017, MeinBezirk Was passiert mit den Flaktürmen im Augarten? https://www.meinbezirk.at/leopoldstadt/c-lokales/was-passiert-mit-den-flaktuermen-im-augarten_a1996685 14. Jänner 2017, Der Standard Das Innenleben der Wiener Flaktürme. Manche der sechs Flaktürme bröckeln vor sich hin, andere werden genutzt. Historiker fordern, zumindest einen zu einem begehbaren Mahnmal zu machen. https://www.derstandard.at/story/2000050703092/das-innenleben-der-wiener-flaktuerme 1. November 2007, Der Standard Neustart für strittiges Projekt: Der Flakturm als Datenspeicher. Umgraben im Augarten: Für den denkmalgeschützten Park werden wieder Baupläne gewälzt: https://www.derstandard.at/story/2971752/neustart-fuer-strittiges-projekt-der-flakturm-als-datenspeicher 24. Juli 2007, Der Standard DCV gibt nicht auf: Neuer Anlauf für Datenspeicher im Augarten-Flakturm. Konzept bei Baupolizei eingereicht – Projekt auch ohne Zubauten zu verwirklichen – Grüne gegen Datencenter: https://www.derstandard.at/story/2971131/dcv-gibt-nicht-auf-neuer-anlauf-fuer-datenspeicher-im-augarten-flakturm 18. Juni 2007, Der Standard Wiener Augarten-Flakturm bleibt Riesenbaustelle. Kran hievt 50 Tonnen schwere Betonteile aus dem Inneren – 1.200 Kubikmeter Taubenkot bereits entfernt. https://www.derstandard.at/story/2792527/wiener-augarten-flakturm-bleibt-riesenbaustelle 27. November 2006, Der Standard Augarten-Flakturm verliert zwei „Ohrwascheln“. Die 220 Tonnen schweren Plattformen müssen abgetragen werden – DCV plant weiter Datenspeicher im Bau: https://www.derstandard.at/story/2613394/augarten-flakturm-verliert-zwei-ohrwascheln 12. Oktober 2006, Der Standard Wiener Augarten-Flakturm verliert zwei Plattformen. Sie haben sich gelockert und werden nun mittels Kran abgetragen – weiterhin Umbaupläne zu einem Datenspeicher: https://www.derstandard.at/story/2613358/wiener-augarten-flakturm-verliert-zwei-plattformen 2. Dezember 2005, Der Standard Flakturm im Wiener Augarten wird zum Datenlager. Betreiber gibt grünes Licht – Arbeiten könnten bereits im Frühjahr 2006 starten – Drei Jahre Bauzeit veranschlagt – Investitionen in den Park versprochen: https://www.derstandard.at/story/2255230/flakturm-im-wiener-augarten-wird-zum-datenlager 4. Mai 2005, Der Standard Weiter Streit um den großen grauen Monolith. Das Ringen um die Zukunft des runden Augarten – Flakturmes geht in eine neue Runde: https://www.derstandard.at/story/1903711/weiter-streit-um-den-grossen-grauen-monolith 11. Oktober 2002, Der Standard Wiener Flaktürme sollen Mahnmal-Charakter behalten. Studie lehnt große Umbauprojekte ab – Schicker gegen Aufbauten im Augarten und Eventflächen im Esterhazypark: https://www.derstandard.at/story/1098344/wiener-flaktuerme-sollen-mahnmal-charakter-behalten Linktipps: Flakturm-Fotos Erich J. Schimek / Initiative Denkmalschutz: https://www.flickr.com/photos/id_ejs/sets/72157646364915906 Die Flaktürme auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Wiener_Flakt%C3%BCrme Die Flaktürme auf Wien Geschichte Wiki: https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Flakt%C3%BCrme ö1-Radiobeitrag „Flaktürme, Wien“ (4 min; 18.9.2018): https://oe1.orf.at/artikel/644806/Flaktuerme-Wien Flaktürme Wien auf Geheimprojekte.at: http://www.geheimprojekte.at/info_flaktuerme.html

Palliardihaus Klagenfurt (Ktn): Nach skandalösem Abriss Neubau fertiggestellt

Jetzt im Dezember 2020 wurde der Neubau in der Karfreitstraße 16 in der Klagenfurter Altstadt schräg gegenüber dem Dom fertiggestellt (siehe Projektbeschreibung). Mehr als ein Jahrzehnt hat es gedauert, bis 2017 der Denkmalschutz für das stattliche, barocke Bürgerhaus am Domplatz (zwischen der Karfreitstraße und Spengergasse) aufgehoben und grünes Licht für den Abriss der spätklassizistischen Fassade erteilt wurde. Im Dehio-Handbuch (Hrsg. Bundesdenkmalamt) wird das so genannte  Palliardi-Haus (benannt nach dem legendären Gesellschaftsfotografen, der bis zuletzt dort sein Geschäft hatte) folgendermaßen beschrieben: „2geschossiger, um einen Hof gruppierter Bau, aus dem 17. Jh. 1854 von Alois Cargnelutti umgebaut, aufgestockt und neufassadiert. Spätklassizistische Fassade mit ionischer Riesenpilasterordnung und Edelweißblüten in der Attikazone. Im U-förmigen Hoftrakt Getreidelagerraum mit Ziegelgitteröffnungen“. Auf Grund dieser kulturhistorischen Bedeutung wurde das Gebäude vom Bundesdenkmalamt ca. 1997 unter Denkmalschutz gestellt. 2006 wurde bereits das Innere des Hauses laut der Grünen Gemeinderätin Evelyn Schmid-Tarmann widerrechtlich abgerissen, obwohl gemäß Denkmalschutzbescheid die straßen- und hofseitige Erscheinung, d.h. Fassaden und Dächer sowie das Stiegenhaus unter Denkmalschutz standen.   Ein Gewölbe war zuvor eingebrochen. Danach gab es immer wieder Pläne, hinter der dann weiterhin denkmalgeschützten Fassade ein Wohnhaus zu errichten. Die straßenseitige Fassade war dann jahrelang verhüllt (vgl. Foto) und in dieser Zeit erfolgte offenbar auch eine Änderung des Bebauungsplanes(?). 2017 schließlich hat das Bundesdenkmalamt in einem Bescheid festgestellt, dass trotz Sicherungsmaßnahmen der Erhalt der Hauptfassade mitsamt dem noch verbliebenen Rest eines Gewölbes im Erdgeschoß gescheitert sei. Sollte sie saniert werden, sei das nur mit Veränderungen der Bausubstanz möglich. Der Dokumentationswert und die Bedeutung als Denkmal seien nicht mehr ausreichend vorhanden, so die damalige Begründung für die Denkmalschutzaufhebung („Durch Zeitablauf und Zerstörung hat das Haus jede Bedeutung als schützenswertes Denkmal verloren“). Der Landeskonservator Gorazd Živkovič (Bundesdenkmalamt Kärnten) anlässlich der der Denkmalschutzaufhebung: „Wir legten Pläne für den Schutz der Fassade vor. Das Projekt scheiterte, weil die Geschoßhöhe nicht passte. Wir konnten aber nicht zulassen, dass ein zusätzliches Stockwerk eingezogen wird. Alles, was wir erreichen konnten, war die zweimalige Notsicherung der Fassade.“ Bei der Spatenstichfeier für den Neubau im April 2019 erklärte der Geschäftsführer der Firma Wobik Immobilien, Ernst Kreihsler erfreut, dass man sich 2017 mit dem Denkmalamt in einem mühsamen, aber erfolgreichen Prozess auf den Abriss einigen hat können. „Es wäre hier sonst kaum möglich gewesen, eine vernünftige, kleine, attraktive Wohnhausanlage zu errichten.“ Jetzt wurden 33 Wohnungen mit Tiefgarage sowie zwei Geschäftslokalen errichtet (Adresse: Karfreitstraße 16, Karfreitstraße 18, Spengergasse 3, Spengergasse 5). 5MIN-WEITERLESEN: https://www.5min.at/202012339058/gute-nachrichten-aus-der-karfreitstrasse (22.12.2020, „Neues aus der Innenstadt: Gute Nachrichten aus der Karfreitstraße“) Ältere Medienberichte und Presseaussendungen / Quellen: 25. April 2019, Klagenfurt: Wohnanlage statt Palliardi-Haus https://kaernten.orf.at/v2/news/stories/2978089 Neubauprojekt: Spatenstich für 33 neue Wohnungen beim Dom (Bezahlschranke): https://www.kleinezeitung.at/kaernten/klagenfurt/5618208/Neubauprojekt_Spatenstich-fuer-33-neue-Wohnungen-beim-Dom 19. April 2018, Palliardi-Haus: Baustart für Wohnprojekt mit Tiefgarage (Bezahlschranke) https://www.kleinezeitung.at/kaernten/klagenfurt/5609308/Klagenfurt_PalliardiHaus_Baustart-fuer-Wohnprojekt-mit-Tiefgarage 15. Februar 2018, Nach Abriss klafft ein Loch am Domplatz. Eigentümer des Grundstückes, auf dem das Palliardi-Haus stand, hält sich über mögliche Projekte bedeckt (Bezahlschranke): https://www.kleinezeitung.at/kaernten/klagenfurt/5371918/Klagenfurt_Nach-Abriss-klafft-ein-Loch-am-Domplatz 8. April 2017, Jetzt ist auch das Schicksal des Palliardi-Hauses in der Karfreitstraße besiegelt: Altes Klagenfurt schwindet. Kronen-Zeitung (mit Zitat Gorazd Živkovič; kein Link vorhanden) 3. April 2017, Grüne Klagenfurt: Palliardihaus-Abriss wird Nachahmer finden https://www.mein-klagenfurt.at/aktuelle-pressemeldungen/pressemeldungen-april-2017/palliardihaus-abriss-wird-nachahmer-finden 28. März 2017, Palliardi-Haus: Denkmalschutz aufgehoben https://kaernten.orf.at/v2/news/stories/2833546 Palliardi-Haus wird jetzt abgerissen. Denkmalamt gibt grünes Licht für Pläne des Besitzers. Das Haus ist in den vergangenen Jahren stark verfallen (Bezahlschranke): https://www.kleinezeitung.at/kaernten/klagenfurt/5190931/Klagenfurt_PalliardiHaus-wird-abgerissen 24. Februar 2016, „Geisterhaus“ ärgert Nachbarn. Auch zehn Jahre nach Teilabriss steht von dem Palliardi-Haus in der Karfreitstraße in Klagenfurt nicht mehr als die denkmalgeschützte Fassade. Eigentümer ist für Kaufangebote offen (Bezahlschranke): https://www.kleinezeitung.at/kaernten/klagenfurt/4932062/KLAGENFURT_Geisterhaus-aergert-Nachbarn 29. Jänner 2014, Hier nagt der Zahn der Zeit. Landeskonservator stellt Klagenfurt bei der Denkmalpflege zwar ein sehr gutes Zeugnis aus, doch es gibt auch drastische Negativbeispiele wie das Palliardi-Haus. (Bezahlschranke): https://www.kleinezeitung.at/kaernten/klagenfurt/4122731/Hier-nagt-der-Zahn-der-Zeit 28. September 2013, „Ich habe Angst um mein Hotel“. Seit sechs Jahren hängt vor dem abgerissenen Palliardi-Haus gegenüber vom Dom in Klagenfurt eine Plane. Jetzt klagen Nachbarn an: Der „Schandfleck“ soll Schäden an ihren Häusern verursachen (Bezahlschranke): https://www.kleinezeitung.at/kaernten/klagenfurt/4088851/Abgerissenes-PalliardiHaus_Ich-habe-Angst-um-mein-Hotel 3. September 2013, Schandfleck könnte bald Geschichte sein. Gemeinderat soll Nägel mit Köpfen machen und Änderung des Bebauungsplans beschließen. https://www.meinbezirk.at/klagenfurt/c-lokales/schandfleck-koennte-bald-geschichte-sein_a673760 12. Jänner 2012,Grüne Klagenfurt: Abbruchruine Palliardi-Haus prägt den Domplatz https://klagenfurt.gruene.at/abbruchruine-palliardi-haus-praegt-den-domplatz 11. Jänner 2012, Hinter der Fassade brodelt es. Schandfleck in der Stadt: Seit 2006 steht vom Palliardi-Haus in der Karfreitstraße nur die Fassade. Aber noch heuer sollen dort 24 Wohnungen errichtet werden (Bezahlschranke): https://www.kleinezeitung.at/kaernten/klagenfurt/3913469/Hinter-der-Fassade-brodelt-es Literatur: Dehio-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Band: Kärnten, Topographisches Denkmälerinventar, herausgegeben vom Bundesdenkmalamt, 3. erweiterte und verbesserte Auflage, Wien 2001, Seite 380 (siehe: https://bda.gv.at/publikationen/details/dehio-kaernten-die-kunstdenkmaeler-oesterreichs) Liste der denkmalgeschützten Objekte in Klagenfurt am Wörthersee-Klagenfurt – Ehemalige Denkmäler (Wikipedia): https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_denkmalgesch%C3%BCtzten_Objekte_in_Klagenfurt_am_W%C3%B6rthersee-Klagenfurt#Ehemalige_Denkm%C3%A4ler