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Hotel Europa / Innsbruck (Tirol): Entsetzen über Barocksaal-Zerstörung

Hinter der nüchternen Nachkriegsfassade des Grand Hotel Europa am Bahnhofsvorplatz (Südtiroler Platz 2) verbarg sich bis vor kurzem ein reich dekorierter „Barocksaal“ von 1888. (Ursprünglich erbaut wurde das Hotel Europa 1868-69 vom Ingenieur A. Haas, nach Brand 1881 umfassend saniert, 1943 durch Bomben weitgehend zerstört (außer u. a. Barocksaal), Wiederaufbau in neuen Formen 1950/51 von Otto Mayr, renoviert 2007 von Studio Sycamore (Raniero Botti).) Kaum hatte das Bundesdenkmalamt eine Unterschutzstellung dieses Barocksaals in Erwägung gezogen, wurde der historische Saal noch rasch zerstört. Jetzt herrscht Entsetzen in der Öffentlichkeit. Verantwortlich für die Zerstörung will aber niemand sein, der Vorbesitzer schiebt die Verantwortung auf den neuen Eigentümer zu und umgekehrt. Aufgedeckt wurde dieser unglaubliche Denkmalschutz-Skandal vom engagierten Gemeinderat Gerald Depaoli von Gerechtes Innsbruck. in einer Presseaussendung (14.1.2020): “Zerstörung des denkmalgeschützten Barocksaales im ehemali-gen Hotel Europa ist ein Bauskandal und Kulturfrevel der Sonderklasse!“. Depaoli zeigt sich fassungslos und höchst verärgert, obgleich „dieser ungeheuren ‚Immobilienspekulanten-Sauerei‘ im ehemaligen Hotel Europa“. Laut Walter Hauser, Abteilungsleiter im Bundesdenkmalamt Tirol, stand der Ende des 19. Jahrhunderts erbaute Saal nicht unter Denkmalschutz, man habe aber erwogen, eine solche Unterschutzstellung vorzunehmen. Eine Begehung habe aber nach längerem Hinhalten erst Ende Dezember erfolgen können, doch da war der Saal bereits zerstört. In zwei weiteren Presseaussendungen (17.1.2020) deckt der Gemeinderat Depaoli weiter auf: „Nicht genug, dass der historische Barocksaal des ehemaligen Hotel Europa mutwillig zerstört wurde, nein, jetzt wird auch noch der vermutlich aufgrund der im Zuge der Zerstörung des Barocksaales beschädigte Luster um ein lächerliches Maximalangebot von 40 Euro im Internet neben dem restlichen Inventar des ehemaligen Hotels versteigert„, ärgert sich GR Gerald Depaoli über den weiteren rücksichtslosen Umgang mit diesem für viele Innsbruckerinnen und Innsbrucker so wichtigen Kulturgut. „Das Ziel des Gerechten Innsbruck in dieser Causa ist eindeutig definiert: Die Verantwortlichen für diesen Bauskandal und Kulturfrevel müssen zur Rechenschaft gezogen werden, schon alleine um zu verhindern, dass eine derartige Vorgangsweise Schule macht, und weitere schützenswerte Kulturgüter zerstört werden bevor das Denkmalamt selbige einer Prüfung unterzieht kann!“ sagt Gemeinderat Depaoli vom Team Gerechtes Innsbruck – die Unbestechlichen. Auch nimmt „Gerechtes Innsbruck“ das Bundesdenkmalamt in die Pflicht! „So muss Landeskonservator Walter Hauser erklären, warum sich das Denkmalamt, von wem auch immer, mehrmals abweisen ließ, und welche Schritte er tatsächlich setzte, um einen dementsprechenden Prüfungstermin wahrnehmen zu können!“ Depaoli ortet sogar einen Vertuschungsversuch des Bauskandals durch das Denkmalamt. Kulturlandesrätin Beate Palfrader erklärt nach Bekanntwerden dieses Skandals, dass „hier mit verwerflichen Methoden nicht nur Tiroler Kulturgut, sondern auch ein Teil Innsbrucker Geschichte zerstört wurde“. Auch die SPÖ fordert Konsequenzen und die FPÖ will Bürgermeister Georg Willi (Grüne) in die Pflicht nehmen. TIROLER TAGESZEITUNG WEITERLESEN: https://www.tt.com/artikel/17738226/entsetzen-ueber-zerstoerung-von-historischem-saal-in-innsbruck (15.1.2021, „Entsetzen über Zerstörung von historischem Saal in Innsbruck“) SOWIE https://www.tt.com/artikel/17742489/zerstoerter-barocksaal-im-hotel-europa-bleibt-aufreger (16.1.2021, „Zerstörter Barocksaal im Hotel Europa bleibt Aufreger“) Weitere Medienberichte: 17. Jänner 2021, Krone Hotel Europa Innsbruck: Inventar wird online zu Spottpreisen verscherbelt: https://www.krone.at/2319863 16. Jänner 2021, Krone Skandal in Innsbruck: Zerstörtes Baujuwel: Behörde ausgetrickst: https://www.krone.at/2319404 15. Jänner 2021, Der Standard Heftige Kritik an Zerstörung von Barocksaal in Innsbruck: Die Behörden dachten über einen Denkmalschutz des Saales im ehemaligen Hotel Europa nach. So weit kam es aber nicht. Der neue Besitzer weist die Schuld von sich: https://www.derstandard.at/story/2000123318999/heftige-kritik-an-zerstoertem-barocksaal-in-innsbruck 15. Jänner 2021, Krone Barocksaal zerstört: Entsetzen über Kulturfrevel in Innsbrucker Hotel: https://www.krone.at/2318430 14. Jänner 2021, MeinBezirk Bauarbeiten: Rätselraten um Barocksaal-Skandal: https://www.meinbezirk.at/innsbruck/c-lokales/raetselraten-um-barocksaal-skandal_a4435101 Presseaussendungen der Partei Gerechtes Innsbruck: 17. Jänner 2021, (Partei „Gerechtes Innsbruck„) Zerstörung Barocksaal: Gerechtes Innsbruck ortet Vertuschungsversuch des Bauskandals durch das Denkmalamt! https://www.gerechtes-innsbruck.at/2021/01/17/4017 17. Jänner 2021, (Partei „Gerechtes Innsbruck„) „Beschädigter Luster des historischen Barocksaales wird im Internet mit einem Maximalangebot um 40 Euro versteigert!“: https://www.gerechtes-innsbruck.at/2021/01/17/4012 14. Jänner 2021,  (Partei „Gerechtes Innsbruck„) Gemeinderat Depaoli: “Zerstörung des denkmalgeschützten Barocksaales im ehemaligen Hotel Europa ist ein Bauskandal und Kulturfrevel der Sonderklasse!“: https://www.gerechtes-innsbruck.at/2021/01/14/4008 Literatur: Christoph Hölz, Klaus Tragbar, Veronika Weiss (Hrsg. / eds.), Architekturführer Innsbruck, Schriftenreihe des Archivs für Baukunst, Band 10, Innsbruck – Wien, 2017, Seite 61

Ebensee (OÖ): Altes Gasthaus Emseea vor Abriss

Das Gasthaus zur Ebensee (ugs. der Emseea) soll in Kürze abgerissen werden. Es ist eines der ältesten Bauten in Ebensee am Traunsee. Das Haus in der Dr. Rasper-Straße 1 (ehemals Ebensee 47), in der Nähe des Bahnhofs gelegen, wurde bereits 1626 in Handschriften als Landwirtschaft erwähnt und seit 1708 auch als Gasthaus angeführt. Nach der Abbruchgenehmigung im Herbst 2020 gab es noch eine Initiative zur Rettung des historischen Gasthauses, die Petition „Ebensee retten“, innerhalb weniger Stunden 1.700 Unterzeichner erreichte. (vgl. Radiobeitrag). In einem aktuellen Artikel der Oberösterreichischen Nachrichten (7.1.2021) geht der Architekt Andreas Zohner mit der Baukultur seiner Heimatgemeinde Ebensee hart ins Gericht. Er kritisiert den laufenden Verlust historischer Bausubstanz und nimmt die Gemeindepolitik in die Verantwortung. Diese hätte viel früher etwas tun müssen. „Warum gibt es in Ebensee keine Liste von allen Häusern, die man als schützenswert erachtet? Wer überlegt sich, wie man diese dann bewahren kann?“ In einer Stellungnahme, die unseren Verein vorliegt, schreibt Zohner: „Die Liste der verloren gegangenen öffentlichen Gebäude ist lang, beginnt beim Abbruch des wohl bedeutensten Bauwerks Ebensees der letzten Jahrhunderte, dem Metternich Lobkowitz Sudwerks, setzt sich fort über das alte Standesamt am Anfang der Marktgasse, die erste Volksschule des Ortes in der Berggasse, das alte Bahnhofsgebäude Landungsplatz, Wirtshäuser wie die Seeraunzn, das Kernstüberl, aber auch Privathäuser wie die Mendelssohnvilla, Herzmanovskyvilla und zahlreiche Wohnhäuser mit weniger berühmten Namensgebern. (…) War der Abbruch der Villa Almfried in Rindbach zumindest in den regionalen Medien ein Thema und Grund für ein gewisses Maß an Unverständnis, gingen die meisten anderen der aufgezählten Gebäude sang und klanglos unter – oder noch besser, unter dem Beifall der Gemeindezeitung, die nach dem Abbruch des alten Karstädthäuses (= erste Volksschule) und der Errichtung eines Garagengebäudes an der selben Stelle jubilierte: „‚ .. und Ebensee ist wieder ein Stück schöner geworden!‘ Die Beispiele des Versagens der Gemeindepolitik ließen sich beliebig weiterführen! Der hölzerne Erker des alten Standesamtes wurde so lange im Freien aufbewahrt, bis auch dieser Teil Ebenseer Baukultur Geschichte war! (…) Wenn jetzt der Bürgermeister angesichts der Ereignisse rund um den geplanten Abbruch des Ebenseerwirtshauses von einem Lernprozesss spricht, sollte man aber nachfragen, warum dieser nicht schon 2011 mit der Erstellung des Architekturleitbildes der Gemeinde Ebensee begonnen hat – aber halt, leider wurden die zuständigen Bediensteten darüber im Unklaren gelassen, dass es so etwas wie ein Architekturleitbild überhaupt gibt (…). Dass die Gemeinde den Abbruch des Wirtshaus „zur Ebensee“ zumindest hätte aufschieben und damit der Interessensgemeinschaft für die Erhaltung des Emseas mehr Zeit und Möglichkeiten verschaffen hätte können, wäre vor einigen Wochen noch ein Leichtes gewesen, man hätte dem Antragssteller nur die Abbruchbewilligung verwehren müssen mit dem Hinweis des übergeordneten Interesses – 1800 Unterschriften gegen den Abbruch innerhalb weniger Tage beweisen dieses Interesse eindrucksvaoll!! (..) Das nach Bekanntwerden der Abbruchpläne angebotene Vermittlungsgespräch war nicht mehr als eine Alibihandlung um das Gesicht zu wahren – innerhalb weniger Tage danach wurde mit dem Abbruch der Einrichtung begonnen!“ (…) Die Botschaft vom Lernprozess hör‘ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube angesichts der nächsten anstehenden Diskussionen rund um Erhalt oder Abbruch der Arbeitersiedlungshäuser in der Schubertstraße – auch diese für den Arbeiterort so typischen Werkshäuser, wiederum explizit im eigenen Architekturleitbild als schützenswert benannt, würden andersort wahrscheinlich längst unter Ensembleschutz durch das Denkmalamt stehen – in Ebensee wird auf Grund der Aussage von möglichen Investoren die Erhaltung dieser Gebäude in Frage gestellt und der Errichtung mehrgeschossiger Wohnbebauung das Wort geredet.“ Das Neubauprojekt „Wohnpark Emseea“ auf Willhaben.at: https://www.willhaben.at/iad/immobilien/d/haus-kaufen/oberoesterreich/gmunden/wohnpark-emseea-431489302 und das Projekt auf „Steinkogler Bau“: http://www.steinkogler-bau.at/media/files/Wohnpark_Emseea.pdf Die Geschichte des „Gasthaus zur Ebensee“ (Website der Bürgerinitiative, „Emseea retten“-Aktion): https://emseea-retten.at/die-geschichte-des-hauses Medienberichte: 7.1.2021, Oberösterreichische Nachrichten „Ebensee lässt seine historischen Bauten verfallen“. Architekt Andreas Zohner geht mit der Baukultur seiner Heimatgemeinde hart ins Gericht. Er vermisst ein langfristiges Denken bei den Gemeindeverantwortlichen (Bezahlschranke): https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/salzkammergut/ebensee-laesst-seine-historischen-bauten-verfallen;art71,3337870 3.12.2020, Oberösterreichische Nachrichten: Letzter Rettungsversuch ist gescheitert: Der Abriss des „Ebenseers“ ist fix. Ein Runder Tisch zwischen den Besitzern und der Initiative „Emseea retten“ scheiterte (Bezahlschranke): https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/salzkammergut/letzter-rettungsversuch-ist-gescheitert-der-abriss-des-ebenseers-ist-fix;art71,3328403 24.11.2020, RADIOBEITRAG, Freies Radio Salzkammergut Ist der “Emseea” noch zu retten? 

(18 Minuten Radiobeitrag in „Der Widerhall Woche 48“). Telefoninterviews mit den Sprechern der Initiative „Emseea Retten“, Lisa Neuhuber und Markus Stüger (ab Minute 10:45 bis 18:20) sowie den Bürgermeister von Ebensee, Markus Siller (ab Beginn): https://freiesradio.at/widerhall/der-widerhall-woche-48-13 19.11.2020, Tips 400 Jahre altes Gasthaus soll Doppelhaushälften weichen. Eine Initiative aus der Salinengemeinde möchte das alte Gasthaus „Emssea“ vor dem Abriss retten: https://www.tips.at/nachrichten/gmunden/land-leute/521399-400-jahre-altes-gasthaus-soll-doppelhaushaelften-weichen 19.11.2020, MeinBezirk Traditions-Gasthaus „Emseea“ soll abgerissen werden. Der drohende Abbruch des „Emseeas“ sorgt für Aufregung. Weil der Gemeinde rechtlich aber weitgehend die Hände gebunden sind, wollen Markus Siller, Sabine Promberger und die Initiatoren von „Emseea retten“ den Eigentümer umstimmen: https://www.meinbezirk.at/salzkammergut/c-lokales/traditions-gasthaus-emseea-soll-abgerissen-werden_a4355612 18.11.2020, Krone Aufschrei in Ebensee. 400 Jahre altes Gasthaus muss bald weichen. Große Aufregung herrscht bei zahlreichen Ebenseern, nachdem bekannt wurde, dass das 400 Jahre alte Gasthaus „Emseea“ abgerissen werden soll. Neu entstehen sollen dafür vier Doppelhäuser. Vor rund einem Jahr musste das Gasthaus zusperren, mögliche Nachmieter konnten sich mit dem Besitzer nicht einigen: https://www.krone.at/2278172 18.11.2020, Oberösterreichische Nachrichten Wieder einmal geht in Ebensee ein Stück Wirtshausgeschichte verloren. Das Gasthaus „Zur Ebensee“ soll einem Wohnbauprojekt weichen und abgerissen werden (Bezahlschranke): https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/salzkammergut/wieder-einmal-geht-in-ebensee-ein-stueck-wirtshausgeschichte-verloren;art71,3323497 Politisches Die SPÖ Ebensee (die Partei des Bürgermeisters) unterstützt die Initiative zur Rettung des Gasthauses Emseea: https://ebensee.spooe.at/2020/11/18/spoe-ebensee-unterstuetzt-initiative-zur-rettung-des-emseea (18.11.2020, „SPÖ Ebensee unterstützt Initiative zur Rettung des Emseea“) Die Bürgerliste für Ebensee (BüFE; www.buefe.at) unterstützt ebenso die Initiative zur Rettung des Gasthauses Emseea (18.11.2020) und behandelt das Gasthaus in drei Facebook-Einträge (18., 19. und 20. November 2020). Im Beitrag vom 19.11.2020 schreibt die BÜFE in Bezug auf die Unterstützung der SPÖ zur Rettung des Gasthauses: „Eine Frage: Wer hätte beim Lesen der Stellungnahme der SPÖ zum Emseea vermutet, dass es bereits eine rechtswirksame Abbruchbewilligung gibt? Wir jedenfalls nicht.“: https://www.facebook.com/buergerlisteebensee Literatur: Walter Rieder, 500 Jahre Gasthäuser in Ebensee, 2019, Seite 58 ff. (ISBN 9780244529086)