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Hotel Europa, Innsbruck (Tirol): Nach Barocksaal-Zerstörung Suche nach Verantwortliche

Bürgermeister Georg Willi (Grüne) zeigt sich in einer aktuellen Pressemitteilung (2.2.2021) weiterhin empört über die mutwillige Zerstörung des Barocksaals im Hotel Europa in Innsbruck (Südtiroler Platz 2). „Was wir aber tun müssen, ist für vollständige Aufklärung zu sorgen, Fehlinformationen aufzudecken und die Verantwortlichen auszumachen. Eine solche Tat darf keinesfalls ohne ernsthafte Folgen bleiben„, sind sich Bürgermeister Georg Willi und die Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung, Wohnbau und Projekte einig. Der neue Eigentümer des baulich nicht geschützten Hotel Europas, die Carl Ludwig Immobilien GmbH hat die Immobilie Ende November übernommen (Kaufvertrag: 26.11.2020), verzögerte jedoch erfolgreich – so wie der Vorbesitzer, die PIMM Hotel Europa Tyrol Besitzgesellschaft m.b.H. – eine erste Begehung durch das Bundesdenkmalamt, das sich seit Oktober bemühte einen Lokalaugenschein des 1888 erbauten, neobarocken Saales vorzunehmen. So blieb schließlich genug Zeit vollendete Tatsachen zu schaffen und einer möglichen Unterschutzstellung zuvorzukommen. Hintergrund: Der Verkäufer hat im Kaufvertrag die Zusicherung gegeben, dass hinsichtlich des gesamten Kaufgegenstandes keine Unterschutzstellung nach dem Denkmalschutzgesetz oder sonstiger behördlicher Objektschutz zur verpflichtenden Erhaltung des Gebäudes besteht (bereits 2019 hatte der damalige Eigentümer vorsichtig beim Denkmalamt den Denkmalstatus abgefragt). Zutritt bekam das Bundesdenkmalamt erst am 22. Dezember, da war der Saal schon zerstört (alle Stuckelemente wurden abgeschlagen und deren Reste offensichtlich über das Fenster in den Innenhof geworfen). Diese und weitere Fakten wurden im Rahmen eines Fragenkataloges, den Lucas Krackl (Obmann des Bauausschusses, Liste Für Innsbruck) initiiert hatte, nun beantwortet. Nach Angaben der Baupolizei waren diese Zerstörungen weder anzeige- noch bewilligungspflichtig. Zuvor geisterte immer wieder in der Öffentlichkeit herum, dass der Barocksaal unter Denkmalschutz stehe, (vgl. z.B. Hotel Europa Werbefilm aus 2004, ab Minute 5:27), doch das war falsch. Somit war der Abbruch rechtlich korrekt. Bürgermeister Willi: „In der nächsten Ausschusssitzung werden wir die weiteren Schritte beraten.“ Am 11. Dezember 2020 trat eine Bausperre in Kraft, da eine Umwidmung vorgesehen ist. In den nächsten ein bis drei Jahren wird es wohl spannend, ob im Zuge der bevorstehenden Umwidmung der neue Eigentümer noch einen möglichen Widmungsgewinn einstreichen kann. Es bleibt zu hoffen, dass der neue Eigentümer für diesen Kulturfrevel nicht auch noch belohnt wird. MEINBEZIRK-ARTIKEL WEITERLESEN: https://www.meinbezirk.at/innsbruck/c-lokales/aufklaerung-fehlinformationen-aufdecken-und-verantwortlichen-ausmachen_a4464933 (2.2.2021, „Hotel Europa: Aufklärung, Fehlinformationen aufdecken und Verantwortlichen ausmachen“) STANDARD-ARTIKEL WEITERLESEN: https://www.derstandard.de/story/2000123702729/innsbrucker-architekturjuwel-abgerissen-ohne-ernsthafte-folgen (28.1.2021, „Innsbrucker Architekturjuwel abgerissen – ohne ernsthafte Folgen. Nach der mutwilligen Zerstörung eines neobarocken Festsaals gehen in Innsbruck die Wogen hoch“) Älterer iD-Bericht (17. Jänner 2020, Initiative Denkmalschutz): Hotel Europa / Innsbruck (Tirol): Entsetzen über Barocksaal-Zerstörung: https://www.initiative-denkmalschutz.at/berichte/hotel-europa-innsbruck-tirol-entsetzen-ueber-barocksaal-zerstoerung Weitere Medienberichte / Presseaussendungen: 3. Februar 2021, Tiroler Tageszeitung Zerstörung im Hotel Europa: Willi strebt „vollständige Aufklärung” an. Die Tat dürfe „keinesfalls ohne ernsthafte Folgen bleiben“, betonte der Innsbrucker Bürgermeister in einer Aussendung. Eine Prüfung sei im Gange: https://www.tt.com/artikel/30777125/zerstoerung-im-hotel-europa-willi-strebt-vollstaendige-aufklaerung-an 3. Februar 2021, Krone Stadt will Aufklärung. Hotel Europa: Die Hintergründe des Kunstfrevels: https://www.krone.at/2333191 2. Februar 2021, Presseaussendung Büro Bürgermeister Georg Willi Prüfung zu Abbrucharbeiten im Hotel Europa läuft. Die Beantwortung eines Fragenkatalogs hilft bei der Aufklärung und sorgt für mehr Transparenz: https://www.ibkinfo.at/pruefung-abbrucharbeiten-hotel-europa 2. Februar 2021, MeinBezirk Hotel Europa: Aufklärung, Fehlinformationen aufdecken und Verantwortlichen ausmachen: https://www.meinbezirk.at/innsbruck/c-lokales/aufklaerung-fehlinformationen-aufdecken-und-verantwortlichen-ausmachen_a4464933 28. Jänner 2021, Standard Innsbrucker Architekturjuwel abgerissen – ohne ernsthafte Folgen. Nach der mutwilligen Zerstörung eines neobarocken Festsaals gehen in Innsbruck die Wogen hoch: https://www.derstandard.de/story/2000123702729/innsbrucker-architekturjuwel-abgerissen-ohne-ernsthafte-folgen 26. Jänner 2021, Mein Bezirk Hintergrund: So läuft die Hotel Europa-Insolvenz: https://www.meinbezirk.at/innsbruck/c-lokales/so-laeuft-die-hotel-europa-insolvenz_a4445466 24. Jänner 2021, Tiroler Tageszeitung Zerstörung im Hotel Europa: Nach der Übergabe „Hilti“ aktiviert. Die neuen Eigentümer des Hotels „Europa“ schweigen. Doch die Zerstörung des Neo-Barocksaals erfolgte nach Austausch der Schlösser: https://www.tt.com/artikel/17769542/zerstoerung-im-hotel-europa-nach-der-uebergabe-hilti-aktiviert 22. Jänner 2021, Krone Über Entwicklungen: Hotel Europa: Ex-Chefin „unendlich erschüttert“: https://www.krone.at/2323880 20. Jänner 2021, Tiroler Tageszeitung Wirbel um Hotel Europa: Bereits 2019 beim Denkmalamt angefragt. Schon bei ersten Verkaufsgesprächen war Denkmalschutz des Neo-Barocksaals im „Europa“ in Innsbruck Thema: https://www.tt.com/artikel/17755089/wirbel-um-hotel-europa-bereits-2019-beim-denkmalamt-angefragt 19. Jänner 2021, Krone Wilde Gerüchte: Bizarre Ungereimtheiten rund um das Hotel Europa: https://www.krone.at/2321812 18. Jänner 2021, Kurier Grand Hotel Europa Innsbruck: Inventar kommt unter den Hammer: https://kurier.at/wirtschaft/grand-hotel-europa-innsbruck-inventar-kommt-unter-den-hammer/401159181 18. Jänner 2021, MeinBezirk Hotel Europa: Insolvenzversteigerung mit mehr als 3.500 Positionen: https://www.meinbezirk.at/innsbruck/c-lokales/insolvenzversteigerung-mit-mehr-als-3500-positionen_a4439694 Video / Literatur: Hotel Europa Werbefilm (2004), ab Minute 5:27 der ‚denkmalgeschützte‘ (sic) Barocksaal: https://www.youtube.com/watch?v=h9zTiLZylIY Christoph Hölz, Klaus Tragbar, Veronika Weiss (Hrsg. / eds.), Architekturführer Innsbruck, Schriftenreihe des Archivs für Baukunst, Band 10, Innsbruck – Wien, 2017, Seite 61

Verlorenes Erbe (Wien): Rothberger Warenhäuser, Haas-Haus, Stephansdom-Brand

In der ORF-Serie „Verlorenes Erbe“ wurden diesmal die Rothberger-Warenhäuser sowie die Brandursache des Stephansdoms behandelt. Die Rothberger Warenhäuser standen bis zum Brand in den letzten Kriegstagen 1945 direkt gegenüber des Stephansdom-Riesentores am Stephansplatz (ehemals  Nr. 9 und 11, heute Stephansplatz 9 und 10). (Jüdischer) Bauherr war Jakob Rothberger, erbaut von den berühmten Theater-Architekten Ferdinand Fellner und Hermann Helmer (Büro Fellner & Helmer) 1884/85 (Stephansplatz 9) sowie 1893/95 (Stephansplatz 11). Die beiden Rothberger-Häuser flankierten das schmale, zentrale Krannerhaus, mit dem sie eine symmetrische städtebauliche Einheit bildeten. Das so genannte Krannerhaus (Anton Kranner’s Sohn, Wäsche und Ausstattungen) wurde bereits 1879/80 von Ferdinand Fellner und Hermann Helmer erbaut. Die strenghistoristische Fassade in nordischen Neorenaissance-Formen war mit einem hohen, volutengeschmückten Giebel abgeschlossen.  Nach schweren Kriegsschäden erfolgte der Wiederaufbau 1948/49 und 1956, wobei das Haus Nr. 11 mit dem in Betonkonstruktion neu errichteten Haus Nr. 10 (ehem. Krannerhaus) verbunden wurde (Architekt Josef Becvar). Umbauten bei weitgehender Verwendung der alten Bausubstanz, beide Nebenstiegen der Rothberger-Häuser sind erhalten. Auch das Haas-Haus (Foto), eines der ersten Warenhäuser in Wien  fiel 1945 dem Brand zum Opfer (erbaut 1865-67, Architekten August Siccard von Siccardsburg und Eduard von der Nüll). +++ Zu den Warenhäusern spricht im ORF-Beitrag der Denkmalschutzexperte und Buchautor Andreas Lehne, zum Dombrand kommen Restaurator Martin Kupf, die Historikerin Annemarie Fenzl sowie der Dombaumeister Wolfgang Zehetner zu Wort. Ausführliche ORF-Doku zum Dombrand „Brandakte Stephansdom“ (Video).  ORF-FERNSEHBEITRAG ANSEHEN (6 MIN): https://tvthek.orf.at/profile/Studio-2/13890037/Studio-2/14079847/Der-Mythos-vom-Dombrand/14846018 (27.1.2021, „Der Mythos vom Dombrand“) +++ „Brandakte Stephansdom – Rekonstruktion einer Katastrophe“ (45 min; Youtube): https://www.youtube.com/watch?v=uK5QT5IQCD4 Literatur / Quellen: Andreas Lehne, Wiener Warenhäuser 1865-1914, Wien 1990, Seite 124 – 129 (Warenhaus der Teppichfirma Philipp Haas und Söhne), Seite 136 – 139 (Warenhaus Anton Kranner) und Seite 144 – 149 (Warenhaus Jakob Rothberger) Paul Kortz, Wien am Anfang des 20. Jahrhunderts. Ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung. Zweiter Band, Wien 1906, Seite 361 ff.