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AKTUELLE BERICHTE

Hotel Europa, Innsbruck (Tirol): Nach Barocksaal-Zerstörung Suche nach Verantwortliche

Bürgermeister Georg Willi (Grüne) zeigt sich in einer aktuellen Pressemitteilung (2.2.2021) weiterhin empört über die mutwillige Zerstörung des Barocksaals im Hotel Europa in Innsbruck (Südtiroler Platz 2). „Was wir aber tun müssen, ist für vollständige Aufklärung zu sorgen, Fehlinformationen aufzudecken und die Verantwortlichen auszumachen. Eine solche Tat darf keinesfalls ohne ernsthafte Folgen bleiben„, sind sich Bürgermeister Georg Willi und die Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung, Wohnbau und Projekte einig. Der neue Eigentümer des baulich nicht geschützten Hotel Europas, die Carl Ludwig Immobilien GmbH hat die Immobilie Ende November übernommen (Kaufvertrag: 26.11.2020), verzögerte jedoch erfolgreich – so wie der Vorbesitzer, die PIMM Hotel Europa Tyrol Besitzgesellschaft m.b.H. – eine erste Begehung durch das Bundesdenkmalamt, das sich seit Oktober bemühte einen Lokalaugenschein des 1888 erbauten, neobarocken Saales vorzunehmen. So blieb schließlich genug Zeit vollendete Tatsachen zu schaffen und einer möglichen Unterschutzstellung zuvorzukommen. Hintergrund: Der Verkäufer hat im Kaufvertrag die Zusicherung gegeben, dass hinsichtlich des gesamten Kaufgegenstandes keine Unterschutzstellung nach dem Denkmalschutzgesetz oder sonstiger behördlicher Objektschutz zur verpflichtenden Erhaltung des Gebäudes besteht (bereits 2019 hatte der damalige Eigentümer vorsichtig beim Denkmalamt den Denkmalstatus abgefragt). Zutritt bekam das Bundesdenkmalamt erst am 22. Dezember, da war der Saal schon zerstört (alle Stuckelemente wurden abgeschlagen und deren Reste offensichtlich über das Fenster in den Innenhof geworfen). Diese und weitere Fakten wurden im Rahmen eines Fragenkataloges, den Lucas Krackl (Obmann des Bauausschusses, Liste Für Innsbruck) initiiert hatte, nun beantwortet. Nach Angaben der Baupolizei waren diese Zerstörungen weder anzeige- noch bewilligungspflichtig. Zuvor geisterte immer wieder in der Öffentlichkeit herum, dass der Barocksaal unter Denkmalschutz stehe, (vgl. z.B. Hotel Europa Werbefilm aus 2004, ab Minute 5:27), doch das war falsch. Somit war der Abbruch rechtlich korrekt. Bürgermeister Willi: „In der nächsten Ausschusssitzung werden wir die weiteren Schritte beraten.“ Am 11. Dezember 2020 trat eine Bausperre in Kraft, da eine Umwidmung vorgesehen ist. In den nächsten ein bis drei Jahren wird es wohl spannend, ob im Zuge der bevorstehenden Umwidmung der neue Eigentümer noch einen möglichen Widmungsgewinn einstreichen kann. Es bleibt zu hoffen, dass der neue Eigentümer für diesen Kulturfrevel nicht auch noch belohnt wird. MEINBEZIRK-ARTIKEL WEITERLESEN: https://www.meinbezirk.at/innsbruck/c-lokales/aufklaerung-fehlinformationen-aufdecken-und-verantwortlichen-ausmachen_a4464933 (2.2.2021, „Hotel Europa: Aufklärung, Fehlinformationen aufdecken und Verantwortlichen ausmachen“) STANDARD-ARTIKEL WEITERLESEN: https://www.derstandard.de/story/2000123702729/innsbrucker-architekturjuwel-abgerissen-ohne-ernsthafte-folgen (28.1.2021, „Innsbrucker Architekturjuwel abgerissen – ohne ernsthafte Folgen. Nach der mutwilligen Zerstörung eines neobarocken Festsaals gehen in Innsbruck die Wogen hoch“) Älterer iD-Bericht (17. Jänner 2020, Initiative Denkmalschutz): Hotel Europa / Innsbruck (Tirol): Entsetzen über Barocksaal-Zerstörung: https://www.initiative-denkmalschutz.at/berichte/hotel-europa-innsbruck-tirol-entsetzen-ueber-barocksaal-zerstoerung Weitere Medienberichte / Presseaussendungen: 3. Februar 2021, Tiroler Tageszeitung Zerstörung im Hotel Europa: Willi strebt „vollständige Aufklärung” an. Die Tat dürfe „keinesfalls ohne ernsthafte Folgen bleiben“, betonte der Innsbrucker Bürgermeister in einer Aussendung. Eine Prüfung sei im Gange: https://www.tt.com/artikel/30777125/zerstoerung-im-hotel-europa-willi-strebt-vollstaendige-aufklaerung-an 3. Februar 2021, Krone Stadt will Aufklärung. Hotel Europa: Die Hintergründe des Kunstfrevels: https://www.krone.at/2333191 2. Februar 2021, Presseaussendung Büro Bürgermeister Georg Willi Prüfung zu Abbrucharbeiten im Hotel Europa läuft. Die Beantwortung eines Fragenkatalogs hilft bei der Aufklärung und sorgt für mehr Transparenz: https://www.ibkinfo.at/pruefung-abbrucharbeiten-hotel-europa 2. Februar 2021, MeinBezirk Hotel Europa: Aufklärung, Fehlinformationen aufdecken und Verantwortlichen ausmachen: https://www.meinbezirk.at/innsbruck/c-lokales/aufklaerung-fehlinformationen-aufdecken-und-verantwortlichen-ausmachen_a4464933 28. Jänner 2021, Standard Innsbrucker Architekturjuwel abgerissen – ohne ernsthafte Folgen. Nach der mutwilligen Zerstörung eines neobarocken Festsaals gehen in Innsbruck die Wogen hoch: https://www.derstandard.de/story/2000123702729/innsbrucker-architekturjuwel-abgerissen-ohne-ernsthafte-folgen 26. Jänner 2021, Mein Bezirk Hintergrund: So läuft die Hotel Europa-Insolvenz: https://www.meinbezirk.at/innsbruck/c-lokales/so-laeuft-die-hotel-europa-insolvenz_a4445466 24. Jänner 2021, Tiroler Tageszeitung Zerstörung im Hotel Europa: Nach der Übergabe „Hilti“ aktiviert. Die neuen Eigentümer des Hotels „Europa“ schweigen. Doch die Zerstörung des Neo-Barocksaals erfolgte nach Austausch der Schlösser: https://www.tt.com/artikel/17769542/zerstoerung-im-hotel-europa-nach-der-uebergabe-hilti-aktiviert 22. Jänner 2021, Krone Über Entwicklungen: Hotel Europa: Ex-Chefin „unendlich erschüttert“: https://www.krone.at/2323880 20. Jänner 2021, Tiroler Tageszeitung Wirbel um Hotel Europa: Bereits 2019 beim Denkmalamt angefragt. Schon bei ersten Verkaufsgesprächen war Denkmalschutz des Neo-Barocksaals im „Europa“ in Innsbruck Thema: https://www.tt.com/artikel/17755089/wirbel-um-hotel-europa-bereits-2019-beim-denkmalamt-angefragt 19. Jänner 2021, Krone Wilde Gerüchte: Bizarre Ungereimtheiten rund um das Hotel Europa: https://www.krone.at/2321812 18. Jänner 2021, Kurier Grand Hotel Europa Innsbruck: Inventar kommt unter den Hammer: https://kurier.at/wirtschaft/grand-hotel-europa-innsbruck-inventar-kommt-unter-den-hammer/401159181 18. Jänner 2021, MeinBezirk Hotel Europa: Insolvenzversteigerung mit mehr als 3.500 Positionen: https://www.meinbezirk.at/innsbruck/c-lokales/insolvenzversteigerung-mit-mehr-als-3500-positionen_a4439694 Video / Literatur: Hotel Europa Werbefilm (2004), ab Minute 5:27 der ‚denkmalgeschützte‘ (sic) Barocksaal: https://www.youtube.com/watch?v=h9zTiLZylIY Christoph Hölz, Klaus Tragbar, Veronika Weiss (Hrsg. / eds.), Architekturführer Innsbruck, Schriftenreihe des Archivs für Baukunst, Band 10, Innsbruck – Wien, 2017, Seite 61

Verlorenes Erbe (Wien): Rothberger Warenhäuser, Haas-Haus, Stephansdom-Brand

In der ORF-Serie „Verlorenes Erbe“ wurden diesmal die Rothberger-Warenhäuser sowie die Brandursache des Stephansdoms behandelt. Die Rothberger Warenhäuser standen bis zum Brand in den letzten Kriegstagen 1945 direkt gegenüber des Stephansdom-Riesentores am Stephansplatz (ehemals  Nr. 9 und 11, heute Stephansplatz 9 und 10). (Jüdischer) Bauherr war Jakob Rothberger, erbaut von den berühmten Theater-Architekten Ferdinand Fellner und Hermann Helmer (Büro Fellner & Helmer) 1884/85 (Stephansplatz 9) sowie 1893/95 (Stephansplatz 11). Die beiden Rothberger-Häuser flankierten das schmale, zentrale Krannerhaus, mit dem sie eine symmetrische städtebauliche Einheit bildeten. Das so genannte Krannerhaus (Anton Kranner’s Sohn, Wäsche und Ausstattungen) wurde bereits 1879/80 von Ferdinand Fellner und Hermann Helmer erbaut. Die strenghistoristische Fassade in nordischen Neorenaissance-Formen war mit einem hohen, volutengeschmückten Giebel abgeschlossen.  Nach schweren Kriegsschäden erfolgte der Wiederaufbau 1948/49 und 1956, wobei das Haus Nr. 11 mit dem in Betonkonstruktion neu errichteten Haus Nr. 10 (ehem. Krannerhaus) verbunden wurde (Architekt Josef Becvar). Umbauten bei weitgehender Verwendung der alten Bausubstanz, beide Nebenstiegen der Rothberger-Häuser sind erhalten. Auch das Haas-Haus (Foto), eines der ersten Warenhäuser in Wien  fiel 1945 dem Brand zum Opfer (erbaut 1865-67, Architekten August Siccard von Siccardsburg und Eduard von der Nüll). +++ Zu den Warenhäusern spricht im ORF-Beitrag der Denkmalschutzexperte und Buchautor Andreas Lehne, zum Dombrand kommen Restaurator Martin Kupf, die Historikerin Annemarie Fenzl sowie der Dombaumeister Wolfgang Zehetner zu Wort. Ausführliche ORF-Doku zum Dombrand „Brandakte Stephansdom“ (Video).  ORF-FERNSEHBEITRAG ANSEHEN (6 MIN): https://tvthek.orf.at/profile/Studio-2/13890037/Studio-2/14079847/Der-Mythos-vom-Dombrand/14846018 (27.1.2021, „Der Mythos vom Dombrand“) +++ „Brandakte Stephansdom – Rekonstruktion einer Katastrophe“ (45 min; Youtube): https://www.youtube.com/watch?v=uK5QT5IQCD4 Literatur / Quellen: Andreas Lehne, Wiener Warenhäuser 1865-1914, Wien 1990, Seite 124 – 129 (Warenhaus der Teppichfirma Philipp Haas und Söhne), Seite 136 – 139 (Warenhaus Anton Kranner) und Seite 144 – 149 (Warenhaus Jakob Rothberger) Paul Kortz, Wien am Anfang des 20. Jahrhunderts. Ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung. Zweiter Band, Wien 1906, Seite 361 ff.  

Friesach (Ktn): Bürgerhaus-Restaurierung wird international ausgezeichnet

Von der Bauruine zum restaurierten Baujuwel: Familie Moravi restauriert seit acht Jahren mit viel Liebe zum Detail ein altes Bürgerhaus in der Burgenstadt Friesach. Jürgen Moravi ist Architekt, Denkmalpfleger und Bauhistoriker, seine Frau Miriam Kunsthistorikerin und Malerin. Es wurde unlängst von „European historic Houses“ als „Haus des Monats“ ausgewählt und im Internet der Öffentlichkeit präsentiert. Noch vor 10 Jahren schien das denkmalgeschützte Baujuwel dem Untergang geweiht, Wasser drang durch das undichte Dach, die Bauschäden waren unübersehbar (nur die Außenfassade wurde Jahre vorher renoviert), das Grundstück war vollkommen zugewachsen. Mit viel Leidenschaft schreitet das Ehepaar bei der Restaurierung voran, denn es ist den beiden eine besondere Herzensangelegenheit. Im Juli 2013 erwarben sie das alte Bürgerhaus aus der Mitte des 13. Jahrhunderts (Fürstenhofgasse 10). Und die Restaurierung wird noch viele Jahre in Anspruch nehmen, doch das Wichtigste ist geschafft: In das verlassene Haus ist wieder Leben eingekehrt. ORF-FERNSEHBERICHT ZUM NACHSEHEN (3 MIN): https://tvthek.orf.at/profile/Servus-Sreno-Ciao/8179756/Servus-Sreno-Ciao/14079444/Antikes-Haus-des-Monats-in-Friesach/14843112 (23.1.2021, Servus, Srečno, Ciao, „Antikes ‚Haus des Monats‘ in Friesach“) ++ ORF-BERICHT LESEN: https://kaernten.orf.at/tv/stories/3082557 (23.1.2021, „Antikes ‚Haus des Monats‘ in Friesach“) Privates Video über die Restaurierung: – Deutsch (6 min):  https://www.youtube.com/watch?v=OBLGldmn1gI („Haus Moravi in Friesach (Kärnten): Zur Restaurierung im Jahr 2020“, 15.12.2020; Bundesdenkmalamt) – Englisch (7 min): https://www.youtube.com/watch?v=Otkb4h4ExPc&t=6s („Moravi House (AT) – Houses of the Month Restorations“, 13.12.2020; EUHistoricHouses) Beschreibung: Fürstenhofgasse Nr. 10 (Österreichische Kunsttopographie, 1991): (…) Geschichte. Erst ab M(itte) des 18. Jhs. in den Abgabebüchern als im Privatbesitz befindlich nachweisbar (…). Baubeschreibung. Teilweise bis ins frühe 14. Jh. zurückreichende, immer wieder, besonders im 16. Jh. adaptierte und erweiterte Bausubstanz. A(nfang) des 19. Jhs. mit einheitlicher Biedermeierfassade und Krüppelwalmdach mit Dachhäuschen versehen. Außen. Fassaden mit unregelmäßiger Achsenverteilung durch schmales Kordongesims gegliedert. Fenster mit außenliegenden Flügeln und einfachen Putzfaschen. Im Obergeschoß Parapetfelder mit jeweils zwei rautenförmigen Putzapplikationen. Über den geraden Fensterstürzen gleichartige gestaltete Rechteckfelder, 2. V(iertel) 19. Jh. In der Mittelachse einfaches Rundbogenportal mit Kämpfergesims und Schlußstein. HOLZPORTAL mit Rautendekor: PORTALBESCHLÄGE: Löwenköpfe und Masken in charakteristischen biedermeierlichen Formen, Messing. Hoffassade. Biedermeierholzpawlatsche, A(nfang) 19. Jh. Innen. In der Hauseinfahrt breites kurzes Tonnengewölbe mit Stichkappen und einfachen aufgeputzten Graten, 1. H(älfte) 16. Jh. Der älteste Teil des Hauses, der tonnengewölbte nordöstliche Gartentrakt um 1300. Im Keller über Wandpfeilern errichtetes Tonnengewölbe mit Stichkappen, 2. H(älfte) 16. Jh. Die Räume mit überputzten Riemlingdecken. Die Niveauunterschiede sowohl im Erd- als auch im Obergeschoß sind auf sukzessive Anbauten zurückzuführen. Ausstattung. Biedermeierliche EISENTÜR im ersten Obergeschoß. Gartenmauer. An der Nordseite des Hauses anschließend tlw. E(nde) 13. Jh. (ca. 100 m Länge) Weitere Medienberichte: 8. Jänner 2021, Kleine Zeitung Friesach: Ihr Haus gehört nun zu den schönsten in ganz Europa (Bezahlschranke): https://www.kleinezeitung.at/kaernten/feldkirchen/5919507/Friesach_Ihr-Haus-gehoert-nun-zu-den-schoensten-in-ganz-Europa 28. Dezember 2020, Kronen Zeitung Internationales Lob: 800 Jahre altes Haus in Friesach wird restauriert: https://www.krone.at/2306790 Literatur: Die profanen Bau- und Kunstdenkmäler der Stadt Friesach, Österreichische Kunsttopographie Band LI, Hrsg. Bundesdenkmalamt, Wien 1991, Seite 182 f. Linktipp: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Friesach (Wikipedia): https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_denkmalgesch%C3%BCtzten_Objekte_in_Friesach_(K%C3%A4rnten)

Verlorenes Erbe (OÖ): Semmelturm in Wels, abgerissen 1959

In der ORF-Reihe „Verlorenes Erbe“ („Studio 2“) ging es diesmal um einen Streit um das historische Kulturerbe. Einige Welser möchten den barocken, sogenannten Semmelturm, der 1959 abgerissen wurde, wieder aufbauen. Der Turm war Teil des Ensembles der berühmten Pferdeeisenbahn Gmunden – Linz – Budweis. Andere Welser halten den Wiederaufbau des Turms für eine Schnapsidee. Und der Eigentümer des alten Denksteinhauses, das ebenso Teil des Pferdeeisenbahn war und neben dem Semmelturm stand, will gar den Abriss. Ein Abbruchbescheid liegt schon vor. Mit Interview von Albert Neugebauer, Zweigstellenleiter unserer Initiative Denkmalschutz in Wels. ORF-FERNSEHBEITRAG ZUM NACHSEHEN (5 MIN): https://tvthek.orf.at/profile/Studio-2/13890037/Studio-2/14079125/Verlorenes-Erbe-Welser-Semmelturm/14841458 (21.1.2021, „Verlorenes Erbe: Welser Semmelturm“) Die Initiative „Ja zum Semmelturm“ auf Facebook: https://www.facebook.com/semmelturm Youtube-Video „Der Welser Semmelturm“ (17.12.2020): https://www.youtube.com/watch?v=f8nm2FhMDf0 APA-OTS-Presseaussendung Initiative Denkmalschutz (3.12.2020): Stadt Wels muss endlich Verantwortung für ihr historisches Stadtbild wahrnehmen! Anlass ‘Denksteinhaus‘: https://www.initiative-denkmalschutz.at/presseaussendungen/initiative-denkmalschutz-ooe-stadt-wels-muss-endlich-verantwortung-fuer-ihr-historisches-stadtbild-wahrnehmen-anlass-denksteinhaus Ältere Medienberichte: 13. Jänner 2021, Oberösterreichische Nachrichten Ist es sinnvoll, historische Bauten zu rekonstruieren? Geistesblitz oder Schnapsidee: Um Aufbau des Semmelturms lässt sich trefflich streiten (Bezahlschranke): https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/wels/ist-es-sinnvoll-historische-bauten-zu-rekonstruieren;art67,3339539 2. Dezember 2020, Die Monatliche Grüne unterstützen Initiative „Ja zum Semmelturm“ https://monatliche.at/gruene-fordern-runden-tisch-zum-thema-denkmalschutz 1. Dezember 2020, Die Monatliche SPÖ-Chef Klaus Schinninger für Wiederaufbau des Semmelturms https://monatliche.at/spoe-chef-klaus-schinninger-fuer-wiederaufbau-des-semmelturms

Hotel Europa / Innsbruck (Tirol): Entsetzen über Barocksaal-Zerstörung

Hinter der nüchternen Nachkriegsfassade des Grand Hotel Europa am Bahnhofsvorplatz (Südtiroler Platz 2) verbarg sich bis vor kurzem ein reich dekorierter „Barocksaal“ von 1888. (Ursprünglich erbaut wurde das Hotel Europa 1868-69 vom Ingenieur A. Haas, nach Brand 1881 umfassend saniert, 1943 durch Bomben weitgehend zerstört (außer u. a. Barocksaal), Wiederaufbau in neuen Formen 1950/51 von Otto Mayr, renoviert 2007 von Studio Sycamore (Raniero Botti).) Kaum hatte das Bundesdenkmalamt eine Unterschutzstellung dieses Barocksaals in Erwägung gezogen, wurde der historische Saal noch rasch zerstört. Jetzt herrscht Entsetzen in der Öffentlichkeit. Verantwortlich für die Zerstörung will aber niemand sein, der Vorbesitzer schiebt die Verantwortung auf den neuen Eigentümer zu und umgekehrt. Aufgedeckt wurde dieser unglaubliche Denkmalschutz-Skandal vom engagierten Gemeinderat Gerald Depaoli von Gerechtes Innsbruck. in einer Presseaussendung (14.1.2020): “Zerstörung des denkmalgeschützten Barocksaales im ehemali-gen Hotel Europa ist ein Bauskandal und Kulturfrevel der Sonderklasse!“. Depaoli zeigt sich fassungslos und höchst verärgert, obgleich „dieser ungeheuren ‚Immobilienspekulanten-Sauerei‘ im ehemaligen Hotel Europa“. Laut Walter Hauser, Abteilungsleiter im Bundesdenkmalamt Tirol, stand der Ende des 19. Jahrhunderts erbaute Saal nicht unter Denkmalschutz, man habe aber erwogen, eine solche Unterschutzstellung vorzunehmen. Eine Begehung habe aber nach längerem Hinhalten erst Ende Dezember erfolgen können, doch da war der Saal bereits zerstört. In zwei weiteren Presseaussendungen (17.1.2020) deckt der Gemeinderat Depaoli weiter auf: „Nicht genug, dass der historische Barocksaal des ehemaligen Hotel Europa mutwillig zerstört wurde, nein, jetzt wird auch noch der vermutlich aufgrund der im Zuge der Zerstörung des Barocksaales beschädigte Luster um ein lächerliches Maximalangebot von 40 Euro im Internet neben dem restlichen Inventar des ehemaligen Hotels versteigert„, ärgert sich GR Gerald Depaoli über den weiteren rücksichtslosen Umgang mit diesem für viele Innsbruckerinnen und Innsbrucker so wichtigen Kulturgut. „Das Ziel des Gerechten Innsbruck in dieser Causa ist eindeutig definiert: Die Verantwortlichen für diesen Bauskandal und Kulturfrevel müssen zur Rechenschaft gezogen werden, schon alleine um zu verhindern, dass eine derartige Vorgangsweise Schule macht, und weitere schützenswerte Kulturgüter zerstört werden bevor das Denkmalamt selbige einer Prüfung unterzieht kann!“ sagt Gemeinderat Depaoli vom Team Gerechtes Innsbruck – die Unbestechlichen. Auch nimmt „Gerechtes Innsbruck“ das Bundesdenkmalamt in die Pflicht! „So muss Landeskonservator Walter Hauser erklären, warum sich das Denkmalamt, von wem auch immer, mehrmals abweisen ließ, und welche Schritte er tatsächlich setzte, um einen dementsprechenden Prüfungstermin wahrnehmen zu können!“ Depaoli ortet sogar einen Vertuschungsversuch des Bauskandals durch das Denkmalamt. Kulturlandesrätin Beate Palfrader erklärt nach Bekanntwerden dieses Skandals, dass „hier mit verwerflichen Methoden nicht nur Tiroler Kulturgut, sondern auch ein Teil Innsbrucker Geschichte zerstört wurde“. Auch die SPÖ fordert Konsequenzen und die FPÖ will Bürgermeister Georg Willi (Grüne) in die Pflicht nehmen. TIROLER TAGESZEITUNG WEITERLESEN: https://www.tt.com/artikel/17738226/entsetzen-ueber-zerstoerung-von-historischem-saal-in-innsbruck (15.1.2021, „Entsetzen über Zerstörung von historischem Saal in Innsbruck“) SOWIE https://www.tt.com/artikel/17742489/zerstoerter-barocksaal-im-hotel-europa-bleibt-aufreger (16.1.2021, „Zerstörter Barocksaal im Hotel Europa bleibt Aufreger“) Weitere Medienberichte: 17. Jänner 2021, Krone Hotel Europa Innsbruck: Inventar wird online zu Spottpreisen verscherbelt: https://www.krone.at/2319863 16. Jänner 2021, Krone Skandal in Innsbruck: Zerstörtes Baujuwel: Behörde ausgetrickst: https://www.krone.at/2319404 15. Jänner 2021, Der Standard Heftige Kritik an Zerstörung von Barocksaal in Innsbruck: Die Behörden dachten über einen Denkmalschutz des Saales im ehemaligen Hotel Europa nach. So weit kam es aber nicht. Der neue Besitzer weist die Schuld von sich: https://www.derstandard.at/story/2000123318999/heftige-kritik-an-zerstoertem-barocksaal-in-innsbruck 15. Jänner 2021, Krone Barocksaal zerstört: Entsetzen über Kulturfrevel in Innsbrucker Hotel: https://www.krone.at/2318430 14. Jänner 2021, MeinBezirk Bauarbeiten: Rätselraten um Barocksaal-Skandal: https://www.meinbezirk.at/innsbruck/c-lokales/raetselraten-um-barocksaal-skandal_a4435101 Presseaussendungen der Partei Gerechtes Innsbruck: 17. Jänner 2021, (Partei „Gerechtes Innsbruck„) Zerstörung Barocksaal: Gerechtes Innsbruck ortet Vertuschungsversuch des Bauskandals durch das Denkmalamt! https://www.gerechtes-innsbruck.at/2021/01/17/4017 17. Jänner 2021, (Partei „Gerechtes Innsbruck„) „Beschädigter Luster des historischen Barocksaales wird im Internet mit einem Maximalangebot um 40 Euro versteigert!“: https://www.gerechtes-innsbruck.at/2021/01/17/4012 14. Jänner 2021,  (Partei „Gerechtes Innsbruck„) Gemeinderat Depaoli: “Zerstörung des denkmalgeschützten Barocksaales im ehemaligen Hotel Europa ist ein Bauskandal und Kulturfrevel der Sonderklasse!“: https://www.gerechtes-innsbruck.at/2021/01/14/4008 Literatur: Christoph Hölz, Klaus Tragbar, Veronika Weiss (Hrsg. / eds.), Architekturführer Innsbruck, Schriftenreihe des Archivs für Baukunst, Band 10, Innsbruck – Wien, 2017, Seite 61

Ebensee (OÖ): Altes Gasthaus Emseea vor Abriss

Das Gasthaus zur Ebensee (ugs. der Emseea) soll in Kürze abgerissen werden. Es ist eines der ältesten Bauten in Ebensee am Traunsee. Das Haus in der Dr. Rasper-Straße 1 (ehemals Ebensee 47), in der Nähe des Bahnhofs gelegen, wurde bereits 1626 in Handschriften als Landwirtschaft erwähnt und seit 1708 auch als Gasthaus angeführt. Nach der Abbruchgenehmigung im Herbst 2020 gab es noch eine Initiative zur Rettung des historischen Gasthauses, die Petition „Ebensee retten“, innerhalb weniger Stunden 1.700 Unterzeichner erreichte. (vgl. Radiobeitrag). In einem aktuellen Artikel der Oberösterreichischen Nachrichten (7.1.2021) geht der Architekt Andreas Zohner mit der Baukultur seiner Heimatgemeinde Ebensee hart ins Gericht. Er kritisiert den laufenden Verlust historischer Bausubstanz und nimmt die Gemeindepolitik in die Verantwortung. Diese hätte viel früher etwas tun müssen. „Warum gibt es in Ebensee keine Liste von allen Häusern, die man als schützenswert erachtet? Wer überlegt sich, wie man diese dann bewahren kann?“ In einer Stellungnahme, die unseren Verein vorliegt, schreibt Zohner: „Die Liste der verloren gegangenen öffentlichen Gebäude ist lang, beginnt beim Abbruch des wohl bedeutensten Bauwerks Ebensees der letzten Jahrhunderte, dem Metternich Lobkowitz Sudwerks, setzt sich fort über das alte Standesamt am Anfang der Marktgasse, die erste Volksschule des Ortes in der Berggasse, das alte Bahnhofsgebäude Landungsplatz, Wirtshäuser wie die Seeraunzn, das Kernstüberl, aber auch Privathäuser wie die Mendelssohnvilla, Herzmanovskyvilla und zahlreiche Wohnhäuser mit weniger berühmten Namensgebern. (…) War der Abbruch der Villa Almfried in Rindbach zumindest in den regionalen Medien ein Thema und Grund für ein gewisses Maß an Unverständnis, gingen die meisten anderen der aufgezählten Gebäude sang und klanglos unter – oder noch besser, unter dem Beifall der Gemeindezeitung, die nach dem Abbruch des alten Karstädthäuses (= erste Volksschule) und der Errichtung eines Garagengebäudes an der selben Stelle jubilierte: „‚ .. und Ebensee ist wieder ein Stück schöner geworden!‘ Die Beispiele des Versagens der Gemeindepolitik ließen sich beliebig weiterführen! Der hölzerne Erker des alten Standesamtes wurde so lange im Freien aufbewahrt, bis auch dieser Teil Ebenseer Baukultur Geschichte war! (…) Wenn jetzt der Bürgermeister angesichts der Ereignisse rund um den geplanten Abbruch des Ebenseerwirtshauses von einem Lernprozesss spricht, sollte man aber nachfragen, warum dieser nicht schon 2011 mit der Erstellung des Architekturleitbildes der Gemeinde Ebensee begonnen hat – aber halt, leider wurden die zuständigen Bediensteten darüber im Unklaren gelassen, dass es so etwas wie ein Architekturleitbild überhaupt gibt (…). Dass die Gemeinde den Abbruch des Wirtshaus „zur Ebensee“ zumindest hätte aufschieben und damit der Interessensgemeinschaft für die Erhaltung des Emseas mehr Zeit und Möglichkeiten verschaffen hätte können, wäre vor einigen Wochen noch ein Leichtes gewesen, man hätte dem Antragssteller nur die Abbruchbewilligung verwehren müssen mit dem Hinweis des übergeordneten Interesses – 1800 Unterschriften gegen den Abbruch innerhalb weniger Tage beweisen dieses Interesse eindrucksvaoll!! (..) Das nach Bekanntwerden der Abbruchpläne angebotene Vermittlungsgespräch war nicht mehr als eine Alibihandlung um das Gesicht zu wahren – innerhalb weniger Tage danach wurde mit dem Abbruch der Einrichtung begonnen!“ (…) Die Botschaft vom Lernprozess hör‘ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube angesichts der nächsten anstehenden Diskussionen rund um Erhalt oder Abbruch der Arbeitersiedlungshäuser in der Schubertstraße – auch diese für den Arbeiterort so typischen Werkshäuser, wiederum explizit im eigenen Architekturleitbild als schützenswert benannt, würden andersort wahrscheinlich längst unter Ensembleschutz durch das Denkmalamt stehen – in Ebensee wird auf Grund der Aussage von möglichen Investoren die Erhaltung dieser Gebäude in Frage gestellt und der Errichtung mehrgeschossiger Wohnbebauung das Wort geredet.“ Das Neubauprojekt „Wohnpark Emseea“ auf Willhaben.at: https://www.willhaben.at/iad/immobilien/d/haus-kaufen/oberoesterreich/gmunden/wohnpark-emseea-431489302 und das Projekt auf „Steinkogler Bau“: http://www.steinkogler-bau.at/media/files/Wohnpark_Emseea.pdf Die Geschichte des „Gasthaus zur Ebensee“ (Website der Bürgerinitiative, „Emseea retten“-Aktion): https://emseea-retten.at/die-geschichte-des-hauses Medienberichte: 7.1.2021, Oberösterreichische Nachrichten „Ebensee lässt seine historischen Bauten verfallen“. Architekt Andreas Zohner geht mit der Baukultur seiner Heimatgemeinde hart ins Gericht. Er vermisst ein langfristiges Denken bei den Gemeindeverantwortlichen (Bezahlschranke): https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/salzkammergut/ebensee-laesst-seine-historischen-bauten-verfallen;art71,3337870 3.12.2020, Oberösterreichische Nachrichten: Letzter Rettungsversuch ist gescheitert: Der Abriss des „Ebenseers“ ist fix. Ein Runder Tisch zwischen den Besitzern und der Initiative „Emseea retten“ scheiterte (Bezahlschranke): https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/salzkammergut/letzter-rettungsversuch-ist-gescheitert-der-abriss-des-ebenseers-ist-fix;art71,3328403 24.11.2020, RADIOBEITRAG, Freies Radio Salzkammergut Ist der “Emseea” noch zu retten? 

(18 Minuten Radiobeitrag in „Der Widerhall Woche 48“). Telefoninterviews mit den Sprechern der Initiative „Emseea Retten“, Lisa Neuhuber und Markus Stüger (ab Minute 10:45 bis 18:20) sowie den Bürgermeister von Ebensee, Markus Siller (ab Beginn): https://freiesradio.at/widerhall/der-widerhall-woche-48-13 19.11.2020, Tips 400 Jahre altes Gasthaus soll Doppelhaushälften weichen. Eine Initiative aus der Salinengemeinde möchte das alte Gasthaus „Emssea“ vor dem Abriss retten: https://www.tips.at/nachrichten/gmunden/land-leute/521399-400-jahre-altes-gasthaus-soll-doppelhaushaelften-weichen 19.11.2020, MeinBezirk Traditions-Gasthaus „Emseea“ soll abgerissen werden. Der drohende Abbruch des „Emseeas“ sorgt für Aufregung. Weil der Gemeinde rechtlich aber weitgehend die Hände gebunden sind, wollen Markus Siller, Sabine Promberger und die Initiatoren von „Emseea retten“ den Eigentümer umstimmen: https://www.meinbezirk.at/salzkammergut/c-lokales/traditions-gasthaus-emseea-soll-abgerissen-werden_a4355612 18.11.2020, Krone Aufschrei in Ebensee. 400 Jahre altes Gasthaus muss bald weichen. Große Aufregung herrscht bei zahlreichen Ebenseern, nachdem bekannt wurde, dass das 400 Jahre alte Gasthaus „Emseea“ abgerissen werden soll. Neu entstehen sollen dafür vier Doppelhäuser. Vor rund einem Jahr musste das Gasthaus zusperren, mögliche Nachmieter konnten sich mit dem Besitzer nicht einigen: https://www.krone.at/2278172 18.11.2020, Oberösterreichische Nachrichten Wieder einmal geht in Ebensee ein Stück Wirtshausgeschichte verloren. Das Gasthaus „Zur Ebensee“ soll einem Wohnbauprojekt weichen und abgerissen werden (Bezahlschranke): https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/salzkammergut/wieder-einmal-geht-in-ebensee-ein-stueck-wirtshausgeschichte-verloren;art71,3323497 Politisches Die SPÖ Ebensee (die Partei des Bürgermeisters) unterstützt die Initiative zur Rettung des Gasthauses Emseea: https://ebensee.spooe.at/2020/11/18/spoe-ebensee-unterstuetzt-initiative-zur-rettung-des-emseea (18.11.2020, „SPÖ Ebensee unterstützt Initiative zur Rettung des Emseea“) Die Bürgerliste für Ebensee (BüFE; www.buefe.at) unterstützt ebenso die Initiative zur Rettung des Gasthauses Emseea (18.11.2020) und behandelt das Gasthaus in drei Facebook-Einträge (18., 19. und 20. November 2020). Im Beitrag vom 19.11.2020 schreibt die BÜFE in Bezug auf die Unterstützung der SPÖ zur Rettung des Gasthauses: „Eine Frage: Wer hätte beim Lesen der Stellungnahme der SPÖ zum Emseea vermutet, dass es bereits eine rechtswirksame Abbruchbewilligung gibt? Wir jedenfalls nicht.“: https://www.facebook.com/buergerlisteebensee Literatur: Walter Rieder, 500 Jahre Gasthäuser in Ebensee, 2019, Seite 58 ff. (ISBN 9780244529086)

Wien: Flakturm im Augarten vor Teilabriss?

In der sehenswerten TV-Serie „Verlorenes Erbe“ im ORF2-Vorabendprogramm („Studio 2“) wurde am 7. Jänner 2021 über die Wiener Flaktürme berichtet (Flak = Fliegerabwehrkanone): „Verlorenes Erbe: Die unzerstörbaren Flaktürme“. Im Zuge der Erbauung dieser sechs monströsen Flugabwehr-Türme 1942 bis 1945 wurden drei historische Gartenanlagen verbaut. Der Arenbergpark im 3. Bezirk, der Esterházypark im 6. Bezirk sowie der Augarten im 2. Bezirk. Während nur der Flakturm im Esterházy-Park, der heute als „Haus des Meeres“ genutzt wird und unlängst groß ausgebaut wurde, nicht unter Denkmalschutz steht, besteht für die anderen fünf Flaktürme ein solcher Schutzstatus. Nun wird im aktuellen ORF-Fernsehbeitrag darüber nachgedacht, ob man die Türme nicht doch abtragen könnte. Nikola Prajo, Vertreter der Abbruchfirma Prajo spricht im Interview über Machbarkeit, Aufwand und mögliche Kosten eines solchen Abrisses. In der Folge heißt es im ORF-Beitrag wörtlich: „Der erste Turm, der vermutlich abgetragen werden muss, ist der runde Turm im Augarten. Die Explosion eines Munitionsdepots hat ihn so stark beschädigt, dass er 2006 vorübergehend einsturzgefährdet war und abgesichert werden musste.“ Die renommierte Gartenhistorikerin Maria Auböck findet die Idee, dass man die „Bunker“ abträgt und etwas G‘scheiteres macht, interessant. Nur meint Sie: „Ich hab noch niemanden gefunden, der das durchsetzt.“ Weiters heißt es wörtlich im ORF-Beitrag: „Diskutiert wurde auch schon, die Türme zum großteil abzutragen, und nur einen Stumpf stehen zu lassen. Der weitgehend unbekannte siebente Wiener Flakturm in Floridsdorf, der unvollendet blieb, zeigt, wie das aussehen könnte.“ Unser Verein Initiative Denkmalschutz fragt sich: Wird der runde Flakturm (Gefechtsturm) im Augarten in wenigen Jahren so aussehen, wie der Floridsdorfer Flakturm (oder besser „Bunker“, in der Gerichtsgasse 1b), oder kommt ein großes Flakturm-Ausbauprojekt nach Teilabbruch des Turmes, ähnlich den Ausbauplänen zu einem Datencenter im Jahr 2007 ? Wir hoffen, dass dieses monumentale, denkmalgeschützte Geschichtsdokument nicht bald zum „Verlorenen Erbe“ zählen wird. ORF-FERNSEHBEITRAG ZUM NACHSEHEN: https://tvthek.orf.at/profile/Studio-2/13890037/Studio-2/14077531/Verlorenes-Erbe-Die-unzerstoerbaren-Flaktuerme/14831604 (ORF 2, „Studio 2“, „‚Verlorenes Erbe‘: Die unzerstörbaren Flaktürme“). Ältere Medienberichte: 30. Jänner 2017, MeinBezirk Was passiert mit den Flaktürmen im Augarten? https://www.meinbezirk.at/leopoldstadt/c-lokales/was-passiert-mit-den-flaktuermen-im-augarten_a1996685 14. Jänner 2017, Der Standard Das Innenleben der Wiener Flaktürme. Manche der sechs Flaktürme bröckeln vor sich hin, andere werden genutzt. Historiker fordern, zumindest einen zu einem begehbaren Mahnmal zu machen. https://www.derstandard.at/story/2000050703092/das-innenleben-der-wiener-flaktuerme 1. November 2007, Der Standard Neustart für strittiges Projekt: Der Flakturm als Datenspeicher. Umgraben im Augarten: Für den denkmalgeschützten Park werden wieder Baupläne gewälzt: https://www.derstandard.at/story/2971752/neustart-fuer-strittiges-projekt-der-flakturm-als-datenspeicher 24. Juli 2007, Der Standard DCV gibt nicht auf: Neuer Anlauf für Datenspeicher im Augarten-Flakturm. Konzept bei Baupolizei eingereicht – Projekt auch ohne Zubauten zu verwirklichen – Grüne gegen Datencenter: https://www.derstandard.at/story/2971131/dcv-gibt-nicht-auf-neuer-anlauf-fuer-datenspeicher-im-augarten-flakturm 18. Juni 2007, Der Standard Wiener Augarten-Flakturm bleibt Riesenbaustelle. Kran hievt 50 Tonnen schwere Betonteile aus dem Inneren – 1.200 Kubikmeter Taubenkot bereits entfernt. https://www.derstandard.at/story/2792527/wiener-augarten-flakturm-bleibt-riesenbaustelle 27. November 2006, Der Standard Augarten-Flakturm verliert zwei „Ohrwascheln“. Die 220 Tonnen schweren Plattformen müssen abgetragen werden – DCV plant weiter Datenspeicher im Bau: https://www.derstandard.at/story/2613394/augarten-flakturm-verliert-zwei-ohrwascheln 12. Oktober 2006, Der Standard Wiener Augarten-Flakturm verliert zwei Plattformen. Sie haben sich gelockert und werden nun mittels Kran abgetragen – weiterhin Umbaupläne zu einem Datenspeicher: https://www.derstandard.at/story/2613358/wiener-augarten-flakturm-verliert-zwei-plattformen 2. Dezember 2005, Der Standard Flakturm im Wiener Augarten wird zum Datenlager. Betreiber gibt grünes Licht – Arbeiten könnten bereits im Frühjahr 2006 starten – Drei Jahre Bauzeit veranschlagt – Investitionen in den Park versprochen: https://www.derstandard.at/story/2255230/flakturm-im-wiener-augarten-wird-zum-datenlager 4. Mai 2005, Der Standard Weiter Streit um den großen grauen Monolith. Das Ringen um die Zukunft des runden Augarten – Flakturmes geht in eine neue Runde: https://www.derstandard.at/story/1903711/weiter-streit-um-den-grossen-grauen-monolith 11. Oktober 2002, Der Standard Wiener Flaktürme sollen Mahnmal-Charakter behalten. Studie lehnt große Umbauprojekte ab – Schicker gegen Aufbauten im Augarten und Eventflächen im Esterhazypark: https://www.derstandard.at/story/1098344/wiener-flaktuerme-sollen-mahnmal-charakter-behalten Linktipps: Flakturm-Fotos Erich J. Schimek / Initiative Denkmalschutz: https://www.flickr.com/photos/id_ejs/sets/72157646364915906 Die Flaktürme auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Wiener_Flakt%C3%BCrme Die Flaktürme auf Wien Geschichte Wiki: https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Flakt%C3%BCrme ö1-Radiobeitrag „Flaktürme, Wien“ (4 min; 18.9.2018): https://oe1.orf.at/artikel/644806/Flaktuerme-Wien Flaktürme Wien auf Geheimprojekte.at: http://www.geheimprojekte.at/info_flaktuerme.html

Palliardihaus Klagenfurt (Ktn): Nach skandalösem Abriss Neubau fertiggestellt

Jetzt im Dezember 2020 wurde der Neubau in der Karfreitstraße 16 in der Klagenfurter Altstadt schräg gegenüber dem Dom fertiggestellt (siehe Projektbeschreibung). Mehr als ein Jahrzehnt hat es gedauert, bis 2017 der Denkmalschutz für das stattliche, barocke Bürgerhaus am Domplatz (zwischen der Karfreitstraße und Spengergasse) aufgehoben und grünes Licht für den Abriss der spätklassizistischen Fassade erteilt wurde. Im Dehio-Handbuch (Hrsg. Bundesdenkmalamt) wird das so genannte  Palliardi-Haus (benannt nach dem legendären Gesellschaftsfotografen, der bis zuletzt dort sein Geschäft hatte) folgendermaßen beschrieben: „2geschossiger, um einen Hof gruppierter Bau, aus dem 17. Jh. 1854 von Alois Cargnelutti umgebaut, aufgestockt und neufassadiert. Spätklassizistische Fassade mit ionischer Riesenpilasterordnung und Edelweißblüten in der Attikazone. Im U-förmigen Hoftrakt Getreidelagerraum mit Ziegelgitteröffnungen“. Auf Grund dieser kulturhistorischen Bedeutung wurde das Gebäude vom Bundesdenkmalamt ca. 1997 unter Denkmalschutz gestellt. 2006 wurde bereits das Innere des Hauses laut der Grünen Gemeinderätin Evelyn Schmid-Tarmann widerrechtlich abgerissen, obwohl gemäß Denkmalschutzbescheid die straßen- und hofseitige Erscheinung, d.h. Fassaden und Dächer sowie das Stiegenhaus unter Denkmalschutz standen.   Ein Gewölbe war zuvor eingebrochen. Danach gab es immer wieder Pläne, hinter der dann weiterhin denkmalgeschützten Fassade ein Wohnhaus zu errichten. Die straßenseitige Fassade war dann jahrelang verhüllt (vgl. Foto) und in dieser Zeit erfolgte offenbar auch eine Änderung des Bebauungsplanes(?). 2017 schließlich hat das Bundesdenkmalamt in einem Bescheid festgestellt, dass trotz Sicherungsmaßnahmen der Erhalt der Hauptfassade mitsamt dem noch verbliebenen Rest eines Gewölbes im Erdgeschoß gescheitert sei. Sollte sie saniert werden, sei das nur mit Veränderungen der Bausubstanz möglich. Der Dokumentationswert und die Bedeutung als Denkmal seien nicht mehr ausreichend vorhanden, so die damalige Begründung für die Denkmalschutzaufhebung („Durch Zeitablauf und Zerstörung hat das Haus jede Bedeutung als schützenswertes Denkmal verloren“). Der Landeskonservator Gorazd Živkovič (Bundesdenkmalamt Kärnten) anlässlich der der Denkmalschutzaufhebung: „Wir legten Pläne für den Schutz der Fassade vor. Das Projekt scheiterte, weil die Geschoßhöhe nicht passte. Wir konnten aber nicht zulassen, dass ein zusätzliches Stockwerk eingezogen wird. Alles, was wir erreichen konnten, war die zweimalige Notsicherung der Fassade.“ Bei der Spatenstichfeier für den Neubau im April 2019 erklärte der Geschäftsführer der Firma Wobik Immobilien, Ernst Kreihsler erfreut, dass man sich 2017 mit dem Denkmalamt in einem mühsamen, aber erfolgreichen Prozess auf den Abriss einigen hat können. „Es wäre hier sonst kaum möglich gewesen, eine vernünftige, kleine, attraktive Wohnhausanlage zu errichten.“ Jetzt wurden 33 Wohnungen mit Tiefgarage sowie zwei Geschäftslokalen errichtet (Adresse: Karfreitstraße 16, Karfreitstraße 18, Spengergasse 3, Spengergasse 5). 5MIN-WEITERLESEN: https://www.5min.at/202012339058/gute-nachrichten-aus-der-karfreitstrasse (22.12.2020, „Neues aus der Innenstadt: Gute Nachrichten aus der Karfreitstraße“) Ältere Medienberichte und Presseaussendungen / Quellen: 25. April 2019, Klagenfurt: Wohnanlage statt Palliardi-Haus https://kaernten.orf.at/v2/news/stories/2978089 Neubauprojekt: Spatenstich für 33 neue Wohnungen beim Dom (Bezahlschranke): https://www.kleinezeitung.at/kaernten/klagenfurt/5618208/Neubauprojekt_Spatenstich-fuer-33-neue-Wohnungen-beim-Dom 19. April 2018, Palliardi-Haus: Baustart für Wohnprojekt mit Tiefgarage (Bezahlschranke) https://www.kleinezeitung.at/kaernten/klagenfurt/5609308/Klagenfurt_PalliardiHaus_Baustart-fuer-Wohnprojekt-mit-Tiefgarage 15. Februar 2018, Nach Abriss klafft ein Loch am Domplatz. Eigentümer des Grundstückes, auf dem das Palliardi-Haus stand, hält sich über mögliche Projekte bedeckt (Bezahlschranke): https://www.kleinezeitung.at/kaernten/klagenfurt/5371918/Klagenfurt_Nach-Abriss-klafft-ein-Loch-am-Domplatz 8. April 2017, Jetzt ist auch das Schicksal des Palliardi-Hauses in der Karfreitstraße besiegelt: Altes Klagenfurt schwindet. Kronen-Zeitung (mit Zitat Gorazd Živkovič; kein Link vorhanden) 3. April 2017, Grüne Klagenfurt: Palliardihaus-Abriss wird Nachahmer finden https://www.mein-klagenfurt.at/aktuelle-pressemeldungen/pressemeldungen-april-2017/palliardihaus-abriss-wird-nachahmer-finden 28. März 2017, Palliardi-Haus: Denkmalschutz aufgehoben https://kaernten.orf.at/v2/news/stories/2833546 Palliardi-Haus wird jetzt abgerissen. Denkmalamt gibt grünes Licht für Pläne des Besitzers. Das Haus ist in den vergangenen Jahren stark verfallen (Bezahlschranke): https://www.kleinezeitung.at/kaernten/klagenfurt/5190931/Klagenfurt_PalliardiHaus-wird-abgerissen 24. Februar 2016, „Geisterhaus“ ärgert Nachbarn. Auch zehn Jahre nach Teilabriss steht von dem Palliardi-Haus in der Karfreitstraße in Klagenfurt nicht mehr als die denkmalgeschützte Fassade. Eigentümer ist für Kaufangebote offen (Bezahlschranke): https://www.kleinezeitung.at/kaernten/klagenfurt/4932062/KLAGENFURT_Geisterhaus-aergert-Nachbarn 29. Jänner 2014, Hier nagt der Zahn der Zeit. Landeskonservator stellt Klagenfurt bei der Denkmalpflege zwar ein sehr gutes Zeugnis aus, doch es gibt auch drastische Negativbeispiele wie das Palliardi-Haus. (Bezahlschranke): https://www.kleinezeitung.at/kaernten/klagenfurt/4122731/Hier-nagt-der-Zahn-der-Zeit 28. September 2013, „Ich habe Angst um mein Hotel“. Seit sechs Jahren hängt vor dem abgerissenen Palliardi-Haus gegenüber vom Dom in Klagenfurt eine Plane. Jetzt klagen Nachbarn an: Der „Schandfleck“ soll Schäden an ihren Häusern verursachen (Bezahlschranke): https://www.kleinezeitung.at/kaernten/klagenfurt/4088851/Abgerissenes-PalliardiHaus_Ich-habe-Angst-um-mein-Hotel 3. September 2013, Schandfleck könnte bald Geschichte sein. Gemeinderat soll Nägel mit Köpfen machen und Änderung des Bebauungsplans beschließen. https://www.meinbezirk.at/klagenfurt/c-lokales/schandfleck-koennte-bald-geschichte-sein_a673760 12. Jänner 2012,Grüne Klagenfurt: Abbruchruine Palliardi-Haus prägt den Domplatz https://klagenfurt.gruene.at/abbruchruine-palliardi-haus-praegt-den-domplatz 11. Jänner 2012, Hinter der Fassade brodelt es. Schandfleck in der Stadt: Seit 2006 steht vom Palliardi-Haus in der Karfreitstraße nur die Fassade. Aber noch heuer sollen dort 24 Wohnungen errichtet werden (Bezahlschranke): https://www.kleinezeitung.at/kaernten/klagenfurt/3913469/Hinter-der-Fassade-brodelt-es Literatur: Dehio-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Band: Kärnten, Topographisches Denkmälerinventar, herausgegeben vom Bundesdenkmalamt, 3. erweiterte und verbesserte Auflage, Wien 2001, Seite 380 (siehe: https://bda.gv.at/publikationen/details/dehio-kaernten-die-kunstdenkmaeler-oesterreichs) Liste der denkmalgeschützten Objekte in Klagenfurt am Wörthersee-Klagenfurt – Ehemalige Denkmäler (Wikipedia): https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_denkmalgesch%C3%BCtzten_Objekte_in_Klagenfurt_am_W%C3%B6rthersee-Klagenfurt#Ehemalige_Denkm%C3%A4ler

Guggenthal (Sbg.): Gefährdetes Gut vor Revitalisierung

Nachdem das mächtige Brauereigebäude des Gut Guggenthals kurz vor dem Abriss steht (nach Brand 2018 und Denkmalschutzaufhebung) gibt es jetzt Hoffnung für die restlichen, jahrelang verfallenen Gebäude. Eine Investorengruppe hat das aus mehreren denkmalgeschützten Gebäuden bestehende Gut Guggenthal in der Gemeinde Koppl bei Salzburg von den bisherigen Eigentümern (seit Ende 2012) rund um die Mayweg Immobilien GmbH von Markus Eberharter, Michael Mayer Erich Walketseder und Karl Weichselbaumer gekauft. In einem ersten Schritt wollen die neuen Eigentümer, Unternehmer aus der Region (neben Ex-Alpine-Eigentümer Dietmar Aluta-Oltyan vermutlich auch der Radstädter Bauträger Günter Wanner), die drei „Kerngebäude“, die desolate Villa / das Herrenhaus (Brauhausstraße 5) renovieren und zu einem Hotel adaptieren. Der ebenso verfallene, denkmalgeschützte Braugasthof – gleich gegenüber der Straße gelegen  (Brauhausstraße 4) – soll wieder ein Gasthaus werden. Das so genannte Moarstöckl (Brauhausstraße 3) soll eine Greißlerei werden. MEIN-BEZIRK-ARTIKEL WEITERLESEN: https://www.meinbezirk.at/flachgau/c-wirtschaft/gut-guggenthal-unter-neuer-flagge_a4415694 (26.12.2020, „Plan mit 10 Millionen Euro: Gut Guggenthal unter neuer ‚Flagge’“)  +++ Weitere aktuelle Medienberichte: KRONE: https://www.krone.at/2305175 (23.12.2020, „Neue Investoren: Rettung für Gut Guggenthal“); Salzburger Nachrichten (SN / Bezahlschranke): https://www.sn.at/salzburg/chronik/guggenthal-neue-eigentuemer-wollen-villa-zum-hotel-machen-97409770 (23.12.2020, „Guggenthal: Neue Eigentümer wollen Villa zum Hotel machen“). Das Gut Guggenthal auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Gut_Guggenthal. und in der Denkmalliste der Gemeinde Koppl (Wikipedia): https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_denkmalgesch%C3%BCtzten_Objekte_in_Koppl Ältere iD-Berichte: 23. Juni 2020, Guggenthal (Sbg.): Erneut Brand auf denkmalgeschütztem Gut https://www.initiative-denkmalschutz.at/berichte/guggenthal-sbg-erneut-brand-auf-denkmalgeschuetztem-gut 17. Februar 2020, Gut Guggenthal bei Salzburg: Stützmauer von Ceconi-Villa eingestürzt https://www.initiative-denkmalschutz.at/berichte/gut-guggenthal-bei-salzburg-stuetzmauer-von-ceconi-villa-eingestuerzt

100 Jahre Denkmalschutzgesetz – Abriss in Breitstetten (NÖ) als Fanal für die Denkmalpflege!

APA-OTS-Presseaussendung, 14. November 2023 100 Jahre Denkmalschutzgesetz – Der Abriss zweier denkmalgeschützter Bauernhäuser in Breitstetten (NÖ) als Fanal für die Denkmalpflege! Initiative Denkmalschutz klagt an: Völlig zahnloser Denkmalschutz am Beispiel der Gemeinde Leopoldsdorf im Marchfeld (Niederösterreich)! Die Politik muss handeln! Wien (OTS) – Am 29./30. November feiert das Bundesdenkmalamt „100 Jahre österreichisches Denkmalschutzgesetz“ mit einem Festvortrag und einer Tagung, doch zu Feiern gibt es wahrlich wenig. Allzu viele Denkmäler in Österreich verfallen straffrei und konsequenzenlos. Dieser Tage wurden zwei einzigartige Bauernhäuser (Breitstetten Nr. 16 und Nr. 17) abgerissen, obwohl diese seit 1980 per Bescheid unter Denkmalschutz standen. Jahrzehntelang konnte man dem langsamen Verfall zusehen (große Löcher im Dach sind spätestens seit 2011 dokumentiert), doch seitens der Behörden ist quasi nichts geschehen. Das Denkmalamt hat jahrelang ausschließlich eine einvernehmliche Lösung mit dem Eigentümer gesucht. Obwohl eine Übernahme der kompletten Kosten der Sicherungsmaßnahmen in Aussicht gestellt wurde, hat der Eigentümer dies abgelehnt. Ein Antrag des Denkmalamtes an die Bezirksverwaltungsbehörde (§ 31 Abs. 1 Denkmalschutzgesetz), um diese Sicherungsmaßnahmen auch rechtlich durchzusetzen, ist unterblieben, sodass die Gebäude quasi straffrei verfallen konnten. Auch die örtliche Baubehörde hat offenbar tatenlos zugesehen, obwohl die Erhaltungspflicht (§ 34 NÖ Bauordnung) nicht eingehalten wurde. Erst jetzt – nach mehrfachen Beschwerden aus der Bevölkerung – ist die Baubehörde aktiv geworden und hat am 8. August einen Abbruchauftrag erteilt, also eine Verpflichtung zum Abbruch (§ 35 Abs. 2 NÖ Bauordnung), weil festgestellt wurde, dass die „Bausubstanz komplett einsturzgefährdet ist“ und „Gefahr im Verzug“ besteht. Am 20. Oktober wurde der Denkmalschutz aufgehoben (§ 5 Abs. 7 Denkmalschutzgesetz), sodass mit dem Abriss Anfang November begonnen werden konnte. Bundesregierung gefordert. Neues Denkmalschutzgesetz in Kürze in Begutachtung! Vortrag am 23.11. der Initiative Denkmalschutz in Graz Die Bundesregierung (ÖVP/Grüne; insbesondere Kulturminister und Vizekanzler Werner Kogler sowie Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer) ist nun aufgefordert zu handeln und daraus Konsequenzen zu ziehen. Wie konnte es sein, dass seitens des Denkmalamtes ein Antrag an die Bezirksverwaltungsbehörde unterblieb? Besonderes Augenmerk ist in Bälde auf den Entwurf des Denkmalschutzgesetzes zu legen, der in Kürze in die öffentliche Begutachtung gehen soll. Unabdingbar ist auch endlich eine personelle wie finanzielle Aufstockung des Denkmalamtes. Markus Landerer, Obmann der Initiative Denkmalschutz, wird dazu am Donnerstag, 23.11., ab 19:00 Uhr einen Vortrag an der Karl-Franzens-Universität in Graz halten (Attemsgasse 25, Institut für Kulturanthropologie): „100 Jahre Denkmalschutzgesetz – eine kritische Analyse des Denkmal- und Ortsbildschutzes in Österreich“. Auch wird die Initiative Denkmalschutz in Bälde die parlamentarische Bürgerinitiative „Wirkungsvoller Schutz gefährdeter Kulturgüter“ („Bundespetition“) ins Parlament einbringen. Nächster Verlust: Gh. Weißes Rössl in Gries am Brenner in Tirol? Am 11. Mai brannte am denkmalgeschützten Gasthaus „Weißes Rössl“ das Dach. Bis heute – ein halbes Jahr nach dem Brand(!) – fehlt beim im Kern spätgotischen Gasthaus noch immer eine Schutzabdeckung. Der Regen setzt dem Gebäude immer mehr zu. Und bald kommt der Schnee … Rückfragen & Kontakt: Markus Landerer (0699/1024 4216) und DI Dr. Alexander Schmiderer (0664/750 545 42), Verein Initiative Denkmalschutz, www.idms.at

Abriss Rösselmühle: Besserer Schutz für Grazer Industrieerbe gefordert

Presseaussendung, Mittwoch, 13. September 2023 Anlässlich Abrissbeginn Rösselmühle letzten Montag: Initiative Denkmalschutz fordert besseren Schutz für das industrielle Baukulturerbe in Graz. Wird nun ein alter Gemeinderatsantrag endlich ernst genommen? Die neue Grazer Stadtregierung ist gefordert! Rückblende in das Jahr 2014: Im Grazer Gemeinderat wurde ein Antrag mit dem Titel „Rechtzeitige Maßnahmen bei industriellen Baudenkmälern“ einstimmig angenommen. Wesentlicher Bestandteil des Antrags war die 1270 erstmals erwähnte Rösselmühle (Oeverseegasse 1), deren Zukunft anlässlich ihrer Schließung einige mit Sorgen sahen. Aber es ging auch darum „ähnliche Objekte bzw. Gebiete in Graz zu identifizieren“, um ein „Maßnahmenpaket“ zu erarbeiten, „welches in Zukunft eine Grundlage darstellt, um künftig (…) rechtzeitig Lösungen zu forcieren, die Bezug auf den industriellen Charakter des Entwicklungsgebietes und dessen Bestand nehmen.“ 2014: Zustimmung aller Parteien für besseren Schutz des industriellen Erbes in Graz Alle Parteien, stimmten dem Antrag zu. Der damalige ÖVP-Gemeinderat Klaus Frölich von der Regierungspartei verwies darauf, dass es da nicht „nichts gäbe“ sondern das Institut für Baukunst, Denkmalpflege und Kunstgeschichte der TU Wien, das an der Inventarisierung der technischen industriellen Baudenkmäler Österreichs arbeite. Der Antragsteller Philip Pacanda (Piratenpartei; nicht mehr im Gemeinderat vertreten), unterstrich dennoch die Dringlichkeit mit dem Kommentar „es ist wichtig, dass man da frühzeitig einfach eingreife, bevor irgendwas passiert, und wir dann nachher dasitzen und sagen, jetzt ist es abgerissen, hätten wir vorher was gemacht.“ 2023: … trotzdem kein besserer Schutz in Sicht Wie stellt sich die Situation jetzt im Jahr 2023 dar? Es ist etwas passiert, aber leider nicht im Sinne des Antrags: Die Rösselmühle ist Anfang April abgebrannt; Abbrucharbeiten wurden vorgestern begonnen. Auch die letzten Bestände des Kleingewerbes um den Dietrichsteinplatz wurden trotz Widerspruchs der Altstadtkommission 2020/21 abgerissen (Pawlatschenhaus mit Schlosserei; Schörgelgasse 6 / Kopernikusgasse 4). Und auch das bedeutende Industriedenkmal „ehemalige Lederstampfe und Fahrradfabrik von Johann Puch“ (Karlauer Straße 46) wird bald Geschichte sein, eine Abbruchbewilligung liegt bereits vor. Initiative Denkmalschutz: Neue Grazer Stadtregierung ist endlich gefordert zu Handeln Mittlerweile gibt es eine neue Stadtregierung (KPÖ/Grüne/SPÖ). Wird sie sich an den einstimmig angenommenen Gemeinderatsantrag erinnern? Wird sie die Expertise der Altstadtkommission ernster nehmen? Wird sie dafür sorgen, weitere Objekte zu identifizieren und Lösungen zu forcieren, die Bezug auf den Bestand nehmen? Die Initiative Denkmalschutz fordert, nicht nur den Geist des Antrages zu beklatschen, sondern endlich auch Taten zu setzen und hofft, dass spätestens mit dem (teilweisen?) Verlust der Rösselmühle ein Weckruf durch die Stadtregierung geht, und man sich aktiv der Intention des Antrags annimmt. Interessant ist auch, dass der damalige ÖVP-Gemeinderat Frölich auf ein Institut an der TU Wien verwiesen hat. Die offizielle Beantwortung des Antrags durch das Stadtplanungsamt hat wiederum ergeben, dass die Stadtplanung nicht die nötigen Ressourcen habe, „die Anregung wird daher gern an die in Frage kommenden Universitäten und Fachhochschulen weitergegeben.“ An der TU Graz hätte es damals noch ein „Institut für Stadt- und Baugeschichte“ gegeben; es wurde mittlerweile in „Institut für Entwerfen im Bestand und Denkmalpflege“ umbenannt (2019). Zeigen die aktuellen Vorfälle nicht, wie wichtig es anhand des aktuellen Baugeschehens wäre, dass man sich auch in Graz für die Politik wahrnehmbar wissenschaftlich mit dem Bestand beschäftigt? Wird hier die aktuelle Struktur der Anforderung gerecht? Rückfragehinweis: Markus Landerer und DI Dr. Alexander Schmiderer Initiative Denkmalschutz – Verein für den Schutz bedrohter Kulturgüter mobil: 0699 / 1024 4216 und 0664 / 750 545 42 www.initiative-denkmalschutz.at Fuchsthallergasse 11/5, 1090 Wien Quellen / Infos: Die Rösselmühle auf Baugeschichte.at (Grazwiki) https://www.grazwiki.at/Oeverseegasse_1 Gemeinderatssitzung 12. Juni 2014: https://www.graz.at/cms/beitrag/10234760/7791056/Aus_dem_Gemeinderat_III.html Gemeinderatsantrag: https://www.graz.at/cms/dokumente/10234760_7791056/4afc5e0b/09%20Baudenkm%C3%A4ler_dringlich_GMR_Pacanda_R%C3%B6sselm%C3%BChle.pdf Antwort zum Antrag (momentan offline): https://open-gemeinderat.at/files/answers/0469_pacanda_da.docx Gemeinderatsprotokoll 12.6.2014 im Wortlaut: https://data.graz.gv.at/katalog/verwaltung%20und%20politik/Gemeinderatsprotokolle/2014_06_12.txt Vor Abriss Ehemalige Lederstampfe und Fahrradfabrik von Johann Puch auf Baugeschichte.at (Grazwiki) https://www.grazwiki.at/Karlauer_Stra%C3%9Fe_46 Abrisse Pawlatschenhaus mit Schlosserei auf Baugeschichte.at (Grazwiki) (Schörgelgasse 6 /Kopernikusgasse 4) https://www.grazwiki.at/Sch%C3%B6rgelgasse_6 https://www.grazwiki.at/Kopernikusgasse_4