Stadt des Kindes

Denkmalamt muss jetzt rasch handeln – Verein ‘Initiative Denkmalschutz’ schließt sich der Petition zur Erhaltung der Anlage an.

Die “Stadt des Kindes” in der Mühlbergstraße 7, das sozialpädagogische Vorzeigeprojekt des roten Wiens der siebziger Jahre, ist akut vom Abriss bedroht. Der Eigentümer ARWAG, ein der Stadt Wien nahe stehender Bauträger, will nun überraschend – entgegen der ursprünglichen Ankündigungen – einen Großteil der Anlage abreissen. Da der Architekt der “Stadt des Kindes”, Anton Schweighofer, in den Planungsprozess zunächst eingebunden werden konnte, hat das Denkmalamt die Anlage, die ein bedeutendes Denkmal seiner Epoche darstellt, nicht unter Denkmalschutz gestellt, sich aber für eine Beobachterrolle ausgesprochen. Morgen, Mittwoch, soll im Wiener Gemeinderat ein Vertrag mit der ARWAG beschlossen werden, der den Großteil der Gebäude zum Abbruch frei gibt.

Bundesdenkmalamt muss jetzt rasch Anlage rechtskräftig unter Denkmalschutz stellen

Nachdem die Beobachterrolle des Bundesdenkmalamtes offenbar keinen Erfolg gezeitigt hat und ein Abbruch kurz bevor zu stehen scheint, ist es nun rasch an der Zeit dieses Denkmal rechtskräftig unter Denkmalschutz zu stellen (bei Bedarf mittels Mandatsverfahren § 57 AVG, “Gefahr im Verzug”). Jetzt hätte das Denkmalamt die Gelegenheit, den abschlägigen Unterschutzstellungsbescheid zu korrigieren, den auch die Volksanwaltschaft 2002 kritisierte (mangelhafter Feststellungsbescheid). Damals hat das Bundesdenkmalamt die Folgen der als unumgänglich angenommenen Veränderungen vorweggenommen. Das Denkmalschutzgesetzt zielt aber ausdrücklich auf den statischen oder sonstigen substantiellen Zustand des Denkmals im Zeitpunkt der Unterschutzstellung ab. Aus dem gesamten Akt des Bundesdenkmalamtes, der der Volksanwaltschaft zur Verfügung stand, ergab sich kein wie immer gearteter Hinweis darauf, dass “eine Instandsetzung entweder überhaupt nicht mehr möglich ist oder mit so großen Veränderungen in der Substanz verbunden wäre, dass dem Denkmal nach seiner Instandsetzung Dokumentationswert und damit Bedeutung als Denkmal nicht mehr im ausreichenden Maße zugesprochen werden könnte” (§ 1 Abs. 10 Denkmalschutzgesetz).

Vgl. Jahresbericht der Volksanwaltschaft an den Nationalrat (26. Bericht, 2002), Punkt 5.2.11 auf http://www.volksanw.gv.at, (VA 66-WF/02, BMBWK 37.14/8-IV/3/2002)

Petition zur Erhaltung „Stadt des Kindes“: http://www.ipetitions.com/petition/stadt_des_kindes

Initiative zur Rettung der “Stadt des Kindes” ausgehend von DOCOMOMO Österreich
Weiterer Unterstützer ist die Österreichische Gesellschaft für Architektur http://www.oegfa.at

Foto: Stadt des Kindes, Mühlbergstraße 7, Wien, Penzing, Hietzing, Architekt Anton Schweighofer vor dem Übersichtsplan der Anlage.
Fotograf: Viktor Zdrachal, Initiative Denkmalschutz, Juni 2008

Rückfragehinweis:

Markus Landerer
Mobil-Tel.: 0699 / 1024 4216
Verein ‘Initiative Denkmalschutz’
Streichergasse 5/12
1030 Wien
ZVR-Nr.: 049832110

Frühhistoristisches Zinshaus am Donaukanal vor Abbruch

Wieder haben Abbrucharbeiten an einem bedeutenden Kulturgut begonnen. Das 1868 erbaute Zinshaus in der Oberen Donaustraße 61 mit reich gegliederter frühhistoristischer Fassade, Runderker, Pilastergliederung und Vierpfeilerstiege stammt noch aus der Epoche vor der Hochgründerzeit und ist ein bedeutendes und immer rarer werdendes Beispiel eines gut erhaltenen Baudenkmals aus dieser Epoche in Wien (11 Jahre zuvor wurde das Nachbarhaus aus 1863 abgerissen). Wenige Häuser entfernt endet die Schutzzone im 2. Bezirk. Das Haus befindet sich direkt neben der U2-Station Schottenring am Donaukanal und liegt schräg hinter dem Schützenhaus von Otto Wagner und somit an sehr prominenter und einsichtiger Stelle. Das Denkmalamt hat das Gebäude bis dato nicht unter Denkmalschutz gestellt, doch bleibt zu hoffen, dass es noch aktiv wird und den Abbruch stoppt.
Initiative Denkmalschutz verlangt großzügige Ausdehnung der Schutzzonen
Es zeigt sich immer öfter und deutlicher, dass die derzeitigen Schutzzonen Wiens viel zu klein bemessen und große Bereiche Wiens mit reichem Denkmalbestand aus der Gründerzeit, und damit Stadtbild prägend, davon ausgenommen sind. Die Stadt Wien muss sich ihrer eigenen Verantwortung für das Stadtbild stärker bewusst werden. Die Initiative Denkmalschutz verlangt daher eine großzügige Ausdehnung der Schutzzonen, wie sie bereits seit langem angedacht ist, aber bisher kaum umgesetzt wurde. So wurde bereits 1996 dieses Gebiet mit hoher Wahrscheinlichkeit als schutzzonenwürdig befunden (vgl. “Schutzzonenmodell Wien” (Schutzzonenplan) auf www.wien.gv.at), jedoch nicht als solche ausgewiesen. Wie viele Baudenkmäler müssen noch abgerissen werden, bis die Politik endlich handelt?
Genau das gleiche Problem gibt es aktuell beim Haus Boltzmanngasse 21 (Alserbachstraße 12) im 9. Bezirk. Auch dieser Gründerzeitbau soll abgerissen werden, auch dieses Gebiet ist schon lange als mit hoher Wahrscheinlichkeit schutzzonenwürdig ausgewiesen. Hier hat die Bezirkspolitik noch einen letzten Rettungsversuch gestartet und – hoffentlich nicht zu spät – eine Schutzzone vorgesehen.
Fotos: Obere Augartenstraße 61 (Herminengasse 2), Wien-Leopoldstadt (2. Bezirk)
Fotograf: Markus Landerer, Initiative Denkmalschutz, 13. Dezember 2006 und 11. August 2008
Literatur: Dehio-Handbuch, Wien, II.-IX. und XX. Bezirk (Die Kunstdenkmäler Österreichs; Hrsg. Bundesdenkmalamt), S. 33, Wien, 1993
Rückfragehinweis:
Claus Süss
Mobil-Tel.: 0676/ 740 43 27 (oder 0699 / 1024 4216)
Verein ‘Initiative Denkmalschutz’
Streichergasse 5/12
1030 Wien
ZVR-Nr.: 049832110

Abriss der “Jaray-Villa”

Der aktuelle Abriss der “Jaray-Villa” in der Grinzinger Straße 39 (Bretschneidergasse 2) ist ein weiteres Beispiel für das Versagen der Altstadterhaltung in Wien. Wie zuletzt im Dezember 2007 im Falle der Villa in der Langackergasse 15 wurde nun wieder ein bedeutendes Bauwerk in Grinzing abgerissen. Wie so oft in den letzten Jahren stellt sich auch diesmal wieder die Frage nach der Nachhaltigkeit der derzeitigen Bemühungen der Stadt Wien zur Erhaltung ihres baukulturellen Erbes.

Neben dem Problem des zum Teil ungenügenden Schutzes innerhalb der Schutzzonen, ist der aktuelle Abriss ein Beispiel für Objekte außerhalb von Schutzzonen, die zwar erhaltenswert, aber gänzlich ungeschützt sind (seit der Liberalisierung der Wiener Bauordnung 1996 ist nicht einmal mehr eine Abrissbewilligung nötig, sodass Abrisse jederzeit erfolgen können). Das Denkmalamt kann nur Objekte der 1. Kategorie unter Denkmalschutz stellen, sodass Objekte, der 2. Kategorie, die zumeist für das lokale Ortsbild von Bedeutung und somit prägend für den Ortsbildcharakter sind, durch den sprichwörtlichen Rost fallen.

Ohne die Frage klären zu wollen, ob die von Architekt Karl Jaray geplante und im Jahr 1929 erbaute Villa mit charakteristischem und höchst eigenwilligem kurvenlinearen, hochgezogenen Dach 1. oder 2. Kategorie der Schutzwürdigkeit aufweist, so muss sich die Stadt Wien doch ihrer eigenen Verantwortung stärker bewusst werden. Die Voraussetzungen sind dafür bestens gegeben, da mit viel Akribie eine ausführliche Kulturgüterdatenbank erstellt wurde, in der auch diese Villa verzeichnet ist (siehe: www.kulturgut.wien.at)

Die Initiative Denkmalschutz fordert daher eine großzügige Ausdehnung der Schutzzonen, wie sie bereits seit langem angedacht ist, aber bisher kaum umgesetzt wurde, wobei in Grinzing die Schutzzone 2005 sogar verkleinert (!) wurde.

Foto: Jaray-Villa, Grinzinger Straße 39 (Ecke Bretschneidergasse 2), Wien-Döbling, Ortsteil Grinzing
Fotograf: Markus Landerer, Initiative Denkmalschutz, 28. Juli 2008

Literatur/Quellen/Links:
Proteste der Bewohner von Grinzing gegen den Abbruch des Hauses Bretschneidergasse (Komitee Weltkulturerbe für Grinzing)
– Wiener Kulturgüterkataster, siehe www.kulturgut.wien.at
– Architektenlexikon Wien 1880-1945 des AZW, siehe www.architektenlexikon.at, Eintrag Karl Jaray
– Dehio Wien, X. bis XIX. und XXI. bis XXIII. Bezirk (Dehio-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs), 1996, Hrsg. Bundesdenkmalamt, Seite 566

Rückfragehinweis:

Markus Landerer
Mobil-Tel.: 0699 / 1024 4216
Verein ‘Initiative Denkmalschutz’
Streichergasse 5/12
1030 Wien
ZVR-Nr.: 049832110

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Komet Hochhaus: Weltkulturerbe Schloss Schönbrunn droht Beeinträchtigung

Komet-Projekt nicht mit der UNESCO abgestimmt – Weltkulturerbe Schloss Schönbrunn droht beeinträchtigung.

Der Verein “Initiative Denkmalschutz” begrüßt die Absetzung des Komet-Projekts von der Tagesordnung des morgen stattfindenden Planungsausschusses,da wichtige Fragen in Bezug auf das UNESCO-Weltkulturerbegebiet Schloss und Park Schönbrunn bis heute nicht geklärt sind. Das Hochhausprojekt, das eine Beeinträchtigung des UNESCO-Weltkulturerbegebietes Schönbrunn erwarten lässt (Zitat Erläuterungsbericht zum Flächenwidmungsplan: “Wiedererkennungsfaktor auch aus größerer Distanz”), wurde in dieser Form nicht mit dem “Internationalen Rat für Denkmalpflege” (ICOMOS), dem Beratungsgremium der UNESCO in Weltkulturerbefragen, abgestimmt. Die Behauptung im Erläuterungsbericht auf Seite 8, dass das Projekt in der vorliegenden Form (bis zu 73 Meter Höhe) durch ICOMOS akzeptiert wurde, entspricht nämlich nicht den Tatsachen, wie die Recherchen des Vereins mittlerweile ergaben. “Initiative Denkmalschutz” erwartet daher eine Abstimmung des Projekts mit ICOMOS und in der Folge eine deutlich niedrigere Höhenwidmung.

Die Proponenten des Vereins haben bereits im Februar in ihrer Stellungnahme zum Flächenwidmungs- und Bebauungsplan darauf hingewiesen, dass die vorgesehene Gebäudehöhe (102 Meter über Wiener Null, das entspricht 73 Meter über Straßenniveau) eine Sichtbarkeit von Schloss und Park Schönbrunn erwarten lässt und es nicht bekannt sei, ob das Projekt in der vorliegenden Form durch ICOMOS akzeptiert wurde.

Foto: Komet-Haus, Schönbrunner Schloßstraße 2 (links), Schönbrunner Straße 230 (rechts), 1120 Wien, Foto: Markus Landerer, Initiative Denkmalschutz, Juni 2008

Rückfragehinweis:

Claus Süss
Mobil-Tel.: 0676 / 740 43 27
Verein ‘Initiative Denkmalschutz’
Streichergasse 5/12
1030 Wien
ZVR-Nr.: 049832110

 

 

 

 

Augarten-Gitter

Augarten-Initiativen: Konzerthalle widerspricht Denkmalschutzgesetz

Rechtskonforme Bewilligung für Sängerknaben scheint unmöglich.

Nach großen Protesten wurde das Konzerthallen-Projekt im Augarten abgeändert. An der denkmalschutzrechtlichen Situation hat sich dadurch allerdings nichts geändert. Nach wie vor ist das geschützte Objekt der gesamte und ungeteilte Augarten. Jeder – auch noch so reduzierte – Bau stellt daher eine Veränderung nach § 5 DMSG dar, die zwingend die Vornahme einer Interessenabwägung durch das Bundesdenkmalamt erfordert.

Stellungnahme Flächenwidmung “Komet-Hochhaus” (Weltkulturerbe)

An die
Magistratsabteilung 21 B
Rathausstraße 14-16
1082 Wien

Wien, 21. Februar 2008

B e t r i f f t:     Stellungnahme zum Entwurf
Flächenwidmungs- und Bebauungsplan Nr. 7803

Markus Landerer, Claus Süss und Egtes Raunacher
geben folgende Stellungnahme ab:

Wie aus dem Erläuterungsbericht (Seite 10) richtigerweise hervorgeht, wird für das so genannte Projekt „Komet-Hochhaus“ in seinem künftigen Erscheinungsbild ein „Wiedererkennungsfaktor auch aus größerer Distanz“ (!) gegeben sein. Somit lässt die vorgesehene Gebäudehöhe von bis zu 73 Meter über Straßenniveau eine Sichtbarkeit von Schloss und Park Schönbrunn erwarten und wird zu einer beträchtlichen Störung des Stadtbildes beitragen – insbesondere in Bezug auf das Weltkulturerbegebiet. Es ist auch nicht bekannt, dass das Projekt in der vorliegenden Form (bis zu 73 Meter Höhe) durch ICOMOS akzeptiert wurde, wie im Erläuterungsbericht (Seite 8) behauptet wird. Es wird vorgeschlagen, den Entwurf in Bezug auf die Höhenwidmungen deutlich zu reduzieren.

Mit freundlichen Grüßen

Markus Landerer
Kundmanngasse 33/7
1030 Wien

Claus Süss
Lichtensterngasse 3-21/24/9
1120 Wien

Egtes Raunacher
Seilerstätte 5/16
1010 Wien