St. Pölten (NÖ): Kinderhort Grillparzerstraße wird abgerissen

Der Kinderhort der Stadt St. Pölten wird dieser Tage abgerissen. Das Gründerzeitgebäude in der Grillparzerstraße 17 wurde 1897 als evangelisches Waisenhaus erbaut und soll einem Neubau weichen. Der späthistoristische, 3geschoßige Bau ist Torso einer ursprünglich mehrtraktig geplanten Anlage. Der Architekt des ursprünglichen Waisenhauses, Otto Thienemann, (*1827, +1905) zählt zu den großen Architekten der Ringstraßenära. Eines seiner Hauptwerke ist das 1872 errichtete Gebäude des Österreichischen Ingenieur- und Architektenvereines in der Eschenbachgasse in der Wiener Innenstadt, auch sehr bekannt ist der “Grabenhof” am Wiener Graben. In der Grillparzerstraße 17 (Kranzbichlerstraße 16) in St. Pölten ist jetzt ein Neubau der Musikschule mit Akademie und des Hortes der Landeshauptstadt St. Pölten geplant. NÖN-ARTIKEL WEITERLESEN: https://www.noen.at/st-poelten/abriss-und-neubau-platz-fuer-musiker-und-schueler-in-st-poelten-st-poelten-grillparzerstrasse-musikschule-st-poelten-print-237006700 (10.12.2020, “Abriss und Neubau: Platz für Musiker und Schüler in St. Pölten”, Niederösterreichische Nachrichten) +++ Weitere Medienberichte: KURIER: https://kurier.at/chronik/niederoesterreich/sankt-poelten/st-poelten-neues-gebaeude-fuer-kinderbetreuung-und-musikschule/401118585 (4.12.2020, “St. Pölten: Neues Gebäude für Kinderbetreuung und Musikschule”); MeinBezirk: https://www.meinbezirk.at/st-poelten/c-lokales/akademie-entsteht-in-der-grillparzerstrasse_a4372478 (30.11.2020, “St. Pölten: Akademie entsteht in der Grillparzerstraße”).

Grillparzerstraße 17, St. Pölten, Luftaufnahme

Der gründerzeitliche Gebäudetorso in der Grillparzerstraße 17 (T-förmige Bau) in Verlängerung der Maria-Theresia-Straße liegt inmitten einer weitläufigen Grünfläche, (c) Google Maps 2020

Literatur

Dehio-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Topographisches Denkmälerinventar, Herausgegeben vom Bundesdenkmalamt, Band: Niederösterreich südlich der Donau, Teil 2: M bis Z, Horn – Wien 2003, Seite 2010 (vgl. https://bda.gv.at/publikationen/details/dehio-niederoesterreich-suedlich-der-donau-in-zwei-teilen-die-kunstdenkmaeler-oesterreichs).

Architekt

Otto Thienemann (1827-1905) im Architektenlexikon Wien (1770-1945): http://www.architektenlexikon.at/de/1307.htm

PS: Zur Situation “Abrisse und drohende Abrisse” in St. Pölten siehe auch Presseaussendung der Initiative Denkmalschutz (4. Oktober 2019): St. Pölten (NÖ): Abriss Arbeiterwohnhaus – schwerer Verlust für Stadtbild: https://www.initiative-denkmalschutz.at/presseaussendungen/st-poelten-noe-abriss-arbeiterwohnhaus-schwerer-verlust-fuer-stadtbild

Bregenz (Vbg.): Ehem. Hotel Falken wird abgerissen

Ein Stück “altes Bregenz” muss weichen. Das ehemalige Hotel ‘Falken’ in der Quellenstraße 49 wird derzeit abgerissen. Der Eigentümer hat letztes Jahr um eine Abrissbewilligung angesucht. Da das späthistoristische Gebäude (mit Eckerker, Rundturm mit Zwiebelhelm, Achteckturm mit Fachwerk) nicht unter Denkmalschutz stand, hat die Stadt Bregenz den Abriss bewilligt. Vermutlich ebenso abgerissen wird das Badehaus gleich daneben am Grundstück (Quellenstraße 47). Die Stadt Bregenz selbst hatte dem Gebäude offensichtlich keinen Schutzstatus verhängt. Ein neues Wohn-und Geschäftsgebäude soll entstehen. Im ehemaligen Hotel Falken war in den 1990er-Jahren das Ballhaus einquartiert. Ein Kultlokal, das viele Partygäste aus dem Dreiländereck Schweiz-Deutschland-Österreich anlockte. Zuletzt war darin ein Poker-Casino untergebracht. Das alte Gebäude soll bereits gröbere Schäden aufgewiesen haben, meinte der Architekt und Immobilienentwickler Anton Fink: “Es wird jetzt erst einmal abgerissen, weil es teilweise einsturzgefährdet war”. Anfang 2022 soll mit dem Neubau begonnen werden. VORARLBERG-ONLINE-ARTIKEL WEITERLESEN: https://www.vol.at/adieu-ballhaus-ehemaliges-hotel-falken-in-bregenz-wird-abgerissen/6880751 (29./30.1.2021, “Adieu Ballhaus: Ehemaliges ‘Hotel Falken’ in Bregenz wird abgerissen”) +++ WEITERER VOL-ARTIKEL: https://www.vol.at/ballhaus-wird-abgerissen-das-sind-die-neuen-plaene-fuer-das-grundstueck/6882589 (1.2.2021, “Ballhaus wird abgerissen: Das sind die neuen Pläne für das Grundstück”)

Quellenstraße 49, Bregenz

Ehem. Gasthaus, Hotel ‘Falken’ in der Quellenstraße 49, Stadt Bregenz, Foto: März 2008, (c) böhringer friedrich, CC BY-SA 2.5, Wikipedia

Baubeschreibung (Dehio-Handbuch, S. 108): “Quellenstraße Nr. 49: Gasthaus. Späthistoristisch. Reich gegliederte Baugestalt (Fassade und Dachformen) mit Eckerker, Rundturm mit Zwiebelhelm und zurückgesetztem Achteckturm mit Fachwerk, erhöhtes Hauptgeschoß mit Rundbogenfenstern, Maskendekor. Rückwärtig Badhaus mit Fachwerkobergeschoß.”

Video vom Abriss (1 MIN): https://www.youtube.com/watch?v=1CYOVvkQ4PM (VOL.AT: “Adieu ‘Ballhaus’ Bregenz: Ehemaliges ‘Hotel Falken’ wird abgerissen”)

Das Hotel ‘Falken’ auf Google Maps

Literatur:

Dehio-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Band: Vorarlberg, Topographisches Denkmälerinventar, herausgegeben vom Bundesdenkmalamt, Wien 1983, Seite 108

Badehaus des Hotel Falken, Bregenz

Das Badehaus des Hotel Falken wird wohl auch gerade abgerissen (Quellenstraße 47), Bregenz, Foto: Juli 2020, (c)
Asurnipal, CC BY-SA 4.0, Wikipedia

Fotos Hotel Falken und Badehaus (auf Wikimedia Commons in hoher Auflösung)

Mozarteum Salzburg: Teilabriss trotz Denkmalschutz begonnen

Mit dem Abriss des Verbindungstraktes der beiden Mozarteums-Gebäude an der Schwarzstraße 24-26  wurde am Montag, 8. März 2021 begonnen. Dieser Mitteltrakt wird einem großen Glasfoyer weichen, das alte Pausenfoyer im Verbindungstrakt war seit langem zu klein geworden. Entstanden ist das denkmalgeschützte Gebäudeensemble aus der Verbindung der 1910-11 um- bzw. ausgebauten ehemaligen Villa Lasser mit dem 1912 bis 1914 realisierten Jugendstilneubau des Münchner Architekten Richard Berndl. Vorausgegangen ist dem Abriss ein Streit um den Denkmalschutz (noch dazu innerhalb des UNESCO-Weltkulturerbes “Das historische Zentrum der Stadt Salzburg”). Eine Bürgerinitiative hatte sich gegründet und sich für den Erhalt des in den frühen 1910er-Jahren erbauten Verbindungstraktes eingesetzt. Die Hintergründe, wie ein solcher Abriss trotz Denkmalschutz bewilligt werden konnte, entwickelte sich jedoch zu einem veritablen Skandal hinter den Kulissen (siehe: Der eklatante Sündenfall – Actio und Reactio”). Innerhalb von zwei Wochen soll der alte Mitteltrakt vollständig abgebrochen sein, im Herbst 2021 ist mit dem Beginn des Glasfoyer-Neubaues zu rechnen. Die Pläne stammen vom Salzburger Architektenbüro Maria Flöckner und Hermann Schnöll, die 2018 den Wettbewerb gewannen. Die Fertigstellung ist für Sommer 2022 geplant. Danach soll der Große Konzertsaal umfassend saniert werden. ORF-FERNSEHBERICHT ZUM NACHSEHEN (3 MIN): https://tvthek.orf.at/profile/Salzburg-heute/70019/Salzburg-heute/14084562/Abrissarbeiten-Mozarteum/14876856 +++ ORF-BERICHT LESEN: https://salzburg.orf.at/stories/3093941 (9.3.2021, “Teilabriss des Mozarteums hat begonnen”). +++ Salzburg24-Bericht: Bagger rollen durchs Mozarteum: Neuer Trakt mit großem Foyer wird gebaut” (mit vielen ABRISSFOTOS): https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/bagger-rollen-in-salzburger-mozarteum-100840819 +++ Salzburger Nachrichten: “Ins Mozarteum wird ein Durchblick gerissen” (10.3.2021; mit vielen ABRISSFOTOS): https://www.sn.at/salzburg/kultur/ins-mozarteum-wird-ein-durchblick-gerissen-100793179

Architektenwettbewerb, Mozarteum Salzburg, Siegerentwurf

Siegerentwurf des Architektenwettbewerbs Mozarteum Salzburg, Pressefoto

Bericht auf der Website des Bundesdenkmalamtes (27.8.2018): “Barrierefreie Erschließung des Mozarteums durch einen neuen Verbindungsbau” (mit Plänen und Fotos): https://bda.gv.at/aktuelles/artikel/2020/08/barrierefreie-erschliessung-des-mozarteums-durch-einen-neuen-verbindungsbau

“Erweiterung Mozarteum Salzburg” (gbd Holding ZT GmbH) mit Projektfotos Neubau Glasfoyer: https://gbd.group/de/referenzen/erweiterung-mozarteum-salzburg

 

Der historische Verbinungstrakt, der abgerissen werden soll (Hofseite), Foto: Dez. 2018, (c) Markus Landerer, Initiative Denkmalschutz

Ältere iD-Berichte:

25. September 2020:  “Mozarteum Salzburg: Trotz Denkmalschutz-Protest Umbaustart mit Teilabriss”: https://www.initiative-denkmalschutz.at/berichte/mozarteum-salzburg-trotz-denkmalschutz-protest-umbaustart-mit-teilabriss
24. Juli 2020: “Mozarteum Salzburg: Bürgerinitiative gegen Foyer-Neubau” (inklusive Kapitel: “Der eklatante Sündenfall – Actio und Reactio”): https://www.initiative-denkmalschutz.at/berichte/mozarteum-salzburg-buergerinitiative-gegen-foyer-neubau

Mozarteum Salzburg, Gartenseite

Der historische Verbindungstrakt (Gartenseite), der abgerissen werden soll, Foto: Markus Landerer, Initiative Denkmalschutz

Weitere Medienberichte:

9. März 2021, Salzburg24
Stiftung Mozarteum wird umgebaut: Bauarbeiten bis Sommer 2022: https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/stiftung-mozarteum-wird-umgebaut-93227701

9. März 2021, APA
Umbau von Salzburger Mozarteum voll angelaufen
k.at: : https://k.at/news/umbau-von-salzburger-mozarteum-voll-angelaufen/401212783
Vorarlberg Online: https://www.vol.at/umbau-von-salzburger-mozarteum-voll-angelaufen/6921361
Tiroler Tageszeitung: https://www.tt.com/artikel/17926411/umbau-von-salzburger-mozarteum-voll-angelaufen

8. März 2021, Krone
Umbauarbeiten: Das Mozarteum ist zurzeit eine Baustelle: https://www.krone.at/2360232

Literaturtipp:

Hannes P. Schneilinger, “Dem Salzburger Gesamtkunstwerk ‘Mozarteum’ droht Gefahr”, in der Zeitschrift: Denkma[i]l, Nachrichten der Initiative Denkmalschutz, Nr. 25, September 2019, Seite 24-27, siehe: https://www.initiative-denkmalschutz.at/zeitschrift

Achenseebahn (Tirol): Meistgefährdetes Europäisches Kulturdenkmal

Europa Nostra –die europäische Stimme der Zivilgesellschaft für den Schutz und die Förderung des Kultur und Naturerbes hat am 8. April 2021 die Liste der “7 Meistgefährdeten Kulturerbestätten in Europa 2021 bekannt gegeben. An erster Stelle steht die Achenseebahn in Tirol. (Pressemitteilung englisch)

TIPP: VIDEOKONFERENZ: Mittwoch, 21. April, 18:00 Uhr
Die Achenseebahn in Tirol, Industriedenkmal in Gefahr: Details und Anmeldung

Die Achenseebahn ist eine dampfbetriebene Zahnradbahn, die Jenbach mit dem Achensee in Tirol verbindet. Die schmalspurige Achenseebahn, die seit über 130 Jahren im Einsatz steht, ist ein authentisches Beispiel für die europäische Industriegeschichte; es besteht jedoch die Gefahr, dass sie verloren geht – da sie auch nicht unter nationalem Denkmalschutz steht. Andere ähnliche europäische Eisenbahnen, die dasselbe System verwendeten, wurden wegen nicht durchgeführter Modernisierung und Überalterung der Technologie geschlossen oder abgerissen. Die Achenseebahn ist die einzige öffentliche Eisenbahn der Welt, die seit ihrer Eröffnung im Jahr 1889 die gesamte Ausrüstung eines Eisenbahnsystems aus dem späten 19. Jahrhundert nutzt. Dessen Elemente sind kohlegefeuerte Dampflokomotiven, Personenwagen, ein Lokschuppen mit Schiebebühne, Werkstatt, Gleise, Bahndämme und Brücken. Die Konzessionsurkunde für die Errichtung der Eisenbahn wurde vom österreichischen Kaiser Franz Josef I. unterzeichnet. Im Frühjahr 2020 ging die Achenseebahn Aktiengesellschaft in Konkurs. Die meisten von der Tiroler Landesregierung versprochenen Subventionen wurden nie ausgezahlt. Diese einzigartige Infrastruktur kann aufgrund mangelnder Wartung schnell kaputt gehen und ihre ursprüngliche und stets ausgeübte Funktion nicht mehr erfüllen. Das Internationale Komitee zur Erhaltung des industriellen Erbes (TICCIH) und der Internationale Rat für Denkmäler und Stätten (ICOMOS) unterstützten die Kampagne zur Erhaltung der Achenseebahn, an der lokale Verbände und Freiwillige beteiligt sind.

Nationaler Denkmalschutz

Der internationale Alarm durch ICOMOS im Mai 2020 (Heritage Alert) sowie ein unterstützender Warnruf Internationale Komitee zur Erhaltung des industriellen Erbes (TICCIH) bewegte dann doch das Bundesdenkmalamt (BDA), ein nationales Unterschutzstellungverfahren anzudenken. Die beabsichtigte, nur teilweise, Unterschutzstellung als Ergebnis der Recherchen Ende August 2020, führte zu einer ausgedehnten Stellungnahme von ICOMOS Austria, mit der eine zweistellige Anzahl an juristischen, technischen und inhaltlichen schweren Mängeln für den beabsichtigten Teilunterschutzstellungbescheid festgestellt wurden. Dennoch exekutierte das Bundesdenkmalamt Ende Dezember 2020 diesen Bescheid ohne jede Berücksichtigung der vorgebrachten Mängel und der internationalen Expertisen. Besonders betroffen macht, dass offensichtlich nicht nur bei diesem Bescheid des BDA, als Behörde der Republik, die Judikatur der nationalen Gerichte vollkommen unberücksichtigt bleibt. ICOMOS Austria hat daher den Teilunterschutzstellungsbescheid fristgerecht beeinsprucht. Der Einspruch ist beim Bundesverwaltungsgericht (BVwG) anhängig.

Achenseebahn, Tirol

Ein Zug der Achenseebahn mit nur einem Wagen auf dem Zahnstangenabschnitt oberhalb von Jenbach. Foto: 1977, (c) trams aux fils, CC BY 2.0, Wikipedia

Weiterführende Infos/Links:

Europa Nostra Pressemitteilung (8. April 2021):Achensee-Dampf-Zahnradbahn, Tirol, gelistet unter den 7 Meistgefährdeten Kulturerbe-Stätten in Europa im Jahre 2021″: http://icomos.at/wp2021/wp-content/uploads/2021/04/PR-7ME-2021-List-AT-final_20210408-1.pdf

ICOMOS: Achenseebahn (Heritage Alert): ICOMOS Heritage Alert seit Mai 2020 und 7 Most Endangered Site von Europa Nostra seit April 2021: http://icomos.at/wp2021/evaluiert/heritage-alert/achensee-bahn-alert

TICCIH: Achenseebahn: Brief von TICCIH-Präsident Dr. Miles Oglethorpe im Original: http://www.ticcih.at/2020/05/24/achenseebahn-tirol

ICOMOS: Heritage Alert (Kulturerbe-Alarm) Achenseebahn (Mai 2020): http://icomos.at/wordpress/heritage-alert-achenseebahn

Medienberichte:

12. April 2021, UnserTirol
Die Achenseebahn – ein gefährdetes Kulturgut: https://www.unsertirol24.com/2021/04/12/die-achenseebahn-ein-gefaehrdetes-kulturgut

10. April 2021, Tiroler Tageszeitung
Sorge um Dampfzahnrad-Bahn bei Denkmalschutz-Verbund „Europa Nostra“ (Bezahlschranke): https://www.tt.com/artikel/18024100/sorge-um-dampfzahnrad-bahn-bei-denkmalschutz-verbund-europa-nostra

14. März 2021, ORF
Erhalt der Achenseebahn – Fass ohne Boden? https://tirol.orf.at/stories/3094716

4. März 2021, ORF
Achenseebahn soll 2022 wieder fahren: https://tirol.orf.at/stories/3093191

15. Dezember 2020, Salzburger Nachrichten
Neuer Denkmalschutzalarm um die Achenseebahn (Bezahlschranke): https://www.sn.at/panorama/oesterreich/neuer-denkmalschutzalarm-um-die-achenseebahn-97053142

19. Oktober 2020, ORF
Achenseebahn: Land zahlt laufende Kosten: https://tirol.orf.at/stories/3072047

6. Juli 2020, ORF
Betrieb der Achenseebahn bleibt ungewiss: https://tirol.orf.at/stories/3056602

24. Mai 2020, ORF
Achenseebahn soll UNESCO-Welterbe werden: https://tirol.orf.at/stories/3049949

17. April 2020, in-motion.me
Achenseebahn, ein Opfer politischer Zerstörungswut! https://in-motion.me/articles/2020-04-17_ACHENSEEBAHN,-ein-Opfer-politischer-Zerst%C3%B6rungswut

11. April 2020, ORF
Land Tirol will Achenseebahn retten: https://tirol.orf.at/stories/3043616

25. März 2020, ORF
Achenseebahn ist in Konkurs: https://tirol.orf.at/stories/3040816

10. März 2020, ORF
Achenseebahn: Insolvenz steht bevor: https://tirol.orf.at/stories/3038247

Rinnböckhaus (Wien): Geschichtsträchtiges Arbeiterwohnhaus abgerissen

Hinter der schlichten und recht unscheinbaren Fassade in der Simmeringer Hauptstraße 3 verbirgt sich eine besondere Rarität der frühen Arbeitergeschichte. Doch dieser Tage verschwindet dieser Häuserblock Rinnböckstraße 2, Litfaßstraße 2 und Simmeringer Hauptstraße 3 bedauerlicher Weise aus dem Wiener Stadtbild, er wird abgerissen. Der Häuserblock bildete den letzten erhaltenen Rest der so genannten Rinnböckhäuser, die in der Frühgründerzeit, von 1861 bis 1865 vom promintenten Deichgräbermeister und Abgeordneten zum Simmeringer Gemeinderat Josef Rinnböck (1816-1880) errichtet wurden. Die Leiterin des Bezirksmuseum Simmering, Petra Leban, hatte sich letztes Jahr noch für die Erhaltung der Gebäude eingesetzt, doch die Magistratsabteilung 19 (“Architektur und Stadtgestaltung”) konnte im Sinne der Bauordnung für Wien keine Schützwürdigkeit feststellen (diese bezieht sich bedauerlicher Weise jedoch ausschließlich auf das äußere Erscheinungsbild), sodass der Abbruch seitens der Baupolizei (MA 37) problemlos bewilligt wurde. Auch die Grünen Simmering setzten sich vergeblich für den Erhalt ein. „Das Haus ist ein wertvolles Zeugnis der Geschichte des Arbeiterbezirks Simmering und ein Meilenstein im sozialen Wohnbau, meinte dazu Andreas Fritsch, Bezirksrat und grüner Sprecher für Stadtplanung in Simmering. Auch das Bundesdenkmalamt prüfte eine Unterschutzstellung, konnte offenbar aber nach den strengeren Vorgaben (“höheren Qualitätskriterien”) im Denkmalschutzgesetz ebenso keine Schutzwürdigkeit feststellen. Somit fallen kulturhistorisch bedeutende Objekte von lokaler Bedeutung, die nicht durch ihre Außenerscheinung glänzen, aus jegliche Schutzbestimmungen.

Das Rinnböckhaus in der Simmeringer Hauptstraße 3 während des Abrisses, Foto: 9. Mai 2021, (c) privat

Josef Rinnböck (1816–1880) war mit seinem Unternehmen am Abriss der Wiener Stadtmauer beteiligt und baute aus diesen Abbruch-Ziegeln diesen frühen Arbeitergroßwohnhof. Im Hof des Rinnböckhauses befand sich der “Schreindorfer Saal”, ein Tanz- und Konzertsaal (Bild). Der Schreindorfer Saal wurde 1955 abgerissen. Das stadteinwärts gelegene, größere, dreigeschoßige Arbeiterwohnhaus in der Simmeringer Hauptstraße 1 musste 1974 dem Autobahnbau der Südosttangente weichen (Foto während Abriss).  Obwohl die Existenz der Arbeiterwohnhäuser einer privaten Initiative verdanken, markieren die Häuser gleichsam den Beginn des modernen sozialen Wohnbaus in Wien und waren zu ihrer Erbauungszeit die zweitgrößte Wohnhausanlage auf dem Gebiet der heutigen Stadt (nach dem Freihof auf der Wieden im 4. Bezirk). Jetzt erinnert nur noch die neogotische Grabkapelle auf dem Simmeringer Friedhof an Josef Rinnböck. Direkt am Fuß des Kirchhügels der Simmeringer Pfarrkirche steht dort das wohl prominenteste Monument dieses Friedhofs, die Rinnböck-Kapelle. Dieser neugotische Bau wurde 1869 von Josef Rinnböck  als Grablege für sich und seine Familie errichtet.

Simmeringer Hauptstraße 3, Wien

Letzter Rest der Rinnböckhäuser, Simmeringer Hauptstraße 3 (Ecke Litfaßstraße 2), Foto: Febr. 2017, (c) Erich J. Schimek / Initiative Denkmalschutz

Medienberichte:

23. November 2020, MeinBezirk
Zum Schutz historischer Gebäude: Bewohner sind für den Erhalt des Rinnböckhauses: https://www.meinbezirk.at/simmering/c-lokales/bewohner-sind-fuer-den-erhalt-des-rinnboeckhauses_a4338925

10. November 2020, MeinBezirk
Kulturgut bewahren: Das alte Rinnböck-Haus in Gefahr? https://www.meinbezirk.at/simmering/c-regionauten-community/das-alte-rinnboeck-haus-in-gefahr_a4341649

Weitere Infos:

Die Rinnböck-Kapelle und die Rinnböck-Häuser in Simmering: https://denkwuerdigkeiten.com/2020/07/20/die-rinnbock-kapelle-und-die-rinnbock-hauser-in-simmering

Rinnböckhäuser, Wien XI – Baudenkmäler in Österreich: https://baudenkmaeler.wordpress.com/2014/09/14/rinnbockhauser-wien-xi

Wien Museum: Zahnloser Denkmalschutz? Umbau stößt auf massive Kritik

Das denkmalgeschützte Wien Museum am Karlsplatz befindet sich aktuell in einem tiefgreifenden Um- und Ausbau. Als Historisches Museum der Stadt Wien wurde es 1954-1959 vom bekannten Architekten Oswald Haerdtl (*1899 +1959) erbaut. Der Bau gilt nicht als Haerdtls bestes Werk, hat aber als erster Museumsneubau der Zweiten Republik eine enorme kulturhistorische Bedeutung. Aktuell ist nur noch das Außengerippe des Hauses zu sehen. Beim Anblick dieser “Ruine” fragen sich viele Bürger nun: Wie kann es sein, dass ein (§ 2a) denkmalgeschütztes Gebäude so radikal umgebaut wird, dass von seiner ursprünglichen Gestalt kaum etwas bleibt? Dieser Frage ging der vergangene ORF “kulturMontag” nach. Mit Denkmalpflege hat das nicht mehr viel zu tun, meinen Kritiker, sowohl ästhetisch, als auch substanziell. Nott Caviezel, Professor für Denkmalpflege an der TU Wien, bringt es im ORF-Fernsehbeitrag ‘Kulturmontag’ auf den Punkt: “Wenn man mit Bedürfnissen an ein Gebäude herantritt, die das Gebäude nicht erträgt, die das Gebäude nicht schafft, dann müssen sie schon Abschreibungen machen am Denkmalschutz. Und ich glaube, dass diese Überforderung des Gebäudes schon am Anfang da stand. Und entweder schützt man ein Denkmal, oder man gibt es Preis.” Weitere Kritik kommt von Anna Wickenhauser, Präsidentin von Docomomo Austria, einem Verein, der sich für die Nachkriegsmoderne einsetzt, von Christian Kühn, Professor für Gebäudelehre an der TU Wien sowie von Friedmund Hueber, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Denkmal- und Ortsbildpflege und emeritierter Professor für Denkmalpflege. Ursprünglich hieß es in den Wettbewerbsunterlagen: “Eine Aufstockung sowie ein weiterer Anbau an das Bestandsgebäude werden aus Sicht des Bundesdenkmalamtes als nicht möglich erachtet.” Das Siegerprojekt war dann für Friedrich Dahm, Abteilungsleiter im Bundesdenkmalamt Wien “keine Aufstockung, sondern eine vertikale Erweiterung”, denn die Schwebekonstruktion würde den Originalbau in seinen Proportionen klar zutage treten lassen, ja, sogar akzenturieren. Dieses Umbauprojekt stammt von Winkler + Ruck Architekten und Ferdinand Certov. Roland Winkler, Architekt vom “Wien Museum Neu” erklärt den Umbau: Das Museum bekommt ein zusätzliches Geschoß, das scheinbar über dem Altbestand schwebt. Wolfgang Salcher, stv. Leiter des Bundesdenkmalamt Wien verteidigt den Umbau: Das Stiegenhaus wurde hinter einem Schutzgerüst eingehaust, und das Direktionszimmer vorübergehend ausgebaut. Es werden viele Teile wieder zurückkehren. Die alte Fassade wurde jedoch bereits in den 1980er-Jahren erneuert, nachdem die Original-Haerdtl-Platten der Witterung nicht standhielten. So rekonstruiert man nun die alte Fassade. Wegen seiner rosa Farbe sollen die Wiener einst ‘Himbeerpudding’ zum Museum gesagt haben, Jetzt soll jedoch die Fassade fast weiß werden. Wolfgang Salcher vom Denkmalamt erklärt dazu, man habe ein widerstandsfähigeres Material verwendet, das nahe am Original sei. Zur Vorgeschichte: 2013 fiel die Entscheidung, das Wien Museum (Karlsplatz 8) zu sanieren – und mit einem Neubau zu erweitern. Ein internationaler Architekturwettbewerb brachte 2015 das Siegerprojekt von Winkler + Ruck und Ferdinand Certov hervor. Der tiefgreifende Um- und Ausbau soll 2023 abgeschlossen sein.

ORF-FERNSEHBEITRAG ZUM NACHSEHEN (9 MIN): https://tvthek.orf.at/profile/kulturMontag/1303/kulturMontag/14096346/Zahnloser-Denkmalschutz-im-Wien-Museum/14943736 (21.6.2021, ORF ‘Kulturmontag’, “Zahnloser Denkmalschutz im Wien Museum”)

Wien Museum Karlsplatz, 2017

Das Wien Museum am Karlsplatz kurz vor dem Umbau, Foto: März 2017, (c) Gugerell, CC0, Wikipedia

Medienberichte:

21. Juni 2021, APA-OTS (Stadt Wien Presseaussendung)
Das neue Wien Museum wächst mit großen Schritten. Sichtbarer Baufortschritt am Karlsplatz; Sanierung und Ausbau im Kosten- und Zeitplan: https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20210621_OTS0028

21. Juni 2021, MeinBezirk
Großbaustelle am Karlsplatz: So schaut’s im Inneren des Wien Museums aus. Wien Museum am Karlsplatz: Die bz durfte sich ein Bild von der Großbaustelle des denkmalgeschützten Haerdtl-Baus machen. Im Dezember 2023 soll wiedereröffnet werden: https://www.meinbezirk.at/wieden/c-lokales/so-schauts-im-inneren-des-wien-museums-aus_a4717139

18. Juni 2021, ORF
Wien Museum: Baufortschritt im Plan. Das Wien Museum am Karlsplatz ist seit ziemlich genau einem Jahr eine Großbaustelle und wird dies auch noch eine Weile bleiben. Die gute Nachricht lautet: Die Arbeiten liegen im Zeit- und Kostenplan, wie Direktor Matti Bunzl am Freitagnachmittag versicherte: https://wien.orf.at/stories/3109049

18. Juni 2021, Kurier
Wien Museum: Vom Original bleibt nur die Stahlbetonkonstruktion. Das ehemalige Historische Museum der Stadt Wien ist denkmalgeschützt. Davon merkt man am Karlsplatz nichts: https://kurier.at/kultur/wien-museum-vom-original-bleibt-nur-die-stahlbetonkonstruktion/401417703

7. Februar 2021, Salzburger Nachrichten
Wien Museum: Wie ein Denkmal vorübergehend zur Ruine werden kann. Kaum ein Stein bleibt auf dem anderen, bis das Wien Museum Neu neue Konturen annimmt. Wie geht das in einem Bau unter Denkmalschutz? (Bezahlschranke): https://www.sn.at/kultur/allgemein/wien-museum-wie-ein-denkmal-voruebergehend-zur-ruine-werden-kann-99472630

1. Juli 2020, Vienna.at
Wien Museum am Karlsplatz wird ab Juli umgebaut. Trotz Corona-Komplikationen kann im Juli mit dem Umbau des Wien Museums am Karlsplatz begonnen werden. Die Neueröffnung ist im Herbst 2023 geplant: https://www.vienna.at/wien-museum-am-karlsplatz-wird-ab-juli-umgebaut/6663652

12. Juni 2020, Kurier
Ein neues Monument für Wien. Mit dem Umbau des Wien Museums bekommt der Karlsplatz ein architektonisches Makeover. Direktor Matti Bunzl erklärt, was der Neubau bringt, und wie die Fusion von Alt und Neu erreicht wird: https://kurier.at/cm/ubm/ein-neues-monument-fuer-wien/400938242

22. Oktober 2019, APA-OTS (Wien Museum)
Wien Museum Neu: Stadtarchäologie stößt auf Fundamente der alten Verkaufshallen am Karlsplatz. Die Stadtarchäologie gräbt auf dem Areal der künftigen Plaza des neuen Wien Museums. Nach Entfernung der Schotterlagen ist sie auf Fundamente der alten Verkaufshallen, die in den 20er Jahren dort gestanden hatten, gestoßen: Das Einkaufszentrum am Karlsplatz – Ein vergessenes Stück Stadtgeschichte! https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20191022_OTS0132

2. Februar 2016, Wiener Zeitung
“Keine Aufstockung, sondern eine vertikale Erschließung”. Im Wettbewerb um das “Wien Museum neu” siegte just ein Projekt, das eine Einschätzung des Bundesdenkmalamts missachtete – indem es eine Aufstockung plant. In der Behörde hat man mittlerweile aber umgedacht: https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/kultur/mehr-kultur/798867-Keine-Aufstockung-sondern-eine-vertikale-Erschliessung.html?em_no_split=1

Linktipps:

Ausführliche Presseinfo zum Umbau (Wien Museum): https://www.wienmuseumneu.at/fileadmin/user_upload/WienMuseumNeu_Presseinfo.pdf

Fotos der Baustelle von Erich J. Schimek / Initiative Denkmalschutz (Mai 2021): https://www.flickr.com/photos/id_ejs/sets/72157719338256373/with/51224892174

Klagenfurt (Ktn.): Denkmalamt stellt Alten Platz unter Ensembleschutz

Selten aber doch stellt das Bundesdenkmalamt ganze Häuserensembles unter Denkmalschutz. Nach zweijähriger Prüfung hat das Bundesdenkmalamt nun den Alten Platz in der Klagenfurter Innenstadt als Ensemble unter Denkmalschutz gestellt – noch nicht rechtskräftig. 35 Bürgerhäuser, zumeist aus dem 16. Jahrhundert, sollen geschützt werden, zwölf der Häuser sowie die Dreifaltigkeitssäule stehen bereits als Einzeldenkmal unter Schutz. Dies löst Missfallen unter einigen Hauseigentümer aus, wie z.B. Heinz Dolenc, der eine Wertminderung seiner Immobilie befürchtet. Nun besteht noch die Möglichkeit, gegen diese Unterschutzstellung Einspruch zu erheben. Paul Mahringer, Leiter der Abteilung für Inventarisation und Denkmalforschung im Bundesdenkmalamt, erklärt die besondere kulturhistorische Bedeutung des Platzensembles, es sei einer der schönsten und am besten erhaltenen historischen Stadtplätze in Kärnten.

ORF-FERNSEHBERICHT (2 MIN): https://tvthek.orf.at/profile/Kaernten-heute/70022/Kaernten-heute/14102631/Aufregung-wegen-Denkmalschutz/14982262 (19.8.2021, ORF “Kärnten Heute”, “Aufregung wegen Denkmalschutz”)

Medienbericht:

19. August 2021, ORF
Klagenfurts Alter Platz denkmalgeschützt. Der Alte Platz in der Klagenfurter Innenstadt wird unter Ensembleschutz gestellt. 35 Bürgerhäuser aus dem 16. Jahrhundert gelten als historisch wertvoll. Alle Eingriffe müssen daher künftig mit dem Bundesdenkmalamt abgestimmt werden, zum Missfallen der Hausbesitzer: https://kaernten.orf.at/stories/3117580

Linktipps:

Der Alte Platz in Klagenfurt auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Alter_Platz_(Klagenfurt_am_W%C3%B6rthersee)

Denkmalliste Wikipedia (mit den 13 Einzelobjekten am Alten Platz, die bereits unter Denkmalschutz stehen): https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_denkmalgesch%C3%BCtzten_Objekte_in_Klagenfurt_am_W%C3%B6rthersee-Klagenfurt

Älterer iD-Bericht:

18. August 2020, Klagenfurt (Ktn.): Alter Platz soll als Ensemble unter Denkmalschutz gestellt werden:
https://www.initiative-denkmalschutz.at/berichte/klagenfurt-ktn-alter-platz-soll-als-ensemble-unter-denkmalschutz-gestellt-werden

Graz (Stmk): Verfallene Ruckerlbergvillen als Spekulationsobjekte

Im ORF-Vorabendprogramm “Studio 2” (in der auch die Serie “Verlorenes Erbe” ausgestrahlt wird) waren am 21. Jänner 2022 die vom Abriss bedrohten Villen am Ruckerlberg Thema. Auf dem sehr beliebten Ruckerlberg im 9. Grazer Bezirk Waltendorf stehen viele stattliche Villen, die immer mehr der Spekulation zum Opfer fallen. Gefährdet scheint zum Beispiel die Villa in der Nibelungengasse 86 oder die Nernstgasse 2. Der Schutzverein Ruckerlberg setzt sich für deren Erhaltung ein. Karin Steffen, Obfrau des Schutzvereins erklärt im ORF-Interview: “Ein Politiker, der wirklich etwas ändern will, und wenigstens im Einzelfall einmal ein Exemple statuieren will, der braucht einfach Mut.” Im ORF-Fernsehbeitrag werden zwei Villen gezeigt, die bereits dem Untergang geweiht sind, denn es gibt schon ein konkretes Nachfolgeprojekt. Einige alte Villen sind schon verschwunden und sind geschichtslosen Neubauten gewichen, wie der Vorher-Nachher Vergleich zeigt. Auch die bekannte Kassecker-Villa  (Pistotnikgasse 13) musste 2018 einem neuen Bauprojekt weichen (Berichte des Schutzverein Ruckerlberg: Alt-Waltendorf droht ein weiterer herber Verlust (April 2015); Villa Kassecker ist zu haben! (2.1.2018); Die Villa Kassecker gibt es nicht mehr (Febr. 2018)). Oder auch die ehem. Kamschalvilla in der Hallerschloßstraße 35 mit seinem Christophorusfresko wurde im November 2016 abgerissen. Erfolgreich war der Schutzverein Ruckerlberg bei ihrem Einsatz für die Erhaltung der ehem. Tlaskal-Villa (Rudolfstraße 25), die ursprünglich vom Abbruch bedroht war (Bericht Schutzverein Ruckerlberg Okt. 2018: “Sanierung statt Abbruch”; Zum Abbruch freigegeben? (Febr. 2017)). Seitens der Stadt Graz wurde unlängst eine Schutzzone erlassen, sodass ein Teil des Ruckerlberges mittlerweile mehr oder weniger geschützt ist und der Abbruch untersagt werden kann, erklärt Bernhard Inninger, der Leiter des Grazer Stadtplanungsamtes gegenüber dem ORF. Doch es gibt weiterhin genug Schlupflöcher: Ein paar fehlende Dachziegel, eingeschlagene Fenster und dem Abbruch steht trotz Schutzzone kaum mehr etwas im Wege.

ORF-FERNSEHBEITRAG “Ruckerlbergvillen: Die Uhr tickt” (4 Min): https://tvthek.orf.at/profile/Studio-2/13890037/Studio-2/14121319/Ruckerlbergvillen-Die-Uhr-tickt/15084824 (ORF, “Studio 2”-Vorabendprogramm, 21. Jänner 2022).

Villa Kassecker, Graz-Waltendorf

Die abgerissene Villa Kassecker, Pistotnikgasse 13, Graz-Waltendorf, Foto: Soko Altstadt Graz

ORF-Beitrag, 23. Jänner 2022
Villenverfall am Grazer Ruckerlberg: Die Uhr tickt
Graz wächst von Tag zu Tag, Wohnraum ist knapp, die Immobilienpreise sind hoch wie nie zuvor – beste Voraussetzungen für Bauträger. Deshalb müssen alte Gebäude immer öfter weichen – so auch viele Villen am Grazer Ruckerlberg: https://steiermark.orf.at/stories/3139856

Der Schutzverein Ruckerlberg: http://www.ruckerlberg.at

Der Schutzverein Ruckerlberg auf Facebook: https://www.facebook.com/SchutzvereinRuckerlberg

 

Nernstgasse 2, Graz-Waltendorf

Verfallene Villa am Ruckerlberg, Nernstgasse 2, Graz-Waltendorf, Foto: 31. Juli 2020, (c) Markus Landerer, Initiative Denkmalschutz

Weitere Medienberichte:

10. Jänner 2022, Kleine Zeitung
Schutzverein verärgert: “Das war das letzte Original-Wahrzeichen des Ruckerlbergs”. Karin Steffen, Obfrau des Schutzvereins Ruckerlberg, ist bestürzt über die Zerstörung des Naherholungshügels vieler Grazer. Nächstes Sorgenkind: Das einstige Landhaus Jöbstl. (Bezahlschranke): https://www.kleinezeitung.at/steiermark/graz/6083233/Schutzverein-veraergert_Das-war-das-letzte-OriginalWahrzeichen-des

Freistadt (OÖ): Alte Versteigerungshalle aus 1951 vor Abriss, Denkmalamt prüft Unterschutzstellung

Die alte Versteigerungshalle („Am Stieranger 2“) soll einem neuen Hotelprojekt weichen. Zwar steht die im Jahr 1951 eröffnete Halle derzeit nicht unter Denkmalschutz, das Bundesdenkmalamt hat aber mittlerweile ein Prüfverfahren für das vom Architekt Hans Arndt (1904-1971) errichtete Gebäude eingeleitet. Der markante Hallenbau in der gewaltigen Dimension von 38 mal 26,2 Meter Grundfläche und mit einer Höhe von 18,3 Metern war für die damalige Zeit einzigartig in ganz Österreich. Tips-Artikel weiterlesen: https://www.tips.at/nachrichten/freistadt/land-leute/500622-hotelplaene-in-alter-versteigerungshalle-bundesdenkmalamt-schaltet-sich-ein. +++ Der Architekt Hans Arndt auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Arndt_(Architekt). +++ Weitere Medienberichte: „Alte Versteigerungshalle in Freistadt soll neuem Hotel weichen“ (26.2.2020, Tips): https://www.tips.at/nachrichten/freistadt/wirtschaft-politik/499972-alte-versteigerungshalle-in-freistadt-soll-neuem-hotel-weichen; „Hotelprojekt in Freistadt: Einigung auf alte Versteigerungshalle als Standort“ (26.2.2020, Oberösterreichische Nachrichten): https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/muehlviertel/hotelprojekt-in-freistadt-einigung-auf-alte-versteigerungshalle-als-standort;art69,3232051; „Alte Versteigerungshalle als Hotelstandort“ (25.2.2020, MeinBezirk): https://www.meinbezirk.at/freistadt/c-lokales/alte-versteigerungshalle-als-hotelstandort_a3948876.

Heumarkt: Nächste Runde im Wiener Welterbe-Streit

Heute, Mittwoch, 22. April hat die Republik Österreich als offizieller Vertragspartner der UNESCO ein neues Dokument übermittelt, in dem sie erklärt, das gefährdete Welterbe „Historisches Zentrum von Wien“ schützen und somit dessen Status als Weltkulturerbe aufrechterhalten zu wollen. Experten und Expertinnen zeigen sich allerdings skeptisch – und enttäuscht. So hat unser Verein Initiative Denkmalschutz gemeinsam mit 12 anderen NGOs und 36 ExponentInnen der Fachwelt in der “Heumarkt-Deklaration – Vom Turm zum Hochhausriegel!”  “den sofortigen Stopp des Projekts und eine deutliche Reduktion des Bauvolumens” gefordert. “Der von der Stadt Wien vorgeschlagene ‘Kompromiss’ ist kein Kompromiss! Er ist ein kaum verschleierter Versuch, die UNESCO, die Bundesregierung und die Öffentlichkeit in die Irre zu führen,” heißt es in der offiziellen OTS-Presseaussendung vom 18. März (siehe: https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20200318_OTS0094). ORF-Bericht weiterlesen: https://orf.at/stories/3162835. (APA/Standard: https://www.derstandard.de/story/2000117043866/heumarkt-oesterreich-uebermittelte-massnahmenplan-anunesco) +++ Erste politische Reaktion (ÖVP): Wölbitsch/Olischar: Heumarkt-Projekt muss welterbetauglich sein: https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20200422_OTS0155.

Im Zusammenhang mit dem Heumarkt-Projekt steht auch die Affäre um den Wiener Stadterweiterungsfonds: Gestrige ZIB 2: https://tvthek.orf.at/profile/ZIB-2/1211/ZIB-2/14049009/Affaere-um-den-Wiener-Stadterweiterungsfonds/14684284. Ein politisch hochbrisantes Verfahren, bei dem bereits seit sieben Jahren ermittelt wird, ist die Affäre um den Wiener Stadterweiterungsfonds. Ermittlungen gegen leitende Beamte des Innenministeriums haben sieben Jahre bis zur Anklageerhebung gedauert. ORF-Bericht lesen: https://orf.at/stories/3162864.
Der Stadterweiterungfonds hat das Areal des Wiener Eislaufvereins (am Heumarkt) damals viel zu billig verkauft! Vgl. auch unsere APA-OTS-Presseaussendung: “Die seltsamen Vorgänge um das Areal Wiener Eislaufverein – Hotel InterContinental begannen bereits 2008 mit einer ‘sinnlosen’ Bausperre”, siehe: https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20190924_OTS0034

PARLAMENTARISCHE BÜRGERINITIATIVE (“PETITION”) HEUMARKT-WELTERBE:
HIER ONLINE UNTERZEICHNEN (jede/r Österreichische Staatsbürger/in):
https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXVII/BI/BI_00020/index.shtml#tab-Uebersicht
Die parlamentarische Bürgerinitiative lautet im vollen Wortlaut: “Gefährdung des UNESCO-Weltkulturerbes ‘Historisches Zentrum von Wien’ durch das Heumarkt-Hochhausprojekt (Hote InterContinental – Wiener Eislaufverein)” – eingereicht von Initiative Stadtbildschutz (gemeinsam mit Initiative Denkmalschutz und Aktion 21 – pro Bürgerbeteiligung), hier gescanntes Originaldokument: https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXVII/BI/BI_00020/imfname_776096.pdf

Linktipp “Initiative Stadtbildschutz”, DIE Bürgerinitiative zum Thema Heumarkt und Welterbe: https://www.stadtbildschutz.at sowie auf Facebook: https://www.facebook.com/InitiativeStadtbildschutz.

Ältere Presseaussendungen – Initiative Denkmalschutz

9. Jänner 2020, APA-OTS
Initiative Denkmalschutz zu Heumarkt-Gefeilsche ums Weltkulturerbe: Ein unmoralisches Angebot der Stadt Wien an die UNESCO!
Neuer Vizekanzler und Kulturminister Werner Kogler ist jetzt verpflichtet Recht im Sinne des Regierungsprogrammes umzusetzen
https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20200109_OTS0013

24. September 2019, APA-OTS
Causa Chorherr und Heumarkt-Hochhaus Flächenwidmung: “Alle Spenden- und Geldflüsse seit 2008 sind zu untersuchen!”
Initiative Denkmalschutz: Die seltsamen Vorgänge um das Areal Wiener Eislaufverein – Hotel InterContinental begannen bereits 2008 mit einer “sinnlosen” Bausperre
https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20190924_OTS0034

7. Mai 2019, APA-OTS
Aviso PK Heumarkt: Kulturminister Blümel und Bundesregierung müssen(!) rechtliche Schritte zur Erhaltung des Welterbes einleiten!
Präsentation der neuen, vertiefenden Rechtsanalyse von Dr. Helmut Hofmann durch Initiative Denkmalschutz, Initiative Stadtbildschutz und Aktion 21 – pro Bürgerbeteiligung
https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20190507_OTS0017

26. März 2018, APA-OTS
UNESCO-Welterbe Wien: Ohne Reduktion des Heumarkt-Hochhausprojekts zielsicher zur Aberkennung. Initiative Denkmalschutz zeigt die Fakten
Die ÖVP-FPÖ Bundesregierung muss den Flächenwidmungsplan beeinspruchen und den Turm reduzieren. Aktuelle Aussagen des Kulturministers Blümel lassen jedoch anderes befürchten.
https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20180326_OTS0021

Alle älteren APA-OTS Presseaussendungen der Initiative Denkmalschutz zum Thema Heumarkt u.v.m.:
https://www.ots.at/pressemappe/6940/verein-initiative-denkmalschutz