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Dianabad (Wien): Abriss des legendären Bades 1965

Vier Dianabäder gab es in der Oberen Donaustraße 93-95 am Donaukanal im 2. Bezirk. Legendär war das imposante zweite Bad, das 1913–1917 nach den Plänen des Architekten Peter Paul Brang erbaut wurde. In der Vorabend-Sendung “Studio 2” (14.9.2020): ORF-FERNSEHBEITRAG ZUM NACHSEHEN (6 min: https://tvthek.orf.at/profile/Studio-2/13890037/Studio-2/14064632/Wiens-Dianabad-wird-geschlossen/14761147. Es war eine luxuriöse fünfstöckige Anlage und besaß zwei Schwimmhallen, Dampf- und Wannenbäder, Sonnenbäder und ein Hotel, das den ganzen Straßentrakt an der Oberen Donaustraße einnahm. Mosaike wurden 1914 von Leopold Forstner geschaffen und der Skulpturenschmuck in der Eingangshalle von Georg Leisek 1914/15. Die Keramiken stammen von den Gebrüder Schwadron. Der Hoteltrakt am Donaukanal wurde im 2. Weltkrieg schwer beschädigt (durch Bombentreffer und letzte Kriegshandlungen in Wien), das Bad dahinter blieb fast unbeschädigt erhalten. Die Hotelruine wurde 1963 demoliert, das danach noch 20 Jahre benutzte Bad (bis 30.4.1965) wurde erst 1965/66 abgerissen. Das 3. und 4. Dianabad wurde ums Eck in der Lilienbrunngasse 7-9 erbaut. Noch im Oktober 2020 wird das im Jahr 2000 errichtete 4. Dianabad endgültig geschlossen, darin die fünf großen Jugendstilmosaike und eine Brunnenfigur aus dem 2. Bad. Nun harren diese alten Ausstattungsstücke einer ungewissen Zukunft.

Das Dianabad auf Geschichte Wien Wiki: https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Dianabad sowie auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Dianabad_(Wien)

Fotogalerie historischer Aufnahmen (“Das rote Wien”): http://www.dasrotewien.at/seite/baeder-oeffentliche/galerie/hallenbaeder

Leiner (Wien): Trauer um Jugendstilgeländer aus 1912 – Für Versteigerung zerstückelt

1894/95 als “Warenhaus zur großen Fabrik” bzw. Warenhaus Stefan Esders an der Ecke Mariahilfer Straße 18, Karl-Schweighofer-Gasse 2 erbaut (Entwurf: Friedrich Schachner), war es das erste große Wiener Kaufhaus. Schon 1898 wurde es um ein Geschoß aufgestockt, und 1912 ersetzte man das ganze große Stiegenhaus durch eine neu hineingestellte(!), viergeschoßige Eisenkonstruktion, die nur noch bis Anfang Mai bestehen wird (Besichtigung 30.4. möglich; ORF-FERNSEHBEITRAG (2 min): “Jugendstil-Geländer wird versteigert”2-MIN-VIDEO). Die ausführende Baufirma war damals das bekannte Duo „Kupka & Orglmeister“. Das Geschäftshaus wurde 1964 von Leiner übernommen und blieb in seiner Grundstruktur bis heute erhalten.  Doch vor wenigen Tagen wurde – vorerst nur im Inneren – mit dem Abriss begonnen (die erhaltene Gründerzeitfassade an der Mariahilfer Straße 12-16 bleibt bestehen). Der Immobilien- und Handelskonzern, die Signa Holding GmbH wird bis Herbst 2024 im ehemaligen Leiner-Flaggschiff auf der Mariahilfer Straße ein Kaufhaus (https://mahi10-18.at) nach Vorbild des Berliner KaDeWe (Kaufhaus des Westens) samt Hotel und Park am Dach errichten. Herzstück des einstigen Geschäftshauses, das durch viele Umbauten im Laufe der Zeit stark verändert wurde (u.a. Vereinfachung der Fassade nach dem 2. Weltkrieg), ist das große Jugendstil-Geländer aus dem Jahr 1912. Diese Eisentreppe ist in Wien vermutlich in ihrer Größe einzigartig, nachdem z. B. das etwas ältere Hauptstiegenhaus im alten Warenhaus Gerngroß von 1904, in der Größe vergleichbar – 1979 durch Brand vernichtet wurde (Mariahilfer Straße 44-46). Diese  320 Meter Laufmeter des Geländers werden jetzt in 27 Stücke geschnitten und die Einzelteile werden auf der Auktionsplattform Aurena für einen guten Zweck (Wiener Hilfswerk) bis 5. Mai versteigert (Benefiz-Auktion: Jugendstil-Geländer). Am Freitag, 30. April (13 Uhr bis 15 Uhr) wird es eine Besichtigungsmöglichkeit vor Ort geben. Auch das Bezirksmuseum Neubau wird einen Teil des Jugendstilgeländers bekommen. In den sozialen Medien wird über die Zerstörung des Stiegengeländers getrauert. Seitens des neuen Eigentümers wurde betont, dass das Haus nicht unter Denkmalschutz steht und das Geländer auch nicht aus der Erbauungszeit 1894/95 stammt. Unser Verein Initiative Denkmalschutz hatte bereits 2019 mit Bedauern auf den bevorstehenden Verlust dieses Jugendstilgeländers hingewiesen. Georg Scherer hatte noch im Februar auf seinem WienSchauen-Blog für einen Erhalt des Gebäudes samt Rekonstruktion der historischen Fassade plädiert: “Leiner-Haus: Verpasste Chance”ORF-BERICHT LESEN: https://wien.orf.at/stories/3100389 (“Leiner-Geländer wird versteigert”)

Youtube-Video (Drohnenflug Michael HiernerAurena): “Jugendstil Geländer”  im Leiner-Gebäude: https://www.youtube.com/watch?v=WRyobQgJBC0

ORF-FERNSEHBEITRÄGE: Jugendstil-Geländer wird versteigert (2 min): https://tvthek.orf.at/profile/Wien-heute/70018/Wien-heute/14089711/Jugendstil-Gelaender-wird-versteigert/14904564 (Wien Heute, 21.4.2021) +++ Baustart für das Wiener KaDeWe (2 min): https://tvthek.orf.at/profile/Wien-heute/70018/Wien-heute/14089585/Baustart-fuer-das-Wiener-KaDeWe/14904033 (20.4.2021)

Das Leiner-Kaufhaus, Mariahilfer Straße 18, 1070 Wien

Das Leiner-Kaufhaus in der Mariahilfer Straße 18, Foto: Okt. 2019, (c) Erich J. Schimek / Initiative Denkmalschutz

1. Februar 2021, WienSchauen
Leiner-Haus: Verpasste Chance:
Der „Leiner“ in der Mariahilfer Straße wird abgerissen – trotz des erst 2018 verschärften Gesetzes gegen Hausabbrüche und trotz Schutzzone: https://www.wienschauen.at/leiner-haus-verpasste-chance-mariahilfer-strasse. Ein neues Kaufhaus nach Plänen eines weltberühmten Architekturbüros wird an der Stelle des geschichtsträchtigen Altbaus errichtet. Dabei hätte das traditionsreiche Gründerzeitgebäude alles, was es für ein spannendes Wiener Kaufhaus braucht. Doch die Chance, dem Leiner-Haus seinen alten Glanz wiederzugeben, ist nicht genutzt worden.

Jugendstilgeländer, ehem. Leiner, 1070 Wien

Das Jugendstilgeländer im Detail, vor seiner Versteigerung, Mariahilfer Straße 18, Foto: Signa/Michael Hierner

22. April 2021, APA-OTS
Offizielle Presseaussendung der Auktionsplattform: Aurena GmbH: Leiner Mariahilferstraße: Jugendstil-Geländer kommt unter den Hammer. Zum Abschluss eines der größten Auktionsprojekte Österreichs wird mit dem Treppengeländer nun eine besondere Rarität für den guten Zweck versteigert: https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20210422_OTS0018

Warenhaus Esders, Mariahilfer Straße 18, 1070 Wien

Historisches Foto des Warenhaus Esders, Foto: unbekannter Fotograf, Wien am Anfang des 20. Jh.

Weitere Medienberichte:

23. April 2021, Krone
Jugendstil-Juwel: Leiner-Haus: Wiener trauern um historische Stiege: https://www.krone.at/2396616

22. April 2021, Die Presse
Leiner-Haus: Historisches Treppengeländer wird versteigert: https://www.diepresse.com/5969735/leiner-haus-historisches-treppengelander-wird-versteigert

22. April 2021, Krone
„Jetzt geht es los“: Benkos Pläne für das Kika/Leiner-Haus: https://www.krone.at/2396081

21. April 2021, MeinBezirk
Mariahilfer Straße: Ehemaliger Leiner wird im Mai abgerissen: https://www.meinbezirk.at/neubau/c-lokales/ehemaliger-leiner-wird-im-mai-abgerissen_a935245

20. April 2021, ORF
Leiner-Haus wird abgerissen und zum KaDeWe: https://wien.orf.at/stories/3100133

20. April 2021, Kurier
Baustart für Benkos “KaDeWe Wien” – Leiner wird abgerissen. Riesiges Projekt in der Wiener Mariahilfer Straße: Ab Mai starten die Abrissarbeiten: https://kurier.at/wirtschaft/baustart-fuer-benkos-kadewe-wien-leiner-wird-abgerissen/401357213

20. April 2021, Die Presse
Leiner-Haus wird ab Mai abgerissen und weicht “KaDeWe Wien” (APA): https://www.diepresse.com/5968567/leiner-haus-wird-ab-mai-abgerissen-und-weicht-kadewe-wien

13. Jänner 2021, ORF
“Studio 2”: Wiener Kaufhauskultur verliert das Leinerhaus (Fernsehbeitrag, 4:56 min)

Initiative Denkmalschutz in den Medien:

3. Oktober 2019, Kurier
KaDeWe: Das sagen Experten zum Neubau. Aus dem Leiner der Mariahilferstraße wird ein Warenhaus nach Berliner Vorbild. Experten loben vor allem Dach und Fassade des Neubaus in Neubau: https://kurier.at/chronik/oesterreich/kadewe-das-sagen-experten-zum-neubau/400637384

12. August 2019, MeinBezirk
Mariahilfer Straße: Initiative Denkmalschutz schlägt Alarm wegen Leiner: https://www.meinbezirk.at/neubau/c-lokales/initiative-denkmalschutz-schlaegt-alarm-wegen-leiner_a3565320

Wien: Die verlorenen Josef Hoffmann-Villen im 18. u. 19. Bezirk

Im Rahmen der ORF-Serie “Verlorenes Erbe” (im Vorabendprogramm in “Studio 2”) wurden diesmal zerstörte oder stark veränderte Villen des berühmten Jugendstil-Architekten und Gründer der Wiener Werkstätten, Josef Hoffmann präsentiert: Die 1906 erbaute und 1970 abgerissene Villa für den Schriftsteller Richard Beer-Hofmann gegenüber vom Türkenschanzpark in der Hasenauerstraße 59 (Ecke Joseph-Kainz-Park, 18. Bezirk), siehe Foto anbei bzw. auf photowien.weebly.com. Nur die Einfriedung hat sich bis heute erhalten, siehe Google Maps.  Im 19. Bezirk auf der Hohen Warte hat Josef Hoffmann gleich für mehrere Künstler eigene Häuser entworfen. Diese existieren heute noch oder wurden – leider zum Negativen – stark verändert. Zum Beispiel wurde die Villa Hochstetter in der Steinfeldgasse 7 bis zur Unkenntlichkeit umgebautEbenso zerstört bzw. bis zur Unkenntlichkeit umgebaut wurde auch das Haus Henneberg in der Wollergasse 8. Die Villa Brauner in der Geweygasse 11 wurde von Bomben im 2. Weltkrieg zerstört und durch einen Neubau ersetzt. Die Inneneinrichtungen der Villen landeten zum Teil bei Antiquitätenhändlern und tauchen heute noch vereinzelt auf Kunstauktionen auf. Erfreulich ist, dass noch fünf Villen auf der Hohen Warte bestehen, u. a. die restaurierungsbedürftige und unter Denkmalschutz stehende Villa Ast in der Steinfeldgasse 2. ORF-FERNSEHBEITRAG (9.7.2020) ZUM NACHSEHEN (5 MIN): https://tvthek.orf.at/profile/Studio-2/13890037/Studio-2/14057898/Verlorenes-Erbe-Hofmann-Haeuser/14727810 +++ Der Architekt Josef Hoffmann mit Werkverzeichnis und Fotos seiner Häuser auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Hoffmann_(Architekt) +++ Josef Hoffmann mit umfassenden Werkverzeichnis im Architektenlexikon: http://www.architektenlexikon.at/de/234.htm.