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Palais Erzherzog Rainer (Wien): Abgerissen 1957

Unter dem Titel “Der Schatz im Beserlpark” gab es in der Reihe “Verlorenes Erbe” im ORF-Nachmittagsfernsehen (“Studio 2”) wieder einen Blick zurück auf abgerissene Baujuwele. Diesmal ging es um das Palais Erzherzog Rainer (ehem. Palais Engelskirchen) in der Wiedner Hauptstraße 63 (Schönburgstraße 1, Rainergasse 18), das 1957 abgerissen wurde. “Schatz im Beserlpark” deshalb, weil letzte bauliche Reste des Palais (steinere Fenstergewände der barocken Winterreitschule vom berühmten Barockarchitekten Johann Bernhard Fischer von Erlach) in einem kleinen Wiener Park als “Beserlparkbehübschung” gelandet sind und noch heute bestaunt werden können. Bei der barocken Winterreitschule wurde der Denkmalschutz aufgehoben, das Palais selbst stand wegen der Umbauten im 19. Jh. nicht unter Denkmalschutz. Nachdem Semperit dort Ende der 1950er-Jahre seine Firmenzentrale baute, befindet sich heute dort das Hochhaus der Wirtschaftskammer Österreich. Prof. Martin Kupf, Restaurator und Vizepräsident der Österreichischen Gesellschaft für Denkmal- und Ortsbildpflege, gibt einen Rückblick auf seine Erlebnisse beim Abriss (das Logo dieser Gesellschaft zeigt diese barocke Winterreitschule). Ein historischer Türflügel konnte ebenso gerettet werden und befindet sich heute in einer privaten Künstlerwohnung in Wien. ORF-FERNSEHBEITRAG NACHSEHEN (6 min): https://tvthek.orf.at/profile/Studio-2/13890037/Studio-2/14056439/Der-Schatz-im-Beserlpark/14719831 +++ Das Palais Erzherzog Rainer auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Palais_Erzherzog_Rainer. +++ Das Engelskirchnerpalais auf Wien Geschichte Wiki: https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Engelskirchnerpalais bzw. auf “Planet Vienna”: http://www.planet-vienna.com/spots/Palais/engelskirchner/engelskirchner.htm +++ Historische Ansichten/Fotos (Wikipedia): https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Palais_Erzherzog_Rainer?uselang=de +++ LITERATURTIPPS: Edgard Haider, Verlorenes Wien, Adelspaläste vergangener Tage, Böhlau Verlag 1984 (Seite 134-139), siehe: https://www.historia-animata.net/b%C3%BCcher/verlorenes-wien. bzw. der Abbruch des Palais Rainer mit der Denkmalschutzaufhebung, in: Dieter Klein, Martin Kupf, Robert Schediwy: Wien. Stadtbildverluste seit 1945. Ein Rückblick auf fünf Jahrzehnte, siehe Seite 263 f.: https://books.google.at/books?id=sk4faeM5flgC&pg=PA263&lpg=PA263&dq=winterreitschule+fischer+von+erlach+palais+wien&source=bl&ots=Sz9-aArR1e&sig=ACfU3U3jF1EJ4AHbwCKYelWMhI9vha0yBw&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwiwyKGv_p3qAhVPQhUIHatWDwk4ChDoATAAegQICRAB#v=onepage&q=winterreitschule%20fischer%20von%20erlach%20palais%20wien&f=false.

Verlorenes Erbe (Wien): Rothberger Warenhäuser, Haas-Haus, Stephansdom-Brand

In der ORF-Serie “Verlorenes Erbe” wurden diesmal die Rothberger-Warenhäuser sowie die Brandursache des Stephansdoms behandelt. Die Rothberger Warenhäuser standen bis zum Brand in den letzten Kriegstagen 1945 direkt gegenüber des Stephansdom-Riesentores am Stephansplatz (ehemals  Nr. 9 und 11, heute Stephansplatz 9 und 10). (Jüdischer) Bauherr war Jakob Rothberger, erbaut von den berühmten Theater-Architekten Ferdinand Fellner und Hermann Helmer (Büro Fellner & Helmer) 1884/85 (Stephansplatz 9) sowie 1893/95 (Stephansplatz 11). Die beiden Rothberger-Häuser flankierten das schmale, zentrale Krannerhaus, mit dem sie eine symmetrische städtebauliche Einheit bildeten. Das so genannte Krannerhaus (Anton Kranner’s Sohn, Wäsche und Ausstattungen) wurde bereits 1879/80 von Ferdinand Fellner und Hermann Helmer erbaut. Die strenghistoristische Fassade in nordischen Neorenaissance-Formen war mit einem hohen, volutengeschmückten Giebel abgeschlossen.  Nach schweren Kriegsschäden erfolgte der Wiederaufbau 1948/49 und 1956, wobei das Haus Nr. 11 mit dem in Betonkonstruktion neu errichteten Haus Nr. 10 (ehem. Krannerhaus) verbunden wurde (Architekt Josef Becvar). Umbauten bei weitgehender Verwendung der alten Bausubstanz, beide Nebenstiegen der Rothberger-Häuser sind erhalten. Auch das Haas-Haus (Foto), eines der ersten Warenhäuser in Wien  fiel 1945 dem Brand zum Opfer (erbaut 1865-67, Architekten August Siccard von Siccardsburg und Eduard von der Nüll). +++ Zu den Warenhäusern spricht im ORF-Beitrag der Denkmalschutzexperte und Buchautor Andreas Lehne, zum Dombrand kommen Restaurator Martin Kupf, die Historikerin Annemarie Fenzl sowie der Dombaumeister Wolfgang Zehetner zu Wort. Ausführliche ORF-Doku zum Dombrand “Brandakte Stephansdom” (Video).  ORF-FERNSEHBEITRAG ANSEHEN (6 MIN): https://tvthek.orf.at/profile/Studio-2/13890037/Studio-2/14079847/Der-Mythos-vom-Dombrand/14846018 (27.1.2021, “Der Mythos vom Dombrand”) +++ “Brandakte Stephansdom – Rekonstruktion einer Katastrophe” (45 min; Youtube): https://www.youtube.com/watch?v=uK5QT5IQCD4

Literatur / Quellen:

Andreas Lehne, Wiener Warenhäuser 1865-1914, Wien 1990, Seite 124 – 129 (Warenhaus der Teppichfirma Philipp Haas und Söhne), Seite 136 – 139 (Warenhaus Anton Kranner) und Seite 144 – 149 (Warenhaus Jakob Rothberger)

Paul Kortz, Wien am Anfang des 20. Jahrhunderts. Ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung. Zweiter Band, Wien 1906, Seite 361 ff.

 

Verlorenes Erbe (Wien): Der prachtvolle Heinrichhof gegenüber der Oper (1945-54 zerstört)

In der sehenswerten TV-Serie „Verlorenes Erbe“ im ORF2-Vorabendprogramm (“Studio 2”) wurde am 9.2.2021 der berühmte Heinrichhof behandelt. Bis 1945/54 stand gegenüber der heutigen Staatsoper eines der prachtvollsten Zinspalais’ der Ringstraßenzeit, der so genannte Heinrichhof (oft auch Heinrichshof genannt; Opernring 1-5). Der prunkvolle Ringstraßenbau wurde 1861-1863 vom berühmten Ringstraßenarchitekten Theophil Hansen erbaut und von Wilhelm Doderer 1870 als “schönstes Zinshaus der Welt” bezeichnet. “Theophil Hansen (…) schuf mit dem Heinrichhof das erste monumentale Wohnhaus in repräsentativer Lage, das nach völlig neuen Stil- und Gliederungsprinzipien entworfen war. Die meisterhafte Gruppierung der Baukörper, eine stark ins Plastische gesteigerte Textur sowie die raffinierte Abstimmung der Farben und der Einsatz der Malerei bewirkten einhelliges Lob und wurden von den zeitgenössischen Architekten als ungeheure Herausforderung empfunden, die in zahlreichen in der Folge entstandenen Neubauten ihren Niederschlag fand” (Zitat Martin Kupf, S. 114). Im berühmten Cafe Heinrichhof, das 1911 vom Architekten Otto Prutscher neu gestaltet wurde, verkehrten berühmte Künstlerpersönlichkeiten, wie z.B. der Sänger Leo Slezak, der oftmals spontan einsprang, wenn ein Sänger gegenüber in der damaligen Hofoper plötzlich ausgefallen war. Beim Großangriff am 12. März 1945 wurde der Heinrichhof von drei Bomben getroffen und brannte zum größeren Teil aus. Die Fassaden gegen den Ring und die Kärntner Straße waren weitgehend unbeschädigt geblieben. Der so beschädigte Heinrichhof wurde vom Bundesdenkmalamt sogar noch unter Denkmalschutz gestellt (mündliche Mitteilung). Eigentümer des Heinrichhof war die Familie Drasche-Wartinberg. Frau Valerie Drasche setzte sich für die Erhaltung des Gebäudes ein, doch die Mehrheit der Familie strebte eine Gewinnmaximierung durch Abbruch und Neubau an. Nach weiteren Witterungsschäden wurde die Ruine 1951 schließlich als “Sicherheitsrisiko” eingestuft, sodass es im Dezember 1951 zur behördlichen Aufforderung zum Totalabbruch eines Teils des Komplexes kam. 1954 schließlich erfolgte der Gesamtabbruch. Das Bundesdenkmalamt machte lediglich die Abnahme und gesicherte Verwahrung von zwei Wandgemälden Carl Rahls zur Bedingung. Heute steht an seiner Stelle der so genannte Opernringhof, der 1955-56 nach Plänen von Carl Appel, Georg Lippert und Alfred Obiditsch erbaut wurde. ORF-FERNSEHBERICHT ANSEHEN (6 MIN): https://tvthek.orf.at/profile/Studio-2/13890037/Studio-2/14081354/Das-Opernball-Cafe-Heinrichshof/14854695 (9.2.2021, ORF 2, ‘Studio 2’, “Das Opernball-Café Heinrichshof”)

Linktipps:

Der Heinrich(s)hof:

– auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrichshof_(Wien)

– auf Wien Geschichte Wiki: https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Heinrichshof

Literatur:

Dieter Klein, Martin Kupf, Robert Schediwy, Stadtbildverluste Wien – ein Rückblick auf fünf Jahrzehnte, Wien 2004 (aktualisierte Neuauflage), Seite 114 – 118

Julius Fleischer: Monumenta deperdita. Zum Abbruch des Heinrichhofs, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege. Hrsg. Bundesdenkmalamt. Band 7. Horn, Wien, München 1953, S. 32 f.

Wilhelm Doderer, Die Bauthätigkeit Wiens I, in: Zeitschrift für bildende Kunst 5, Leipzig 1870, Seite 337