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Verlorenes Erbe (Wien): Philipphof am Albertinaplatz 1945 durch Bomben zerstört

In der sehenswerten TV-Serie „Verlorenes Erbe“ im ORF2-Vorabendprogramm (“Studio 2”) berichtete Rupert Reiter-Kluger am 31.3.2021 über den Philipphof am Albertinaplatz. Dieser war ein sehr repräsentatives Großwohnhaus und wurde 1882-84 vom bekannten Architekten Karl König erbaut. Geplant als Zierer-Hof am damaligen Albrechtsplatz, wurde er recht rasch zu Philipp-Hof umbenannt, beides Namen, die auf den Auftraggeber, den österreichischen Bankier Philipp Zierer zurückgehen. Im Hauptgeschoß des Hauses befanden sich die Räumlichkeiten des bekannten Jockeyklubs. Seit 1866 gab es diesen Herrenclub nach englischer Art in Wien (alles rund um den Galopprennsport). Er war ungefähr das Nobelste was man sich vorstellen kann. In seiner Glanzzeit, als er direkt hinter der Oper im Philipphof zuhause war, hat sich dort die High Society getroffen. 1911 kam das Gebäude in den Besitz des kaiserlichen Familienfonds. Beim Bombenangriff auf Wien am 12. März 1945 wurde der Philipphof in Schutt und Asche gelegt. Das Haus war so stark zerstört, dass eine vollständige Bergung der vielen Toten nicht möglich war. Die Bauruine wurde im Oktober 1947 gesprengt. Aus Respekt vor den vielen Opfern, die bis heute unter dem Platz begraben liegen, wurde dieser nicht mehr bebaut. Auch ein Grund für die Nicht-Bebauung könnten aber auch die Eigentumsverhältnisse gespielt haben, denn bis zur Enteignung 1919 und nach der Rückerstattung im “Ständestaat” von Kurt Schuschnigg 1936 gehörte der Philipphof bis 1938 dem kaiserlichen Familienfonds (danach Enteignung durch das NS-Regime). Die Zweite Republik stellte 1945 den Rechtszustand vor den beiden Diktaturen wieder her, das Areal befand sich somit neuerlich in österreichischem Staatsbesitz. Um vielleicht keine Rückgabeforderungen auszulösen bzw. weil man niemanden für eine in der Innenstadt erwünschte Platzerweiterung entschädigen musste, blieb das Grundstück unbebaut, so eine andere Theorie. ORF-FERNSEHBEITRAG ZUM NACHSEHEN (5 MIN): https://tvthek.orf.at/profile/Studio-2/13890037/Studio-2/14087194/Die-Geschichte-des-Philipphofss/14892313 (31.3.2021, ORF ‘Studio 2’, “Die Geschichte des Philipphofs”)

Der Philipphof
– auf Wien Geschichte Wiki: https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Philipphof
– auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Philipphof

Albertinaplatz 2012, Wien

Der heutige Albertinaplatz, an seiner Stelle stand bis 1945/47 der Philipp-Hof (Augustinerstraße 8 / Führichgasse 5 / Tegetthofstraße 19 / Albertinaplatz 1), Foto: Aug. 2012, (c) Gugerell, CC0, Wikipedia

Verlorenes Erbe (Wien): Villa Taussig 1931 abgerissen

In der sehenswerten TV-Serie „Verlorenes Erbe“ (von Rupert Reiter-Kluger) im ORF 2-Vorabendprogramm (“Studio 2”) wurde am 28.6.2021 die Villa Taussig am Fuße des Küniglbergs in Wien-Hietzing behandelt. Die Villa Taussig wurde ab 1894 vom damaligen Generaldirektor der Bodencreditanstalt Theodor Ritter von Taussig (1849-1909) erbaut. Geplant hatte die imposante Villenanlage aus der Gründerzeit mit seiner weitläufigen Gartenanlage, die entfernt an die ca. zehn Jahre früher erbaute Hermesvilla im Lainzer Tiergarten erinnert, der bekannte Architekt Karl König. Bis 1892 stand an deren Stelle die um 1830 erbaute Villa Malfatti, deren Erben diesen damals größten Privatbesitz in Hietzing an den Generaldirektor der Bodencreditanstalt verkauften. Die Villa Taussig war mit den damals neuesten technischen Errungenschaften der Zeit ausgestattet (unabhängige Wasser- und Energiezufuhr mittels Pumpwerk und Generator). Nach Taussigs Tod verkauften die 12 Kinder das Anwesen, denn keines der Kinder konnten die jeweils anderen auszahlen. 1931 wurde das repräsentative Anwesen abgerissen.

Villa Taussig, einstiger Standort, Wien

Die Umrisse der Villa Taussig sind im Generalstadtplan von 1912 gut ersichtlich (gleich oberhalb des Schriftzugs “Künigelberg” in der Mitte), überlagert vom aktuellen Stadtplan der Stadt Wien

Heute steht am Gelände der abgebrochenen Villa die denkmalgeschützte Malfattisiedlung, eine Arbeiter- und Angestelltenwohnhausanlage der Arbeiterunfallversicherung am Franz Schalk-Platz (erbaut 1930-32 im internationalen Stil vom Architekt Siegfried C. Drach). Unmittelbar oberhalb (südlich) der Häuser Franz Schalk-Platz 8-14 stand einst die prächtige Villa Taussig, deren Grundfläche noch heute mehr oder weniger erkennbar ist. Nur das Kutscherhaus (Gloriettegasse 49) und das Portiergebäude (Gloriettegasse 47) erinnern heute noch an den einstigen Glanz der Villa, stehen jedoch nicht unter Denkmalschutz (dafür in einer Schutzzone der Stadt Wien). Drei Generationen später hat die Familie am ehemaligen Standort des Schlosses wieder zusammengefunden, darüber berichten die beiden Urgroßenkerl Lili Gogela und Felicitas Eltz in einem ORF-Interview.

ORF-FERNSEHBEITRAG ZUM NACHSEHEN (6 MIN): https://tvthek.orf.at/profile/Studio-2/13890037/Studio-2/14097089/Verlorenes-Erbe-Ein-Schloss-bei-Schoenbrunn/14949087 (28.6.2021, ORF ‘Studio 2’, “Verlorenes Erbe: Ein Schloss bei Schönbrunn”)

Villa Taussig, Wien-Hietzing

Die Villa Taussig in Wien-Hietzing, Foto ca. 1900, (c) August Stauda, public Domain, Wien Museum Karlsplatz Sammlung

Linktipps:

Villa Malfatti / Villa Taussig (Hietzing.at): http://www.hietzing.at/Bezirk/geschichte2.php?id=279

Kutscherhaus (Gloriettegasse 49): https://www.thecoachmansresidence.com/de/die-residenz

Literatur:

Gerhard Weißenbacher, In Hietzing gebaut, Architektur und Geschichte eines Wiener Bezirkes, Band II, Wien 1998, Seite 61-66