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Klagenfurt (Ktn.): Alter Platz soll als Ensemble unter Denkmalschutz gestellt werden

Selten aber doch stellt das Bundesdenkmalamt ganze Häuserensembles unter Denkmalschutz. Nun erachtet das Denkmalamt den “Alten Platz” in der Altstadt von Klagenfurt als ein solches kulturhistorisch erhaltenswertes Ensemble. Der Alte Platz ist umgeben von 34 Bürgerhäusern, die zumeist auf das 16. Jahrhundert zurückgehen. 12 dieser Häuser sowie die Dreifaltigkeitssäule stehen bereits als Einzelobjekte unter Denkmalschutz, nun sollen auch die anderen Gebäude unter Schutz gestellt werden. Die Eigentümer wurden soeben von diesem Vorhaben informiert, sie können nun innerhalb von vier Wochen eine Stellungnahme abgeben und gegebenenfalls dagegen Einspruch erheben.  Laut dem Medium “5 Min.at” steigen bereits Händler und Eigentümer auf die Barrikaden, denn Wertverlust und Leerstände werden befürchtet. Das Bundesdenkmalamt ist jetzt um Beruhigung bemüht. Auch der Chef der Klagenfurter Stadtplanung, Robert Piechl, beruhigt: Das wird nicht so heiß gegessen, wie gekocht.” In Österreich gibt es derzeit rund 80 denkmalgeschützte Ensembles von unterschiedlicher Größe. In Kärnten wurden zuletzt die Ensembles Gmünd und Friesach unter Denkmalschutz gestellt. PS: Ein Ensembleschutz in der Innenstadt von Wien – wie der Kurier berichtet- ist unserem Verein nicht bekannt! (nur eine Schutzzone der Stadt Wien). KURIER-ARTIKEL WEITERLESEN (17.8.2020): https://kurier.at/chronik/oesterreich/der-alte-platz-wird-unter-denkmalschutz-gestellt/401002424 +++ Offizielle APA-OTS-Presseaussendung BUNDESDENKMALAMT (12.11.2019): “Unterschutzstellung des Ensembles „Klagenfurt – Alter Platz“ in Prüfung“: https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20191112_OTS0115 +++ Weitere Medienberichte: Eigentümer steigen auf die Barrikaden. Alter Platz: Haus­besitzer fürchten Zu­griff durch Denk­mal­schutz (5 min, 16.8.2020): https://www.5min.at/202008305091/alter-platz-hausbesitzer-fuerchten-zugriff-durch-denkmalschutz; Leserbrief: Die Auswahl des Alten Platzes alleine wäre diskriminierend” (17.8.2020): https://www.5min.at/202008305179/die-auswahl-des-alten-platzes-bedeutet-eine-diskriminierung +++ Ältere Medienberichte: “Alter Platz soll unter Schutz gestellt werden” (12.11.2019, ORF): https://kaernten.orf.at/stories/3021327; “Alter Platz in Klagenfurt soll zum Denkmal werden” (19.11.2019, Kurier): https://kurier.at/lifestyle/wohnen/alter-platz-in-klagenfurt-soll-zum-denkmal-werden/400678088; “Alter Platz unter Denkmalschutz” (13.11.2019, Ö24): https://www.oe24.at/oesterreich/chronik/kaernten/alter-platz-unter-denkmalschutz/405754796 +++ Der Alte Platz in Klagenfurt auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Alter_Platz_(Klagenfurt_am_W%C3%B6rthersee) +++ Denkmalliste Wikipedia (mit den 13 Einzelobjekten am Alten Platz, die bereits unter Denkmalschutz stehen): https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_denkmalgesch%C3%BCtzten_Objekte_in_Klagenfurt_am_W%C3%B6rthersee-Klagenfurt.

Boutique Rikki Reiner Klagenfurt (Ktn.): Kulturerbe von Günther Domenig (1983) zerstört

Im April 2021 wurde die 1983 vom berühmten österreichischen Architekten Günther Domenig entworfene Boutique Rikki Reiner in der Altstadt von Klagenfurt zerstört. Diese war im denkmalgeschützten Alten Rathaus (ehem. Palais Welzer) beheimatet (Alter Platz 1). Am 27. April geht diese traurige Kunde an die Öffentlichkeit. Die Plattform Stadtentwicklung Klagenfurt schreibt da auf Facebook:

NACHRUF AUF EIN KULTURDENKMAL
Günther Domenig (1934-2012), weltweit bekannter Architekt aus Kärnten, hat 1983 die Boutique Rikki Reiner am Alten Platz in Klagenfurt gestaltet. Pandemiebedingt haben wir erst jetzt bemerkt, dass dieses einzigartige und markante Kulturerbe zerstört wurde und einem Shopdesign weichen musste, das man auch reihenweise in den Cityarkaden findet. Das Haus steht unter Denkmalschutz, die Inneneinrichtung wie die legendären Umkleidekabinen und Tresen aus Beton scheinbar nicht. Dekonstruktivistische Architektur mag zwar nicht den Geschmack aller treffen, unbestreitbar ist, dass diese Boutique weltweit als Kunstwerk anerkannt und vielfach publiziert wurde. Ein architektonisches Kleinod in Klagenfurt, aber auch die Chance für das neue Modegeschäft, sich von der Konkurrenz abzuheben und einzigartig zu sein, fiel dem Presslufthammer und der Unwissenheit einiger zum Opfer. Bilder mit freundlicher Genehmigung von Michael Schuster, der die Boutique für Günther Domenig damals dokumentiert hat. Eine umfangreiche Dokumentation dieses Werks befindet sich im Archiv des Architekturzentrums Wien (AZW).

Boutique Rikki Reiner, Klagenfurt

Die Boutique Rikki Reiner in Klagenfurt (vor der Zerstörung; Entwurf Günther Domenig 1983), Foto: Michael Schuster

Über Günther Domenigs expressiven Baustil heißt es auf Wikipedia: “Domenigs Baustil hat verschiedene architektonische Strömungen seit den 1960er-Jahren wie Strukturalismus, Brutalismus und Dekonstruktivismus vorweggenommen und zum Teil entscheidend mitgeprägt. Sein Hauptwerk wird dem Dekonstruktivismus zugerechnet und ist zwischen Expressionismus sowie Poststrukturalismus angesiedelt.”

Otto Kapfinger über die Boutique Rikki Reiner auf Nextroom.at (Portal für Architekturvermittlung): https://www.nextroom.at/building.php?id=30307

Wir danken der Plattform Stadtentwicklung Klagenfurt sowie dem Fotografen Michael Schuster für die Übernahme von Text und Bild.

Boutique Rikki Reiner, Klagenfurt

Die Betonkabinen von außen, Boutique Rikki Reiner, Foto: Michael Schuster

Boutique Rikki Reiner, Klagenfurt

Boutique Rikki Reiner, Stiege in den Keller, Foto: Michael Schuster

PS: Da die Boutique Rikki Reiner kurz nach Veröffentlichung (1983) des bekannten Architekturführers von Friedrich Achleitners erbaut wurde (1984), findet sich kein Eintrag im so wichtigen Architekturbuch: Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert, Band II: “Kärnten, Steiermark, Burgenland”, Salzburg und Wien 1983. Dafür findet sich auf Seite 55 das Geschäft Frank (mit Foto) beschrieben, eine frühe Arbeit von Günther Domenig aus dem Jahr 1971/72. Adresse: Alter Platz 24 in Klagenfurt.

Ältere Medienberichte:

31. Mai 2017, ORF
Traditionsboutique Rikki Reiner in Konkurs. Das bekannte Traditionsunternehmen Rikki Reiner ist in Konkurs. Als Gründe werden Internethandel und geändertes Kaufverhalten genannt: https://kaernten.orf.at/v2/news/stories/2846500

24. Mai 2017, Kleine Zeitung
Rikki Reiner schließt nach 43 Jahren. Klagenfurter Unternehmer-Duo Rikki und Herbert Reiner legt „kreative Pause“ ein. Vor allem der Online-Handel hat dem Geschäft Umsatz weggenommen (Bezahlschranke): https://www.kleinezeitung.at/kaernten/klagenfurt/5223612/Klagenfurt_Rikki-Reiner-schliesst-nach-43-Jahren