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AKTUELLE BERICHTE
Frühhistoristisches Zinshaus am Donaukanal vor Abbruch
/ Berichte /Wien 1020, Leopoldstadt von IDM_adminWieder haben Abbrucharbeiten an einem bedeutenden Kulturgut begonnen. Das 1868 erbaute Zinshaus in der Oberen Donaustraße 61 mit reich gegliederter frühhistoristischer Fassade, Runderker, Pilastergliederung und Vierpfeilerstiege stammt noch aus der Epoche vor der Hochgründerzeit und ist ein bedeutendes und immer rarer werdendes Beispiel eines gut erhaltenen Baudenkmals aus dieser Epoche in Wien (11 Jahre zuvor wurde das Nachbarhaus aus 1863 abgerissen). Wenige Häuser entfernt endet die Schutzzone im 2. Bezirk. Das Haus befindet sich direkt neben der U2-Station Schottenring am Donaukanal und liegt schräg hinter dem Schützenhaus von Otto Wagner und somit an sehr prominenter und einsichtiger Stelle. Das Denkmalamt hat das Gebäude bis dato nicht unter Denkmalschutz gestellt, doch bleibt zu hoffen, dass es noch aktiv wird und den Abbruch stoppt. Initiative Denkmalschutz verlangt großzügige Ausdehnung der Schutzzonen Es zeigt sich immer öfter und deutlicher, dass die derzeitigen Schutzzonen Wiens viel zu klein bemessen und große Bereiche Wiens mit reichem Denkmalbestand aus der Gründerzeit, und damit Stadtbild prägend, davon ausgenommen sind. Die Stadt Wien muss sich ihrer eigenen Verantwortung für das Stadtbild stärker bewusst werden. Die Initiative Denkmalschutz verlangt daher eine großzügige Ausdehnung der Schutzzonen, wie sie bereits seit langem angedacht ist, aber bisher kaum umgesetzt wurde. So wurde bereits 1996 dieses Gebiet mit hoher Wahrscheinlichkeit als schutzzonenwürdig befunden (vgl. „Schutzzonenmodell Wien“ (Schutzzonenplan) auf www.wien.gv.at), jedoch nicht als solche ausgewiesen. Wie viele Baudenkmäler müssen noch abgerissen werden, bis die Politik endlich handelt? Genau das gleiche Problem gibt es aktuell beim Haus Boltzmanngasse 21 (Alserbachstraße 12) im 9. Bezirk. Auch dieser Gründerzeitbau soll abgerissen werden, auch dieses Gebiet ist schon lange als mit hoher Wahrscheinlichkeit schutzzonenwürdig ausgewiesen. Hier hat die Bezirkspolitik noch einen letzten Rettungsversuch gestartet und – hoffentlich nicht zu spät – eine Schutzzone vorgesehen. Fotos: Obere Augartenstraße 61 (Herminengasse 2), Wien-Leopoldstadt (2. Bezirk) Fotograf: Markus Landerer, Initiative Denkmalschutz, 13. Dezember 2006 und 11. August 2008 Literatur: Dehio-Handbuch, Wien, II.-IX. und XX. Bezirk (Die Kunstdenkmäler Österreichs; Hrsg. Bundesdenkmalamt), S. 33, Wien, 1993 Rückfragehinweis: Claus Süss Mobil-Tel.: 0676/ 740 43 27 (oder 0699 / 1024 4216) Verein ‚Initiative Denkmalschutz‘ Streichergasse 5/12 1030 Wien ZVR-Nr.: 049832110
Baumwollspinnerei Teesdorf in Gefahr
/ Presseaussendungen /Niederösterreich / Baden bei Wien von IDM_adminHistorische Industriearchitektur gehört heute zu den am meisten bedrohten Denkmälern. Im niederösterreichischen Industrieviertel, an der Wiege der österreichischen Industrialisierung, stehen noch so manche Zeugen – oder sollte man sagen: Reste – einer einst reichen Industriekultur, vieles davon steht leer und verfällt zusehends. Erst vor wenigen Wochen wurde ein Teil der weltberühmten Arbeitersiedlung Marienthal Opfer des Abrisses (vgl. IDMS-Meldung vom 21. Mai), nun scheint ein weiteres Industriedenkmal akut bedroht: die ehem. Spinnerei in Teesdorf. Das noch erhaltene Hauptgebäude der Fabrik mit seinem markanten Wasserturm wurde 1906-10 als früher Stahlbetonskelettbau nach Plänen des bedeutenden Industrieplaners Bruno Bauer errichtet. Der Bau ist nicht nur ein erstrangiges Beispiel für die Anfänge des modernen Industriebaus (und damit des modernen Bauens überhaupt) in Österreich, er ist zugleich Wahrzeichen der Gemeinde Teesdorf und letztes greifbares Zeugnis dessen über 200jähriger Tradition als Industriestandort. Im Jahr 1803 gegründet, prägte "die Fabrik" das Schicksal der Gemeinde. Darüber hinaus haben zwei Ereignisse rund um die Teesdorfer Spinnerei auch übergeordnete kulturgeschichtliche Bedeutung: 1856 kam es hier zur ersten Gründung einer Arbeiter-Konsumgenossenschaft. Und von 1906-26 war Hermann Broch, später als Literat einer der bedeutendsten Romanautoren des 20. Jahrhunderts, Assistenzdirektor (bzw. Geschäftsführer) der von seinem Vater erworbenen Fabrik. An Hermann Broch erinnern in Teesdorf ein Denkmal und ein kleines Museum, das im Gemeindeamt untergebracht ist. Die Stätte seines Wirkens aber, die Fabrik, harrt heute einer ungewissen Zukunft. Seit die Spinnerei 1993 ihre Pforten geschlossen hat, sind die flächenmäßig größten Teile der Fabrik – darunter die ältesten Bauteile aus dem frühen 19. Jahrhundert und die Arbeiterwohnhäuser – 1997 abgerissen und neu bebaut worden. Der Eigentümer des Areals, die Linz Textil AG verkaufte großteils an Wohnbaugesellschaften, die auf dem Gelände Reihenhäuser errichteten. Das ehem. Herrenhaus, in dem die Spinnerei-Verwaltung untergebracht war, wurde erst kürzlich wenig behutsam in ein Wohnhaus umgebaut. Gleichzeitig wurde das ehem. E-Werk (Kesselhaus) der Fabrik, das zeitgleich mit dem Hauptbau errichtet wurde und mit einer bemalten Jugendstildecke (einer – lt. Gerhard A. Stadler – "bemerkenswerten Rarität") versehen war, dem Erdboden gleich gemacht. Zu befürchten steht, dass auch dem mittlerweile stark heruntergekommenen Hauptbau dieses Schicksal droht, zumal dem Vernehmen nach Teesdorf´ Bürgermeister einem Abriss nicht mehr negativ gegenüber steht. In der Vergangenheit geäußerte Absichten und Pläne, das Fabriksgebäude in die Neubebauung zu integrieren und zur Atriumwohnanlage umzubauen, scheinen ad acta gelegt. Dazu kommt, dass der Denkmalstatus des Gebäudes derzeit offenbar ungeklürt ist. In Felixdorf wurde erst kürzlich die ebenfalls der Linz Textil gehörende Spinnerei samt ihrer historischen Bauteile abgerissen, die Teesdorfer Fabrik mit ihrer einmaligen architektonischen und historischen Bedeutung darf diesen Weg nicht gehen. Fotos: Wolfgang Burghart (Initiative Denkmalschutz) Rückfragehinweis: Markus Landerer Mobil-Tel.: 0699 / 1024 4216 Verein ‚Initiative Denkmalschutz‘ Streichergasse 5/12 1030 Wien ZVR-Nr.: 049832110 Literatur: – König, Doris: Die Baumwollspinnerei in Teesdorf/Niederösterreich. Historische Analyse und Revitalisierung zu einem Kommunikationszentrum. Diplomarbeit (TU Wien), Wien 2000 – Gerhard A. Stadler: Das industrielle Erbe Niederösterreichs. Geschichte – Technik – Architektur. Wien 2006, S. 777-780 – Wehdorn, Manfred und Georgeacopol-Winischhofer, Ute: Baudenkmäler der Technik und Industrie, Band 1, 1984, S. 232f. – Dehio Niederösterreich – Südlich der Donau (Hrsg. Bundesdenkmalamt), Teil 2 (M–Z), 2003, S. 2312f.. Links: – Architekt Bruno Bauer (Biographie und Werkverzeichnis) – Baumwollspinnerei Teesdorf (auf: www.abenteuer-industrie.at)



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