Beiträge

Verlorenes Erbe (Wien): Hotel Metropol, 1945 zerstört

In der sehenswerten TV-Serie „Verlorenes Erbe“ (von Rupert Reiter-Kluger) im ORF 2-Vorabendprogramm (“Studio 2”) wurde am 25. Februar 2022 die das Hotel Metropol in der Wiener Innenstadt beim Schwedenplatz vorgestellt. ORF-FERNSEHBEITRAG (5 MIN): https://tvthek.orf.at/profile/Studio-2/13890037/Studio-2/14125712/Das-Wiener-Hotel-Metropol-im-Portraet/15113201

Das Hotel Métropole, auch Hotel Metropol, war ein Luxushotel und das damals größte Hotel in Wien. Es lag ursprünglich an einem kleinen Park am Franz-Josefs-Kai 31-33 am Donaukanal. Es wurde 1871 bis 1873 von den Architekten Ludwig Tischler (Planung) und Carl Schumann (Ausführung) errichtet. 1938 zum Gestapo-Hauptquartier auserkoren, wurde das Gebäude am Ende des 2. Weltkriegs (1945) stark beschädigt, und die Hausruine wurde schließlich nach 1948 abgerissen. Heute steht an Stelle des Hotels der „Leopold-Figl-Hof“, eine acht- bis zwölfgeschoßige Wohnhausanlage, die 1963 bis 1967 nach Plänen des Architekten Josef Vytiska erbaut wurde.

In Vorbereitung der Wiener Weltausstellung 1873 hat man in Wien beschlossen, fünf neue Hotels zu erbauen, dazu zählte u. a. das Hotel Austria (Schottenring 11; 1945 zerstört), sowie das Hotel Britannia am Schillerplatz 4 (heute nicht mehr als Hotel genutzt), erzählt Elisabeth Boeckl-Klamper, Metropolexpertein und Buchautorin („Gestapo-Leitstelle Wien 1938-1945„) im ORF-Interview. Der Kai war damals Teil der Ringstraße und als Prachtbouvelvard gestaltet. Das Hotel wurde einen Monat vor Eröffnung der Wiener Weltausstellung in Betrieb genommen, es war ein First-Class Hotel mit prachtvoller Innenausstattung (u. a. mehrere Säle).

Hotel Metropol, Festsaal, Wien

Festsaal im Hotel Metropol, ca. 1911, Foto: Kunstdruckerei Moriz Frisch, Public domain, CC0 1.0, Wikipedia

Die Urenkelin der letzten Geschäftsführerin, Marianne Schulze erzählt: Wegen der Nähe zum 2. Bezirk, dem Zentrum des jüdischen Lebens in Wien, gab es damals viele jüdische Festlichkeiten im Hotel. Das Hotel hatte auch eine Straßenfront mit einer Art Shopping-Mal entlang des Franz-Josefs-Kai mit 60 Geschäften. Elisabeth Boeckl-Klamper erzählt: In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war eines dieser Lokale eine Niederlassung von der Textilfabrik von Moritz Zweig, dem Vater vom berühmten Schriftsteller Stefan Zweig. Das letzte Werk von Stefan Zweig war bekanntlich die Schachnovelle, die er schon im Exil in Brasilien geschrieben hat, und da spielt das Hotel Metropol in der Nazi-Zeit in dieser Novelle eine besondere Rolle. 1938 war das Hotel Metropol eine der allerersten Immobilien, die von den Nazis beschlagnahmt wurden. Es wurde das Gestapo-Hauptquartier. Marianne Schulze, Urenkelin der letzten Geschäftsführerin erzählt über die Familiengeschichte, wie ihre 19jährige Großmutter noch schnell die Korrespondenzen verbrennen musste und erfolglos versucht hat den Familienschmuck zu retten (vgl. „Drei Möbel aus dem Metropole„). Die Familie flüchtete nach Australien. Heute ist das Hotel Metropol bedauerlicher Weise aus dem Gedächtnis der Wiener Bevölkerung so gut wie getilgt. In dem 1948 gedrehten berühmten britischen Spielfilm „Der dritte Mann„, der im zerstörten Wien spielt, ist in einer Einstellung die gespenstische Hausruine des ehemaligen Gestapo-Hauptquartiers zu sehen.

ORF-FERNSEHBEITRAG (5 MIN): https://tvthek.orf.at/profile/Studio-2/13890037/Studio-2/14125712/Das-Wiener-Hotel-Metropol-im-Portraet/15113201 (ORF Studio 2, ‚Das Wiener Hotel Metropol im Porträt‘, 25.2.2022)

Verlorenes Erbe (Stmk): Der Knaushof in Fehring

In der sehenswerten ORF „Studio 2“-Serie „Verlorenes Erbe“ (von Rupert Reiter-Kluger) im Vorabendprogramm (ORF 2) wurde am 2. April 2026 der vollständige Verfall des Knaushofs in Fehring in der Oststeiermark behandelt.

ORF-FERNSEHBEITRAG ZUM NACHSEHEN (5 MIN): https://on.orf.at/video/14317432/16065160/lost-place-knaushof-in-fehring

Der 300 Jahre alte Knaushof (vulgo Lipp), 1979 unter Denkmalschutz gestellt, stand noch bis zur Jahrtausendwende auf einer entlegenen Anhöhe in der Gemeinde Fehring in der Oststeiermark. Das Bundesdenkmalamt stellte das strohgedeckte Bauernhaus aus dem 17./18. Jahrhundert mit der Begründung unter Denkmalschutz, dass der Vierseithof ein Unikum von hohem volkskundlichen und architekturgeschichtlichen Wert sei. Das Institut für Baukunst der TU Graz bezeichnete den Hof als den letzten in dieser formalen Geschlossenheit im südsteirischen Raum. In einem ORF-Fernsehbeitrag von 1979 sieht man die Bewohner des Gehöfts, das Ehepaar Alois und Emilie Knaus bei der Arbeit. Noch 1992 wurde der Knaushof im Jahresbericht des Landeskonservators (Bundesdenkmalamt) als „positives Ergebnis in der Erhaltung ländlicher Objekte durch Mithilfe der Denkmalpflege“ bezeichnet (Zitat aus „Zeitschrift des Vereins für Steiermark“, 1993). 1993 starben die Bewohner des Knaushofes, und ab da ging es rasch bergab. Kurt Deutschmann vom (Südoststeirischen?) Verein für Heimatkunde machte 1999 in einem ORF-Interview Vorschläge zur Rettung des aus Lehm, Stein und Holz erbauten Gehöfts (Adresse: Burgfeld 16). Der damalige Bürgermeister Herbert Weinrauch bedauerte ebenso in einem Interview von 1999 den Verfall des Hofes und prognostizierte dessen baldiges Ende; er sollte recht behalten. 2014 standen nur noch wenige Ruinenreste des Gehöfts, wie ein Foto für die Denkmalliste auf Wikipedia zeigt, und 2021 schließlich wurde der Knaushof aus der Denkmalliste des Bundesdenkmalamtes gestrichen.

Quellen / Links:

ORF „Studio 2″ (2.4.2026): „‘Lost Place’: Der Knaushof in Fehring“: https://on.orf.at/video/14317432/studio-2-vom-02042026

– Der Knaushof in der „Liste der denkmalgeschützten Objekte in Fehring“ auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_denkmalgesch%C3%BCtzten_Objekte_in_Fehring

– Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark Jahrgang 84 (1993), Seite 313 und 319: https://www.historischerverein-stmk.at/wp-content/uploads/Z_Jg84_Denkmalpflege-in-der-Steiermark-1992.pdf